CD-Reviews Dezember 2014
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
KHAØS - Risen
MRRecords
Die schweizerischamerikanische Freundschaft begann erst im Sommer 2012 und mündete Ende Jahr bereits in der (nur digital erhältlichen) EP «Rising». Die positiven Reaktionen darauf bestärkten die neu formierte Truppe darin, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Dabei war es zunächst so, dass Gitarrist Mark Rossi erstmal alleine mit einigen Ideen, sprich Songs, im Studio von Rolf Munkes (Empire, Majesty, Tony Martin) ankam und dieser ihm Chandler Mogel, der sich zuvor mit Outloud bereits einen Namen gemacht hatte, als Sänger empfahl. So wanderten die ersten Track-Files also digital nach Griechenland. Was Chandler (dort gerade mit Outloud auf Tour) da zu Gehör bekam, gefiel ihm sehr und so sagte er spontan zu. Danach, auf Empfehlung von Ex-Gotthard und Ex-U.D.O.-Klampfer Jgor Gianola, stiess ausserdem N I c Angileri (b) hinzu, gefolgt von Trevor Franklin (d), den Mark von früher her kannte, als beide noch bei Tribal spielten. Beflügelt durch die optimale Ausgangslage entstanden zwölf neue Songs, die nun das Debüt-Langeisen «Risen» (reimt sich das nicht schön?!) zieren. Auf den Spuren von Alter Bridge wandelnd und teilweise mit einem Hauch Düsterheit versehen, haben Khaøs zwölf Rock-Perlen eingespielt, die alles von weich über hart bis mitunter metallisch abdecken. Die Wahl von Chandler Mogel erweist sich dabei als Volltreffer! Seine wandelbare wie ausdrucksstarke Stimme passt perfekt zum Sound von Khaøs. Allerdings hätte ich eher das härtere «Crisis Factor» anstatt «After The Silence» als Opener gewählt. Die Hauptgesangslinie erinnert mich hier und überhaupt immer wieder mal an Circle II Circle, respektive Zak Stevens.

Auf jeden Fall geht das Teil schon mal auf Anhieb ins Ohr. Gleiches gilt für die hammermässige Halbballade «Exalted», die sogleich für eine wohlige Wärme (im Herz) sorgt, die Mädels reihenweise zum Schmelzen bringen wird und hierbei Chandlers Mega-Stimme erneut brillieren lässt. «Loaded Question» steht danach für Groove wie Abwechslung und lässt durch die wuchtige Produktion die Tassen im Küchenschrank erzittern. Die Instrumentierung sprich Produktion von Master Munkes ist fett, Mark Rossis Gitarrenarbeit vom Feinsten und der Gesang wiederum top! Wenn man davon spricht, dass Leadvocals wie ein weiteres Instrument agieren, dann ist «End Of Dayz» das beste Beispiel dafür. Obergeil auch, wie hier der zweite härtere Teil nahtlos anschliesst, um danach wieder zum Hauptthema zurück zu kehren! Khaøs verstehen es überzeugend, wie auch beim grandiosen «Merchants Of Khaos», Melodie und Härte zu Kombinieren. Diese Mischung, angereichert mit moderndüsterem Riffing, gelingt auch bei «Ride The Chain» vorzüglich, wo gar noch ein paar Metalcore-Shouts auftauchen. Die wahre Stärke von Chandler Mogel offenbaren derweil nicht nur die lauten, sondern auch die leiseren Parts, wie man beim stimmigen sowie rockenden «Hung The Moon» nachhören kann. Überhaupt zieht sich die "laut/leise"-Thematik wie ein roter durch das ganze Album hindurch und sorgt so für beste Abwechslung. Keiner der zwölf Songs fällt merklich ab (ok, die Sprechgesang-Parts beim Rausschmeisser «The Breathing Room» sind womöglich etwas gewöhnungsbedürftig), und stets packt einen neben der Musik der permanent wie saumässig gute Gesang von Chandler Mogel. Man höre sich nur mal das grossartige «As Far As We Go» an. Gänsehaut pur, garantiert! Wer vor allem auf Sound aus der Ecke von Alter Bridge und Konsorten steht, kommt an «Risen» keinesfalls vorbei!
Rockslave  

Punkte: 9.3 von 10
KAIPA - Sattyg
InsideOut Music
Die Band um den Keyboarder Hans Lundin ist was ganz besonderes. Verzaubern die Schweden doch mit jedem ihrer nun 12 Studioalben und ihrem verspieltem Prog Rock die Zuhörer immer wieder aufs Neue. Und das liegt auch an der Zauberhaften Stimme von Sängerin Aleena Gibson, die schon Ähnlichkeit hat mit der süssen Tracy Hitchings von Landmarq. Die Musik lebt und macht einfach Spass, anzuhören, zu leben und zu geniessen. Wunderbare Gitarrensoli erzählen Geschichten und duellieren sich mit tollen Keyboards. Morgan Agren spielt fantastische Drums dazu und Jonas Reingold legt souveräne Basslines dazu. Ich würde sagen: Prog Rock in Perfektion! Auch die Longtracks "A Map Of Your Secret Worlds" (15 Min.), "Screwed Upness" (13 Min.), "A Sky Full Of Painters" (14 Min.) und "Without Time - Beyond Time" (10 Min.) verlieren sich nie in öden Instrumental-Schlachten, sondern bauen immer wieder Spannungen auf und halten die Songs spannend. Es ist genau diese ganz besondere Verspieltheit, die mich so fasziniert bei Kaipa. Auf ein spannendes Gitarrensolo folgt eine zauberhaft gespielte Flöte, die sich wieder abwechselt mit der Gitarre, und so vergehen die 15 Minuten viel zu schnell und man will und muss die Repeat-Taste drücken. Ich habe selten eine Band gehört, die Prog Rock so intensiv, gefühlvoll und in einem Guss spielt. "Sattyg" ist eine Entdeckungsreise durch die wundervolle Welt des Hans Lundin und seiner musikalischen Gefährten, Musik auf höchstem Niveau, die den Zuhörer in eine ganz besondere Welt entführt und derer man sich nicht entziehen kann, wenn man darin gefangen ist, ganz gross.
Crazy Beat  

Punkte: 9.3 von 10
MESSIAH'S KISS – Get Your Balls Out
Massacre Records/Musikvertrieb
Mike Tirelli ist zurück!!! Bekannt geworden durch Jack Starr’s Burning Starr und Holy Mother veröffentlicht der kräftige Schreihals nun die vierte Messiah’s Kiss-Scheibe. Nach einer sieben Jahre langen Pause hat der Shouter nichts von seinen magischen Stimmbändern verloren. Im Gegenteil. Noch immer vibrieren die Glasscheiben und stehen kurz vor dem Zerbersten wenn Mike singt. Musikalisch klingt zumindest der Opener „Living In Paradies“ wie ein verborgen gebliebener Juwel vom Film „Rock Star“. Dieses Feeling geht nahtlos weiter beim zweiten Track „Immortal Memory“. Die Gitarren rauchen (Georg Kraft und Jason Banks) und solieren sich zu den Mark erschütternden Schreien von Mike, die Finger wund. Hier wird noch geiler, zeitloser US-Metal geboten, der sich einen Scheiss um Trends oder moderne Tunes kümmert. Den Songs darf man noch Metal sagen, ohne dabei rot im Gesicht zu werden. Das Statement von Mike „Wir haben nicht versucht das Regelbuch neu zu schreiben, aber vielleicht haben wir eben genau das gemacht!" trifft den Nagel auf den Kopf. Vielleicht gerade weil die 14 Tracks (zwei mehr auf der limitierten Digi-Pack) so traditionell klingen, ist „Get Your Balls Out“ so frisch geworden. „Rescue Anyone? Rescue Me!“ beinhaltet als Anspieltip alles was dieses Werk ausmacht und wird durch „Survivor (Take A Ride On My Heels)“ super abgerundet. Messiah’s Kiss brauchen jetzt nur noch eine Tour, um sich beweisen zu können, damit Tracks wie „Mission To Kill“ und „Without Forgivness“ die nötige, flächendeckende Aufmerksamkeit bekommen. Das Cover, welches ein bisschen in seiner Art an die letzte Accept-Scheibe erinnert, geht mit seinem muskulösen Stier noch einen Schritt weiter und wer sich hier gegen diese Scheibe verwehrt, bekommt es echt mit dem Metal-Reinheitsgebot zu tun. Kaufen!!!
Tinu  
Punkte: 9.0 von 10
PRIMORDIAL – Where Greater Men Have Fallen
Metal Blade/Sony Music
In der inzwischen mehr als 25-jährigen Karriere haben Primordial trotz ihrer Klasse nie an die kommerziellen Erfolge von Szenegrössen wie Ensiferum oder Eluveitie anknüpfen können. Dass ihre Musik für die fröhlich hüpfenden, Met trinkenden und felltragenden Pagan Metaller wohl etwas zu düster ist, zeigte sich auch auf der Paganfest-Tour 2008. Den Auftritt von Primordial nahmen damals viele zum Anlass, ihre Nikontin- und Promillereserven aufzustocken. Nach Abflauen des Pagan-Booms zeigt sich jetzt, dass sich Qualität auf die Dauer doch durchsetzt. Nachdem das 2011 veröffentlichte Album "Redemption At The Puritan's Hand" erstmals den Charteinstieg im deutschsprachigen Raum schaffte, liegt nun mit "Where Greater Man Have Fallen" ein weiteres Meisterwerk vor. Die dunklen, hymnischen, oder wie im Falle von 'The Seed Of Tyrants' auch mal ziemlich monoton prügelnden Kompositionen werden in einer Authentizität dargebracht, wie dies im erweiterten Pagan Metal Zirkus nur selten anzutreffen ist. Was Alan Averill mit seiner Mimik und Gestik live an Ausdruck auf die Bühne zaubert, kriegt er dank seiner Stimmgewalt auch auf eine Scheibe gepresst. An die Intensität der aktuellen Songs sind in diesem Jahr wohl nur gerade jene von Sólstafir herangekommen. Bei so viel Qualität mag man auch darüber hinweg schauen, dass der Anfangsriff von 'Babels Tower' schwer an Mayhem's 'Freezing Moon' erinnert. Nachdem sich die Herren nun auch privat wieder gefunden haben, dürfte die Band auch auf Europas Bühnen wieder etwas häufiger anzutreffen sein.
Patricia L.  

Punkte: 9.0 von 10
BLOODBATH – Grand Morbid Funeral
Peaceville Records/Irascible
Meine Fresse… Einfach nur meine Fresse! Nach dem ewigen Hin und Her zwischen Michael Akerfeldt und Peter Tägtgren war ja der Posten am Mikrofon der als Supergroup verschrieenen Truppe eine zeitlang verwaist – bis vor wenigen Monaten das blutige Grabtuch gelüftet und das Geheimnis enthüllt wurde, wer denn nun der neue Frontmann werden sollte: Niemand Geringeres als Nick Holmes, seines Zeichens berühmt/berüchtigter Frontmann der englischen Kings of Sorrow, Paradise Lost, wird die Morbidität über die Menschheit bringen! Nun, nach dem ersten paar Mal durchhören von der ersten Auskopplung „Unite In Pain“ hing mein Kiefer schräg nach unten – aber nicht vor Schrecken, sondern vor Begeisterung und auch sachte Unglauben: DAS ist Nick Holmes? Derjenige, welcher seit vielen Jahren praktisch nicht mehr gegrowlt hat, mal abgesehen von den Neu-Aufnahmen der Tracks „Gothic“ und „Our Saviour“ – vielleicht ist dies ein Vorzeichen gewesen, eine Ahnung dessen, was noch kommen mag? Wie auch immer: „Grand Morbid Funeral“ macht absolut keine Gefangenen, in keiner Sekunde. Nur schon der Opener „Let The Stillborn Come To Me“ macht klar, woher der Wind auf dem Henkersberg weht: Bloodbath geben alles und brettern los, während ‚Old Nick‘ losbrüllt, als wäre das letzte Stündchen des Hörers endgültig angebrochen. Nebenbei bemerkt: Wenn Michael Akerfeldt mehr den seriösen Killer und Peter Tägtgren den blutüberströmten, irren Killer gemimt hat, dann ist Nick Holmes irgendwo dazwischen einzuordnen – kauzig und bitterböse growlt/schreit er sich durch die 11 Tracks und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass nun endgültig Sense ist.

Mit dem Zitat „Only Death Is Real“ bei „Total Death Exhumed“ hat man (vermutlich gewollt) eine Verbeugung vor den damaligen Genre-Vorreitern Celtic Frost bzw. dem Warrior gemacht, dessen Buch ja auch diesen Titel trägt. Gut, zurück zum Schlachtfest: Über die Machart und die Qualität müssen keine Worte verloren werden, denn hier regiert oberstes Niveau. Langsamere Stücke („Church Of Vastitas“, mit einem Warrior-typischen „Ugh!“) wechseln sich mit Brechern wie „My Torturer“ oder „Unite In Pain“ ab (welches überhaupt DAS Stück der Scheibe darstellt), Horror-Atmosphäre trifft auf Raserei… Aber war’s das? Alles in Blut und gut ist? Nun, leider nicht ganz, es gibt einen Punkt aus persönlicher Sicht zu bemängeln: Nick Holmes growlt/schreit zwar superb in den langsamen/mittleren Stücken, aber sobald das Tempo anzieht und er viel Text rezitieren muss, wirkt das eher wie, Verzeihung, rappen (hat er übrigens in einer niveaumässig höherstehenden Zeitschrift selber zugegeben). Da leidet dann eben auch das Hören darunter, sprich: Es wird alles mehr wie ein Brei, aus dem es sehr schwierig ist, die Details herauszuhören. Dies ist aber glücklicherweise nicht allzu oft der Fall, und spätestens beim titelgebenden Mörderstück „Grand Morbid Funeral“ kann Mister Holmes seine gesamte Bandbreite an Growls/Schreien bestens ausbreiten – wirkt extrem gut, wenn die Mitmusiker ihren Sound kurzfristig minimieren, Gänsehaut pur! Alles in allem aber stellt der neueste Output von Bloodbath ein extrem geiles, weil durchwegs gelungenes Werk an Tod, Zerstörung und Blasphemie dar. Wer auch nur sachte mit Death Metal etwas anzufangen weiss, der sollte, nein MUSS sich schon fast die Platte zulegen!
Toby S.  

Punkte: 9.0 von 10
CRIPPER - Hyëna
Metal Blade/Sony Music
Mit Hyëna legen die Hannoveraner Thrasher von Cripper ihr viertes Studioalbum vor, das erste, dass sie bei Metal Blade Records veröffentlichen. Das Quintett hat sich in den letzten Jahren einen Ruf als erstklassige Liveband erarbeitet - nicht nur auf Europatourneen mit Grössen wie Overkill und Onslaught, sondern auch mit Auftritten auf zahlreichen nahmhaften Festivals wie Summer Breeze, Metalfest, Metaldays Slowenien (da sogar schon fünf Mal), Wacken Rocks und vor allem der 70'000 Tons of Metal-Kreuzfahrt. Dass Crippers Qualitäten aber nicht alleine im Live-Bereich liegen, wird mit der neuen Scheibe wieder eindeutig bewiesen. Die elf Tracks sind oft im typischen groovigen, arschtretenden Cripper-Signature-Sound im Midtempo-Bereich gehalten, machen aber auch Ausflüge in die Prügel-Abteilung und in ganz langsame, schleppende Regionen, werden manchmal sogar melancholisch (z.B. Pure). Beides steht Cripper sehr gut, man bleibt sich selbst treu und perfektioniert den eigenen Stil. Eine glasklare Produktion unterstreicht den modernen Touch des cripperschen Sounds, Brittas Stimme ist wie immer ein Highlight und richtig stark - meine Güte hat die Frau viel Text!!! - und wird von Scheibe zu Scheibe immer ausgereifter. Tendenziell ein bisschen weniger tief als auf früheren Scheiben, aber nicht nicht im geringsten weniger voll, kraftvoll und rau als gewohnt. Die Riffs sind fett und originell, die Tracks abwechslungsreich, die Rhythmusfraktion hart und solide - mehr braucht das Trasher-Herz ja eigentlich nicht, aber Hyëna überzeugt zudem nicht nur mit inneren Werten, sondern auch mit Äusserlichkeiten: das wie immer bandintern gestaltete Artwork ist wieder voll gelungen, die Scheibe ist ein offensichtlich mit viel Herzblut erarbeitetes Gesamtkunstwerk - das aber nicht gekünstelt sondern ganz authentisch wirkt. Anspieltipps: The Origin (geiles Riff), A Dime For The Establishment (Ultra-thrashiger Song mit Spass-Refrain), Pure (sehr ungewöhnlicher, langsamer Song). Hier passt alles. Kaufen. Ist geil. Sehr sehr geil.
Lucie W.  
Punkte: 9.0 von 10
MOTHERSHIP – Mothership II
Ripple Music
Mit einem rund 5-minütigen, instrumentalen Intro, das zuerst an Pink Floyd erinnert, später an doomender Wucht aufnimmt, brausen Mothership auf ihrem Zweitling aus dem Orbit auf die Erde. Schon beim Debüt von 2013 war das so und eigentlich ähnelt „Mothership II“ seinem Vorgänger wie einem (dicken) Ei dem anderen. Gleiches Intro, gleicher Sound, gleich geil! Die drei Heavy-Rock-Raumfahrer machen zusammen einen drauf, schäkern hin und wieder mit den beiden heissen Bräuten Doom („Centauromachy“ walzt tonnenschwer) und Psychedelic (im vernebelten Instrumental „Tamu Massif“), legen sich mit Sludge und Schweinerock an und haben am Ende vor allem eines: eine verdammt gute Zeit. Etwas mehr Stoner, etwas weniger Kick Ass, dass ist dabei die einzige Neuerung, denn mit „Shanghai Surprise“ rifft nur noch ein Song straight nach vorne, wie man es etwa von Schweinerockern à la Danko Jones oder Black Spiders kennt. Ansonsten geht man es schleppender an, stampft mit „Priestess Of the Moon“ in den Spuren von The Sword, galoppiert mit dem „Astromancer“ in die Heavy-Rock-Schlacht und erhebt schwer rollend Anspruch auf den „Serpents Throne“. „Take me to the king of the underground“ heisst es da passend im sich in einen Gitarrensturm steigernden, mächtigen „Eye of the Sphinx“, denn Mothership, das stellen sie mit ihrer zweiten Kontaktaufnahme klar, hätten (zusammen mit den Schweden Greenleaf) schon längst auf den Stoner-Thron gehoben werden müssen, auf dem unverständlicherweise immer noch die alte, schwächelnde Garde aus John Garcia und Co. sitzt. Wenn nicht jetzt, dann spätestens mit einem gleich geilen „Mothership III“ und bis dahin höre ich einfach Nr. 1 und 2 im Schichtwechsel.
Kissi 

Punkte: 9.0 von 10
SLEEPING PULSE – Under The Same Sky
Prophecy Productions/Non Stop Music
Wer Antimatter oder noch besser Anathema kennt und schätzt, der kann an dieser Stelle mehrheitlich getrost das Review überspringen und sich „Under The Same Sky“ zulegen – Mick Moss, der Kopf hinter den beiden genannten Projekten, hat sich dem Gesang und den Texten von Sleeping Pulse verschrieben. Das sagt im Prinzip schon alles aus. Gut, und jetzt zu denjenigen, welche noch ein grosses Fragezeichen vor sich her tragen – Sleeping Pulse sind eine Band, besser gesagt ein Duo (Mick Moss sowie Luís Fazendeiro von Painted Black), das sich der atmosphärisch-dunklen Rockmusik mit sehr viel Ambiente-Einflüssen, elektronisch angehauchten Melodiebögen sowie Vocals zugewendet hat. Wer nun gähnt, hat bereits verloren – gut, zugegeben, man muss sich auf den Sound der Band einlassen können, und als Party-Mucke würde ich diese Scheibe nun keinesfalls beschreiben, aber für die nachdenklicheren Stunden ist „Under The Same Sky“ bestens geeignet. Auch für andere Aktivitäten, bei welchen es nicht nackenbrechend zu und her gehen muss, taugt diese LP bestens, aber das ist jedem/r selbst überlassen. Punkt ist: Sleeping Pulse haben mit diesem (grandios klingenden, aber das verwundert bei DER Erfahrung der Künstler sehr wenig) Debut ein dunkles, beinahe zerbrechliches Kleinod erschaffen, das entdeckt werden will, es drängt sich nicht auf. Doch ich wage zu behaupten: Wer sich auf diese Reise begibt, der wird nicht enttäuscht werden.
Toby S. 

Punkte: 9.0 von 10
OUTTRIGGER - The Last Of Us
Gain Music
Eins vorweg: "The Last Of Us" ist wohl das beste Debutalbum, das mir dieses Jahr auf den Tisch geflattert ist. Das Beste zum Schluss, wie man so schön sagt! Die Schweden machen zwar bereits seit 2009 zusammen Musik und haben in ihrer Heimat bereits für Furore gesorgt, doch mit diesem Silberling werden sie bestimmt auch in der hiesigen Metal-Community hohe Wellen schlagen. Die energiegeladene Mischung aus Alternative Rock und Metalcore überzeugt mit starken Melodien und einem unwiderstehlichen Drive, der sich durch das ganze Album zieht. Highlights sind hier neben dem eingängigen Opener "Superman Is Dead" und dem epischen Titeltrack "The Last Of Us" das grossartige "Colder" sowie "You Left As You Came". Das Songwriting ist abwechslungsreich, die elektronischen Elemente werden raffiniert eingesetzt und auch deftige Gitarrenwände sind mit dabei. Sänger Simon Peyron glänzt mit beeindruckender Stimmgewalt, sowohl bei den Clearvocals als auch beim Shouting. Die Mischung ist sehr ausgewogen, und gerade weil es sehr melodisch und dynamisch daherkommt, dürfte die Band auch eine ziemlich breite Masse ansprechen. Da liegt dann auch der kleine Haken: Mitunter wird fast ein wenig zu sehr auf Massentauglichkeit gesetzt. Fazit: Ein grossartiges Debut, das kaum Wünsche offen lässt!
Patricia H.   
Punkte: 9.0 von 10
UNITED PROGRESSIVE FRATERNITY - Fall In Love With The World
InsideOut Music
UPF sind aus der aufgelösten Band Unitopia entstanden und beglücken uns hier mit einem wundervollen Prog Rock-Werk. Schon der Opener "Overture - We Only Get One World" könnte glatt eine Filmmusik sein, bringt den Zuhörer zum Schweben. Überhaupt verstehen es die Ausnahme-Proggies, sehr viele Stimmungen in jeden einzelnen Song zu bringen. Da findet man in einem Track Prog Rock, etwas Jazz, ja sogar poppige Klänge bis zu rockigen Gitarren und sogar feine nahöstliche Klänge. Ab und zu hört man etwas IQ oder sogar Yes aus einzelnen Parts heraus. "Fall In Love With The World" ist eine einzige grosse Entdeckungsreise. Bei "The Water" kann man sogar kurz Jon Anderson hören, hier zeigen UPF, was man musikalisch alles in einen 5 Minuten-Song stecken kann, unglaublich. Das Ganze wird untermauert durch die angenehme Stimme von Sänger Mark Trueack, die immer perfekt zum jeweiligen Part eines Songs passt. Das Highlight ist ganz klar das 21 Minuten lange "Travelling Man", hier werden so viele musikalische Stile verarbeitet, dass man beim Anhören dieses Opus jegliches Zeitgefühl verliert und sich unweigerlich davontragen lässt in die wundervolle Welt von UPF. "Fall In Love With The World" ist eine Prog Rock-Perle, die sich kein Proggie entgehen lassen sollte, die klangliche Kombination von diversen Gitarren, Keyboards, Chöre, Flöten und vielem mehr, zieht jeden Liebhaber dieser Musik in seinen Bann, versprochen.
Crazy Beat  
Punkte: 9.0 von 10
NE OBLIVISCARIS - Citadel
Season Of Mist/Irascible
Der australische Sechsköpfer Ne Obliviscaris konnten mit ihrem 2012er Debut "Portal of I" ein Ausrufezeichen setzen. Die Progressive-Deather versuchen nun mit "Citadel" nachzudoppeln. Den kruden Mix aus allen möglichen Extrem-Metal-Spielarten, gewürzt mit Violinen-Parts und Clean-/Grunz-Mischgesang mag manchen zu Überladen sein, doch was Ne Obliviscaris auf wieder auf "Citadel" aus diesem unglaublichen Fundus an Inspirationsquellen zaubern, ist schier unglaublich. Technisch auf allerhöchstem Niveau bündeln die Australier ihre schier unendliche Palette an Musikmixturen zu einem infernalen Orchester. Jeder Streicher, jeder Beckenschlag, jedes Gezupfe, Gegrunze und Geschnulze scheint an seinem rechtmässigen Platz zu sein. Ne Obliviscaris sind die neuen Opeth.
Steve Butcher  
Punkte: 9.0 von 10
BORN FROM PAIN - Dance With The Devil
BDHW
Born From Pain wurde 1997 in Holland gegründet. Innert kürzerster Zeit stieg der Fünfer zu einer festen Grösse der europäischen Hardcoreszene auf. Die Niederländer sind Arbeitstiere, wenn nicht gerade ein Album aufgenommen sind, sind die Jungs ständig am Touren, kaum ein Festival, das man besucht, ohne auch auf die Holländer zu stossen. Diese Erfahrung und kontinuität in der Bandmaschinerie kommt dem neuen Album nur zu Gute. Anstatt sich auf den Lorbeeren auszuruhen, hat der Fünfköpfer mit "Dance With The Devil" an einem Album gearbeitet, das nur so von Energie, Spielfreudigkeit und Ohrwürmern stortzt. Es ist müssig, zu erklären, wie Born From Pain klingen: klassischer HC, gepaart mit wohldosierten Prisen von Thrash und Death. Doch was Born From Pain wiedermal aus diesem alten Rezept gebacken kriegen, ist einfach erstaunlich. Die mittlerweile gealterten Rebellen scheinen die gleiche Wut auf die Gesellschaft zu haben wie als rebellierende Teenager, haben jedoch mittlerweile auch die dazugehörige Musikalische Erfahrung und Klasse, um dies mit guter Musik zu untergraben, und zwar ständig.
Steve Butcher   
Punkte: 9.0 von 10
MAVERICK - Quid Pro Quo
Massacre Records/Musikvertrieb
Ha, Nordirland zeigt uns hier, wie man geilen Heavy Rock zelebriert. Die Jungs beschreiben sich selber als "eine hart rockende, ordentlich im Gesicht drückende, Doppel-Gitarren schwingende Abrissbirne aus Belfast". Coole Selbstbeschreibung. Ich finde, die Jungs um Shouter Dave Balfour rocken hier wirklich voll nach vorne. Aber nicht nur das. Man hat auch das Gespür für gute Songs, da kommt alles in einem Guss, melodiöse Gesangsmelodien, die perfekt passen zum Rest, sprich Gitarren, Bass und Drums. Irgendwie kann man auf diesem Album den Geist des fantastischen Hardline-Debuts "Double Eclipse" spüren. Es stimmt einfach alles, man höre nur "Got It Bad" an, wer Hardline kennt, weiss, was ich meine. Hier gibt’s absolut nur gute Songs, die gute Laune machen und den Zuhörer automatisch den Volume-Regler der Anlage nach rechts zu drehen, Yes Baby, genau so spielt man coolen, zeitlosen Rock. Hier haben die Iren den Geist vergangener Zeit eingefangen und ihn auf ihre Weise in die Gegenwart transportiert. Der Geist früher Hardline, Dare und Firehouse zum Beispiel, kann man hie und da raushören. Maverick bedienen uns auf ihrem Debut mit 12 ganz starken Rock-Nummern, die es absolut wert sind, angehört zu werden. Schön, dass es sowas noch gibt.
Crazy Beat 
Punkte: 9.0 von 10
BLOODSTAINED GROUND - A Poem Of Misery
Czar of Crickets Productions
Mit „A Poem Of Misery“ legen uns die Zofinger von Bloodstained Ground ein wirkliches Kunstwerk vor. In ganz eigenständiger und irgendwie sorgfältiger (ich finde dafür grade kein besseres Wort) Art und Weise sind hier Melodic Death-Strukturen mit Black und Thrash Metal verwoben, Passagen mit Streichinstrumenten werden überlegt eingesetzt. Der Sound hat einen melancholischen, düsteren, teilweise fast atmosphärischen Anstrich und ist trotzdem hart und aggressiv - wenn auch in sehr kontrollierter Weise. Die teils gekreischten, teils gegrowlten Lyrics und ihre Rhythmik sind ebenso präzise wie poetisch, die Rhythmus-Fraktion ist ebenso auf den Punkt wie treibend. Schön und traurig, irgendwie verzweifelt, tragisch und hoffnungslos wirkt der Sound von Bloodstained Ground, vor allem durch die immer wiederkehrenden Geigenklänge - und ist dabei auch wütend und aufgebracht. Als perfekte Ergänzung gibt es ein Digipack allererster Sahne, wunderschönes Artwork im mittelalterlichen Stil. In die Welt des Mittelalter werden wir auch thematisch entführt - Pest, Inquisition und Hexenjagd, die finstre Ära ist die Welt, in der sich „A Poem of Misery“ bewegt. Das ist sicherlich nichts Neues, davon haben sich schon viele Metal-Bands inspirieren lassen, aber nie habe ich es so passend zum Sound empfunden. Einzig an der Abwechslung müssen die Jungs noch etwas feilen, aber sonst ist an diesem Werk alles stimmig und rund. Unbedingt Reinhören!
Lucie W. 
Punkte: 9.0 von 10
KROKODIL – Nachash
Spinefarm Records/Universal
Schnapp und weg! Nein, eine Band, die sich nach dem blutrünstigen, gepanzerten Überbleibsel der Prähistorie benennt, darf nicht lange fackeln und so beissen Krokodil auf ihrem Debüt „Nachash“ mit dem harschen „Reptilia Familiar“ ordentlich in die Ohrmuschel. Und zwar heftiger, als die Liste an Vorgängerbands, aus denen sich die illustren Mitglieder des Sextetts, u.a. Daniel P. Carter (Hexes, A, Bloodhound Gang) und die SikTh-Rhythmus-Fraktion Dan Foord und James Leach, erwarten lassen würde. Auf „Nachash“ gibt es weder Mathcore noch punkige Klänge, sondern eine heftige Mischung aus Hardcore, Melodic Death und Sludge Metal. Doch wer jetzt ein erbarmungsloses Gebolze erwartet, der irrt. Krokodil nämlich verzahnen auf ihrem Erstling geschickt brutalstes Moshpit-Material wie das räudige „Skin of the Earth“ oder das schon fast Grindcore-mässige „A Life Lived in Copper, but Painted in Gold“ mit mal progressiven, mal ruhige Parts und packen erst noch ein paar eindringliche, wenn auch nicht hit-verdächtige Melodien obendrauf. So etwa im elegischen, an Baroness erinnernden „The Collapse“, dem eine Minute lang alles niederwalzende, dann zum verschrobenen Frickel-Instrumental werdende „Sleep well, Medusa“ der Sludge-Hymne „Sun Riders“ oder „Phyllotaxis“, welches mit wütend stampfender Strophe ebenso aufwartet wie mit einem episch ätherischem Refrain. Aus dem Biss dieses Krokodils kommt man so schnell nicht wieder los und will es eigentlich auch gar nicht.
Kissi 
Punkte: 8.9 von 10
TRANSATLANTIC - KaLIVEoscope (2DVDs, 3CDs, BlueRay) (live)
InsideOut Music
Die absoluten Könige des Prog-Rocks wieder on Tour, ein Muss für alle verwöhnten Proggies. Und nun folgt der Augen- und Ohrenschmaus in diversen Versionen auf CD, DVD und BlueRay. Die Herren Neal Morse, Roine Stolt, Pete Trewavas, Sprachrohr Mike Portnoy und Live-Überraschungsgast an der Gitarre und am Gesang, Spocks Beard-Sänger Ted Leonard, zocken hier auf oberstem musikalischem Niveau. Die müssen sich nicht mal warmspielen, da klingt der Opener "Into The Blue" (knapp 28 Minuten lang) schon perfekt. Unglaublich, wie die Jungs schon im ersten Song sämtliche Register des Prog Rock ziehen und die Leute total begeistern. Besser geht’s einfach nicht. Und der von Ted gesungene Part, einfach nur fantastisch, Gänsehaut garantiert! Auch die wunderschöne Neal Morse-Ballade "Shine", zum Niederknien, mit wieviel Gefühl hier Instrumental gespielt wird. Oder das 18 Minuten lange "My New World" vom Debut-Album von 2000, wurde ewig nicht mehr live gespielt. Dann das gekürzte, 30 Minuten lange "The Whirlwind Medley". Krass, manche Bands bringen es mit dem ganzen Album auf 30 Minuten und Transatlantic haben ein so langes gekürztes Medley, voll crazy! Und dann das ruhige, bewegende "Byond The Sun", unglaublich die Vielfältigkeit dieser Band. Ein anderes Highlight, das 31 Minuten Epos "Kaleidoscope" - es ist fast unglaublich, mit welcher Präzision diese Perle gespielt wird. Auch die Leistung von Ted Leonard, solche Wahnsinns-Songs in so kurzer Zeit zu lernen und dann live zu spielen, davor hab ich den grössten Respekt. Dann Neal und Roine im Gitarrenduett, einfach genial, oder das unsterblich gute "We All Need Some Light", zum Niederknien, diese Chöre, einfach unbeschreiblich. Oder "Black As The Sky", eine echt coole Nummer vom "Kaleidoscope"-Album, gefolgt vom The Moody Blues-Cover "Nights In White Satin". Auch eine grandios gespielte Nummer. Bei den zwei folgenden Covers "Sylvia" und "Hocus Pocus" steig der Holländer Thijs van Leer, der Keyboarder der legendären Band Focus, auf die Bühne. Und zum Schluss gibt’s noch das Medley von "All Of The Above / Stranger In Your Soul" und beendet ein über 3 stündiges, unglaublich langes und geniales Konzert in Tilburg (Holland) Ich würde euch empfehlen, die DVD- oder BlueRay-Version zu kaufen, den Transatlantic muss man einfach sehen. Absolute Kaufempfehlung mit hoher Sucht- und Kniefall-Garantie!
Crazy Beat   
 
Punkte: keine Wertung
TUNE - Identity
Dust On The Tracks
"Identity" ist nach dem Debut "Lucid Moments" von 2011 das Zweite Album der Prog/Art Rock-Band aus Polen. Das Album beginnt mit einem sehr ruhigen Instrumentalsong, der sehr atmosphärisch klingt. Dann kommt mit "Live To Work To Live" ein etwas elektronisch angehauchter Track, der mich an David Bowie erinnert, sowohl vom Gesang wie auch die Musik, klingt irgendwie geheimnisvoll, toller Song. "Disposable" hat musikalisch einige Parallelen zu Porcupine Tree. "Change" ist eine wunderbar melancholische, traurige Nummer, die mit akustischen Gitarren glänzt und der man sich kaum entziehen kann. Dann "Trendy Girl", das mit tollen verzerrten Gitarren beginnt und mit schrägen Synthie-Klängen ergänzt wird, dazu der immer mit einer melancholischen Note behafteten Stimme dazu, ganz stark. Mir gefallen diese Symphonischen Klänge, die immer wieder mit Synthies und Gitarren veredelt werden. Oder im Gegensatz "Crackpot", das mit einer herrlich angechrunchten Gitarre glänzt, grandioser Rocksong. Ungewöhnlich in diesem Genre, das alle Song nur zwischen drei und fünf Minuten dauern. Und die Polen schaffen es, den Songs in dieser Zeit alles zu geben, was die verlangen, ohne diese jedoch zu überladen, starke Leistung! Auch "Identity" ist ein Album, das ein paar Durchläufe braucht, um vollständig entdeckt zu werden, mir gefällt dieses Werk bei jedem Durchlauf besser und besser, hier liegt uns ein wirklich gutes, interessantes Stück Musik vor.
Crazy Beat 
Punkte: 8.9 von 10
WITHERSCAPE – The New Tomorrow (EP)
Century Media/Universal
Das Schweden-Duo Swanö/Wilderberg macht wieder von sich reden – vorerst ‚nur‘ in Form einer Single. Wieso die Anführungs- und Schlusszeichen? Tja, was die guten Herren hier auf dieser 5 Track-Scheibe abliefern, ist durchdacht, hat einen roten Faden in jedem Song, kann für sich alleine stehen und schreibt in jedem Song eine eigene Geschichte, sowohl musikalisch wie auch inhaltlich – da können sich andere Bands eine dicke Scheibe von abschneiden! Fängt alles mit dem Titeltrack (und passendem Wecker-Geklingel) noch sehr heavy-metallisch an, wandelt sich der Song zu einer musikalisch-heftigen Granate mit einem ruhigeren Zwischenteil, der wiederholt wird. „Defenders Of Creation“ ist eine so typische Verquickung von Melodien und dunkel eingefärbtem Heavy Metal, da kann man gar nicht anders, als mit dem Kopf mindestens mitzunicken! Erinnert stark an solche Truppen wie Manowar, allerdings ohne deren übertriebenes Pathos (und auch tausendfach besser, aber das ist nur meine persönliche Meinung). „A World Without Heroes“ ist dann der Track, welcher sehr ruhig und nachdenklich daherkommt – und auch der kürzeste auf der ganzen Scheibe ist. „Out In The Cold“ hat schon fast ein Hard Rock-Feeling, auch vom Text her – als Referenz könnten auch solche Truppen wie Shadow King (kennt die noch jemand) herhalten, ein sehr schöner, geradliniger Rocker mit dem typischen Witherscape-Einschlag. „Dead For Another Day“ könnte die Ballade der Scheibe darstellen, jedoch ist der Song so viel mehr, sowohl vom Inhalt wie auch vom Aufbau her… Erinnert irgendwie an Amorphis. Fazit: Wenn die folgende Langrille nur ansatzweise so viel Potential aufweist wie diese Single, dann steht uns ein echtes Highlight ins Haus! Echt jetzt, ohne Übertreibung!
Toby S.
    
Punkte: keine Wertung
ENGEL - Raven Kings
Gain Music
In Flames ist sicher aktuell den meisten von euch ein Thema. Niclas Enkelin vielleicht auch, denn dieser ist Gitarrist bei besagter Band. Nun hat dieser auch wie jeder normale Musiker „seine“ eigene Band. Darin ist er notabene Gründer und Hauptsongwriter, eigentlich logisch, wenn man will. Dass aber das Soloprojekt besser ist als die Hauptband, ist eigentlich nicht normal. In Flames zieht es in den Mainstream und Engel ist um Klassen härter ausgefallen als die neue In Flames. Das sind die Fakten, da kann man nichts schönreden. Mit einem neuen Sänger spielt man Göteborgsound mit ein wenig Electro, das aber keine Sau stört. Für mich sind Engel in diesem schwedischen Duell klar stärker und, ähm, In Flames Schwächeln leider Gottes. Punkt und aus.
Daniel J.   

Punkte: 8.5 von 10
AC/DC - Rock Or Bust
Columbia/Sony Music
Eigentlich grenzt es ja an ein Wunder, hier und jetzt eine neue Studio-Scheibe von Angus Young & Co. rezensieren zu können! Was niemand wusste und bereits vor vier Jahren gegen Ende der «Black Ice»-Tour seinen Anfang nahm, entwickelte sich in diesem Jahr zur traurigen Gewissheit. Bei Bandgründer, Songwriter und Bruder Malcolm Young wurde eine fortschreitende Demenz diagnostiziert, die letztlich das definitive Ausscheiden aus der grössten Rock'n'Roll Band der Welt bedeutete. Viele Fans sahen nun umgehend das Ende der Fahnenstange, denn wie sollte das bei AC/DC ohne den besten wie unersetzlichen Rhythmus-Gitarristen weiter gehen? Während sich Millionen Fans, Musik-Fans und -kritiker darüber enervierten, lief die Maschine im Hintergrund jedoch planmässig an. Der genannte Zeitpunkt für den neuerlichen Gang ins Studio wurde eingehalten und bald einmal auch die einzig verträgliche Lösung, sprich der Ersatz von Malcolm präsentiert, nämlich sein Neffe Stevie Young, der schon 1988 kurzfristig einsprang, als dies alkoholbedingt unumgänglich war. Doch kaum war diese Hürde genommen, zogen unerwartet neue Gewitterwolken auf. Drummer Phil Rudd gebärdete sich im Studio einerseits schwierig, respektive unzuverlässig und andererseits wurde er plötzlich vor Gericht gezerrt. Ein angedrohter Mordauftrag und unerlaubter Drogenbesitz wurden dem sichtlich gealterten Schlagzeuger angelastet. Während sich Ersteres nicht erhärtete, blieben die Drogensache und eine weitere Todesdrohung hängen wie auch noch ungebührliches Verhalten gegenüber Auflagen des Gerichts dazu kam! Die Reaktion der Kollegen kam prompt, denn man distanzierte sich von Phil und bekräftigte, dass die Tour im nächsten Jahr zum 40-jährigen Jubiläum auf jeden Fall stattfinden werde. Wer dann hinter den Kesseln sitzen wird, ist noch nicht bekannt. Mögliche Kandidaten wären natürlich Chris Slade und Simon Wright als ehemalige Mitstreiter, eventuell auch Bob Richards (Shogun/Adrian Smith Band), der in den neuen Videos von «Play Ball» und «Rock Or Bust» zu sehen ist. Nach diesem nötigen Vorspann sind wir nun endlich bei der Musik angekommen!

Der erste Song, der zuerst snippetmässig auftauchte, entpuppte sich danach gleich als einer der besseren Songs auf dem ganzen Album: «Play Ball»! Der groovige Track geht sofort ins Ohr und der Sound ist, wie bei «Black Ice», fett und staubtrocken zugleich. Was live wohl nicht mehr reproduzierbar sein wird, entfaltet sich wenigstens auf der Platte und das für ewig. Die Rede ist natürlich von Phil Rudds unvergleichlichem Drumspiel, während sich die Experten bei Stevie versus Malcolm zerfleischen werden. Als Opener fungiert der Titeltrack und der ist auch ganz ordentlich geworden. Das liegt wohl auch daran, dass dies die ersten beiden neuen Songs sind, die nun im Radio tagtäglich rauf und runter genudelt werden. So hat sich ja auch «Rock'n'Roll Train» zum Hit gemausert. Doch auch der Rest, sprich die verbleibenden sieben Tracks auf «Rock Or Bust» legen mit jedem Umlauf zu und das ist in der Einfachheit der Sache auch das Geniale an AC/DC. Reduziert auf die Essenz und sofort erkennbar, wenn auch (schon länger) keine kompositorischen Glanztaten der früheren Jahre mehr erreicht werden konnten. Wie schon beim Vorgänger von 2008 klingt Frontmann Brian Johnson zumindest auf Platte einmal mehr recht frisch. Dabei muss es nicht immer laut sein, denn auch dezenter, wie bei der fluffigen Nummer «Rock The Blues Away», klingen die Vocals ebenso gut. Das gilt auch für den nach wie vor fiedelnden Angus Young, der immer noch über genügend Hummeln im Arsch verfügt, um den Songs mit seinen töften Soli das gewisse Etwas zu verleihen. Mitsingen lässt es sich auf «Rock Or Bust» ebenso und «Dogs Of War» wird bestimmt im Live-Set der anstehenden Tour stehen. In Sachen Tempo steht man auf Augenhöhe mit «Black Ice» und nur «Baptism Of Fire» ist eine Spur flotter. Der Rest lässt es gemächlicher angehen, aber sobald man anständig aufdreht, verfliegen die letzten Zweifel. «Rock Or Bust» rockt gewaltig und dass es diesmal bei elf Songs nur etwas mehr als 35 Minuten absetzt, geht völlig in Ordnung und bringt einen gleich dazu, die Scheibe oder natürlich auch das Vinyl (mit noch geilerem Vexier-Effekt des Covers!) nochmals abzuspielen.
Rockslave   

Punkte: 8.5 von 10
SODOM – Sacred Warpath (EP)
Steamhammer/Musikvertrieb
„Sacred Warpath“ soll der musikalische Vorbote auf das kommende Album werden und klingt böse! Sehr böse und wütend! Ansonsten ist alles beim Alten geblieben, ausser dass Tom Angelripper wiedermal recht fies und angepisst röchelnd die Lyrics in bester Tom Araya-Manier zum Besten gibt. „Sacred Warpath“ ist eine absolut geile Nummer geworden! Diese EP wird abgerundet von drei Live-Tracks. „The Saw Is The Law“, „Stigmatized“ und „City Of God“, welche die Bandbreite des deutschen Thrash-Urgesteins präsentiert. Diese Single wird nur in einer 1000 Einheit veröffentlicht und könnte somit schnell zu einer Rarität werden. Darum schnell zugreifen. Es lohnt sich!!!
Tinu   

Punkte: keine Wertung
MORS PRINCIPIUM EST - Dawn Of The 5th Era
AFM Records/Musikvertrieb
Man könnte dem melodischen Death Metal aus traditionell skandinavischen Gefilden mittlerweile eine schon fast aufdringliche Überpräsenz vorwerfen, zumal sich die verschiedenen Interpreten fast alle um die am hellsten leuchtenden Gestirne drehen, welche auf Namen wie At The Gates, In Flames, Amon Amarth oder Dark Tranquillity hören. Trotzdem schaffen es die Finnen Mors Principium Est auf ihrem fünften Output mehr denn je, trotz aller musikalischer Nähe zu den Chefideologen des Genres mit eigenen Wiedererkennungsmerkmalen aufzuwarten. Zum einen ist das Quintett nochmal einen ganzen Zacken melodischer veranlagt als seine Brüder im Geiste, vor allem die traumhaften Doppel-Leads wissen immer wieder zu gefallen, ausserdem sorgen die gerade in der richtigen Dosis eingesetzten Keyboardklänge für angenehme Kontrapunkte zum vorherrschenden Geblaste, Geboller und Gegrowle. Auch wenn der direkte Vergleich etwas hinkt, kommen mir immer wieder Dimmu Borgir, Dissection und die schwedischen Stil-Vorreiter Godgory in den Sinn, also Bands, die es wie Mors Principium Est verstanden, unbändige, rasende Härte mit schmeichelnden Melodien in perfekter Weise miteinander zu verbinden. Da das Ganze noch in technisch einwandfreier Manier dargeboten wird – die Fertigkeiten der gesamten Instrumentalfraktion sind gelinde gesagt schon fast nicht mehr von dieser Welt – bietet sich mit „Dawn Of The 5th Era“ für praktisch jeden Metalhead ein Ohrenschmaus sondergleichen, der selbst jene ansprechen dürfte, die mit dem Genre sonst nicht allzu viel anzufangen wissen. Ein beeindruckend frisches und kraftvolles Werk, das weit über die treue Fanbasis hinaus Gehör verdient, und für Melo/Death-Fans ist diese Scheibe sowieso ein absoluter Pflichtkauf.
Mirko B.  

Punkte: 8.5 von 10
REVEL IN FLESH - Death Kult Legions
Cyclone Empire
Mit Death Kult Legions - jawohl, Kult mit K - legen die Schwaben von Revel in Flesh ihr drittes Album nach dem Debüt Deathevokation - auch hier mit K anstatt C - und dem Zweitwerk Manifested Darkness - dieses Mal völlig korrekt mit K - vor. Seit der Gründung 2011 und der Vervollständigung des Live-Line Ups 2012 spielte die Truppe zahlreiche Gigs mit nahmhaften Bands wie Evocation oder Fleshcrawl und auf Festivals wie dem Party.San. Das Quintett hat sich dem klassischen Old School Death Metal verschrieben und geht dabei so komplett kompromisslos vor, wie es auch schon beim Vorgängeralbum der Fall war. Schwedentod aus Schwabenland, zehn straighte, brutale und dunkle Tracks (plus ein Manilla Road-Cover als Song Nr. 11, sehr geil!) werden einem hier um die Ohren gehauen. Laut Infosheet sind Revel In Flesh eine der führenden Bands der „New Wave of German Death Metal“ - ich wusste zwar nicht, dass es das gibt, aber hier fliegen zumindest die Maultaschen und Spätzle, der Kartoffelsalat spritzt und die Knödel explodieren, so hart gehts hier ab. Traditionell wie die genannten Speisen ist der Sound von Revel of Flesh und er braucht genauso wenig Experimente - denn was so gut ist, braucht keine künstliche Innovation. Veredelt vom schwedischen Mix-Master Dan Swanö hat und ist Death Kult Legions alles, worauf der gemeine oldschool Thrasher Appetit hat: Geprügel, geile Riffs, groovige Moshparts, eine Grabesstimme - und dann erst noch voll ins Ohr gehende Refrains. Das ist deutsches Qualitätshandwerk, das lob ich mir!
Lucie W.  

Punkte: 8.5 von 10
THANATOS - Global Purification
Century Media/Universal
Hier ist aber jemand gar nicht zufrieden! "Wir leben in einer abgefuckten Welt" und "...wir alle sind Teil dieses Niedergangs. Diese Welt braucht eine 'Global Purification'" - so die Aussage der Band Thanatos laut Infosheet. Wo sie Recht haben, haben sie Recht, ich kann dem nicht widersprechen. Der Vierer wurde in Erstbesetzung 1984 gegründet und darf somit als eine der wenn nicht die dienstälteste Death Metal-Kombo der Niederlande gelten. Obwohl man grossartige Scheiben wie „Emerging from the Netherworlds“ (man erlaube hier einen platten Witz: Emerging from the Netherlands, haha) und „Realm of Ecstasy“ veröffentlichte, erfolgte 1992 die Auflösung. Auch nach der Reunion 1999 hatte die Band immer wieder mit Line Up-Wechseln und anderen Schicksalsschlägen wie dem Bankrott ihres Labels zu kämpfen. Die Mitglieder von Thanatos sind daher in noch bekannteren Bands wie Hail of Bullets, Asphyx (Paul Baayens, in seinem Falle hat er sogar erstere Band ins Leben gerufen) und Melechesh aktiv. Im Unterschied zu diesen Bands war Thanatos nie wirklich dauerhaft richtig präsent und brachte nur alle paar Jahre mal eine Platte oder einige Shows zu Stande - was sehr schade ist. Global Purification ist nämlich eine sehr gelungene Scheibe - aber Paul Baayens scheint wirklich sehr prägend für den niederländischen Death Metal zu sein, denn soooooo mega anders als Asphyx oder Hail of Bullets ist der Sound von Thanatos nicht. Es fehlt halt Martin van Drunens spezielle Stimme - was ich aber ehrlich gesagt gar nicht so dramatisch finde, der muss auch nicht immer überall dabei sein. Global Purification bietet aggressiven, schnellen, harten Death Metal mit oranjem Anstrich und Thrash Schlagseite, der auch Breaks, interessante Riffs und Soli bietet - grösstenteils aber brettert wie Sau. Nicht wirklich originell aber scheiss drauf! Geile Scheibe, alle Oldschool Deather und deathige Thrasher bitte in die Schlange stellen!
Lucie W. 

Punkte: 8.5 von 10
ASTRALION - Astralion
Limb Music
Bei diesem Album enttäuscht das äusserst coole Album-Cover nicht! Das Debut der finnischen Power-Metaller beweist, dass man aus den musikalischen Bruchstücken seiner Vorbilder durchaus ansprechende eigene Lieder kreieren kann. Sprich: Helloween, Gamma Ray, Dream Evil, HammerFall, Stratovarius usw. sind zwar jederzeit mal mehr, mal weniger, gut hörbar und trotzdem klingt eine billige Kopie anders. Die Mitglieder von Astralion haben ihre Sporen unter anderem bereits bei Olympus Moon und Humangot abverdient. Diese Erfahrung hört man den Liedern an. Wer in Bester Dream Evil-Tradition ein „We All Made Metal“ oder eine schmissige Doublebass-Nummer à la „Mysterious & Victorious“ rausschmettert, hat definitiv etwas richtig verstanden. Die coolste, wenn vielleicht auf lange Sicht etwas nervende Keyboard-Hookline besitzt „At The Edge Of The World“. Wetten, dass ihr diese Melodie noch lange mit euch mittragen werdet? Astralion können aber nicht nur Gas geben oder vor sich her stampfen. Mit „To Isolde“ ist ihnen ein sich langsam steigerndes Epos gelungen, welches das mit 13 Minuten längste Stück „Last Man On Deck“ um Längen schlägt. Es ist schade, dass gerade dieses letzte Riesenstück bei mir nichts bewirken wird. Und dies, obwohl die Band vom Aufbau her alles richtig macht. Astralion haben mit ihrem Debutalbum ein scharfes Eisen geschaffen, welches den Power Metal in bester Qualität zeigt. Beide Daumen hoch!
Roger W. 

Punkte: 8.5 von 10
INSANITY - Ready To Row (EP)
Eigenvertrieb
Entlebuch Hardcore steht auf dem T-Shirt von den Jungs. Ja richtig, hier sind gestandene Schweizer am Sounden, was das Zeug hält. Das zweite Werk der Luzerner besticht zuerst durch grandiosen Gitarrensound. Was für ein Brett! Dann diese Power, ja die Produktion ist für eine Amateurband allererste Sahne mit Prädikat Weltklasse. Da müssen sich Hatebreed, Madball und Agnostic Front oder wie sie alle heissen sehr warm anziehen. Insanity sind im New Yorker Hardcore zuhause, was man bei der neuen Scheibe sehr schnell zu hören und zu spüren bekommt. Die sechs Songs sind alle mit einem superben Songwriting bestückt und gehen dem Hörer einfach schnell ins Blut. Mein Favorit ist die Nummer fünf: "Fight" Der Song fängt mit brutal schnellem Snarewirbel und Gitarrenriff an und wechselt dann sofort ins Thrashgalopp über. Ja, ich bin euphorisch, und das darf ich auch mal so schreiben, denn so eine gute Scheibe von einer eidgenössischen Band bekomme ich selten zu hören. Ihr seid ganz einfach „geili Sieche“!
Daniel J.   
 
Punkte: keine Wertung
MORRIGU - Before Light / After Dark
Ghost Sou
Erster Eindruck: Fuck, Core-Gedöns! Zweiter Eindruck: Gar nicht so schlecht.. Dritter Eindruck: Modern, aber mit Stil! Wie auch immer, die Band ist mir dem Namen nach seit Jahren geläufig, "Before Light / After Dark" ist dennoch mein erster Kontakt mit Ihnen, darum gibts hier auch nur eine gegenwärtige Bestandesaufnahme meinerseits. Das erste Gesamterscheinungsbild wirkt etwas überambitioniert, da Mix (Zeuss!) und Mastering (Borgren!) sowas von modern gut gelungen sind, dass man zweimal die Info über ein grössenwahnsinniges Majorlabel sucht. Fette Scheisse, Gratulation! Aber wo ist der Haken? Beim zweiten Durchlauf wird das eigentlich wirklich glaubhafte Brüllen mit der Zeit etwas eindimensional und der Bass ist für mich nicht wirklich hörbar... aber die Atmosphäre stimmt einfach. Und wenn man(n) mit diesen Gegebenheiten leben kann ist jeder weitere Durchlauf eine reine Freude. Denn die Produktion ist wie gesagt "state of the art" und unterstützt den amerikanisch-cool-lässig angeproggten Melo-Deathcore der Zürcher auf ganzer Ebene. Das Rhythmus-Duo ist ist zwar eher unscheinbar aber grundstabil und der Sänger kein Mike Patton. Aber man nimmt ihm seine Geschichten ab. Was dazu wirklich heraussticht ist die absolut tolle, sphärische Gitarrenarbeit die dem Gesamtsound von MORRIGU nochmals eine ganz eigene Dimension verleiht, chapeau! Eines dieser Alben die ich nicht mit Höchstnoten versehe aber definitiv immer wieder mal mit Freude auflegen werde. Gute Sache, unbedingt reinhören!
Hardy   
Punkte: 8.5 von 10

2. Meinung:
Geschlagene 5 Jahre nach ihrem letzten Kracher „The Niobium Sky“ sind die Schweizer zurück – und ganz ehrlich: Es ist praktisch alles mehrheitlich beim alten geblieben. Da sind die melodiösen Gitarrenspuren, da die Breakdowns, dort die Keys, welche die Szene untermalen… Joa, und eben auch der Sänger, der nach wie vor eigentlich nur schreit und nicht singt. Muss man ja auch erst mal können, ne? Aber mal ernsthaft: Was die Jungs hier fabrizieren, ist ganz ordentliche Mucke der Stilrichtung Metalcore/Nu/Post Metal mit atmosphärischen Einschüben und teilweise Ausflügen in die Heavy Metal-Richtung, aber so richtig was davon als Ganzes ist immer noch nicht vorhanden. Man kann jetzt sagen, dass das der Abwechslung dient – das lasse ich auch gelten, allerdings macht der „Sänger“ (offenbar ehemals Frontwürger unserer Vorzeige-Folk-Metaller Eluveitie) keinen besonders guten Job. Oder, um es anders auszudrücken: Er passt mit seinem Geschrei nicht wirklich in die Soundlandschaft von Morrigu, welche eine variablere Stimme benötigt. Aber hey, ist nur meine Meinung – zieht euch die Chose rein, wenn ihr atmosphärisch derberen Heavy Metal mit Melodie und vielen verschiedenen Einsprengseln sucht plus einen Sänger, der eigentlich nur schreit. Aber sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
Toby S.   
Punkte: 5.0 von 10
YEAR OF THE GOAT – The Key And The Gate
Napalm Records/Universal
Über zwei Jahre ist es her, seit Year Of The Goat ihr Debüt „Angel's Necropolis“ veröffentlichten und damit wie schon zuvor mit ihrer EP „Lucem Ferre“ für zitternde Kreuze und durchdrehende Pentagramme in der Occult Rock Szene sorgten. Als schwedische Antwort auf The Devil's Blood, als kleine Brüder von Ghost B.C. wurde das Sextett (auch von mir) gefeiert. Nun gibt es mit „The Key And The Gate“ endlich wieder ein Lebenszeichen der Geissen-Anbeter. Nahtlos reihen sich die drei neuen Tracks in den bisherigen Sound der Skandinavier ein, soll heissen dramatischer Doom Rock mit düsterromantischem Touch, der mehr auf kreischende Doppel-Leadgitarren setzt denn auf erdige Riffs. Knackig und geradlinig kommt dabei der Titeltrack daher, im Up-Tempo, Ohrwurm-Refrain, Chorgesang und virtuoses Gitarrensolo gegen Schluss inklusive. Nicht minder theatralisch, dabei aber balladesk, leuchtet der „Mystic Mountain“ im Mondlicht. Ja fast schon kitschig ist die Nummer zu nennen, die anmutet, als hätte man einen Hippie-Schunkler einfach mit schwarzer Farbe übermalt. Die gurgelnde Mellotron-Orgel ist hier fast wichtiger als die Gitarren, vor allem im Break im Mittelteil des Songs, wo Fronter Thomas Sabbathi zur Abwechslung mal tief à la Tom Waits zusammen mit einem Grusel-Chor den Mond anbellt, bevor es ihm das Gitarrensolo jaulend gleichtut. Einen fiesen Beigeschmack hat danach „Non-Euclidean Calculus“. Das orchestrale Orgel-Instrumental nimmt erst nach fast fünf seiner fünfeinhalb Minuten an Fahrt auf, wechselt in einen monotonen Beat und endet dann gleich wieder. Man will mehr, will den Song, dessen Intro es sein könnte, doch die EP ist bereits fertig und man kann nur zum Teufel oder eben zum Geissbock beten, dass auf „The Key And The Gate“ bald eine komplette Messe folgen wird.
Kissi   
 
Punkte: keine Wertung
SIXX: A.M. – Moderne Vintage
Eleven Seven Music
Die Hard Rock-Gemeinde wird sich einig sein. Nikki Sixx hat die Rock'n'Roll-Szene nachhaltig geprägt. In erster Linie als Bassist von Mötley Crüe, aber auch als Stilikone, Drogenkonsument und nicht zuletzt als Buchautor. Seine zwei bisherigen lyrischen Werke, „The Heroin Diaries“ und „This is Gonna Hurt“, wurden jeweils durch einen musikalischen Soundtrack unter Sixx: A.M. ergänzt. Offensichtlich hat sich die Sleazylegende entschlossen, das Projekt musikalisch weiterzuführen, auch ohne ein dazugehöriges Buch. Die Truppe dahinter ist hochkarätig besetzt. Als Sänger fungiert der hauptamtliche Produzent und Songwriter James Michael und als Gitarrist D.J. Ashba, der schon länger zur Besetzung von Guns'n'Roses gehört. „Modern Vintage“ nennt sich die Scheibe äusserst treffend. Die Musiker bringen es mit einer simplen Erklärung auf den Punkt. Einiges Material hört sich an, als Stamme es aus den Sechzigern und wurde heutzutage aufgenommen, Anderes klingt, als wäre es heutzutage entstanden, aber vor vierzig oder fünfzig Jahren aufgenommen. Obwohl man mit klassischem US-Hard Rock die Verbindung zu den ersten beiden Werken aufrecht erhält, werden auf „Modern Vintage“ vor allem den Sechzigern und Siebzigern Tribut gezollt. Die Querverweise zu Queen, Slade, T-Rex, Sweet, aber auch Bee Gees und David Bowie werden mit modernen Aspekten, inklusive dezenten Marilyn Manson-Anleihen, kombiniert. Das Ganze geschieht auf einem kaum mehr zu toppendem Level, bezüglich Kreativität, Songwriterischer Raffinesse und musikalischer Versiertheit. Mötley Crüe-Fans würden mit Sicherheit ein Album, dass sich näher an der Achtziger-Legende orientiert, bevorzugen, doch ohne diesen Aspekt ist „Modern Vintage“ ein unverfroren cooles Werk.
Chris C. 

Punkte: 8.4 von 10
CRUIZZEN – Free Ride
Pure Rock Records/Non Stop Music
Nach dem Debut „Hellrocker“ 2006 war es längere Zeit ruhig um die Bayrische Formation Cruizzen. Mit „Free Ride“ wird nun aber ein zweiter Anlauf gestartet. Die Truppe hat sich dem schnörkellosen, zeitlosen Hard Rock verschrieben. Das klingt nicht sonderlich kreativ, ist aber gerade im aktuellen Jahrzehnt durchaus mehr als legitim. Die Band macht absolut keinen Hehl daraus, dass sie aus dem Fundus der Rock- und Metalhistory ihre Einflüsse beziehen. Das Rad des Rock'n'Roll neu zu erfinden ist sowieso fast nicht mehr möglich. Die Fähigkeit also, aus bestehenden Puzzelteilen ein neues Bild zusammenzusetzen, ist hohe Kunst, aber genau diese Fähigkeit besitzt das Quintett. Im Detail bedeutet das, Sänger Alexander Mayer klingt oft nach Bryan Johnson, manchmal aber auch nach Udo Dirkschneider oder Axl Rose. Die Gitarren (Captain H. Forster und Michael Hennig) erinnern immer mal wieder an Iron Maiden, aber auch an Rose Tattoo oder Krokus. Es resultieren jede Menge knackige Riffs und abwechslungsreiche Hooks, die durchs Band zu begeistern wissen. Die Rhythmusabteilung (Markus Kärscher und René Baumann) ist äusserst flexibel und versiert und verbindet die verschiedenen Stile zu einem einheitlichen und homogenen Gemisch. Cruizzen haben mit und trotz den Einflüssen und Querverweisen einen eigenen Stil entwickelt und ihre eigene Identität aufgebaut. Auch im Bereich des Songwritings hat die Truppe die Hausaufgaben tadellos gelöst. Eingängige Songstrukturen mit hohem Ohrwurmfaktor ziehen sich als roter Faden durch das ganze Werk. Dabei wird Abwechslung grossgeschrieben, jeder einzelne Song spiegelt Eigenständigkeit und Charisma wider. Mit „Freeride“ ist der Band, völlig unerwartet, ein erstaunlich starkes, frisches und unbeschwertes Album geglückt.
Chris C.
 
Punkte: 8.4 von 10
PAIN OF SALVATION – Falling Home
InsideOut Music
Der erste Blick auf die Tracklist und schon wurde ich mürrisch. Vorweihnachtsalben, das heisst Best-Of's, Live-Scheiben, Ausverkauf. Und das jetzt auch bei Pain Of Salvation, diesen moralisch doch so vorbildlichen Ausnahme-Proggern? Ich hab mich zu früh geärgert: Ich lasse „Falling Home“, den ersten Silberling der Schweden seit dem „Roadsalt“-Zweiteiler von 2010/11, laufen und bin gleichzeitig erleichtert und überrascht. Denn anstatt harscher Gitarren und überdrehten Synthies, so wie „Stress“ eben im Original daherkommt, groovt sich die Band funky und jazzy mit Akustik-Gitarren und Hammond-Orgel durch ebenjenen Song vom 99er-Album „Entropia“. Acht alte Nummern haben Mainman Daniel Gildenlöw und seine Mannen für „Falling Home“ neu, quasi unplugged arrangiert und damit so etwas wie den Nachfolger zu ihrem vor 10 Jahren erschienenen Akustik-Live-Album „12:5“ geschaffen. Zu weit weg vom Original getraut sich Gildenlöw dabei nicht. Schon vorneweg teilweise akustische Nummern wie das ergreifende „To the Shoreline“ oder „1979“ von „Roadsalt Two“ kommen einfach noch etwas ehrlicher, folkiger daher, während etwa das ansonsten hart rockende „Linoleum“ (Road Salt One) oder „Flame to Mouth“ (Scarsick, 2007) deutlich balladesker bzw. dank Westerngitarre erdiger aus den Boxen fliessen und durch eine zweite, weibliche Gesangsstimme ergänzt wurden. Während auch der Tränendrüsen-Klassiker „Perfect Day“ von Lou Reed noch ohne weiteres zu erkennen ist, wurde ein anderes Cover komplett durch den Fleischwolf gedreht. Kaum wieder zu erkennen ist Dio's Metal-Hymne „Holy Diver“. Ein tänzelnder Jazz-Groove inkl. Walking Bass anstatt treibender Galopp und in der Mitte des Songs sogar ein Abschweifer in hüpfenden Reggae; das kann man Frevelei nennen, aber auch ein Eingeständnis, den Song in normaler Version sowieso nicht so gut hinzukriegen wie das Original. Und lässt man sich am Ende dann noch mit der leicht kitschigen, neu geschriebenen Country-Ballade „Falling Home“ mitreissen, dann weiss man: Gildenlöw und Co. Geht es nicht um Ausverkauf, es geht um das Ausloten neuer und ruhigerer musikalischer Grenzen.
Kissi   
 
Punkte: keine Wertung
ISOLE - The Calm Hunter
Cyclone Empire
Die schwedischen Epic/Progressive-Doomster sind und bleiben eine Kategorie für sich. Dermassen dicht und spannend komponierte Songs im Dunstkreis des Doom Metal (zu dem sich die vier Schweden eigentlich gar nicht zugehörig fühlen) bringen bestenfalls noch die Amis While Heaven Wept zustande, wobei der Prog-Faktor bei Isole noch einen kleinen Zacken dominanter ist. Dadurch wird die eigentlich konstant vorhandene Melancholie immer wieder aufgelockert; anstatt sich durchgehend schleppender Wehmut hinzugeben, sorgen häufige Tempowechsel, schmeichelnde Gitarrensoli, sehr dezente Keyboardteppiche, unwiderstehliche, schon fast engelhafte Gesangslinien und gezielt eingesetzte Growls für sehr viel Abwechslung und verleihen den sieben Songs eine eher majestätische als niedergeschlagene Grundstimmung. Selbst eine Nummer wie „Perdition“, welche Eingangs in der Tat nichts als quälend langsame, vertonte Verzweiflung verkörpert, gewinnt mit zunehmender Spielzeit an Biss, bis sie nahtlos ins grandiose „Alone In Silence“ übergeht und mit breitwandigen Riffs und Powerdrumming vom Feinsten jeglichen Anflug hoffnungsloser Trauer hinwegfegt. Nicht, dass das etwas Neues wäre, viele Black Sabbath Songs haben vor rund vierzig Jahren nach genau dem selben Strickmuster sehr gut funktioniert, aber man muss diese Kunst eben auch wirklich beherrschen, damit es am Schluss nicht sperrig und konstruiert klingt. Und zumindest die zwei einzig verbliebenen Gründungsmitglieder Daniel Bryntse und Crister Olsson, seit den frühesten Anfängen um 1990 dabei, als die Band noch unter dem Namen „Forlorn“ signierte, haben diese Kunst bis in die Perfektion verinnerlicht. Ein in sich geschlossener, stimmungsvoller sechster Rundling von Isole, der sich perfekt in die eh schon sehr wertige Diskografie der Band einfügt. Es gibt Doom-Scheiben, die mich in diesem grauen Herbst ständig daran erinnern, dass der noch dunklere und kältere Winter erst bevorsteht. „The Calm Hunter“ hingegen erinnert mich daran, dass im Moment zwar kaltes "Grau in Grau"–Wetter herrscht, in ein paar Monaten aber bereits wieder der Frühling anfängt.
Mirko B. 

Punkte: 8.2 von 10
HAREM SCAREM – Thirteen
Frontiers Records/Musikvertrieb
Bereits seit über 20 Jahren wird die Kanadische Formation Harem Scarem in der Melodic-Szene verehrt wie kaum eine zweite. Entsprechend war die Enttäuschung gross, als die beiden Protagonisten Übersänger Harry Hess und Gitarrengenie Pete Lesperance 2008 das Ende der Band verkündeten. Nach einigen Sologeschichten der Beiden erschien dann letztes Jahr die Neueinspielung ihres inoffiziellen Meisterwerks „Mood Swings“. Der Grundstein für eine Weiterführung von Harem Scarem war also gelegt und wird nun mit der Veröffentlichung einer neuen Studioscheibe zur vollendeten Tatsache. Das nunmehr 13. Album „Thirteen“zu nennen ist zwar nicht sonderlich Kreativ, den geneigten Fan wird dies aber kaum stören. Bei allen anderen Aspekten bewegen sich die Musiker sowieso extrem versiert und selbstsicher. Einmal mehr haben die Herren Hess und Lesperance ihr Gespür für intensive Melodien und grosse Hooks unter Beweis gestellt und zehn Tracks eingespielt, die kaum Wünsche offen lassen. Selbstbewusst bewegt man sich im gesamten AOR-Bereich, zwischen knackigem Hard Rock und baladesken Aspekten. Ausfälle sind dabei keine zu verzeichnen, genau so wenig wie Eintönigkeit ein Thema wäre. Harem Scarem konnten aber auch noch nie an einzelnen Songs gemessen werden, was sicher ein Grund ist, dass der Band jeglicher kommerzieller Erfolg verwehrt blieb. Auch mit „Thirteen“ ändert sich das nicht. Die Scheibe ist als Ganzes zu betrachten und reiht sich dabei nahtlos in die Reihe hochkarätiger Tonträger ein, wie man es sich von den Jungs gewohnt ist. Definitiv ein Highlight für Melodic/AOR-Liebhaber.
Chris C.
 
Punkte: 8.2 von 10
BLACK VEIL BRIDES - Black Veil Brides
Spinefarm Records/Universal
Die Kombo um Sänger Andy Biersack produziert ein melodisches und vor allem bombastisches Gemisch aus Hard Rock und Metalcore. In den USA sind die Jungs aus Los Angeles längst Kult, und mit ihrem neuen, selbstbetitelten Album wollen sie nun den europäischen Markt stürmen. Schnelle Rhythmus-Gewitter und deftige Gitarrenriffs sind hier die treibende Kraft, wobei es auch mal etwas zahmer zu und her geht, wie zum Beispiel in der Powerballade "Goodbye Agony". Andys Stimme erinnert teilweise ein wenig an Chad Kroeger von Nickelback - ähnlich markant und doch irgendwie sanft und kräftig zugleich. Das letzte Album "Wretched And Divine: The Story Of The Wild Ones" (2013), ein Rock-Oper-Konzeptalbum, stammte hauptsächlich aus der Feder von Andy Biersack und schlug eine deutlich düsterere Richtung ein. Auf ihrem 4. Silberling "Black Veil Brides" besinnen sich die Amerikaner zurück auf ihre Wurzeln und arbeiteten vermehrt zusammen. Das Ergebnis ist ein durchwegs rundes Album mit vielen verschiedenen Facetten. Allerdings fehlen dabei ein wenig die Höhen und Tiefen, kaum ein Track sticht wirklich heraus. Jedoch ist die Qualität konstant hoch, was nicht zuletzt auch an der Zusammenarbeit mit Produzent Bob Rock liegen dürfte, der schon bei Kultalben wie Metallicas "Black" oder Mötley Crües "Dr. Feelgood" seine Finger mit im Spiel hatte. Fazit: Black Veil Brides sind erwachsen geworden und haben mit ihrem neuen Album ihren Stil nun endlich gefunden!
Patricia H.    

Punkte: 8.0 von 10
FOO FIGHTERS - Sonic Highways
SwissDe/Sony Music
Dave Grohl war der Schlagzeuger von Nirvana. Foo Fighters ist seine Band, weil, wie wir alle wissen, Nirvana nicht mehr existieren. Das war für die jüngeren Leser, die den Tausendsassa nicht kennen sollten. Ja, schon ganze 20 Jahre spielen die Foo Fighters ihren Alternative Rock mit grossem Erfolg, vor allem in den Staaten. "Sonic Highways" ist darum was besonderes. Die acht Songs wurden in acht verschiedenen Grossstädten in den USA durch Butch Vig produziert. Die Songs klingen alle fantastisch, sind natürlich wie es sich gehört radiotauglich und werden Herrn Grohl mit grösster Wahrscheinlichkeit sein Bankkonto erheblich erhöhen. Ist halt so, wenn man es kann, und ja, ich mag es dem Kerl gönnen, denn wenn man nach 20 Jahren immer noch so gute Songs abliefert, ist man was besonderes. Solide wie immer!
Daniel J.    

Punkte: 8.0 von 10
DEATH WOLF - III Östergötland
Century Media/Universal
Marduk-Mastermind Morgan findet neben dem zahlreichen Touren und den Aufnahmen zur neuen Marduk-Scheibe auch noch Zeit für sein heissgeliebtes Horror/Punk/Heavy/Black-Projekt Death Wolf, welche früher noch unter dem Namen Devils Whorehouse herumtingelten. Death Wolf stehen ganz hinter ihren Paten von Misfits, frühen Anthrax und Motörhead. Paaren diese Einflüsse aber mit der Düsterheit von Marduk, nicht unbedingt auf musikalischer Ebene, aber atmosphärisch kommen Death Wolf Marduk sehr nahe. Diese Einzigartigkeit in Verbundeheit mit der Frische und Unbekümmertheit eines Nebenprojektes ergeben, dass Death Wolf mit ihrem dritten Album "III: Östergötland" eine Scheibe herausbringen, bei der man sich fast wünscht, Morgan würde Marduk zum Nebenprojekt machen.
Steve Butcher    

Punkte: 8.0 von 10
CRUACHAN – Blood For The Blood God
Trollzorn Records
Dass innerhalb von zwei Wochen gleich zwei der dienstältesten Celtic/Folk Metal Bands ein neues Werk veröffentlichen ist wohl dem Zufall geschuldet - für ein Schmunzeln sorgt es aber trotzdem. Im Gegensatz zu Primordial sind die Wurzeln bei Cruachan noch viel deutlicher zu rauszuhören. Folk Instrumente wie Tin und Low Whistles, Bouzouki, Mandoline und Bodhrán finden regelmässigen Einsatz. Die Kompositionen sind beschwingter, fassbarer und die Produktion archaischer. In einem Punkt sind sich die beiden Truppen aber weiterhin ähnlich. Cruachan gehen wie auch Primordial mit einer riesigen Überzeugung ans Werk, was sich insbesondere in den kraftvollen Vocals wiederspiegelt. Thematisch führt man die mit "Blood On The Black Robe" begonnene Trilogie weiter. Die musikalische Umsetzung ist äusserst vielschichtig - mal düster wie im Titelsong und mal fröhlich wie im tanzbaren 'The Marching Song Of Fiach McHugh'. Dazu wurden die schwarzmetallischen Elemente deutlich ausgebaut. Es wird geshreddert und häufiger mal gekeift - in konzentrierter Form im ersten Teil von 'Perversion, Corruption and Sanctity - Part 1', sowie ab Mitte der direkten Fortsetzung in Form von 'Perversion, Corruption and Sanctity - Part 2' zu hören. Insgesamt hat das Album einen aggressiveren Grundton als seine Vorgänger. Da die Folkelemente dabei keineswegs vernachlässigt werden, dürften auch alteingesessene Fans auf ihre Kosten kommen.
Patricia L.    

Punkte: 8.0 von 10
FOREIGNER - The Best Of 4 And More
Frontiers Records/Musikvertrieb
Wie schon bei Magnum, sind auch Foreigner, respektive deren Plattenfirma darauf aus, kurz vor Weihnachten noch ein paar zusätzliche Rubel zu generieren. Das letzte Studio-Album «Can't Slow Down», nota bene das Erste mit Lou Gramm Nachfolger Kelly Hanson (Ex-Hurricane), kam 2009 heraus. Da wäre es also in der Tat ein schönes Geschenk für die Fans gewesen, sich an einer neuen Langrille der AOR-Kultcombo erfreuen zu können. Doch was gibt es Einfacheres, als aktuelle Live-Aufnahmen entsprechend aufzubereiten?! So geschehen mit «The Best Of 4 And More», wo, wie es der Titel natürlich verrät, die vierte Scheibe «4» von 1981 im Zentrum steht. Die Angelegenheit wäre indes wirklich interessant gewesen, wenn sich Chief Mick Jones (g) und seine Mannschaft dem ganzen Album angenommen hätten. Doch wer den Titel genau liest, erkennt, warum dies nicht der Fall ist. Dennoch sind von den insgesamt zwölf Songs immerhin deren sieben von der besagten Hammerscheibe. Dazu gehören mitunter der Opener «Night Life», die Oberhämmer «Urgent» wie «Juke Box Heroes» sowie die Jahrhundert-Ballade «Waiting For A Girl Like You». Der Mitschnitt stammt von diesem Herbst und wurde aus zwei Konzerten in Atlantic City zusammengestellt. Obwohl die Interpretationen soweit den Anforderungen genügen, dürfte der Anlass erstens komplett bestuhlt gewesen und von den eher verhaltenen Reaktionen vor einem Publikum im gesetzteren Alter gespielt worden sein. Kein Vergleich zur Killer-Performance, die man 2006 am BYH!!!-Festival in Balingen (D) abgeliefert hat. Wer die Special-Edition von «Can't Slow Down» (2CD plus Live-DVD) besitzt, kann diese immerhin mit der Hälfte von «The Best Of 4 And More» ergänzen.
Rockslave   
Punkte:
keine Wertung
BOMBSHELL ROCKS – Generation Tranquilized
Burning Heart Records
Die schwedischen Punk-Rocker Bombshell Rocks sind zurück mit ihrem Original-Sänger Mårten Cedergran. Auf "Generation Tranquilized" zelebrieren sie durchgehend tanz- und pogbare, kurzweilig Nummern mit einem schon fast schottisch-irischen Akzent. Das ist zwar nichts neues, bietet aber grossen Hörspass. Hier wird kein Lick zu viel gespielt, sondern einfach frech losgerockt. Die Lieder kratzen höchst selten an der Vier-Minuten-Marke. Zur Not tut es auch mal ein Song unter eineinhalb Minuten. Wieso auch länger spielen, wenn dadurch nur Energie verloren gehen könnte? Der hohe Druck und die Schnelligkeit der Lieder sind es denn auch, mit welchem Bombshell Rocks ein Live-Erlebnis auf den überallhin tragbaren MP3-Player zaubern. Etwas über 33 Minuten dauern die zwölf Lieder. Danach schaltet man erschöpft, aber glücklich ab. Wer wieder einmal das Tanzbein schwingen möchte, ist mit diesem passenden Soundtrack bestens bedient.
Roger W.     
Punkte: 8.0 von 10
SPACE VACATION - Cosmic Vanguard
Pure Steel Records/Non Stop Music
Dies ist bereits das dritte Album der Kalifornier Space Vacation. Musikalisch wird hier toller Metal geboten. Eine Mischung aus Ami-Metal und NWoBHM. Man kann so einige kleine Details entdecken, die an Maiden oder gar Thin Lizzy erinnern. Oder auch High Spirits. Schon bei "More Is More" stechen die geilen Gitarrenriffs und die tollen Chöre raus. Auch der klare Gesang von Scott Shapiro passt gut zum Gesamtbild. Oder auch die starken Twin Guitars beim Titel-Track sind klasse, ebenso wie das folgende Gitarrenriff. "Get Down" erinnert am Anfang an Maiden und wird mit treibenden Gitarren vorangetrieben, dazu noch eine coole Gesangslinie, was braucht ein guter Metalsong mehr?! Und ohne Verschnaufpause geht’s gleich weiter mit "The Living Damned". Oder das flotte "Say My Name", ein Kracher folgt dem anderen. Danach die Doublebass-Granate "Battle Jacket" und zum Schluss noch "Land Of Steel", wieder ein treibender Metal-Song. Hier kommt man gänzlich ohne Balladen aus, volles Rohr durchgerockt. Die Mischung der Amis ist klasse und dürfte jedem Heavy Metal-Maniac gefallen. Klasse Album, 10 Tolle Songs, was will man mehr?
Crazy Beat    
Punkte: 8.0 von 10
YES - Like It Is - Live At At The Bristol Hippodrome (live)
Frontiers Records/Musikvertrieb
Aha, ein Live-Album von Yes, mal wieder. Doppel-CD mit DVD und Blueray, das volle Programm. Auf den ersten Blick nix besonderes mehr. Auf den zweiten Blick aber schon. Hier spielen die Briten mit ihrem neuen Sänger Jon Davison zwei komplette Alben. Zum ersten das 1971er-Werk "The Yes Album" und das 1977er-Album "Going For The One". Hier kann man doch einige sehr selten gespielte Perlen geniessen. Übrigens singt Shouter Jon Davison ziemlich gleich wie sein Vorgänger Benoit David oder auch Jon Anderson, also gesanglich fast alles beim alten. Gerade bei ruhigeren Sachen wie "Turn Of The Century" hört man das gut. Dadurch behalten die Lieder ihre Ursprünglichkeit. Und Highlights wie der elfminüter "Starship Trooper" gefallen mir sehr gut. Oder die typischen Yes-Chöre bei "I`ve Seen All Good People" erzeugen nach über 40 Jahren immer noch eine Gänsehaut, grosses Kino. Oder das leicht jazzige "A Venture", einfach nur Grossartig. Und geniesst einfach nur 18 Minuten lange "Awaken", Steve Howe ist immer noch ein unglaublicher Gitarrist, auch wenn er wie bei "Clap" die akustische Gitarre auspackt, grandios gespielt. Auch "Perpetual Change", eine unglaubliche Prog Rock-Nummer, die den Zuhörer einfach nur begeistert. In dieselbe Kategorie gehört auch das 11 Minuten Epos "Yours Is No Disgrace" Hier wird klar, wieso die Briten so viele Nachahmer ihrer genialen Musik haben, besser kann man Prog nicht zelebrieren und die älteren Herren spielen all die tollen Songs mit einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Dieser Doppeldecker ist nicht nur für Yes-Fans empfehlenswert, sondern für alle, die auf anspruchsvolle Musik stehen.
Crazy Beat   
Punkte:
keine Wertung
CRETIN - Stranger
Relapse Records/Non Stop Music
Ursprünglich bereits anno 1992 gegründet, verbrachten Cretin jedoch die meiste Zeit im Winterschlaf. Gründe dafür waren personelle Probleme, psychische Abstürze sowie eine Geschlechtsumwandlung von jetzt Gitarristin/Sängerin Marissa Martinez-Hoadley (dies erklärt auch warum ich mich nach der ersten Einfuhr von "Stranger" noch über das krass maskuline Organ der "Sängerin" gewundert habe). Aber wie auch immer, die Hauptprotagonisten Martinez, Bassist Matt Widener und Schlagzeuger Col Jones kennt man von Spezies wie Repulsion, Exhumed, Dekapitator und Liberteer und werden zumindest mal für diese Aufnahme durch Leadgitarristin Elisabeth Schall (Dreaming Dead) ergänzt. Und 14 Songs in knapp 33 Minuten sprechen hinsichtlich des Genres ebenfalls eine klare Sprache. Ja richtig, hier wird gegrindet. Und zwar amtlich, denn das kalifornische Quartett aus der Bay Area spielt sich in einen wahren Rausch. Das Material ist allgemein bezichnet zwar nichts das man als weltbewegend bezeichnen müsste oder sich Stilmitteln wie Dynamik und Abwechslung aufgeschlossen zeigen würde, aber die Attitüde stimmt. Die Instrumentalist(Inn)en vergessen bei aller Brachialität und passendem Mix den Groove nicht, zitieren dann und wann ein Slayer-Riff oder einen Napalm Death-Querverweis und bringen es sogar fertig homogen tönende Soli und Leads einzubinden die im Grind-Kosmos eigentlich so gar nicht der gängigen Etikette entsprechen. Keine Verschnaufpausen, keine Gnade, Blut und Stahl, Auge um Auge, schon fast ein bischen alttestamentarisch. Aber geil. Reinhören!
Hardy      
Punkte: 8.0 von 10
BATTLEAXE – Power From The Universe (Re-Release)
Steamhammer/Musikvertrieb
Achtung: Beim neuen Battleaxe-Album handelt es sich nicht bereits um eine zweite neue Veröffentlichung innert Jahresfrist, sondern um ein Re-Release von 1984. Im Vergleich zum diesjährigen Reunion-Album "Heavy Metal Sanctuary" klangen die Engländer vor 30 Jahren aber deutlich eingängiger, positiv schrummliger und der Gesang von Dave King deutlich angenehmer. Oder anders gesagt: Lässt mich "Heavy Metal Sanctuary" völlig kalt, wippt mein Fuss bei "Power From The Universe" gemütlich mit. Hier hat noch alles diesen zeitlosen, Blues-getränkten Hard Rock-Charme, während die Band 2014 irgendwie kalt wirkt. Klar waren Lieder wie „Licence To Rock“, „Killer Woman“ oder „Shout It Out“ wahrscheinlich bereits Mitte 80er Jahren schon nicht mehr originell. Das Material verfügt aber über das gewisse Etwas. Fans von frühem 80er Jahre-Heavy Metal können mit "Power From The Universe" bedenkenlos ihre Sammlung ergänzen. Allen andern sei gesagt, dass es hier doch das ein und andere Highlight zu entdecken gibt.
Roger W.   
Punkte:
keine Wertung
ALLTHENIKO - Fast And Glorious
Pure Steel Records/Non Stop Music
Konnte das norditalienische Powertrio Alltheniko vor zwei Jahren mit “Back In 2066” bei mir vorerst nur einen respektvollen Achtungserfolg einfahren, reicht es diesmal für eindeutig mehr. Das Grundrezept ist eigentlich immer noch das gleiche: Lupenreiner, schneller Heavy Metal mit ordentlich Eiern und ein Sänger, der scheinbar mühelos selbst Töne in den höchsten Gefilden meistert, gepaart mit spielerischem Können und einem guten Gespür für die ausgewogene Balance zwischen Härte und Harmonie ergeben eine rundum gelungene Mischung, die jeden True Metal-Liebhaber ansprechen dürfte. Die Pluspunkte gegenüber dem Vorgänger sind eindeutig: Die Band hat sich kompositorisch enorm weiterentwickelt und ihren Sound mit sehr sparsam eingesetzten, progressiven Einsprengseln bereichert, welche dem eh schon hochwertigen Hochgeschwindigkeits-Gebolze noch eine extrafeine Note verleihen. Zudem wurde den Songs diesmal endlich das richtige Soundgewand verpasst. Schwächelte der Vorgänger noch am eher inhomogenen, dünnen Mix, knallen diesmal die Tracks mit ordentlich Schmackes aus den Boxen. Jetzt kann man die zahlreich abgefeuerten, grosskalibrigen Granaten, die mit geschmackvollen Titeln wie „Tank Of Death“, „KaiserSteel“ (in genau dieser Schreibweise) oder „Scream For Exciter“ versehen worden sind, endlich in vollen Zügen geniessen und eine volle Dreiviertelstunde lang ununterbrochen durchbangen. Selbst das abschliessende Saxon-Cover „Power And The Glory (In Union We Stand)“ weiss zu überzeugen, da man es erstens mit einer eigenen, unverwechselbaren Note versehen und zweitens durch die Mitwirkung verschiedener Sänger aus Italien, Spanien und Deutschland veredelt hat. Mit „Fast And Glorious“ haben die drei Jungs ein ganz geiles, sehr kraftvolles Speed Metal-Album eingetrümmert, das der Band endlich jene Aufmerksamkeit verschaffen sollte, die sie auch redlich verdient, es wird langsam Zeit für etwas grössere Bühnen. Pflichtkauf für Headbanger und Kuttenträger der alten Schule!
Mirko B.
   
Punkte:
8.0 von 10
RENEGADE - Thunder Knows No Mercy
Pure Underground Records/Non Stop Music
Zuerst verpassen mir im Februar 2013 Steel Raiser mit „Regeneration“ einen ordentlichen Tritt in die Eier, dann schrauben mir Alltheniko mit ihrem aktuellen Output „Fast And Glorious“ gepflegt die Rübe ab, und Renegade versetzen mir jetzt mit „Thunder Knows No Mercy“ den finalen Gnadenstoss. In Anbetracht der Tatsache, dass Italien wirklich viele Jahre lang als metallisches Brachland galt, ist das sicherlich eine erfreuliche Entwicklung. Anders als ihre Labelkollegen Alltheniko zocken die Florentiner Renegade lupenreinen, klassischen Power Metal, jedoch ohne dabei auf bewährte wie auch risikolose Trademarks wie Kinderliedmelodien und mitsingbares Tralala zu setzen. Stattdessen schwört man voll und ganz auf die epische Seite des Metal, die den Songs einiges an Substanz und Tiefe verleiht und gleichzeitig die sporadisch cheesigen Momente auf ein schmerzloses Minimum reduziert. Auf dem Fundament eines sehr kraftvoll in Szene gesetzten Drumsounds, können sich die acht Tracks in ihrer ganzen Pracht entfalten, welche ich stilistisch am ehesten in die Nähe von Bands wie Hammerfall, Pegazus und sehr epische Saxon ansiedeln würde. Die High Pitch-Stimme mit markantem Vibrato von Frontmann Stefano Senesi erinnert dabei in ihren besten Momenten ganz fern an die von Geoff Tate und ist, wie häufig in diesem Genre, reine Geschmackssache, böse Zungen würden hier sicher wieder verächtlich von „Kastratengesang“ sprechen. Wie dem auch sei, das Gesamtpaket stimmt, auch wenn teilweise Vorhersehbares dabei ist wie beispielsweise „Into The Flame“, dessen Melodieführung man in den letzten Dekaden schon dutzende Male gehört hat. Diesen kleinen Makel machen allerdings Songs wie das rasante „The World Is Dying“ oder das vielschichtige „Screaming On The Edge“ locker wieder wett. Und wenn dann die Jungs im Monstertrack „Trail Of Tears“ ihre kompositorischen Muskeln richtig spielen lassen und danach nach weit über acht Minuten nahtlos in den von Pantera inspirierten Titelsong übergehen, haben sie das Rennen eh gewonnen. In einem gewissen sozialen Medium würde jetzt eine stilisierte blaue Hand mit nach oben zeigendem Daumen hier stehen.
Mirko B.
   
Punkte:
7.9 von 10
MICHAEL JESSEN – Memories
Massacre Records/Musikvertrieb
Der dänische Gitarrist Michael Jessen hat sich den ehemaligen Talisman- und Yngwie Malmsteen-Shouter Göran Edman geholt. Dies alleine schien dem Dänen nicht zu reichen und so hört man den Europe-Gitarristen John Norum bei „Blackwater“ in die Saiten greifen. Mister Jessen bietet guten Hardrock der sehr eigenständig aus den Boxen rockt. Herausragend ist neben der Gitarrenarbeit die gesangliche Leistung von Göran. In dieser Stärke habe ich den Sänger nicht mehr erwartet. Seine Stimme klingt frisch und unverbraucht. Speziell bei langsameren Parts wie „The Rose“ erklingt eine mächtige Erhabenheit. Die Truppe aber als Balladenband abzustempeln wäre komplett falsch, dazu schiesst der Gitarrist zu oft aus den Rohren. Wer auf eine Mischung aus alten Europe und Crazy Lixx steht, kann hier bedenkenlos zugreifen und wird definitiv nicht enttäuscht.
Tinu    

Punkte:
7.8 von 10
THE FLIGHT OF SLEIPNIR – V.
Napalm Records/Universal
Ihr Kinder Odins! Noch auf der Suche nach dem passenden Soundtrack, um einsam durch hoffentlich bald verschneite Nächte zu wandern? Dann liegt ihr The Flight Of Sleipnir und ihrem neuen Silberling genau richtig. Nichts anderes als ein akustisches Schneegestöber ist es nämlich, was das US-Duo mit ihrem Fünftling „V.“ abliefert. Dunkle Schönheit trifft hier auf brutale Kälte, schon im eröffnenden „Headwinds“, eine düstere Folk-Elegie mit choralem Gesang à la Ancient Vvisdom oder True Wisdom, die sich plötzlich zu eine brausenden Doom-Hymne mit keifenden Vocals auftürmt. Ätherisches Rieseln und martialisches Dröhnen, friedlich und wütend, entspannt und aufgebracht, das sind die Pole, zwischen denen eigentlich alle der sieben Nummern auf „V.“ hin und her wehen, die psychedelisch mäandernden „Sideral Course“ und „Gullveig“ genauso wie das stapfende „Nothing Stands obscured“ und mein persönliches Highlight, der verschliffene Occult Doomer „Archaic Rites“ mit weiblichem, leider nicht zu identifizierendem Gesang à la Jex Thoth. Psychedelic Black Sludge Doom könnte man das nennen, atmosphärisch, meditativ und trotzdem heftig. Oder eben den Soundtrack winterlicher Einsamkeit.
Kissi    
Punkte:
7.8 von 10
MAGNUM - On Christmas Day
Steamhammer/Musikvertrieb
Auf die Weihnachtszeit hin ist es ja Mode, dass man den Fans noch ein letztes Mal im alten Jahr die Kohle aus dem Sack zieht. Oft ist es eine Best-Of Scheibe und manchmal setzt es tatsächlich zur Jahreszeit passende Songs ab. Dabei wird jeweils unterschiedlich vorgegangen, das heisst entweder wird ein bekannter X-Mas Track interpretiert oder man macht sich echt die Mühe komponiert selber was. Ok, «Last Christmas» von Wham wird nie zu toppen sein und Schmuserocker Chris Reas «Driving Home On Christmas» ist auch ganz nett. Magnum haben sich dieser Aufgabe bereits 1994 auf dem Album «Rock Art» entledigt und mit dem über sieben Minuten langen Song (!) «On Christmas Day» alles richtig gemacht. Eigentlich ist dies ein waschechter Melodic-Rocker, der nur über den Text als Weihnachtssong erkannt wird. Das Thema, das in der Zeit des ersten Weltkrieges vor genau hundert Jahren angesiedelt ist, erzählt von den Gesängen unter den verfeindeten Soldaten während den Feuerpausen in den Schützengräben. Nun hatte da wer bei der Plattenfirma einen X-Mas Song als solchen angeregt, um postwendend zu erfahren, dass es diesen längst gibt! Das Resultat der Zeitreise zwei Dekaden zurück fand sofort Gefallen, und so wird das Teil nun zeitgerecht als Single (mit der Radio-Edit und Long Version) neu aufgelegt, mitunter als 10"-Vinylscheibe. Die B-Seite ziert derweil «Born To Be King» (von Goodnight L.A., 1990) und somit müssen/mussten die Herren aus Britannien dafür also keinen Finger rühren. Für echte Magnum-Fans, die eh längst alles ihrer Lieblinge schon im Regal stehen haben, ist also höchstens die Vinylausgabe interessant!
Rockslave   
Punkte:
keine Wertung
NIGHTINGALE – Retribution
InsidOut Music
Nach sieben Jahren Pause veröffentlicht Dan Swanö zusammen mit seinen Nightingale sein nächstes Werk. Seine Schreibblockade ist überwunden, und so liefert er wunderschöne Lieder irgendwo zwischen AOR, Art und Classic Rock ab. Es geht also eher etwas gemächlich zu und her. Und trotzdem schaffen es Nightingale, Lieder zu schreiben, die immer wieder hängen bleiben. Neben dem Songwriting trägt dazu die mal weiche, mal kraftvolle Stimme von Swanö bei. Viel Wert wurde auf Dynamik gesetzt. So entsteht bei „The Voyage Of Endurance“ durch den gezielten Einsatz von Laut und Leise und Erzähl-Gesang eine Hörspielartige Atmosphäre. Die Akustik-Gitarre scheint immer mitzuschrummern. Auch dann, wenn sie nicht so offensichtlich in den Vordergrund gemischt ist wie bei „Divided I Fall“. Zwischenzeitlich könnte man aufgrund der gewählten Keyboardklänge gar meinen, man höre ein neues Album des holländischen Prog-Meisters Arjen Lucassen. Härtere Klänge spielen Nightingale besonders während der ersten fünf Lieder an. Wobei sie auch hier zwischen kleinen Stampfern und epischen Refrains wechseln. "Retribution" ist ein Album, welches man Classic Rock-Fans mit leichtem Hang zum Prog ohne weiteres empfehlen kann. Über diesen engen Fankreis wird es aber trotz seiner Klasse wohl kaum Wellen schlagen können.
Roger W.  

Punkte:
7.5 von 10
BAILEY – Long Way Down
Frontiers Records/Musikvertrieb
Obwohl, selbst in Melodic-Kreisen, der Name Nigel Bailey weitgehend unbekannt ist, verfügt der Engländer über umfangreiche und langjährige Erfahrung als Songwriter und Studiomusiker. Im April dieses Jahres trat er erstmals richtig in Erscheinung als Sänger und Bassist des Projektes Three Lions. Zusammen mit Gitarrist Vinny Burns und Drummer Greg Morgan (beide Ten und Dare) erschien das Trio mit einem ersten Album auf der Bildfläche, das durchwegs auf wohlwollende Kritiken traf. Nun versucht es Nigel unter seinem eigenen Namen mit einem weiteren Longplayer, der im selben Metier angesiedelt ist. Unterstützt wurde er dabei vom Melodic-Spezialisten Frontiers Records und Tausendsassa Alessandro Del Vecchio, der die Keyboards und die Backing Vocals beisteuerte und die Scheibe produktionstechnisch betreute. Im Gegensatz zu Three Lions hat Nigel ein paar Scheite mehr ins Feuer gelegt und den Mix von AOR, Melodic, Rock und Metal schwerpunktmässig leicht in den härteren Bereich verschoben. Nichts desto trotz werden tiefenwirksame Melodien nach wie vor stark gewichtet. Nachvollziehbare Songstrukturen mit hohem Memoryfaktor sind die Norm. Zusätzlich hat der Mann mehrere Tracks mit äusserst eingängigen Refrains verfasst. Leider kann das zwischenzeitlich enorm hohe Level nicht durchgehend gehalten werden. Trotzdem überzeugt das Werk auf breiter Linie, nicht zuletzt durch die bluesigen warmen und intensiven Vocals im Fahrwasser eines David Coverdales.
Chris C.  

Punkte:
7.5 von 10
HELLVETICA - Deadly Eyes
Eigenvertrieb
Wie der Name unschwer erkennen lässt, handelt es sich bei Hellvetica um Eidgenossen. Schon 2004 gegründet, musste das Quintett einige Line Up-Wechsel erleben, scheint aber nun zu einer stabilen Besetzung gelangt zu sein. Mit „Deadly Eyes“ legen sie ihren dritten Output vor, nach einem Demo 2009 und dem Longplayer „Your Last Breath“ 2011. Stilistisch bewegt man sich im Bereich von modernem Death / Thrash Metal mit ziemlich ausgeprägter Hardcore-Schlagseite. Entsprechend überwiegen groovende Mosh-Parts, man darf sich aber auch mal über ordentliches Geprügel freuen und manchmal sogar über etwas Punk-Attitude, dem Hardcore sei Dank! Richtig geil finde ich „Take Back My Life“ - der Song hat richtig Drive, ein ordentliches, punkiges Riff und Tempo. In eine ähnliche Richtung nur mit mehr Thrash geht auch die Strophe von „The Dream is Dead“ - wo Sänger Roman Wettstein besonders gut zeigen kann, dass seine Stimme sehr variabel ist. Nicht ganz so gut kommt meiner Meinung nach leider „Forever Revolution“ - irgendwie hört sich der Song so an, als ob er ständig darauf wartet, richtig anzufangen. Auch „Face the Facts“ schafft den Sprung aus dem Durchschnittsbereich nicht, obwohl hier handwerklich alles stimmt - wie auch sonst auf der Scheibe. Der Titelsong reisst’s mit einem gelungenen Riff wieder raus, so dass die stärkeren Songs im Gesamtbild überwiegen. Ich glaube aber, dass diese Songs vor allem live ihre volle Wirkung entfalten und sicherlich extrem geil kommen, gerade auch durch die Refrains zum Mitschreien, die voll ins Ohr gehen. Beim Songwriting und in Punkto Innovation und Eigenständigkeit ist hier noch Luft nach oben, dennoch ist das Mosh- und Headbangmaterial vom Feinsten!
Lucie W.  

Punkte:
7.5 von 10
CRIMSON BLUE - The Angelic Performance
My Kingdom Music
Wo soll ich anfangen? Also: Hierbei handelt es sich nicht um eine klassische Female Fronted Gothic Metal-Band, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Stattdessen zelebriert die Kombo aus Russland eine bewegende Mischung aus Gothic und Progressive Metal mit epischen Melodiebögen und immer wieder neuen Stilblüten. Das Ganze läuft unter dem klingenden Namen Gothic/Art Metal. Das Gesamtbild erinnert tatsächlich ein wenig an moderne Kunst - hier eine 8-saitige Gitarre, da ein massiv tiefer gestimmter Bass und die Frontsirene trägt eine Keytar mit sich rum. Nein, Mainstream ist definitiv was anderes! Sehr speziell ist auch die Länge der Tracks. Während die meisten sich im normalen 3-4 Minuten Radius tummeln, stechen einige hervor: "Lab Il Yggdrasil" ist ein wunderbar progressiver Track mit fast 10 Minuten Laufzeit, übertroffen nur noch vom pompösen Epos "Black Wings" mit seinen 11:29 Minuten. Sehr schön sind auch die leicht sphärisch angehauchten arabischen Elemente wie bei "Locust" oder auch "Tonalli". Im Mittelpunkt steht meist die schaurig schöne Stimme von Sängerin Dani Halleström, die mal kräftig losrockt und dann wieder sanftere Töne anschlägt, wie in der wunderschönen Ballade "Road To Oblivion". Am ehesten vergleichbar sind Crimson Blue mit Lacuna Coil, allerdings weniger radiotauglich. Fazit: Crimson Blue wandeln abseits der ausgetretenen Pfade, vereinen aber doch die typischen Elemente des Gothic Metal mit progressiven Einschlägen in sich. Wer also neue Musik aus dieser Ecke sucht, die nicht so klingt, als käme sie aus der immer gleichen Konserve, der sollte der russischen Band definitiv eine Chance geben!
Patricia H.  

Punkte:
7.5 von 10
SIVYJ YAR – From The Dead Villages‘ Darkness
Avantgarde Music
Russland ist nach wie vor nicht so richtig auf meinem Radar, wenn es um Metal geht. Sivij Yar kann man daher schon ein Stückweit Exotenbonus dazu rechnen, wenn auch der Sound nicht viel Neues mit sich bringt. Atmosphärisches Black Metal mit dem Klang von Bands aus den späten Neunzigern. Der leicht paganistische Unterton kann man nicht verleugnen. So beginnt das Album mit Flöten und Synthesizer, bevor der Song sich nach und nach aufbaut. Streicher unterstützen dabei die Atmosphäre, ziemlich schnell kommen Erinnerungen an alte Negura Bunget in den Sinn. Melodiöse, hallgeladene Riffs wie beim Titeltrack oder Stellen wie der Beginn von ‚Distant Haze Was Rising‘ laden noch eine Portion Post oben drauf, also könnten Fans von Wood of Desolation oder Falloch vielleicht noch Gefallen daran finden. Und so geht das Album weiter, dezente Synthesizer malen im Hintergrund vereinzelte Akzente, während vordergründig die Gitarren für anhaltende Kaskaden sorgen. Ein düsteres, atmosphärisches Stück Black Metal, das nach mehrmaligem Hören noch immer gut klingt. Als Anspieltipp kann man ‚With The Birds Farwell Song‘ nennen, der zum Abschluss nochmals alles bündelt, was vorher gezeigt wurde.
Tristan  

Punkte:
7.5 von 10
PAGANIZER – 20 Years In A Terminal Grip (Best Of)
Cyclone Empire
Muss man wirklich noch grosse Worte über das Schweden-Quartett verlieren? Ich denke nicht, und somit fällt auch die Wertung dieser Best Of-Scheibe ziemlich kurz und bündig aus – die Jungs haben sich ja damals 1994 unter dem Banner Terminal Grip formiert, um knapp 3 Jahre später Paganizer zu gründen. Soviel mal zum geschichtlichen Abriss der Jungs. Paganizer verbinden hier nun auf dieser Compilation viele Tracks ihrer kompletten Discography, soweit ich dies beurteilen kann, da ich persönlich in der Flut an Veröffentlichungen den Überblick ziemlich heftig verloren habe. Egal, auf jeden Fall lohnt sich diese historische Reise sowohl für Komplettisten (es hat mehrere Tracks in einer früheren Version drauf als tatsächlich releast) als auch für Neueinsteiger, die mal ein ordentliches, schwedisches Brett zum Abschädeln benötigen.
Toby S.    

Punkte: keine Wertung
RAM VS. PORTRAIT – Under Command (split)
Metal Blade/Sony Music
Diese sechs-Track Split-CD ist ein liebevolles Bandprojekt und eine gute Idee. Man nehme mit Ram und Portrait zwei schwedische Old School-Heavy Metal-Bands, welche sich super verstehen und musikalisch zusammen passen. Man gebe beiden den Auftrag, je ein eigenes Lied zur Verfügung zu stellen, eines der anderen Band zu covern plus einer weiteren Band Tribut zu zollen. Und fertig ist die Sache. Klingt einfach? Bedeutet aber wohl sehr viel Arbeit. Ram präsentieren sich nun mit dem eigenen „Savage Machine“ und covern Portraits „Welcome To The Funeral“ und Kiss' „Creatures Of The Night“. Beide Fremd-Interpretationen klingen dabei nicht wie das Original, sondern wie ureigene Lieder von Ram. Dasselbe gilt auch bei Portrait, welche neben Ram’s „Blessed To Be Cursed“ Exciters „Aggressor“ zum Besten geben. Dabei empfinde ich den Gesang von Per Lengstedt für einmal nicht so grottig, wie bei den eigenen Liedern. Für Fans, welche beide Bands mögen, ist diese Split-CD ein durchaus spannendes Erlebnis. Wer erst eine davon kennt, kann hier die andere entdecken. Wen das ganze aber überhaupt nicht interessiert, verpasst hier auch nicht viel. Daumenhoch für dieses gelungene Projekt.
Roger W.    

Punkte: keine Wertung
DARKHER – The Kingdom Field (EP)
Prophecy Productions/Non Stop Music
Das ist Musik, die perfekt zu einem Film passen würde! So etwas in der Richtung schoss mir durch den Kopf, als ich die Single von Darkher (hinter dem Bandnamen verbirgt sich eine Multiinstrumentalistin namens Jayn H. Wissenberg) durch die Anlage rauschen liess. Hier wird nicht mit harten, sondern atmosphärischen Tönen gearbeitet, die Grundstimmung kann getrost als post-apokalyptisch bezeichnet werden („Foregone“), aber auch als mystisch („The Kingdom Field“), verträumt („Hung“) und irgendwie alles zusammen („Ghost Tears“). Die ganze Musik lebt vom Aufbau der Atmosphäre durch diverse Instrumente sowie dem sehr ruhigen, fragil wirkenden Gesang der guten Dame. Mehr muss hier nicht gesagt werden, denn Darkher spielen weder Rock noch Metal, sondern kreieren ein atmosphärisches Stück Ambiente, das im richtigen Kontext genossen werden will.
Toby S.    

Punkte: keine Wertung
CLOUDKICKER - Live with Intronaut (live)
Century Media/Universal
Ben Sharp ist ein Ein-Mann-Projekt und Intronaut eine Band. Beide zusammen sind auf Tournee gegangen, darum wird jetzt dieses Album veröffentlicht. Unter dem Namen Cloudkicker können sich die meisten sicherlich wenig bis gar nichts vorstellen. Nun, Ben Sharp spielt alle Instrumente selber, was bei den Progmusikern gang und gäbe ist. Alleine kann man schlecht Konzerte spielen, darum auch die Kollaboration mit besagter Band Intronaut. Soundtechnisch dringen wir in Sphären des Klanguniversums ein, die träumerisch und eben vertrackt agieren. Vielleicht könnte man sich auch Pink Floyd so vorstellen, wenn sie eine härtere Gangart an den Tag legen würden.
Daniel J.
   
Punkte: keine Wertung
MORTUARY DRAPE – Spiritual Independence
Iron Tyrant
Beim Cover, das muss ich gestehen, war ich schon in freudiger Erwartung. Denn eigentlich gibt es nur drei Möglichkeiten: einen grossen Haufen Old School Death oder Black Metal, der passabel klingt. Oder ein Album, das stinkt. Und dieses eine Mal war die Statistik auf Meier Seite, denn ‚Spiritual Independence‘ klingt fast wie vor zwanzig Jahren. Nicht ganz so surrend wie aus Skandinavien, der Bass nimmt beispielsweise eine sehr prägnante Rolle ein, aber doch mit dem dumpfen, erdigen Sound früher Death und Black Metal Vertretern. Das Tempo ist sehr dynamisch, so richtig schnell wird es aber nie. Dafür gefallen die hörbaren Ursprünge im Thrash und klassischen Heavy Metal. Dazu gehört zum Beispiel auch das Soli bei ‚Natural Death‘ oder …. Wirklich spannend sind aber die urigen, eigenen und auf den ersten Blick abschreckenden Ideen wie dezente Keyboardsounds oder akustische Einlagen, was einen ganz eigenen Charme versprüht. Oder auch ein spaciges Intro wie bei ‚Immutable Witness‘ mag auf den ersten Blick gar nicht passen, ist aber dann doch der Grund für das wiederholtes Hinhören. Dass die Italiener seit 1986 unterwegs sind, hört man dem Sound gut an. Ein eigenständiges, merkwürdiges Stück Musik, das durch Eigenständigkeit trumpfen kann.
Tristan   

Punkte:
7.0 von 10
HYBRID SHEEP - Free From The Clutches Of God
Tenacity Music
Hybrid Sheep aus Frankreich bringen mit "Free From The Clutches Of God" ein bemerkenswertes Deathcore-Debut heraus. Bemerkenswert nicht, weil sie das Metal/Deathcore-Genre neu erfinden, sondern die eigentlich guten, melodiösen Kompositionen von z.B Trivium nutzen, dabei aber auf Cleangesang und kitschigen Melancholismus verzichten und untenrum noch ein wenig Härte und Brachialität einsetzen. Somit findet man auf "Free From The Clutches Of God" die immergleichen und zigtausendmal gehörten Melodiefolgen und Breaks, jedoch ohne weinerliches Gejammer. Wenn die Core-Welle so angefangen hätte, hätten sich wohl die Emokids der Nullerjahre nicht die Arme geritzt sondern angefangen, Musik zu machen. Erfrischend gutes Metal/Deathcore-Album aus Frankreich.
Steve Butcher  

Punkte: 7.0 von 10
NOCTIFERIA – Pax
SAOL
‚Musikalisches Chamäleon‘, ‚treibende Kraft der Metalszene auf dem Balkan‘, ‚… den Status eines Innovators in einer oft stilistisch festgefahrenen Metalszene… ‚ – Nun, wir alle wissen, was für einen Schrott in solchen Marketing-Blättchen stecken kann. Im Falle von Noctiferia bin ich aber geneigt, zumindest teilweise zuzustimmen, und zwar beim Wort ‚Chamäleon‘ – es ist zwar beileibe nicht so, dass „Pax“ nun vor Individualismus und Innovation nur so strotzt, aber wandelbar scheint der Sound trotz einer gewissen Gleichmässigkeit zu sein. Nur so lässt es sich erklären, dass „I Am You“ zwar sehr ähnlich klingt wie die anderen Tracks, aber mittels cleanen, leicht verfremdeten Vocals plus den Geschrieenen mit einem Auf und Ab der Soundlandschaft etwas erschafft, das sich nur schwer fassen lässt. Und dies lässt sich im Prinzip auf die anderen Tracks ebenfalls anwenden, auch wenn stellenweise gar arg die stilistische Nähe zu Slipknot/Stone Sour, Static-X oder Drowning Pool auffällt. Dennoch haben die Slowenen einen düsteren Touch, der sich als roter Faden durch das Album zieht und hiermit ein Trademark darstellt. Fazit: Wer etwas mit den genannten Bands anzufangen weiss und bereit ist, sich in ein Album reinzuhören, der könnte eine Abrissbirne der düsteren Sorte entdecken. Nicht für alle geeignet, aber definitiv nicht schlecht!
Toby S.   
 
Punkte: 7.0 von 10
SOUTH OF YOU - Moments
Killes By Records
Laut Pressetext spielen South Of You einfach nur Rock und präsentieren mit "Moments" ein Album, das vielen Leuten gefallen wird. Dem Metalhead, seinem Bruder, seiner Schwester. Und seiner Mutter. Eine mutige Behauptung? Ja, doch eigentlich kann ich das genau so unterschreiben. Sehr schöne, gitarrenlastige Musik mit Clearvocals, sehr melodielastig und mit leicht poppigen Anwandlungen - ein Konzept, das geradezu nahtlos aufgeht. Naja, fast. Vielleicht ist es ein wenig zu glatt, zu straight forward. Das dreckige des Rock'n'Roll bleibt etwas auf der Strecke, und von Headbang-Material kann nun wirkich keine Rede sein. Doch ja, "Moments" ist ein nettes Album mit tollen Musikern. Kryptan, Ex-Bassist bei Katatonia, hat sich mit ein paar Freunden aus seiner Kindheit zusammengerauft und South Of You gegründet, um einfach nur Rock zu spielen. Und genau das kriegt man auch zu hören. Für ein Debutalbum ist es schon mal ein sehr guter Anfang, doch in dieser Band steckt wohl noch einiges an Potential!
Patricia H.    
Punkte: 7.0 von 10
RANCID - ...Honor Is All We Know
Epitaph Records
Rancid ist eine Punkband mit Ska-Einflüssen aus Berkeley, Kalifornien. Die Band wurde 1991 von Tim Armstrong und Matt Freeman, zwei ehemaligen Mitgliedern der Band Operation Ivy, gegründet und gelten als eine der einflussreichsten Bands des 1990er Jahre-Punk-Revivals. Mit "Honor Is All We Know" steht nun das das bereits achte Album der amerikanischen Punk-Legende in den Regalen. Rancid kann man guten Mutes auch als Motörhead des Punk Rock bezeichnen, stets solide, der Musik treu und immer wieder mal mit einem Gassenhauer daherkommend. So verhält es sich auch mit der neuesten Scheibe der Kalifornier, typische Rancid-Mid Tempo-Punk/Ska-Tanznummern, die mit wohlüberlegten hooks versehen sind. Leider geht dieses Konzept nur auf, wenn man auch immer wieder einen "Hit" auf der Platte verzeichnen kann, welcher die Masse dazu bewegen kann, die Platte zu holen. So ein Lied, welches sich im Gehörgang festsetzt, fehlt auf der neusten Rancid-Scheibe leider gänzlich. Somit dürfte es schwer sein, eine neue Generation von Rancid-Jüngern heranzuziehen, für alteingesessene Fans ist "Honor Is All We Know" aber sicherlich ein Pflichtkauf.
Steve Butcher    
Punkte: 7.0 von 10
GREENWICH CAVERN - Monkeys On Monuntain
Bad Reputation/Non Stop Music
Das französische Rock-Quartett Greenwich Cavern macht es einem nicht gerade einfach, eine wirklich aussagekräftige Kategorisierung für seinen Sound zu finden. Typischer Garagenrock amerikanischer Prägung befindet sich ebenso auf dem Rundling wie auch runtergerotzte Schweinerock-Smasher mit deutlicher Punk-Schlagseite, und dass die Band ebenfalls eine Affinität zu australischem Pubrock besitzt, beweist sie mit dem treibenden Titelsong. Wer also etwas Abwechslung mag, ist hier an der richtigen Adresse. Allerdings haben es die vier Monsieurs damit vielleicht auch ein Bisschen zu gut gemeint, denn neben den locker runtergeschwurbelten Gassenhauern befinden sich mit „No Reason“ und „See You“ auch zwei doch recht schmalzige Balladen auch dem Scheibchen, die sich nicht so recht ins restliche Material einfügen wollen. Dabei wüssten die Jungs eigentlich genau, wie man ruhigere Klänge kompetent mit dezenter Härte kombiniert, wie das an Guns'n'Roses angelehnte, grossartige „Nobody Knows“ eindrücklich demonstriert. Unterm Strich ist und bleibt aber „Monkeys On Mountain“ eine Rockscheibe, die einfach Spass ausstrahlt und durch ihre spartanische Machart besticht. Das Gros der elf Songs kommt schnell auf den Punkt und eignet sich somit vorzüglich als sonores Gegenmittel zur Linderung von durch zu exzessivem Konsum von Symphonic Metal, Prog Metal und Math Core verursachter auditiver Reizüberflutung. Kein Überflieger, aber zweifellos eine ganz solide Angelegenheit, die auf mehr hoffen lässt. Bien fait, les gars!
Mirko B.
    
Punkte: 6.9 von 10
THOMAS GILES - Modern Noise
Metal Blade/Sony Music
Who the Fuck is Thomas Giles? Zum Glück existieren Infoblätter von der Plattenfirma, denn hier könnte es sich auch um einen Tennisspieler handeln oder sonst was. Es geht hier um Progressive. Tommy Rogers ist Sänger von Between The Buried And Me und hat hier sein Soloprojekt am Start. Kennen wir doch irgendwie. Gut, jeder hat das Recht, so viele Platten zu veröffentlichen, wie er will, das muss man einfach akzeptieren ohne wenn und aber. Kommen wir zur Musik des Kerls, beim Alternative/Prog gibt es immer den selben Namen, nämlich Pink Floyd. Nichts neues im Westen könnte man hier schreiben. Nun ja, wer mit dieser Mucke etwas anfangen kann, sollte mal ins zweite Album des Ausnahmekünstler Rogers hineinhören. Das Ganze ist nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut, halt was für Fans dieses Genres, die alles vergöttern, was mit Prog in Berührung kommt.
Daniel J.   
 
Punkte: 6.9 von 10
SOULBURN - The Suffocating Darkness
Century Media/Universal
Soulburn entstanden 1996 aus den Resten der holländischen Death Metal-Institution Asphyx, veröffentlichten 1998 ihr Debut „Feeding On Angels“, welches – oh Überraschung! – sehr stark nach Asphyx klang, weshalb man sich konsequenterweise kurz danach auch wieder mit selbigem Namen schmückte. Nach dem Ausstieg von Ur-Trommler Bob Bagchus und Interimsgrunzer Wannes Gubbels vor rund einem Jahr wurde das Thema Asphyx wieder ad acta gelegt, man holte sich kurzerhand Felldrescher Bob Bagchus zurück hinter die Kessel, heuerte Twan van Geel als neuen Mann am Mikro an und nannte sich fortan wieder Soulburn. Wer jetzt immer noch keine Kopfschmerzen hat, kann sich im Selbststudium mal einen Überblick darüber verschaffen, welche Ex- und immer noch Mitglieder von Asphyx, Soulburn, Legion Of The Damned, Thanatos, Hail Of Bullets und Grand Supreme Blood Court gerade in welcher Band tätig sind, ich erspare mir das gerne. Musikalisch fällt vor allem eins auf: Verglichen mit dem Vorgänger schielt „The Suffocating Darkness“ immer wieder sehr stark in Richtung Black Metal, was nicht nur an den mehr keifenden als growlenden Vocals von Twan van Geel liegt, sondern auch an den mehr als nur sporadisch eingesetzten, typisch schwarzmetallischen Schrammel-Riffs in Kombination mit Blastbeats. Vom Death Metal hat man glücklicherweise die eher basslastige Brachialität und immer wieder das alles niederwalzende Mid Tempo beibehalten, das zuweilen in gar doomige Schwerfälligkeit abdriftet („I Do Not Bleed From Your Crown Of Thorns“) womit Soulburn eigentlich Exponenten verschiedener Lager zufriedenstellen sollten. Somit alles in Butter? Nicht absolut, denn obwohl der alte Szenehase Dan Swanö für einen pulverisierenden Sound gesorgt hat, fehlt es den Songs irgendwie an richtigem Wiedererkennungswert. Neben dem eben genannten Brecher bleibt einzig „Hymn Of The Forsaken II“ noch irgendwie für längere Zeit im Ohr hängen, und das auch nur dank des Umstandes, dass man hier düster-schräge female Vocals eingefügt hat, die entfernt an Celtic Frost auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität erinnern. Der Rest bewegt sich auf gutem Niveau, ohne dabei jedoch wirklich aufhorchen zu lassen. Solider Stoff für musikalische Extremisten, nicht mehr und nicht weniger.
Mirko B.    
Punkte: 6.9 von 10
PAUL DI’ANNO – The Beast Arises (DVD)
Metal Mind
Nun ja, dass der legendäre Paul, er hat die beiden ersten Iron Maiden-Scheiben eingesungen, noch immer von vielen Fans als DER Maiden-Shouter angesehen wird, kann Paulchen auf dieser DVD nachhaltig unter Beweis stellen. Sind doch 13 der 15 Tracks aus der Frühphase der eisernen Jungfrau. Allerdings wird leider schnell klar, dass der Lebensstil von Mister Di’Anno stark seine Spuren hinterlassen hat und er weit davon entfernt ist, sein Legendenstatus zu polieren… Wieso er sich nur auf die Maiden-Zeit beschränkt, weiss Paul wahrscheinlich nur selber. Mit seiner Killers Scheibe „Murder One“ hat der Sänger auch nach seiner Maiden-Zeit für Furore gesorgt. Die bleibt leider im Schrank stecken und so präsentiert sich der Schreihals als Schatten seiner selbst und als „Gefangener“ seiner Vergangenheit. Man kann dieser DVD sicherlich einiges abgewinnen und mit einem nostalgischen Flair an die guten alten Zeiten eine kleine Träne verdrücken. Allerdings, nüchtern betrachtet, tut sich Paul mit dieser Veröffentlichung und seinem angestaubten Image keinen Gefallen.
Tinu  

Punkte: 6.8 von 10
TAAKE – Stridens Hus
Dark Essence Records
Bei diesem Namen kann ich einfach nicht unvoreingenommen hinhören. Die Riffs, die Melancholie und die Wut in den Songs, dazu der eisige und archaische Sound, kaum eine andere Band schafft so viel Dichte in ihre Lieder zu packen. Dazu zähle ich auch den partytauglichen Vorgänger, von dessen Riffs man einiges lernen kann. Ganz so eingängig ist Stridens Hus nicht mehr, nichts desto trotz bleibt der ureigene Klang erhalten. Zwischenteile wie bei ‚ Det fins en prins‘ sind so eindeutig von Hoest geschrieben, da fühlt man sich fast schon zurück bei ‚Nattestid‘. Fast, denn natürlich sind die Aufnahmen inzwischen moderner und differenzierter geworden, was sich ja auch schon bei den Vorgängern gezeigt hat. Doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt, so schwächelt das Album mit ‚Stank‘, dessen langweiliger Riff ziemlich schnell zu nerven beginnt. Und auch ‚Kongsgaard Bestaar‘ wirkt wie noch nicht ganz fertig. Dafür wird mit ‚Vinger‘ und auch den ersten beiden Songs des Albums was geboten. Alles in allem keine schlechte Scheibe, aber in meinen Augen nicht die beste Veröffentlichung der Geschichte.
Tristan  

Punkte: 6.5 von 10
IN THIS MOMENT - Black Widow
Atlantic Records/Universal
In This Moment sind mit Frontfrau Maria Brink im Modern Metal zu finden. Dieses Album ist verdammt schwierig in einem Faden durchzuhören, denn man mischt so viele Stile durcheinander, dass dem Hörer schon fast schwindlig wird. Man findet poppige Elemente, auch gotische Sachen, Electro, und ja, man glaubt es kaum, auch härtere Gitarrenriffs in den Songs der „schwarzen Witwe“. Maria Brink singt sich in einen Rausch der Emotionen und schreit sich die Seele aus dem Leib, als hätte ihre letzte Stunde geschlagen. Es gibt auch gute Elemente in den Tracks, aber wie schon erwähnt, die Harmonie ist hier nirgends zu finden. Schade, denn früher waren die Amis besser, jetzt sucht man die Kohle und wird aber mit dieser Leistung eher eine Bruchlandung machen.
Daniel J.  

Punkte: 6.5 von 10
MAMBO KURT – Weihnachten
Metalville/Musikvertrieb
Das Wacken-Phänomen Mambo Kurt feiert Weihnachten, und die gesamte deutsche Metalwelt feiert mit! Alle Nicht-Deutschen werden sich an dieser CD aber wohl die Zähne ausbeissen. Soll man das nun gut, lustig oder einfach nur schlecht finden? Weihnachtsstandards wie „Feliz Navidad“, „Jingle Bells“ oder „Last Christmas“ sind durchaus sauber aufgenommen und bieten teilweise überraschenden Arrangements. So wird zu „Oh du fröhliche“ gerappt, oder wie bei „Mary’s Boyfriend“ auch mal ein Pop-Beat unterlegt. Die Backingvocals der singenden unbekannten Damen und die Chöre sind ebenfalls weit entfernt von schlecht. Setzt aber Mambo Kurt seinen sauberen, aber ausdruckslosen Gesang ein, ist es empfehlenswert, eine Toilette in der Nähe zu haben. Ist das noch Humor oder einfach nur jämmerlich? Oder versteht sich Mambo Kurt gar als Parodie auf das heutige niveaulose TV-Programm? Wirft man einen Blick auf seine Biographie, verdichtet sich der Parodie-Verdacht. "Weihnachten" von Mambo Kurt ist eine CD für Leute, welche das Gebotene als Humor empfinden – einen sehr schrägen, für mich nur schwer nachvollziehbaren Spass!
Roger W.  

Punkte: 6.5 von 10
ENABLER - La Fin Absolute Du Monde
Century Media/Universal
Enabler kommen aus Amerika und haben sich für ihr neustes Album den französisch-träumerischen Titel "La Fin Absolute Du Monde" ausgesucht, was übersetzt "Das absolute Ende" bedeutet, und dann auch nicht mehr so schön klingt. Hinter dem trügerischen Titel und der dazugehörigen Band versteckt sich ein wahres Underground-HC-Bollwerk. Das Trio aus Milwaukee rund um Mastermind Jeffrey Lohrber knallt in absoluter Geradlinigkeit und rotzfrechem Minimalsismus HC in die Gehörgänge rein. Neben dem bereits erwähntem Gitarrist und Sänger Jeffrey Lohrber und dem Drummer Ryan Steigerwald ist besonders Bassistin und Vokalistin Amanda Daniels hervorzuheben, die Backingvocals schreit die (hübsch anzusehende) Dame in einer Derbheit heraus, dass man sich mehr Einsätze von ihr wünscht. Ansonsten sind Enabler ein Garant für fetzigen und aufs Minimum reduzierten Garage/Punk/HC, und mit dem Opener "Close My Eyes" und dem Hammertrack "Sickened By The Wake" sind auch Stücke vertreten, die zum klassiker werden könnten.
Steve Butcher   

Punkte: 6.5 von 10
VICTORIOUS – Dreamchaser
Sonic Attack Records
Mitten zwischen Rhapsody Of Fire, Helloween und Freedom Call bewegen sich Victorius, was an und für sich nichts Schlechtes ist. Allerdings sind die Hyper-Speed-Doublebass und -Gitarren genau das, was den Songs das Flair nimmt. Sicher hymnisch und technisch einwandfrei dargeboten, ist mir diese Dudelei und die aufgesetzten Chorpassagen aber zu viel. Analog wie Sonata Arctica klingt auch hier vieles interessant, wirkt mit der Zeit aber zu monoton und langweilig. Dafür werden mich nun viele steinigen und vierteilen. Ich weiss, dass Victorius ihren Weg gehen werden und viele, sehr viele Freunde finden werden. Das haben Sabaton und Powerwolf auch… Aber als „alter“ Metaler, der die jungen und wilden achtziger Jahre miterleben durfte ist dies hier nur ein müder und übermotivierter Versuch…
Tinu    

Punkte: 6.5 von 10
WRETCH – Warriors
Pure Steel Records/Non Stop Music
Von Judas Priest, Iron Maiden, Dio und Helloween sind Wretch beeinflusst und eröffnen gleich mit tollen Doppel-Leads „Warriors“. Das Intro „Into Madness“ geht nahtlos in den Opener „Sleepless Dreams“ über. Was hier wirklich gut klingt hat das Handicap, dass Sänger Ron Emig den Lieder das Flair raubt. Auch wenn alles sehr amerikanisch klingt, an die grossen US-Shouter wie Mike Howe (Metal Church), James Rivera (Helstar), John Bush (Armored Saint), oder Carl Albert (Vicious Rumors) kommt Ron nicht heran. Mit Breaks garniert und tollen Solos haben die 13 Tracks ein typisches Maiden-Flair, das wirklich ab und an die Stimmung von Priest-Klassikern aufnimmt. Alles allerdings auf einem tieferen Level. Antesten? Wieso nicht? Blindlings kaufen? Eher nicht!
Tinu   
Punkte: 6.5 von 10
SIN7SINS - Purgatory Princess
Suburban Records
Wer aktuell auf die offizielle Homepage der Niederländer geht und das mit schwarzweiss dargestellte Bild der Frontfrau Lotus sieht, wird sogleich an die amerikanische Sängerin Pink erinnert. Doch das, also das Äussere ist dann auch gleich das Einzige, was die beiden Frauen verbindet. Die Band aus Rotterdam ging 2007 aus einem Projekt hervor und drei Jahre später wurde das Debüt-Album «Perversion Ltd.» veröffentlicht. Nach früheren Auftritten in der Heimat folgten einige Gigs mit Epica, Leave's Eyes und Sepultura. Der Düster Metal, der je nachdem etwas nach Delain, Nightwish, Lordi oder Deathstars klingt, bekommt durch die bestimmenden Female Vocals von Lady Lotus eine eigene Note. Bei der zweiten Langrille «Carnival Of No Tomorrow» (2012) wirkte ein gewisser Dan Swanö (Ex-Edge Of Sanity) nicht nur als Gast mit, sondern übernahm auch gleich die Produktion und den Mix. Das färbte sicher auch etwas auf die Musik von Sin7Sins ab, die, zusammen mit den Growls (und Cleanvocals) von Gitarrist Gen Morphine, die bekannte "Gut/Böse"-Schiene bedient. Unlängst ist nun mit «Purgatory Princess» die dritte Scheibe auf die Menschheit losgelassen worden und auch hier hatte Herr Swanö wieder seine Finger mit im Spiel. Album Nummer #3 ist bekanntlich mit einer gewissen Bürde behaftet. Warum ich bisher noch nicht die Band aufmerksam geworden bin, ist wohl eher Zufall, respektive hat wohl damit zu tun, mit wem die Gruppe bisher unterwegs war. Da diese Bands bei mir halt nicht zuoberst auf der interessensmässigen Prioliste stehen, ist die Situation schnell erklärt. Die weiteren Musiker sind Tristan Hex (g) und Corbin Crow (b). Was offenbar fehlt, ist ein fixer Schlagzeuger und für das Synthie-Zeug wird auch kein Name explizit genannt, was dann live schon mal suboptimal ist. Eigentlich hatte man die neuen Songs schon letztes Jahr beisammen, doch offenbar passte es mit der Auslese erst jetzt! Der Opener «Heart Of Stitches» geht tempomässig, inklusive mehrerer Tempobreaks schon mal ordentlich ab. «Stronger» ist ähnlich aufgebaut und irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier ein Drum-Computer am Werk ist und, bis auf den reichlich komischen Klang der "Cymbals", geht es gerade noch. Grooviger kommt «Take Your Hands Off Me» daher und das Sanges-Organ von Lotus ist halt schon ziemlich dominant. Da gefallen mir Delain dann schon besser, auch weil hier kaum Ohrwurmmomente vorkommen. Erst die Piano-Ballade «Bittersweet Dreams» offenbart eine andere und an sich sehr schöne Klangfarbe der Leadvocals, die leider viel zu wenig zum Vorschein kommen. Der überwiegende Rest flasht mich nicht besonders bis gar nicht, da Sin7Sins insgesamt einfach zu monoton klingen. Das überaus hübsche Äussere von Lotus vermag die Band nicht aus dem kompositorischen Sumpf heraus zu ziehen.
Rockslave   
Punkte: 6.3 von 10
NICKELBACK - No Fixed Address
Republic Records/Universal
Das achte Album von Chad Kroeger und seinen Mannen hat seinen Weg zu uns gefunden. Nickelback ist eine Truppe, die enorme Erfolge feiert, aber von den meisten Leuten der Szene, vor allem von Musikern, ziemlich verhasst ist. Ist man da neidisch etwa? Zugegebenermassen haben die Kanadier den einen oder anderen grossen Hit geschrieben, wo auch die härtesten Kritiker zugeben müssen, dass der Song gut ist. Garage meets Stadion ist die Zauberformel. Was früher funktioniert hat, ist aktuell nur noch ein schlechter Aufguss vom vergangenen Heldenstatus. Man kopiert sich selber, und das kommt meistens schlecht heraus. Klar sind die neuen Songs hörbar und eine unbekannte Newcomerband würde ihr letztes Hemd verkaufen, um die Rechte an den Songs zu kriegen. Popsongs duellieren sich mit der Rockgitarre, oder so... Ich besitze keine Nickelbackscheibe, und das wird auch so bleiben. Hat mit Metal nichts zu tun.
Daniel J.   
Punkte: 6.1 von 10
IN AEVUM AGERE - Limbus Animae (EP)
Pure Steel Records/Non Stop Music
Sehr epischen Doom kredenzen uns die Italiener In Aevum Agere mit ihrer auf dreihundert Exemplare limitierten EP, die dem Debut „The Shadow Tower“ auf dem Fuss folgt. Fürs Auge unsichtbar, dafür fürs geübte Ohr sehr wohl hörbar, tragen die drei Tracks den sehr dick aufgetragenen Stempel „Inspiriert durch «Epicus Doomicus Metallicus» von Candlemass“, schwächeln dabei aber an der Tatsache, dass weder die brillante Gesangsleistung des damaligen Aushilfs-Sängers Johan Längquist (meines Erachtens immer noch um Ligen besser als danach Messiah Marcolin) noch die giftigen Gitarrensoli von Studiogitarrist Klas Bergwall auch nur annähernd reproduziert werden können. Die offensichtlich gesuchte Nähe zu den übergrossen Schweden birgt zugleich die Gefahr in sich, dass man auch kompositorisch nicht ganz an den Epen der grossen Vorbilder anknüpfen kann, und so fallen denn „Awaiting“ und „Damnatio Memoriae“ in Sachen Originalität und Intensität etwas ab. Erst in Track Nummer drei „Anti-Inferno/Limbus Animae“ offenbart sich dann endlich das Potenzial, das im italienischen Vierer schlummert. Plötzlich ist die Band endlich imstande, einen echten Spannungsbogen aufzubauen und einen Song zu performen, der es punkto Biss und latenter Bösartigkeit durchaus mit den Perlen von Leif Edling und seinen Spiessgesellen aufnahmen kann. Davon hätte ich gerne noch mehr gehabt, jedenfalls lieber als das zwar gut umgesetzte, aber eher unspektakuläre Cover von „Solitude“ am Ende der EP. Von wem dieser Song im Original stammt, kann sich mittlerweile wohl jeder denken. Solide, ausbaufähige Angelegenheit, sofern die Band etwas mehr Mut zu Eigenständigkeit aufbringen wird. Ich hoffe es.
Mirko B.   
Punkte: keine Wertung
EMPIRE 21 – Empire 21
Empire 21 Records
Eine neue Allstar-Band aus Schweden biegen ohne zu blinken um die Ecke. Wie aus dem Nichts kommen CJ Grimmark (Gitarre, Rob Rock, Narnia), Ricard Hulteke (Gesang), Tobias Enbert (Schlagzeug, Darkwater, Harmony), Andreas Ålöv (Bass) plus John Svensson (Keyboard, Harmony) und veröffentlichen eine Debüt-Scheibe, die sicherlich gutes Material bietet, aber doch auch einiges von den Schwedischen Topbands (Europe, Treat, The Poodles, Talisman) entfernt ist. Bemerkenswert sind Lieder wie „I Can“, das vom Keyboard geprägt und mit modernem Riff ausgestattete „All Is Lost“, oder „100 Nights“. Aber wie erwähnt der Hit, das sofort im Ohr hängen bleibende Melodichen, das packende Riff und der mitreissende Refrain fehlt. Die Lieder sind gut, haben Charme aber könnten von jeder x-beliebigen Mannschaft stammen. Da helfen auch die bekannten Vorgängertruppen nix und vielleicht hat es auch einen Grund, wieso die über einen Insiderstatus nie herausgekommen sind.
Tinu    

Punkte: 6.0 von 10
HIEROPHANT - Peste
Bridge Nine
Nur knapp eineinhalb Jahre nach "Great Mother: Holy Monster" bringt das italienische Crust/Black/Hardcore/Sludge-Quartett den Nachfolger "Peste" heraus. Den geringen Abstand zwischen ihrem zweiten und aktuellem dritten Album lässt sich auch dadurch erklären, dass Hierophant schnell spielen, was leider der Spielzeit des Albums nicht zugute kommt. Das bedeutet, dass auf dem letzten Album acht Songs in einer knappen halben Stunde und dieses mal zehn Songs in zwanzig Minuten gespielt werden. Dies ist aber eines der wenigen Mankos der Band. Hierophant haben auf "Peste" den Fokus ganz klar auf Geschwindigkeit und Brutalität gelegt und lassen Melodie und langsamere Passagen bewusst aussen vor. Da diese Spielweise seine Fans hat und das Ganze trotz seiner Brachialität durchaus öfters gehört werden kann, dürfte "Peste" ein guter Kauf für Fans von Napalm Death oder Tragedy sein.
Steve Butcher    

Punkte: 6.0 von 10
SMASHING PUMPKINS - Moments To An Elegy
BMG Rights/TBA
Bei den Smashing Pumpkins gab es wieder mal einen Wechsel im Line Up: Drummer Mike Byrne wurde von Mötley Crue-Drummer Tommy Lee ersetzt. Definitiv ein unerwarteter Schritt. Diese Kombo will aber irgendwie nicht so richtig passen, und entsprechend uninspiriert wirkt auch das Ergebnis. Leider gilt das nicht nur für das Schlagzeug, sondern für das ganze Album. So richtig grossartige Momente wie zu den guten alten Zeiten wollen einfach nicht richtig aufkommen. Zwar glänzen ein paar Tracks mit durchaus annehmbarem Songwriting ("Tiberius", oder auch "Drum + Fifel"), doch ist dieser Silberling im grossen Ganzen gesehen eine eher seichte Angelegenheit. "Moments To An Elegy" war ursprünglich als Doppelalbum geplant, doch kommt dieses Jahr erst die eine Hälfte heraus. Auf den zweiten Teil des Werks müssen wir bis nächsten Herbst warten. Dieses neue Werk soll dann allerdings ein Doom Metal-Album werden, was mit dem hier vorgestellten Silberling irgendwie so rein gar nichts zu tun hat. Bei der eher durchschnittlichen Qualität von "Moments To An Elegy" ist es entsprechend auch nicht so tragisch, dass die Laufzeit lediglich 32 Minuten beträgt.
Patricia H.    

Punkte: 6.0 von 10
IN TORMENTATA QUIETE – Cromagia
My Kingdom Music/Non Stop Music
Ich gebe zu, diesmal bin ich definitiv überfordert. Was das italienische Septett alles auf ihrer dritten regulären CD zum Thema „Die Farben Blau, Rot, Grün, Gelb und Schwarz“ zu einem musikalisch „ähem“ kunterbunten Potpourri verwurstet, ist für mich einfach nicht mehr nachvollziehbar. Irgendwie ist von allem etwas vorhanden. Schon fast Minnesang-artig auf Italienisch vorgetragene poetische Texte werden wenig überraschend von einer lieblichen weiblichen Stimme begleitet, wobei immer wieder ein weiterer Sänger meist etwas im Hintergrund synchron schwarzmetallisch dazu krächzt. Musikalisch grast man dementsprechend ebenfalls auf allen möglichen Wiesen. Egal ob balladeske Klänge, angeschwärzte Ausbrüche, indisches Sitar-Geklimper, entspanntes Ambient-Gesäusel, Violinenklänge, folkige Einschübe oder latent gotisch-rockige Passagen, es ist von allem was dabei, aber irgendwo fehlt mir der musikalische Leim, der das alles zusammenhält. Nicht falsch verstehen, ich zweifle das künstlerische und handwerkliche Können von In Tormentata Quiete (übersetzt heisst das übrigens „In gequälter Stille“... autsch!) mitnichten an, nur habe ich das Gefühl, dass sie sich in einer musikalischen Nische befinden, welche wohl eher Philosophen und Kunststudenten anspricht als Rock- und Metal-Fans. Wer gerne akustisch auch sein Hirn füttert, sollte mal reinhören, wer seine musikalischen Rezeptoren hingegen eher unterhalb des Bauchnabels hat, wird nichts damit anzufangen wissen.
Mirko B.     

Punkte: 5.5 von 10
XTHIRT13N – A Taste Of The Light
SAOL
Der ehemalige Control Denied-Shouter Tim Aymar und der ehemalige Circle II Circle-Trommler Johnny Osborn gehören XThirt13n an und sollten eigentlich auch für kraftvollen US-Power-Metal stehen. Was grundsätzlich cool klingt nimmt sich selber die Luft zum Atem dadurch, dass man weder puren US-Metal zelebriert, noch sich klar dem Prog-Metal zuordnen lässt. Nicht Fisch und nicht Vogel. Ein roter Faden? Fehlanzeige! Auch wenn handwerklich alles bestens passt, hier stehen eher die Instrumentalisten, denn der Song im Mittelpunkt. Genau das ist auch das Killerkriterium dieser Scheibe, die ihre Momente hat, aber auch schnell wieder in Vergessenheit geraten wird…
Tinu     

Punkte: 5.5 von 10
HEDERA – Entwined
Eigenvertrieb
Der Pagan Metal Boom liegt zwar schon Jahre zurück, die Schweiz scheint für Bands aus dieser Ecke aber immer noch ein gutes Pflaster zu sein. Obwohl ein Blick auf das Line-Up mit Geige und weiblichem Gesang vielleicht einen gewissen Verdacht aufkommen lässt - mit Eluveitie hat die Musik von Hedera herzlich wenig zu tun. Die junge Band, die erst seit drei Jahren aktiv ist und ihre ersten Hörproben als Demo rausbringt, mischt alles was der Metal-Subgenretopf so anzubieten hat. Die Saitenfraktion bedient sich mal dem Thrash, mal dem Death und mal dem Black Metal, während dem die vielseitig agierende Violine alldem den Folk-Anstrich verpasst. Und man schaut gar noch weiter über den Tellerrand - der Opener legt einige orientalische Einflüsse an den Tag, die sich später auch in einzelnen Gesangsmelodien wiederfinden. Offensichtliches Entwicklungspotenzial besteht zurzeit noch im Bereich der zu fein und unsauber gesungenen Gesangspassagen von Iris. Die nicht gerade einfachen Melodieverläufe und die rustikale Produktion helfen leider auch nicht, diese Problemzonen zu kaschieren. Wenn man die Stärken im Instrumentalbereich besser fokussieren und die ungestümen Kompositionen noch etwas bändigen kann, liegt für den ersten richtigen Release definitiv was drin.
Patricia L.  
Punkte: keine Wertung
IRON FORCE - Dungeon Breaker (EP)
Dying Victims Productions
Es soll ja immer noch Leute geben, die den Venom-Erstling „Welcome To Hell“ für das Mass aller Dinge halten. Wer sich selbst zu diesen „Mix und Mastering – Hassern“ zählt, sollte aufmerksam weiterlesen, alle anderen können getrost zur nächsten Rezi hüpfen. Erst 2013 gegründet hauen die New Yorker Speed/Thrash-Grobmotoriker Iron Force nach gerade einem Demo und einem Live Bootleg bereits ihre Debut-Mini-CD raus. Darauf sind fünf „Songs“ enthalten, welche jeweils dem selben Muster folgen: Brüllgesang trifft auf Snare, Hi Hat und Becken, die restlichen Instrumente bzw. Drum-Bestandteile sind gerade noch als Gepolter und Geschrammel wahrnehmbar. Hin und wieder hört man im Hintergrund eine Leadgitarre, die jedoch meist aussichtslos gegen den High Speed-Lärm ankämpft. Wie gesagt, wer damals Venom spätestens ab „At War With Satan“ für zu glatt und kommerziell gehalten und konsequenterweise für sich abgeschrieben hat, findet hier seine Offenbarung. Ich wünsche den vier Jungs noch weiterhin viel Spass.
Mirko B.  
Punkte: keine Wertung
RAUBTIER – Bestia Borealis
Despotz Records
Der Bandname und Songtitel wie 'Dobermann', 'Kampfhund' und 'Panzarmarsch' machen nicht gerade an, dieses Werk anzutesten, aber vielleicht täuscht ja dieser erste Eindruck. Wo Sabaton mit militärischem Auftreten und stampfenden Rhythmen europaweit die Hallen füllen, liegt es nah, dass auch andere Bands auf diesen Zug aufzuspringen versuchen. Die ebenfalls aus Schweden stammenden Raubtier übernehmen genau jenes Erfolgsrezept und ändern dabei zur einzelne Zutaten. Ihre Songtexte sind in der Muttersprache gehalten, zu den Orchestersounds werden ergänzend auch viele elektronische Elemente eingesetzt und die Marschrhythmen sind noch etwas akzentuierter. Zwar liefert das Album einige tolle Harmonien, aber unter dem Strich fehlt jegliche Innovation und mit ihrem prolligen Auftreten tun sich die Herren auch keinen Gefallen. Sowas braucht die Welt nicht.
Patricia L.     

Punkte: 5.0 von 10
dEMOTIONAL – Tarassis
Dead End exit Records
Hmm sind das In Flames? Degradead? Nee, aber in dieser Schnittmenge agieren dEmotional (die schreiben sich wirklich so), und sie machen ihre Sache im Prinzip nicht schlecht. Wir hätten zur Auswahl: cleaner Gesang, Geschrei, viele Tempo-Unterbrüche, Breakdowns, Melodie… Joa, so in ungefähr die Blaupause dessen, was den modernen Metalcore halt so ausmacht. Und genau hier liegt der Hund begraben und stinkt auch schon dementsprechend. Der Sound ist weder originell noch in irgendwelcher Weise individuell. Ist ja alles recht gemacht und schön produziert, aber es langweilt halt einfach verdammt schnell, weil man alles schon zigmal gehört hat. Ist auch schwierig, in diesem Bereich neue Gebiete zu erschliessen, das muss zugegeben werden – aber es ist nicht unmöglich! So, und was auch noch gesagt werden muss: Der Schreihals ist mir persönlich nach den ersten paar Attacken gehörig auf die Nüsse gegangen. Wieso? Weil er wie ein beleidigter Jugendlicher klingt, der nicht bekommt, was er will, und deswegen seinen Frust in die Gegend hinausschreit. Und das ziemlich monoton (nicht vollständig, aber nahe dran). Anyway, ich glaub, ich wird zu alt für solch pubertär wirkenden Scheiss: Wer etwas mit Metalcore anzufangen weiss und zudem Melodien schätzt, der könnte sich mit „Tarassis“ anfreunden. Ich hingegen such erstmal meine Kippen.
Toby S.    

Punkte: 5.0 von 10
MORTICIAN – Shout For Heavy Metal
Pure Underground Records/Non Stop Music
Nun ja, plakativer geht’s kaum, als mit diesem Titel. Allerdings wird hier eine grosse Erwartung gestreut, aber wenig gehalten. Als würde Mister Lordi kränkelnd mit Vortex musiziert, sich das Trio hier durch neun Tracks quält, die ziemlich belanglos und zu offensichtlich auf die frühen achtziger Jahre zielen. Die Riffs sollen an die besten Momente von Accept und Saxon erinnern? Meine Herren, noch nie was von „Balls To The Wall“ und „Princess Of The Night“ gehört? Davon seid ihr meilenweit entfernt. Bei aller Liebe zum Metal, aber hier schiesst das Promo-Sheet meilenweit übers Ziel. Und die Musik ist absoluter Durchschnitt…
Tinu   

Punkte: 5.0 von 10
N.K.V.D. – Hakmarrja
Avantgarde Music
Das Posieren in Uniformen verursacht bei Black Metal Bands erst mal skeptisches Informieren, schliesslich will niemand rechtes Gedankengut weiterempfehlen. Die Franzosen von NKVD (Abkürzung für die ehemalige sowjetische Geheimpolizei) sind aber nach meinen Recherchen noch nicht negativ aufgefallen. Mit Hakmarrja bringen sie nun das zweite Album raus, prall gefüllt mit kaltem industriellem Metal. Beginnen tut das Ganze mit einem (viel zu langem) Intro von einem französischen Politiker aus der Kriegszeit, bevor die sägenden Gitarren ihr Werk beginnen. Auf Dauer sind diese leider viel zu Dumpf aufgenommen, was zwar mit dem stampfenden Schlagzeug/ Drumcomputer zusammen passt, aber zu wenig Spannung erzeugen kann. Die Vocals klingen dann leider total daneben. Einerseits sind sie zu langweilig und tief, aber hauptsächlich stört der übermässige Hall, was die ansonsten exakte Spielweise der programmiert wirkenden Instrumenten entgegen wirkt. Allgemein wirken die Songs extrem gleichbleibend, da die Franzosen scheinbar auf Dynamik verzichten und gleichbleibende, ermattende Rhythmen präferieren. Interludien wie ‚Batallion Vostok‘ sollen wohl zur Stimmung beitragen, klingen aber (wie der Rest des Albums) mehr nach Lückenfüller. Ne, das kann man alles getrost bei Seite lassen und sich auf bessere Musik konzentrieren.
Tristan   

Punkte: 4.0 von 10
CORONATUS - Cantus Lucidus
Massacre Records/Musikvertrieb
Bei der Stuttgarter Kombo hat sich seit dem letzten Album "Recreatio Carminis" (2013) einiges getan. Besonders an der Mikro-Front ergibt sich ein völlig neues Bild: Statt 3 sind es nur noch 2 Sängerinnen, und mit Anny Maleyes ist auch ein gänzlich neues Gesicht dabei. Das ist ziemlich schade, hat doch grade diese stimmliche Vielfalt Coronatus etwas von der Masse abgehoben. Hinzu kommt, dass die Stimmen der beiden verbliebenen Sängerinnen einfach nicht so recht zusammen harmonieren wollen! Während schon das letzte Album hart an der Kitsch-Grenze vorbeischrammte, schiesst dieser neue Siberling komplett über das Ziel hinaus. Richtig tragisch sind dabei die sinnentleerten Lyrics, die vor seichten Gothic-Klischees nur so strotzen und teilweise mit Gewalt in die Melodie reingewurstelt wurden. Frei nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Coronatus haben offensichtlich versucht, ein bisschen mehr Abwechslung mit reinzukriegen. Jedenfalls experimentieren sie mit pompösen Choreinlagen, Folk-Instrumentierung wie Flöte und Violine sowie mit elektronischen und progressiven Elementen. Die Mischung wirkt extrem überladen und irgendwie nicht richtig stimmig. Richtig furchtbar ist dabei der Track "Freundschaft": Etwas, das sich wie ein stark angestaubtes Gesangsvereinslied anhört, wird mit Heavy-Gitarrenriffs unterlegt und dann wird auch noch versucht, mit Keyboard und Flöte etwas Volkslied-Atmosphäre zu schaffen - ein Rezept, das so gar nicht aufgehen will! Fazit: Mit "Cantus Lucidus" können Coronatus nicht mal annähernd an ihren Erfolg der letzten Alben anschliessen. Schade, haben sie doch längst bewiesen, dass sie es eigentlich besser könnten.
Patricia H.
  
Punkte: 4.0 von 10
DOMINANZ – Noxious
Industrial Silence Productions
So, der Zweitling der Norweger ist als nach knapp 3 Jahren am Start. Technoides Gehämmer und Geschreddere trifft auf Gegurgeltes bei den Vocals, zwischendurch aufgelockert durch cleane, beinahe geflüsterte Passagen. So unspektakulär sich dies anhört, so mühsam ist die Chose auch. Klar, es gibt immer mal wieder Abwechslung, sei es durch einen Frauenchor im Hintergrund oder Zitate aus (vermutlich politischen) Reden – aber, und das ist ein ganz grosser Minuspunkt: Der Sänger growlt dermassen unvariabel durch die Botanik, das lockt kein Balisto hinterm Ofen hervor. Zudem sind die Tracks in sich sehr ähnlich aufgebaut, so fällt es schwer, zu unterscheiden, wann denn nun ein Song endet und wann ein neuer anfängt. Ausser, man konzentriert sich direkt auf die einzelnen Lieder, dann kann man durchaus einen Unterschied feststellen – ist aber Schluss mit der Einleitung, erklingen die Stücke, wie erwähnt, sehr ähnlich. Zusammen mit dem monoton erklingenden Gegrowle lässt sich hier leider keine Spannung entdecken, keine Kurven, kein Auf und Ab – es bleibt alles mehrheitlich auf der gleichen Ebene. Kann man sich reinziehen, wenn man Detailarbeit betreiben will und generell auf Industrial/Melodic/Death Metal steht – muss man aber nicht.
Toby S.
  
Punkte: 3.5 von 10
MIRNA’S FLING – For The Love Of Me
Trollmusic
Melancholische Mucke? Immer her damit! Selbstbemitleidung in LP-Länge? Danke, aber nein danke! So könnte in etwa die Kurzzusammenfassung dieser Scheibe lauten. Die Songs sind zwar allesamt sehr schön gehalten und sehr gut produziert (von Markus Stock in seinem Studio E – einer der Köpfe hinter The Vision Bleak beispielsweise), aber inhaltlich gesehen schwächelt „For The Love Of Me“ leider grausam. Sei es nun die allgegenwärtig depressive Stimmung, der beinahe schon gehauchte Gesang, welcher Trübsinn in allen möglichen Varianten bläst, der vor sich hinplätschernde Sound, welcher praktisch keine Ausreisser aus dem Tal der Traurigkeit zulässt… Es gibt vieles, was mir persönlich an Mirna’s Fling nicht gefällt (oder das ich nicht verstehe, kann auch sein), aber die gesamte Stimmung an sich empfinde ich als zu weinerlich-traurig, da fehlt es entweder an dem alles vernichtenden Sog der Selbstzerstörung oder der Power, das Beklagenswerte zwar zuzulassen, aber sich gegen den Strom zu stellen und sich selbst zu befreien. „For The Love Of Me“ hingegen verharrt in sich selbst, und das macht es enorm mühsam, sich in diese Scheibe reinzuhören.
Toby S.
  
Punkte: 3.0 von 10
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