Bang Your Head !!! - Festival 2007
22.6.2007 (Erster Tag) Balingen / Messegelände
By Roger W. (Rog), Nicole B. (Nic) & Rockslave (Rsl) - All Pics by Rockslave
Adramelch
Dieses Jahr hatten Adramelch die Ehre, das "Bang Your Head!!!" 2007 zu eröffnen. Wer diesen Namen noch nie gehört hat, dem sei hier kurz geholfen. Bei der Truppe handelt es sich um eine Melodic Metal Band mit schwach progressiven Einflüssen aus Italien. Es gelang ihnen, 1988 mit ihrem Debüt-Album im Untergrund etwas Aufsehen zu erregen, bevor sie wieder in der Versenkung verschwanden und sich erst 2005 mit dem Zweitwerk zurück meldeten. Soviel zur Bandgeschichte. Wie machten sie sich aber auf der BYH!!!-Bühne? Obwohl für Freitagmorgen schon beachtlich viele Leute vor der Bühne standen, floppten die ersten Anfeuerungsrufe des Sängers und anstatt der gewünschten "Hey, hey"-Rufe kam aus dem Publikum erst einmal gar nichts auf die Bühne zurück. Für Adramelch war dies offenbar ein kleiner Schock, denn sie verloren dadurch bereits die meiste Motivation, welche sie auf die Bühne mitgebracht hatten. Dazu kam, dass auch ihr sehr durchschnittlicher Power Metal beim Publikum nicht viel reissen konnte. Zwar bauten die Italiener gelegentlich unerwartete Tempiwechsel, arhythmische Teile und geile, nach vorne drückende Instrumentalparts in ihre Songs mit ein, doch konnten diese leider nicht vom allgemein powerlosen Sound ablenken, welcher ziellos vor sich hindümpelte. Etwas besser strukturierte und auf den Punkt gespielte Songs hätten da schon einiges gutgemacht, doch leider war davon keine Spur zu hören. Dass sich Sänger und Frontmann Vittorio Ballerio sehr schleppend und der Rest der Gruppe fast gar nicht bewegte, setzte dem Auftritt noch vollends die Loser-Krone auf. Das Resultat waren gelangweilte Gesichter und Anstandsapplaus, sodass ob dem traurigen Bild schlussendlich selbst dem Himmel die Tränen kamen.(Nic)


Wolf
Dass sich das Wetter immer verspätet, ist klar, aber dass es fast eine satte Stunde brauchte, um zu entscheiden, dass der Auftritt von Adramelch zum heulen war, war dann doch nicht fair. Denn die Bestraften hiessen dadurch Wolf aus Schweden. Sie schafften es leider nicht, den Wettergott zu trösten und ihn davon abzuhalten, in Strömen zu weinen (äh, zu regnen). Und dieser Gott der Wolken liess alles raus - so sehr, dass die an sich wetterfeste Metal Factory Crew vor den Sintfluten ins Trockene flüchtete und so leider fast den ganzen Auftritt verpasste. Immerhin gab es bei den ersten drei Liedern noch eine Gnadenfrist, welche von den vier Wölfen optimal genutzt wurde, um einen äusserst positiven Eindruck zu hinterlassen. Ihr Sound, der irgendwo zwischen Iron Maiden und Metallica angesiedelt ist, kam mit grossem Engagement im Publikum an. Gerade der kurzhaarige Bassist Mike Goding nutzte den Platz voll aus und betrat immer wieder den Laufsteg in der Mitte der Bühne. Aber auch der Rest der Band zeigte, zu was eine junge, hungrige Band fähig ist. Lieder wie "Bite" und "Wolf's Blood" unterstützten das Optische und machten definitiv Appetit auf mehr. Und um das Absurdum des Tages noch abzuschliessen, hörte es dann exakt mit dem Ende des 40-minütigen Auftritts auf zu regnen. Echt fies! Da muss wohl mal jemand mit jemandem ein ernstes Wörtchen reden! (Rog)

Nachtrag: Manchmal spielt nicht nur das Wetter verrückt, sondern ebenfalls das Schicksal, welches Bands zusammenhält. Zwei Wochen nach dem BYH!!! gab Wolf Bassist Mike Goding seinen Austritt bekannt. Schade! Wieso es dazu gekommen ist, erfahrt ihr auf der offiziellen Band-Homepage.


Girlschool
Dass ich die britische Allgirl Rockband schlechthin eines Tages noch auf der BYH!!!-Bühne sehen würde, hätte ich echt nicht gedacht. Als ich vor über einem Vierteljahrhundert, damals noch jung und knusprig, mit meiner von Aufnähern übersäten Jeans-Jacke breitbeinig durch die Gassen zog, waren Girlschool eine echt heisse Nummer. Unterstützt und gefördert durch Motörhead Chef Lemmy, konnten einige Erfolge eingefahren werden. Die ersten vier Alben zwischen 1980 und 1983 sind auch heute noch Kult und gehören keinesfalls in den Fundus von Brockenstuben-LPs. Der räudige und leicht punkige Sound putzt alleweil noch jeden Gehörgang frei. Drei Viertel des Ur-Lineup's, nämlich Denise Dufort (d), Kim McAuliffe (g) und Enid Williams (b), ergänzt durch die zweite Gitarristin Jackie Chambers (seit 2000 dabei) zündeten dann sogleich ein nostalgisches Rock-Feuerwerk mit "Hit & Run" und "Screaming Blue Murder". Vor allem Bassistin Enid legte sich voll ins Zeug, während sich Kim mit Jackie gekonnt in Pose warf und dabei ein paar ganz passable Soli ablieferte. Die Party-Mucke verströmte auf jeden Fall gute Laune, was das zuvor durchnässte Publikum mit ordentlichem Applaus honorierte. Auch wenn es technisch nicht so hochstehend zu und her ging, überwog stets die Freude und der Spass an der Sache. Freilich präsentierten sich die angejahrten Mädels locker und eingespielt, sodass man am Schluss getrost vom bisher besten Auftritt des Tages sprechen konnte. In diese Freude mischte sich drei Wochen später tiefe Trauer, denn Gitarristin und Gründungsmitglied Kelly Johnson starb am 15. Juli 2007 an Wirbelsäulenkrebs. Rest in peace Kelly! (Rsl)


Praying Mantis
Nach dem restlos überzeugenden Auftritt von Girlschool war es für Praying Mantis kein Einfaches, den Erfolg der Frauentruppe halten zu können. Die Nachfolger der Engländerinnen zeigten sich motiviert und spielfreudig und versuchten, mit ihrem Birchermüsli aus klassischem Heavy Metal der NWoBHM, Hard Rock, etwas Rock'n'Roll und 70ies Rock der Marke Uriah Heep, die Stimmung im Publikum weiter anzuheizen. Anfangs taten sie sich mit diesem Vorhaben allerdings ziemlich schwer, denn auf die Anfeuerungsrufe erhielten sie fast keine Reaktion und auch bei den Mitsingspielchen beteiligten sich nur wenige Zuschauer. Eigentlich schade, denn die Engländer verstanden es durchaus, ihre Songs, wie etwa "Can't See The Angels", mit wunderschönen Refrain-Melodien und zweistimmigen Gitarrensoli à la Iron Maiden auszuschmücken. Auffallend im Songaufbau der gestandenen Herren war auch das häufige Wechselspiel zwischen Dur und Moll, wobei besonders die Mollteile in den Refrains für eine angenehme Melancholie sorgten. Einziger Nachteil der Truppe war der, dass ihre Melodieführungen etwas zu belanglos wirkten und somit zu wenig fesseln konnten. Es fehlte allgemein ein bisschen an Druck und Power im Sound, weshalb sich auch das Publikum deutlich zurückhaltender zeigte, als noch zuvor bei Girlschool. Mit der kurzen Anspielung von Queens "We Will Rock You" versuchten die Briten, diese Situation etwas zu korrigieren ? mit Erfolg! Schlussendlich wurden sie von den Zuschauern im Pit vorne sogar zu einer Zugabe aufgefordert. (Nic)


Lethal
Es gibt nicht so viele Bands, die schon nach nur einem Album Kultstatus erlangen. Lethal haben dies aber 1990 mit ihrem überragenden Debüt "Programmed" erreicht. Das ist insofern erstaunlich, als dass Queensrÿche exakt zu der Zeit mit "Empire" den kommerziellen Durchbruch geschafft hatten. Notabene mit Songmaterial, das eher nicht mehr auf der Linie von "Operation Mindcrime" war. Lethal sprangen da in die Bresche und beschwörten die alten Tage herauf, was vielen Oldschool Fans gefiel. Leider verschwand diese Top-Band viel zu früh wieder von der Bildfläche und kam erst 2006 wieder in die Gänge. Im Mai 2007 legte man am "Keep It True" Festival einen Hammer-Auftritt hin, der Folgen hatte. Nämlich die, dass Lethal als Ersatz für Steelheart ins Billing des BYH!!! aufgenommen wurden. Es kam gar noch besser, denn die Amis traten am Donnerstag, zusammen mit der Neuentdeckung Age Of Evil, Onslaught und Vicious Rumors an der Club-Show in Hechingen auf. Aufgrund einer Verletzung konnte Gitarrist Eric Cook leider nicht mit von der Partie sein. Sein Bruder Glen am Sixstring Bass, Gitarrist David McElfresh, Sänger Tom Mallicoat und Drummer Jerry Hartman lieferten aber auch ohne ihn einen der besten Aufritte des ganzen Festivals ab. Allen voran Tom Mallicoat, der wohl weiltbeste Klon von Geoff Tate. Dabei kamen überwiegend Songs des Debüts wie "Fire In Your Skin" oder "Killing Machine" zu Ehren. Während die Band während des ganzen Auftritts sehr agil wirkte, übertrug sich das nur teilweise auf das Publikum. Nichtdestotrotz fiel der verdiente Applaus wenigstens immer lauter aus. Nach dem Konzert torkelten dann Tom und David, reichlich betrunken, über's Gelände und genossen die Atmosphäre in vollen Zügen. (Rsl)


Vicious Rumors
Dass Geoff Thorpe und seine Truppe 2007 nach dem Wetterdesaster von 2005 nochmals randurften, freute viele Fans. Obwohl verkaufstechnisch nie zu den ganz Grossen zählend, gehören Vicious Rumors seit je her zu den besten Vertretern ihres Fachs und sind einfach eine hammergeile Band. Spätestens mit dem Einstieg von Sanges-Gott James Rivera (Helstar, Ex-Seven Witches) ist das Lineup stärker denn je. Mainman Geoff lebt in der Tat für den Metal, so wie es sein umgebrachter Freund Dimebag Darrell (Pantera - R.I.P.) auch immer tat. Dazu kommt, dass Mr. Thorpe ein sehr bodenständiger und äusserst fanfreundlicher Musiker ist, der sich jedem einzelnen Fan gegenüber dankbar für das Interesse an Vicious Rumors zeigt, sich locker unter die Leute mischt und keinerlei Berührungsängste kennt. Diese positive Energie, die offensichtlich auch nach der Hechinger Club Show noch reichlich vorhanden war, liess den diesjährigen Auftritt zum erwarteten Ereignis werden. Dem Rechnung tragend, verzogen sich auch die Wolken zunehmend, sodass die Sonne, begleitet von etwas Bise, alsbald wieder prächtig vom Himmel runter schien. "Digital Dictator", "Sonic Rebellion", "Immortal", "March Or Die", "Hellraiser" oder "Mr. Miracle" wurden mit vollem Einsatz zum Besten gegeben. Besonders Drummer Larry Howe bangte sich zu seinem ohnehin druckvollen Spiel fast die Rübe vom Hals runter. Der gute James Rivera leistete sich derweil zwei Schnitzer, indem er einerseits den Titel des neuen Albums bei einer Ansage "plötzlich nicht mehr wusste" und andererseits den Text zum Oldie "March Or Die" offensichtlich ablesen musste. Das konnte das überzeugende Gesamtbild, trotz teils windverwehtem Sound, freilich jedoch kaum bis gar nicht schmälern. (Rsl)


Evergrey
Deutschland hat Schweden heute vor einem Jahr an der Fussball-WM geschlagen. Aber offenbar hat es ihnen nichts ausgemacht, denn sie sind schon wieder da! Eigentlich müsste man ihr neustes Album "Monday Morning Apocalypse" umtaufen in "Friday Morning Apocalypse"! Mit diesen Worten wurden Evergrey am diesjährigen "Bang Your Head!!!" begrüsst, zusammen mit einem kräftigen Publikumsapplaus. Mit der Eröffnungsnummer "Blinded" gaben die Schweden gleich mächtig Gas und bangten, was das Zeug hielt. So konnten sie bereits während des Openers den vorderen Teil der Zuschauer mitreissen und sie zum Klatschen, Bangen und Mitsingen animieren. Überhaupt gab sich der Fünfer von Anfang an spielfreudig und auch eine kurze Soundpanne konnte der guten Laune der Band nichts anhaben. Plötzlich versperrte dann eine riesige Riffwand meinen Ohren den weiteren Weg durch den Evergrey-Auftritt. Klarer Fall, es handelte sich bei dem Soundbrett um den Titeltrack des 2003 erschienen Werkes "Recreation Day". Dass dieser Song nicht ganz unbekannt ist, bewies das Publikum mit einer kleinen Stimmungssteigerung sowie mit vereinzelten Mitsingaktionen. Danach wurde es mit "A Touch Of Blessing" wieder etwas ruhiger, aber dafür noch ein Stückchen geiler. Evergrey servierten während ihrer 55 Minuten Spielzeit allen Prog-Fans einen Gaumenschmaus, doch muss ich sagen, dass sie mich letzten Endes nicht ganz so überzeugten wie am Earthshaker Fest 2006. Irgendwie hatte ich trotz aller Spielfreude den Eindruck, dass die Herren aus dem hohen Norden etwas mit angezogener Handbremse spielten. Oder kam dieses Gefühl nur von den ziemlich verschwommenen Soundeinstellungen? Ihr dürft selbst entscheiden, was Euch lieber ist! (Nic)


Dark Tranquillity
Am Freitag hiess es Schweden-Alarm! Nachdem bereits die Heavy Metaller Wolf und die Prog-Fetischisten Evergrey beim Publikum punkten konnten, war es nun an den Götheborgern Dark Trinqulillity, den Härtegrad anzuziehen, um so zu Amon Amarth überzuleiten. Und es klappte ziemlich gut. Nach einem kurzen sphärischen Intro ging es gleich fulminant los. Besonders Fronter Mikael Stanne suchte sofort den Kontakt mit dem Publikum während er mal singend, aber meist schreiend umherlief. Trotzdem hatten Dark Tranquillity erst Mühe, mit ihrem an In Flames erinnernden Melodic Death Metal das eher auf klassischen Metal eingestellte Publikum zu überzeugen. Dies gelang erst allmählich mit Songs wie "The Lasser Faith" und "The Treason Wall", welche schon mit beachtlichem Applaus belohnt wurden. Ab "Final Resistance" hatten die Schweden dann endgültig gewonnen und konnten mit dem Death Pop Song "Misery's Crown" die Ziellinie endgültig und erfolgreich zugleich überschreiten. (Rog)


Thunder
Was wäre passender, als ein Thunder Konzert mittels dem Intro namens "Thunderstruck" von AC/CD ab Band zu eröffnen? Schlicht nichts! Da es hier aber nicht um die Australier, sondern um die Briten geht, wurde dieser Klassiker ziemlich schnell ausgeblendet und die Band stieg in ihr eigenes Set ein. Dieses konnte sich durchaus sehen wie hören lassen und zog auch Thunder-Neulinge in seinen Bann. Hard Rock mit Hammond-Orgel Klängen und einer zeitlosen Stimme war angesagt und Balingen schunkelte vergnügt mit. Bei einem Frontmann wie Danny Bowes blieb einem aber auch gar nichts anderes übrig. Ständig, also auch während des Singens, schien er mit dem Publikum zu kommunizieren, trieb es zu vergnügten Sing-Spielchen an und riss coole Sprüche. Ein Entertainer durch und durch. Und einer, der bei ausgesuchten Liedern auch Mundharmonika spielt(e). Ein guter Fronter macht aber natürlich noch keine ganze Band aus, und so wurde er durch die ruhigeren Mitstreiter tatkräftig unterstützt. Mit "The Devil Made Me Do It" vom neuen Album wurde bereits viel zu früh die erste Zugabe gespielt. Als danach auf die Frage, wer das neue Album habe, fast niemand seine Hand erhob, meinte der Sänger nur, dass wir es in diesem Falle unbedingt kaufen müssten. Ob jemand der Aufforderung folgte, bleibt dahin gestellt. Tatsache ist, dass Thunder mit "Dirty Love" vom ersten Album "Backstreet Symphony" eine gelungene Hard Rock Show mit hohem Unterhaltungswert beendeten. Mehr davon! (Rog)


Amon Amarth
Die bärtigen Amon Amarth waren die erste Truppe am "Bang Your Head!!!" 2007, welche mit einem eigenen Bühnenaufbau aufwarteten. Und was dies ausmachen kann, zeigten mir die Melodic Death Metaller mit ihren Wikinger-Texten im Verlaufe ihres Auftritts sehr eindrücklich. Losgelegt wurde mit einem satten Soundgewitter und Feuerwerk, was die Publikumsstimmung natürlich bereits ein erstes Mal anhob. Dazu kam viel Bewegung, plus die konstante Dauerrotation der Haare sämtlicher Bandmitglieder ? mal sehr schön synchron im Kreis wirbelnd (alle in dieselbe Richtung, versteht sich), mal alle den eigenen Bangstil demonstrierend. Es war eine wahre Freude, den Jungs zuzusehen und ich wette, sie würden in einem Headbanging-Contest den ersten Preis gewinnen! Weiter ging es mit "Death In Fire", welches, ganz dem Titel getreu, durch vier Feuersäulen begleitet wurde ? grosses Kino. Um eine gewisse Abwechslung in die Musik zu bringen und auch um das Publikum zu fordern, spielten die Nordmänner gelegentlich mit Taktwechseln oder langsameren Tempi und streuten zwischendurch ausgedehnte Gitarrenteile in ihre Songs mit ein. Gerade die Tempiwechsel in gemächlichere Gefilde liessen die Ohren ab und zu verschnaufen, bevor mit Melodie-Riffing im Dreifach-Galopp wieder voll auf den Putz gehauen wurde. Bei "Fate Of Norns" klatschte die Meute schliesslich bereits bis zum Mischturm hinten voll mit und Frontschreier Johan Hegg dankte es ihr mit einem artigen ?Dankeschön?. Damit, wie auch mit den teils in Deutsch gehaltenen Ansagen, gewann die Band weitere Sympathiepunkte. Dazu stellte sie während der Show zwei Puppen mit Kriegswaffen und Kettenhemden auf die Bühne, erhöhte die Feuersäulen von vier auf bis zu zehn Stück und beendete ihren Auftritt mit Dauerfeuerwerk am Bühnenrand vorne, was noch mehr Pluspunkte zur Folge hatte. Frage: Kann eine solche "Böse-Buben-Band" wie Amon Amarth wirklich derart viele Sympathiepunkte sammeln? Ja, sie kann, und sie hat - völlig gerechtfertigt! Für mich waren sie, zusammen mit Girlschool, sogar der Höhepunkt des Tages! (Nic)


Heaven & Hell
Vor noch gar nicht mal so langer Zeit hätte die Ansage, dass man dieses Lineup überhaupt erst wieder zusammen spielen sieht und dann noch als Headliner am BYH!!! für schallendes Gelächter gesorgt. Jubiläen haben aber so die eigene Art an sich, dass sich Altgedientes oftmals wieder findet und sich nochmals aufrafft. So geschehen bei Black Sabbath, der Heavy Metal Legende schlechthin. Wenn auch und verständlich dazu stark mit Ozzy und später mit Tony Martin verbunden, sorgte Ronnie James Dio vor mehr als einem Vierteljahrhundert mit seinem Einstieg bei Riffmaster Tony Iommi und Co. zwischen 19080 und 1982 für zeitlose Songs bis hin in alle Ewigkeit. Die Alben "Heaven & Hell", "Mob Rules" und "Live Evil" sind allesamt unsterbliche Klassiker. Fünfzehn Jahre nach der letzten Zusammenarbeit mit dem völlig unterbewerteten Album "Dehumanizer" und der Tour dazu, tritt die gleiche Besetzung, ergänzt um Bassist Geezer Butler und Drummer Vinnie Appice nochmals an, um diese Zeit erneut und wohl auch zum letzten Mal aufleben zu lassen. Das Ganze hätte vielleicht auch floppen können, doch daran dachte kaum jemand. Während der laufenden Live-Aktivitäten kam die DCD "The Dio Years" heraus, wo nebst dem "Best-of" Programm mit "The Devil Cried", "Shadow Of The Wind" und "Ear In The Wall" auch drei erfreulich gute, neue Songs vertreten sind. Aus vertraglichen Gründen musste das Unternehmen allerdings unter der Flagge Heaven & Hell gestartet werden. Das störte bisher aber kaum jemanden, denn das gehört zu Black Sabbath wie der Teufel zur Hölle. Etwas von dieser Aura umgeben, fühlte man sich gegen 21.25 Uhr, als die Band unter dem Jubelgeschrei der Meute auf die Bühne kam. Bereits der Opener "Mob Rules", gefolgt von "Children Of The Sea" liess die Stimmung rasch ansteigen. Auch "I", als einer der zwei heute Abend gespielten Songs von "Dehumanizer" vermochte restlos zu überzeugen. In Anbetracht dessen, das der gute Ronnie mittlerweile etwa 65 Jahre (!) alt ist, steckt seine Hammerstimme immer noch praktisch jeden Jungspund locker in die Tasche. Unterstützt durch ein entsprechend düsteres Bühnenbild, pfefferte Tony seine unnachahmlichen Riffs mit Ur-Gewalt in die tobende Menge. Man konnte die Augen getrost schliessen und wähnte sich glatt in einer anderen Zeit! Wohl denen, die dabei waren, denn sowas wird es kaum mehr geben. Der einzige neue Song "Shadow Of The Wind" kannte dabei absolut keine Berührungsängste zu all den vorgetragenen Klassikern im Multipack! Die Schluss-Triplette mit "Die Young", einer ellenlangen und saugeilen Version von "Heaven & Hell" sowie dem abschliessenden "Neon Nights" ging der erste Tag des BYH!!! Ausgabe 2007 würdig zu Ende. Wer Iommi & Co. lieber als Samstags-Headliner hätte sehen wollen, dem sei an dieser Stelle (nochmals) gesagt, dass es terminlich schlicht nicht möglich war. Dabei sein war jedoch, wie gesagt, alles! (Rsl)

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