CD-Reviews Juli 2010
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
TONY HARNELL & THE MERCURY TRAIN - Round Trip
Frontiers Records/Musikvertrieb
Schon vor einiger Zeit ist mir zu Ohren gekommen, dass Tony Harnell einen Querschnitt an Songs aus seiner Karriere mit TNT, Westworld und Starbreaker neu aufnehmen will, jedoch nicht in welcher Form. Dieses Gerücht hat sich nun bestätigt, und ich halte das Werk in den Händen. Und Tony Harnell hat etwas wirklich Besonderes daraus gemacht! Natürlich, er kann auf ein riesiges Repertoire an Hits und genialen Songs zurückgreifen, doch er schafft es, diesen ein ganz neues Gewand zu verpassen. An und für sich ist es eine Akustik- oder Teilakustik-Platte, jedoch nicht im üblichen Mass der Rockszene - E-Gitarren aus-, akustische einstöpseln und losspielen. Nein, Herr Harnell hat sich wirklich Gedanken gemacht, wie er den Rückblick auf sein Lebenswerk gebührend gestalten könnte. Er hat sich für The Mercury Train Musiker zusammengesucht, die nichts oder nur entfernt mit Hard Rock zu tun haben, hat ihnen die Originalsongs gegeben und ihnen jeglichen Spielraum gelassen, sie zu interpretieren, recht aufwändig dran zu basteln und teilweise auch umzuarrangieren. So wurden 14 Tracks, hauptsächlich von TNT, zwei von Westworld und ein neuer ("Anywhere But Here") zusammengetragen, und die eigentlich bekannten Melodien klingen fast wie Neukompositionen. Herausgekommen ist geschmackvoller, auf hohem musikalischen Niveau anzusiedelnder Akustik-Rock und eine gute Mischung aus balladesken und härteren Arrangements - die nicht unbedingt mit der Idee hinter den Originalsongs übereinstimmen, was die Sache noch etwas interessanter macht. Ganz besonders gelungen sind "Lonely Nights", "Satellite" oder "Ready To Fly". Und "Northern Lights" hat dank Harnell's Ausnahmestimme, die mir schon immer sehr gefallen hat, definitiv die Berechtigung, die erste Singleauskoppelung zu sein. Zur Auswahl der Songs lässt Tony Harnell verlauten, er habe diejenigen genommen, zu denen er selber am meisten persönlichen Bezug hat. Wieso er "Starbreaker" dann komplett ignoriert, kann ich mir nicht ganz erklären. Das ist auch der einzige Schwachpunkt dieser Scheibe, ich hätte gerne gewusst, wie sich "Love's Dying Wish", "Love Your Life" oder andere Meisterwerke dieser Band in der Version von The Mercury Train machen würden. Na, immerhin gibt es die berechtigte Hoffnung, dass diese Formation uns einmal live beglücken könnte, und um eine Show zu füllen braucht es halt doch mehr als 14 Songs.
Joey Roxx

Punkte: keine Wertung      Hier reinhören und bestellen für 27.90 SFr.
REVAMP – ReVamp
Nuclear Blast/Warner
Revamp bedeutet je nach Zusammenhang so viel wie umarbeiten, auf neu machen oder auch aufmotzen. Gut, soviel mal zur Definition. Die gute Frau hinter dem Mikro, Floor Jansen, dürfte manchen Musikkonsumenten der härteren Töne auch bekannt sein als Frontdame der niederländischen After Forever, welche sich ja im Jahre 2009 aufgelöst haben. Nun wagt Floor mit ihrem Projekt ReVamp den Schritt Richtung Unabhängigkeit, und was man auf dem selbstbetitelten Debut mehr als nur deutlich anhört: Dies tut ihr verdammt gut! Konnte man sich doch des Eindrucks nicht verwehren, dass sie sich bei After Forever nicht immer komplett so einbringen konnte, wie sie es vielleicht gewollt hätte, so stellt sich dieses Gefühl hier nun definitiv nicht mehr ein. Die Tracks sind allesamt verschieden gehalten, teilweise mit Gastsängern, welche die Individualität noch stärker herausstreichen, da jeder aus einem anderen Genre stammt. „Sweet Curse“, eine Ballade, ist solch ein Track, wobei Floor mit dem Sänger Russel Allen von Symphony X stellenweise im Duett singt, was unter die Haut geht. Aber auch im härteren Sektor bekommt Floor unterstützung, beispielsweise bei „Here’s My Hell“, denn hier growlt sich Björn Strid von Soilwork die Seele vom Leib, was gut zu der rockig-energetischen Stimmlage von Floor passt. Und wenn wir schon beim Thema sind: Die gute Frau singt dermassen vielfältig, dass es mehr als nur den Anschein hat, dass „ReVamp“ ein Ventil für die Kreativität der Niederländerin ist („Million“ erinnert mit seinen choralen Einlagen an die guten Zeiten von Sirenia). Dass die rockige Stimme ebenfalls gut zu Floor passt, demonstriert sie sowohl unter anderem auch im Song „The Trial Of Monsters“, und hier wird auch das Gefühl erzeugt, dass gewisse Tracks auch einen gewissen Musical-Charakter haben – und dies ist keinesfalls negativ gemeint, denn mit diesem Stilmittel wird erstens die Klischee-Schiene des Gothic Metals vermieden und zweitens die Dynamik innerhalb der Scheibe gefördert. Wobei, von Gothic Metal der moderneren Art zu sprechen wäre eh falsch, wenn schon, dann müsste hier eine völlig neue Schublade angelegt werden. Und dies kann niemand wirklich wollen, denn gute Musik will genossen, nicht schubladisiert werden!
Toby S.

Punkte: 9.0 von 10
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SKY ARCHITECT - Excavations Of The Mind
ProgRock Records
Heilige Scheisse! Oberklasse, was uns die holländischen Newcomer um die Ohren hauen. Die Jungs gehen hier so professionell zu Werke, dass man denkt, man hat hier schon alte Hasen vor sich. Auf dem Info-Blatt der Band steht bei Musikstil, Konzeptalbum aus Jazzrock, Fusion, Metal, Neoprog, New Artrock und Retro Prog. Und das kann man hier ruhig so stehen lassen, genau diesen Mix findet man schon beim ersten Song, der unterteilt ist in "Deep Chasm Part 1 - 4". Unglaublich geniale musikalische Spielereien, ein Auf und Ab der Gefühle und ein Überschneiden der oben genannten Musikstile. Herrliche Instrumentalparts, die dann wieder aufgefangen werden von schönen Gesangsmelodien des Sängers und Gitaristen Tom Luchies. Nach dem Vierteiler folgt mit "The Grey Legend" dem zwölfminütigen Opus ein vertrackter Sympho-Rocker, bei dem man von hart bis sehr ruhig das ganze Spektrum ausspielt, klasse musikalische Arbeit. Auch bei den restlichen Meisterstücken gibt es jede Menge musikalisch zu entdecken wie etwa Polkaeinlagen oder ausgefeilte Jazz-Parts, immer wieder untermalt mit zum Teil etwas schrägen Gesängen, die aber hervorragend zum Gesamtbild passen. So wie die jungen Holländer hier die Stile vermischen, ohne sich in der Musik oder im Gefrickel zu verlieren, habe ich das noch sehr selten gehört und es macht Riesenspass, sich von dieser art Musik forttragen zu lassen. "Excavation Of The Mind" ist ein sehr starkes und interessantes Album geworden, grosses Kompliment an die orangen Nordländer.
Crazy Beat
Punkte: 9.0 von 10  
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DOOMSHINE - The Piper At The Gates Of Doom
Massacre Records/Musikvertrieb
Doom Metal ist zwar bekannt dafür, dass alles immer ein wenig langsamer und schwerfälliger abgeht, aber nach dem spitzenmässigen Vorgänger "Thy Kingdoom Come" geschlagene sechs Jahre auf den Nachfolger zu warten, das war einfach die reinste Folter, selbst für Fans und Freunde von Metal in Slow Motion! Die Songs für "The Piper At The Gates Of Doom" waren bereits vor fünf Jahren fertig geschrieben, und man begann auch schon mit den Aufnahmen. 2005 unterschrieb man dann bei Massacre Records, und nun ist das wundervolle Werk endlich vollbracht! Mit "Thy Kingdoom Come" schlugen die Ludwigsburger von Doomshine damals wie eine Bombe ein, heimsten unaufhaltsam positive Kritiken ein und blieben trotz aller Erfolge mit allen acht Füssen auf dem Boden. Diese Bodenständigkeit findet man in den Songs des uns vorliegenden Albums wieder, denn trotz einiger verspielter und melodischer Elemente erkennt man stets den roten Faden durch sämtliche Stücke hindurch, und die markante Stimme von Sänger Timmy Holz verleiht dem ganzen Werk eine wohlige Atmosphäre, so dass man sich beim Durchhören der CD einfach nur noch von den schleppenden und einlullenden Klängen tragen lassen kann. Ein weiterer wichtiger Faktor für das Gelingen dieser musikalischen Reise ist Gitarrist Sven Podgurski, der Meister der Melodien. Basser Carsten Fisch ist der dritte Stützpfeiler dieses Klanggebäudes, der für tiefe, tiefe Töne und den Hintergrundgesang sorgt, während Markus Schlaps das Schlagzeug gekonnt bearbeitet und besonders beim (für diese verhältnisse) relativ schnellen Song "Crow Pilot" noch einen Takt intensiver spielt. Alle vier Bandmitglieder haben sich auf ihrem jeweiligen Gebiet stark verbessert, das hört man deutlich. Das Coverartwork wurde übrigens von Carsten Fisch gemacht, und der Albumtitel ist natürlich von Pink Floyds 1967er Album "The Piper At The Gates Of Dawn" abgeleitet. Falls jemand sich nach den Hauptunterschieden zwischen "Kingdoom" und "Piper" fragt, so kann die Rezensentin als gute Doomshine-Kennerin sagen, dass der Vorgänger eher sanft und sauber war, während der "Piper" eine Spur ungehobelter und rauer klingt. Ein Coversong ist übrigens auch enthalten, nämlich "Vanished" von Mirror Of Deception. Doomshine haben es geschafft, sich selbst zu verbessern und auch viele Rezensenten zu überzeugen, denn die bisherigen Kritiken sind allesamt positiv! Fazit: Wer am liebsten im Zeitlupentempo seine Mähne schwingt, der wird "The Piper At The Gates Of Doom" lieben!
Maiya R.B.
Punkte: 9.0 von 10  
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OCTOBER FALLS – A Collapse Of Faith
Debemur Morti Productions/Non Stop Music
Im Getümmel der ausgelutschten Pagan Metal-Szene verbergen sich noch immer relativ unbekannte Schätze. Das finnische Trio October Falls ist jetzt mit "A Collapse Of Faith" bereits mit dem dritten Werk am Start, und trotzdem konnten sie sich in der Szene nicht richtig etablieren. Eigentlich ist der Grund ganz simpel: October Falls sind schlicht und einfach zu gut und zu ehrlich, um sich unter die Comic-Wikinger zu mischen. Ernsthafter, düsterer, gar trauriger Pagan Metal, mit schwarzmetallischen Beilagen präsentieren die drei Finnen in absoluter Perfektion. Die Vorgängeralben waren wegen zu langen Folkpassagen noch zu eintönig, heute, mit "A Collapse Of Faith", konnte diese Problematik bei Seite gelegt werden. Abwechslungsreicher, härter und genial gespielt. Die Gitarrenwände bzw. Gitarrenmelodien sind der absolute Knaller, mal melancholisch, dann wieder doomig oder rabiat. Die Folkparts, welche mit meistens mit wunderbarem Pianospiel begleitet werden, sind in kürzere Abschnitte gedrängt worden, was im Endprodukt sehr schöne Ruhepole darstellt; sozusagen ein Aufbau, aber auch gleichzeitig die Ruhe nach dem Sturm. Der Kreischgesang ist das I-Pünktchen auf der Scheibe, denn er passt sehr schön zum ergreifenden, epischen Gesamtwerk. October Falls spielen wahren heidnischen Metal, man spürt die Natur, man spürt Leben und man spürt die Ernsthaftigkeit. Kein Sauflied, keine Mischung aus Ballermann und Humppa, NEIN, ehrlicher, schwerer Pagan/Black Metal direkt aus den Wäldern Finnlands. "A Collapse Of Faith" lebt von den wunderbaren Melodien, tut euch selbst einen Gefallen, kauft die Scheibe und lässt euch verzaubern, denn October Falls haben sich hier selbst übertroffen.
Yannick S.
Punkte: 9.0 von 10
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DISTANT PAST – Alpha Draconis
Eigenvertrieb
Der neue Prog Rock/Metal-Hammer kommt aus der Umgebung von Freiburg. Emerald-Bassist Adriano Troiano geht auf Solopfaden, und dies bereits zum dritten Mal. Dabei musiziert er nach dem goldenen Sprichwort: "Auf die Platte kommt, was mir gefällt." Und genau so klingt auch "Alpha Omega": eigenwillig, abwechslungs- und facettenreich. Der Prog des Vollblutmusikers entsteht dabei nicht aus Kalkül, sondern weil die Kompositionen am Schluss einfach prog-ähnlich sind. Mit "Element Forces" beginnt das Album mit ungewöhnlich hartem Gesang und typischen Heavy Metal-Rhythmen. Danach wird der Gesang lieblicher und erinnert wie beim Vorgänger-Album entfernt an Creed. Obwohl die Rock-Stimme ähnlich klingt wie auf Platte zwei, handelt es sich bei "Alpha Omega" um einen anderen Sänger. Dieser hört auf den Namen Angelo Schafer, der sein Organ ansonsten Remote Lane und Deadflow leiht. Höhepunkte des Album sind "Single Warning" mit seinem wunderbar schrägen Rhythmus, das grandiose Instrumental "Demolition" und das zu Beginn leicht punkige "Trial & Error". "Alpha Omega" endet schliesslich mit dem 13-minütigen Monster "The Serpent With The Double Tongue", das nochmals sämtliche bisher gehörten Elemente vereint. Adriano Troiano hat also alles richtig gemacht. Einzig die Soundqualität könnte noch ein wenig prickelnder sein, wird aber hier gerne verzeiht, handelt es sich dabei doch um eine Eigenproduktion, die einzig von V.O. Pulver noch fertig gemischt wurde. Beziehen kann man das Album direkt auf der Distant Past-Homepage. Die Erstauflage kommt bei keinem Label raus, dafür wurde sie auf 333 Stück limitiert und handnummeriert. Prog-Fans sollten unbedingt reinhören und geniessen!
Roger W.
Punkte: 9.0 von 10
           
TRASHCANNED – Key To The Paradox
Terrasound Records
Ich bin sehr angetan von dieser Scheibe! Wer sich Melodic Death auf die Fahnen schreibt, riskiert in der Regel sehr schnell, als blosse Kopie von Leitfiguren wie Amon Amarth, Dark Tranquillity oder In Flames verschrien zu werden. Dieses Risiko geht die seit 2003 aktive Truppe aus dem guten, alten Österreich auf ihrem zweiten Longplayer zu keiner Sekunde ein, denn dazu sind Trashcanned viel zu abwechslungsreich und vor allem zu eigenständig! Nach dem sehr sphärischen Intro Key To The Paradox geht bei Dimension Break das Hörzentrum in meinem Gehirn augenblicklich auf vollen Empfang und eine für mich sehr angenehme Zeitreise beginnt. Der Song ist im Tempo eher gemächlich aber deshalb nicht minder kraftvoll, was nicht zuletzt am einrucksvoll in Szene gesetzten Drumming von Neuzugang Martin Cerny liegt. Die von Christine Schmidt und Bernhard Schubert gespielten Gitarren, oft in zweistimmigen Leads eingesetzt, klingen glasklar und supermelodisch, Tim Sklenitzka growlt auf dem gerade richtigen Aggressionslevel, Basser Markus Chmelar gibt dem ganzen einen soliden Boden, und selbst Christian Habocks dezent eingestreute Sythiepassagen wirken zu keiner Zeit deplaziert, selbst dann nicht, wenn er zu einem kurzen Solo ansetzt. Mit Imperious folgt die obligatorische Abrissbirne, bevor die St. Pöltner mit What Will Remain und The Darkest Light eindrucksvoll die Heirat zwischen Göteborger Elchtod und epischer Harmonie zelebrieren. In Death Will Prevail wird noch mal richtig Gas gegeben, die Doublebass ballert gnadenlos schwindelerregende Triolen, bevor in der Mitte des Songs eine kurze, akustische Passage den Solopart einleitet, welcher danach die vorangegangene breaklastige Geschwindigkeit wieder aufnimmt. Acrimony ist hingegen vielleicht der „In Flames – haftigste“ Song des Albums, ohne dabei allerdings zur blossen Kopie zu verkommen, dennoch eher verzichtbar, gemessen am hohen Qualitätslevel der vorangegangenen Songs. Die folgenden Descend In Fire, The End Of Deception sowie Horns And Halos sind dagegen wieder Trashcanned in Reinkultur, ohne grosse Überraschungen aber auch ohne wirklichen Qualitätsabfall. Im abschliessenden, schleppenden The Scars Within zieht die Band schliesslich noch einmal sämtliche Register und demonstriert eindrucksvoll ihr feines Gespür für packende und majestätische Melodien, welche dem sehr abwechslungsreichen Rausschmeisser eine beeindruckende Atmosphäre verleihen, ganz grosses Kino zum Abschluss! Das Album wurde durch Norbert Leitner in den Wiener Hinterhof Studios sehr wuchtig aber auch angenehm warm und organisch produziert; überhaupt kamen mir beim Anhören der Scheibe sofort wieder jene Tage in den Sinn, an denen ich meine gepeinigte Umwelt pausenlos mit den Klängen der frühen Paradise Lost, Godgory, Samael, Nightfall und Orphanage gequält habe, womit wir wieder bei der eingangs erwähnten Zeitreise wären: Irgendwie schaffen es Trashcanned scheinbar spielend, die Trademarks dieser und anderer Genre – Vorreiter in ein alles niederwalzendes Soundmonster zu vereinen. Ein paar untereinander zu ähnliche Songs im Mittelteil des Albums weniger, wäre hier sprichwörtlich zwar wieder mal mehr gewesen, dennoch kann man über diesen winzigen Schönheitsfehler getrost hinwegsehen. Trashcanned machen grossartige Musik und verdienen die Aufmerksamkeit jedes geschmackssicheren Melodic Death Metal Liebhabers. Schwerstens empfehlenswert ohne wenn und aber.
Mirko B.
Punkte: 9.0 von 10
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KVELERTAK - Kvelertak
Indie Recording/Irascible
Meine Fresse, sowas hab' ich ja schon lange nicht mehr erlebt - klarer Fall, der Juli beginnt fett: Kvelertak aus Norwegen knallen uns mit dem selbstbetitelten Debutalbum eine Bastarden-Mischung aus rotzigem Punk, Hardcore, und – man höre und staune - Black Metal vor den Latz. Wer jetzt sagt, dass diese Kombination so gar nicht möglich sein kann (und das wird sich wohl oder übel wahrscheinlich gleich mal die gesamte BM-Schar aufs Plakat kritzeln), der soll sich kurz eben Satyricon zu "Now, Diabolical"-Zeiten vorstellen, und das Bild um einen dreckigeren Faktor erweitern... Klingt gleich gar nicht mehr so abwegig, oder? Kvelertak leisten sich dabei den Spass, die ganze Sache so richtig mit Schmackes durchzuziehen, und beinahe das gesamte Text-Material wie logischerweise auch die Songtitel auf Norwegisch zu halten. Der Sound der elf Songs umfassenden Scheibe geht dabei ebenfalls Hand in Hand mit dem Geist des Sextetts (Die Band hat drei Klampfer!) – der massiv auf alte Schule getrimmte Groove kommt in herrlich drückendem Gewand daher, ohne aber die Brillianz in den oberen Höhen zu vergessen. Als Anspieltipps sind hier klar das sensationelle "Fossegrim", "Sjøhyenar (Havets Herrer)", "Nekroskop" und das abschliessende "Utrydd Dei Svake" zu erwähnen - die Band tobt sich auf diesen Songs bis zur Erschöpfung aus, zögert dabei aber glücklicherweise nicht, in den passenden Momenten das Piano und die akustischen Gitarren zu zücken. Kvelertak treten mit ihrem Debutalbum äusserst mächtig auf, der Schweiss ist selbst seit der Einführung von HD-Porno schon lange nicht mehr so stark aus meinen Boxen geströmt. Wenn die Band live auch nur halb so intensiv wie die eben hinter mich gebrachte Konfrontation mit der Scheibe daher kommt, so werden sich in ihrem Schatten die Leichen türmen.
El Muerte
Punkte: 8.9 von 10
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WILD SIDE - Speed Devil
Escape Music/Non Stop Music
Hört man das Intro "Paranoia Circus", liegt die Vermutung nahe, dass man es hier mit einer weiteren Pagan-Truppe zu tun hat. Doch weit gefehlt. Wild Side ist eine norwegische Band, die somit auch nicht mit der Ami-Combo Wildside zu verwechseln ist, welche 1992 die Granate "Under The Influence" in die Umlaufbahn schoss. "Speed Devil" ist nach dem Debutalbum "Indication" der zweite Streich des Quintetts und bietet lupenreinen Sleazerock. Und dies von bester Qualität. Alleine der in die Hüfte gehende Track "Mine Tonight" wird mit einem lasziven Groove versehen, dem kein Girl mit hochtoupierten Haaren widerstehen kann. Zusammen mit dem Solo von Jon Arseth, der sich mit Tom Grana abwechselt, gehört dieser Track zum Besten, was es in diesem Jahr an feinem Hard Rock mit amerikanischer Prägung zu hören gibt. Stimmlich bewegt sich Joachim Berntsen zwischen melodischem und kernigem Gesang. Die perfekte Abrundung für diesen Sound. Und dass "Mine Tonight" nicht das einzige Highlight von Wild Side ist, beweisen "Play With Me", der Rifffetzer "Wild One", "Won't Let Go", "I Will Always Be Me" und der Titeltrack. Dass die obligate Ballade nicht fehlen darf, ist so klar wie der Schmollmund eines blonden Groupies. Der Tränendrücker hört auf den Namen "Love For You" und reiht sich bestens zwischen die genannten Songs und dem Rest ein. Gemischt hat diese Scheibe kein Geringerer als King Diamond-Gitarrist Andy LaRocque, der dieser Scheibe den idealen Mix verliehen hat. Wer auf die guten alten 80er-Helden wie Wildside, Hericane Alice, Gypsy Rose oder Trouble Tribe steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen ist dieses Werk wärmstens ans Herz gelegt.
Tinu
Punkte: 8.9 von 10
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SONS OF LIBERTY - Brush-Fires Of The Mind
Century Media/EMI
Von investigativem Journalismus hört man ja immer wieder, doch wie ist es mit investigativer Musik? Ja, sowas gibt es! Gerade Metalbands sind es, die oftmals vor allem politisch interessiert und aufgeklärt sind, und diese Themen dann auch in ihre Songtexte einweben. Normalerweise sind für den politischen Bereich eher Megadeth zuständig, doch seit neuestem mischt auch Mister Jon Schaffer kräftig mit. Fans von Iced Earth werden nun einwenden, dass Jon doch schon immer politisch interessiert war, und damit haben sie aucht nicht Unrecht. Allerdings gibt es einen Unterscheid zwischen damals und heute. Damals besang Jon Themen wie den amerikanischen Bürgerkrieg ("Gettysburg") oder die traurigen Ereignisse des 11.9.2001 ("When The Eagle Cries") aus der Sicht eines Menschen, welcher der Regierung die offizielle Darstellung solcher Vorfälle glaubt. Dann kam aber der Tag, an dem jemand zu Jon sagte, er solle sich mal die Dokumentation "Zeitgeist" anschauen. Diese klärt in vier Teilen über interessante Themen auf. Ein Teil bespielsweise widmet sich gänzlich dem 11. September und zeigt mal einen anderen möglichen Tathergang, nämlich die Version, dass die Zerstörung der Twin Towers von der Regierung selbst geplant und durchgeführt wurde, um daraufhin in Afghanistan einmarschieren zu können. Der Song dazu heisst "False Flag", eine Operation unter falscher Flagge. Auch über das betrügerische Finanzsystem der USA sowie über die Verbindung zwischen Hochfinanz und Kriegswirtschaft wird hier offen gesungen, beispielsweise im Song "Jekyll lsland". Es dürfte wohl nicht überraschen, dass musikalisch alles top ist auf diesem Album, denn Jon Schaffer ist nun mal einer der besten seines Faches. Natürlich drückt über die ganze CD hinweg immer wieder der typische Klangteppich von Iced Earth durch, doch es gibt auch andere Elemente hier, die dem ganzen eine etwas individuellere Note verleihen. Wer von Jon Schaffer selbst erklärt haben möchte, was es mit Sons Of Liberty auf sich hat, der schaue sich sein Statement dazu hier an: http://www.youtube.com/watch?v=SenTBEQ46sI. Weiterer Tipp: Alle vier Teile von "Zeitgeist" kann man sich online gratis anschauen, und auch das ganze Album "Brush-Fires Of The Mind" kann man auf http://www.sons-of-liberty.net/ runterladen. Das ist zwar ungewöhnlich, doch Jon sagte dazu, dass es ihm viel wichtiger sei, möglichst vielen Menschen Zugang zu den aufzuklärenden Songs zu ermöglichen anstatt Geld anzuhäufen. Trotzdem gibt es natürlich auch die Möglichkeit, die CD käuflich zu erwerben, und die Soundqualität ist auf der gekauften CD natürlich viel besser. Also, wer gerne selber denkt anstatt sich von den Regierungen denken zu lassen, der wird mit "Brush-Fires Of The Mind" eine gute Zeit haben!
Maiya R.B.
Punkte: 8.9 von 10
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BURDEN OF GRIEF – Follow The Flames
Massacre Records/Musikvertrieb
Wer Burden Of Grief noch nicht kennt, ist versucht, beim Opener (lässt man das kurze, an Dissection erinnernde Intro mal aussen vor) auf einen Tippfehler zu schliessen. Sollte da an Stelle von "Follow The Flames" nicht viel eher "Follow IN FLAMES" stehen?! Aber Spass beiseite, die Hessener Burden Of Grief machen ihr Sache wirklich ordentlich. Ursprünglich der Göteborger Schule verpflichtet, sprengen Burden Of Grief inzwischen ganz bewusst die Genregrenzen und hauchen auf ihrer fünften Scheibe der inzwischen etwas homogenen Melodic/Death Metal-Szene mit interessanten Einsprengseln neues Leben ein. Ein gutes Beispiel hierfür liefern uns Burden Of Grief in beeindruckender Weise mit Track Nr.3, "Born In Fire". Der Titel groovt ohne Ende, und die Band beweist wieder mal, dass thrashiges Geknüppel sehr wohl mit Twin Guitar Leads harmoniert; Iron Maiden lassen in sehr gelungener Weise grüssen. In ähnlicher Manier geht's munter weiter, wobei besonders "Disruption Of A Confused Mind" im Ohr hängen bleibt. Wer genau hinhört, entdeckt im starken Soloteil eine Hammondorgel, welche sich vorzüglich in das Gesamtkonzept des Songs einfügt, einfach nur geil! Eben diese Hammond taucht im zweitletzten Stück "Fallen" noch einmal auf, diesmal dominanter, aber ohne aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil, der Titel ist ein wahrer Death'n'Roll-Brocken und rockt ohne Ende! Das breaklastige "Rise Like A Phoenix" schliesst den abwechslungsreichen Reigen in klassischer Göteborger Manier ab, hart und melodisch. Als einziges, winziges Manko nutzen sich die röcheligen Vocals von Mike Huhmann in meinen Gehörgängen mit der Zeit etwas ab, ansonsten zeigen beide Daumen steil nach oben. Die insgesamt elf Tracks wurden von Szeneveteran Dan Swanö beeindruckend in Szene gesetzt, und passend zur laufenden Grill, Chill & Rock'n'Roll-Saison liegt dem Silberling eine Bonus-CD bei, auf dem Burden Of Grief Hits von Iron Maiden, The Doors, Whitesnake, AC/DC etc. verwursten, stimmlich kompetent unterstützt durch Gastbeiträge von Sabina Classen (Holy Moses), Gerre (Tankard) und eben Dan Swanö. Was soll ich sagen? Mag ich, kauf ich!
Mirko B.
Punkte: 8.8 von 10
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THIRD EYE – Recipe For Disaster
Escape Music/Non Stop Music
Mit "Recipe For Disaster" veröffentlichen die Dänen ein ehrgeiziges Album. Denn das Album explodiert förmlich von tollen Ideen und abwechslungsreichen Songwriting. Dabei pendeln sie geschickt zwischen Heavy Metal und Symphonic Metal, ohne je in den Kitsch abzurutschen. Wäre Letzteres geschehen, würden wohl die Musikanten bald aus Scham ihre Instrumente ins Korn werfen. Schliesslich singt die Band nicht über irgendwelche Fantasy-Schlachten, sondern über die Krankheiten ADHC und OCD. Die Songreihenfolge stellt den Krankheitsverlauf dar. Man darf also annehmen, dass es sich bei diesem Album um eine Herzensangelegenheit handelt. Und diese zum Teil sicher sehr schmerzhaften und schwierigen Erfahrungen münden nun in Songs, welche immer wieder mit tollen Hooks und Refrains aufwarten. Der Albumeinstieg gelingt mit "Solitary Confident" und dem Titelsong schon mal fulminant. Hier zeigt sich auch die ganze Gesangsbreite von Sänger Per Johansson. Eher in den tiefen Lagen trällernd, wagt er sich auch immer wieder in gewisse Höhen. Gerade dort erinnert er auch immer wieder leicht an Tim 'Ripper' Owens. Mit dem ruhigen "Six Feet Under" wagen sich Third Eye in die progressive Ecke vor und gewinnen. Einzig dem vertrackten 10 Minüter "The Psychiatrist" kann ich bis heute nicht richtig folgen. Summa summarum ist "Recipe For Disaster" ein tolles, ernsthaftes Heavy Metal-Album, dass zum langjährigen Referenzwerk der Dänen werden könnte. Wieso ich es trotzdem nicht über die 9-Punkte-Marke hebe? Leider fehlen dafür noch die herausragenden Hits. So schlittert "Recipe For Disaster" nur ganz knapp am Begriff 'einzigartig' vorbei. Trotzdem ist das Album jedem Fan von ehrlicher und toller leicht progressiven Heavy Metal-Musik wärmstens empfohlen.
Roger W.
Punkte: 8.8 von 10
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GRIND INC. - Lynch And Dissect
Bastardized Recordings
Grosse Krefelder Schlachtplatte Teil vier. Wer schmachtend und lechzend nach einer neue Portion des technischen, brutalen Death Metal im Stil von Morbid Angel, Deicide oder Cannibal Corpse dürstet, kann die Wartezeit getrost mit Lynch And Dissect von GRIND INC. überbrücken. Die vier Jungs aus Krefeld gehen dabei so geschickt zu Werke, dass sie die Songs nicht sinnlos mit überbordenden Frickeleien und exzessiven Rhythmuswechseln überladen, was den einzelnen Titeln ein angenehmes Mass an Eingängigkeit und Wiederekennungswert gibt. Moment mal, vier Jungs? Genau, der zweite Mann am Mikro, Thomas Strater, auf den bisherigen Releases fürs Krakeelen, Kreischen und Keifen zuständig, ist nicht mehr mit von der Partie, was sich aber keinesfalls negativ aufs Gesamtpaket auswirkt, weder optisch noch akustisch. Dennoch wurde auf dieses bisherige Trademark nicht vollends verzichtet, denn auf Forced To Consume keift parallel zu Christoph Mieves’ grossartigem Gegrunze eine zweite, höhere Stimme. Da auf der Info kein Gastsänger auszumachen ist, muss man davon ausgehen, dass es sich hierbei ebenfalls um den einzig verbliebenen Frontgrunzer handelt, was die Liveumsetztung des Songs natürlich nicht einfach machen wird. Die glasklare und wuchtige Produktion sowie regelmässig eingebaute ruhigere, beziehungsweise melodische Zwischenparts sorgen dafür, dass man sich das Album sogar als „Nur-Gelegenheits-Death-Metal-Hörer“ ohne Abnützungserscheinungen am Stück anhören kann, als Anspieltipps seien hier mal Damned To Vengeance und Praise The Light genannt. In Unasked Heirs baut man sogar thrashiges Riffing ein, was aus der Nummer ein richtig schön brutales Brett macht, gerne mehr davon! Das letzte Drittel der Scheibe stellt sich danach noch mal voll in den Dienst des amerikanisch geprägten, sehr technischen Death Metal; die Breaks sind wahnwitzig aber immer nachvollziehbar, die Arbeit der Rhythmussektion ist schlicht atemberaubend, hört euch mal Decimate oder The Debate From Within an, und ihr wisst was ich meine. Reduzierte Mannschaft, neues Label, neue Scheibe, neues Glück. Bei solchen Veröffentlicheungen sieht die Zukunft des deutschen, anspruchsvollen Death Metal wirklich rosig aus, auch wenn die Farbe in diesem Zusammenhang etwas unpassend erscheinen mag...
Mirko B.
Punkte: 8.8 von 10
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MY UNCLE THE WOLF – Flush
Cargo Records / Phonag
Ein 'musikalisches Kollektiv, festgehalten im letzten Monat der ersten Dekade des dritten Jahrtausend' nennen My Uncle The Wolf ihr zweites Langeisen "Flush". So kryptisch, verschroben und abgehoben dabei diese Bezeichnung, der Bandname und der Albumtitel klingt, so klingt auch das ganze Material auf dem Silberling. Konnte das selbstbetitelte Debut wie auch die letztes Jahr erschienene EP "The King's Ransom" der New Yorker Combo um das Duo Zac Hutton (voc) und George Vas (git) noch über weite Strecken unter Stoner Rock eingeordnet werden, entzieht sich ihr neuester Streich jeder Kategorisierung. Schlimmer noch: Führt man sich den Silberling das erste Mal zu Gemüte, so ist man auch als gestandener Musikkritiker zuerst komplett überfordert. Wirre Rhythmen, überbordende Hall- und Reverb-Spielereien, auf das erste Hören undurchdringliche Klangstürme voller Effekte, Synthies und Lärm, sodass man sich zuerst fragt, welche Tabletten die Herren denn hier wohl eingeschmissen haben. Doch traut man sich, danach wider aller Ersterfahrungen, noch einmal auf den Play-Knopf zu drücken, so öffnet sich mit jedem weiteren Durchgang ein Stückchen mehr ein Portal in eine Klangwelt, die zwar immer noch zerzaust, gleichzeitig aber an Details, Überraschungen und grossartigen Momenten nicht reicher sein könnte. Dabei sind es nicht nur die überschaubareren Tracks wie das bleischwer rollende "The Garden", das psychedelisch hüpfende "Grinning Hydra", das stürmische "Feast Of Fools" oder das bluesige "Moonshine", sondern auch alle anderen, noch so verschrobenen Nummern. Angefangen beim an Marilyn Manson's "Eat Me, Drink Me" erinnernde "Big Darkness Soon Come" über abgedrehte LSD-Intermezzos wie das mit Schalmeien versehene "The Devil Is Tiny" oder das melancholische, pianolastige "The Last Emperor" bis zur alles niedermalmenden, achteinhalb Minuten dauernden Soundapokalypse "Carwrecked & The Grenade Parade", My Uncle The Wolf bieten mit ihrem Zweitling eine einzigartige Musikreise, die vom Hörer alles abverlangt. "Flush" ist avantgardistisch durch und durch und alles andere als ein normales Metalalbum. Dass viele Leute den Zugang dazu finden werden ist zu bezweifeln, doch so ist es halt manchmal mit hoher Kunst.
Kissi
Punkte: 8.7 von 10
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FRAMEPICTURES - Remember It
ProgRock Records
Framepictures sind aus eigentlich aus ein paar Studiomusikern entstanden, kommen aus Portugal und legen uns hier mit "Remember It" ihr Debut vor. Musikalisch tummelt man sich irgendwo zwischen Prog Metal, Prog Rock und Retro Prog. Eine leckere Mischung, wobei man ganz deutlich merkt, dass man musikalisch Richtung New York zu Dream Theater schielt. Aber nein, keine Sorge, wir haben es hier nicht mit einem DT-Plagiat zu tun. Man findet hier noch genug Eigenständigkeit, um Spass an diesem Rundling zu finden. Mir gefällt die Stimme von Tiago Delgado außerordentlich gut, nämlich dass sie nie aufdringlich wirkt und eine gewisse Wärme in den Gesamtsound bringt. Eigentlich wollte man ursprünglich nur Instrumental Prog machen, aber zum großen Glück haben die grün-roten Südländer diesen Gedanken wieder verworfen und sich mit Delgade zusammengeschmissen. Einzelne Songs hervorzuheben ist schwer, da alle sieben Tracks dargeboten werden und trotzdem muss ich das 25 minütige "My Will To Live" noch erwähnen. Solch lange Songs sind ja immer was Besonderes und, wie man ja inzwischen weiß, fahr ich ja voll auf Longtracks ab. Hier hört man von Songaufbau her deutlich den Einfluss von Petrucci und Co. Die Portugiesen setzten das mit eigenen Ideen aber toll um und es macht Spaß, "My Will To Live" in voller Länge zu genießen, natürlich auch mehrmals, ohne Abnutzungserscheinungen. Zum Schluss kann ich nur noch sagen, für ein Debut zeigen sich die Portugiesen hier recht erwachsen und sehr reif, mit einem interessanten Stück Musik, das echt Freude macht.
Crazy Beat
Punkte: 8.7 von 10
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SUZIE CRIES FOR HELP - Scars Of Memory
Terrasound Records
Und wieder eine Truppe, die von unseren östlichen Nachbarn Östereich stammt und die, wie ich meine, es in sich hat. Suzie Cries For Help wurden 1998 von Leadgitarrist Christoph Schubert und Sänger Michael Schröttel gegründet. Man hat sich danach 12 Jahre Zeit gelassen, um hier den ersten Bastard, der sich "Scars Of Memory" nennt, auf die Meute loszulassen. Die Össis sind musikalisch eher im Melodiesektor Power Metal daheim, gespickt mit alternativem Flair und vielleicht einer Prise Grunge drinnen, aber nur wenig davon. Wie schon erwähnt, wird hier Melodie gross geschrieben, und Schröttel kann bei den Vocals beweisen, dass er eine klasse stimme hat, sowohl im cleanen Bereich, aber auch, wenn es heftiger zur Sache geht. Die Gitarren gefallen mir auch sehr gut mit Power und geilen Melodiebögen. Ihr seht, hier ist alles in allem ein sehr gutes Album gelungen, das wirklich den einen oder andere von euch da draussen begeistern könnte. Ich bin auf alle Fälle entzückt und die Scheibe wird in meinem heissen Schlitten sicherlich noch einige Male rotieren.
Daniel J.
Punkte: 8.6 von 10
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OZZY OSBOURNE - Scream
Epic/Sony Music
Also ehrlich gesagt hatte (nicht nur) ich kaum gedacht, dass der selbst ernannte "Prince Of Darkness" die Kurve nochmals kriegt. Das letzte Album «Black Rain» von 2007 kommt zwar mit etwas Distanz deutlich besser rüber als damals, was ja noch oft der Fall ist, aber es entwickelte nicht den nötigen Schub, den sich Ozzy davon versprach. Drei Jahre später hat sich nun vor allem eine Sache geändert: Ozzy hat wieder einen neuen Gitarrero! Was plötzlich als Gerücht die Runde machte, von wegen dass der langjährige Weggefährte Zakk Wylde nicht mehr erwünscht sei, bestätigte sich tatsächlich. Und dann fragte sich natürlich die ganze Welt, wer denn der Nachfolger der Herren Rhoads (R.I.P.), Gillen (nur live), Lee, Holmes (nur live) und Wylde werden würde! Das Rennen machte schliesslich mit einiger Überraschung der Grieche Gus G., der bekanntlich mit seiner eigenen Band Firewind die Metal-Szene schon eine Weile bereichert. Das Resultat dieser neuen Konstellation heisst nun «Scream» und darf getrost als eine Art Wiederauferstehung betrachtet werden. Der Madman selber berichtet in Interviews, dass es das erste Album überhaupt sei, welches er nicht in benebeltem Zustand aufgenommen hat! Diese Einschätzung bestätigt sich ziemllich schnell, denn der gute Ozzy klingt vitaler denn je. Auch soundmässig geht die Post ziemlich heftig ab, da der geniale Bass-Sound (von einem Typ namens Blasko eingespielt) des Openers «Let It Die» schon mal aufhorchen lässt. Was auch gleich auffällt, ist die wie bei Zakk Wylde runter gestimmte Klampfe von Gus G., die sich bei Firewind anders anhört. Da nebst Ozzy wieder Kevin Churko an den Knöpfen gedreht hat, erstaunt das nicht wirklich. Der Gesang wirkt aber von Beginn weg kräftig wie variabel, die Guitar-Soli tauchen häufiger auf und bringen mehr Melodien ein. Interessant auch, wie das zu Beginn sehr zähe und düstere «Soul Sucker» nach einer kurzen Bridge plötzlich Fahrt aufnimmt, ehe das Grundthema fortgesetzt wird. Das zeichnet eigentlich die ganze Scheibe aus, will heissen, dass die Arrangements durchdacht wirken und man immer neue Feinheiten entdeckt. So nach zu hören bei «Life Won't Wait», wo sich akustischer und elektrischer Sound bestens ergänzen, wobei man den einen oder anderen Part auch schon mal anderswo gehört hat. Das gleiche Schema weist «Diggin' Me Down» auf, wo anfänglich liebliches Gezupfe nahtlos in ein schweres Riff übergeht. Meine persönliche Highlights sind das groovige «Fearless», die typische Halbballade «Time», wie sie eben nur Ozzy hinkriegt und der etwas von den Beatles inspirierte Abschluss-Track «I Love You All», der leider nur gerade eine Minute dauert. Insgesamt fehlen allerdings die wirklich herausragenden Songs, aber «Scream» bewegt sich durchgehend auf höherem Niveau und fällt nie wirklich ab. Und eben Leute, hört Euch mal diesen wuchtigen Bass-Sound an!
Rockslave
Punkte: 8.5 von 10
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GODSMACK – The Oracle
Universal Republic/Universal Music
Nachdem ich nun wirklich nicht mehr damit gerechnet hatte, wurde mein Pult und darauffolgend mein Player mit dem neuesten Output von Godsmack gesegnet. Dies, weil die Scheibe eigentlich seit Anfangs Mai in den Regalen (real wie virtuell) aufzufinden ist. Nachdem bereits im Netz die neue Single „Whiskey Hangover“, welche wir hier in der Schweiz wie üblich nicht angeboten bekommen, meinerseits auf reges Interesse gestossen war, so hat mich die komplette CD (auf welcher der ebengenannte Track natürlich nicht enthalten ist) einerseits stark in ihren Bann gezogen, andererseits aber auch ein Gefühl der Ernüchterung ausgelöst. Aber alles der Reihe nach: „The Oracle“ (eigentlich „Saints & Sinners“, was Sully Erna, Front-Reibeisen, Gitarrist und Gelegenheits-Fellverdrescher, zu religiös war) fetzt gleich mit „Cryin’ Like A Bitch“ ziemlich deftig durch die Brüllwürfel, wobei sich Sully so richtig schön über eine bestimmte Person auskotzt (wer dies sein mag, kann man entweder aus verschiedenen Interviews herauslesen oder sich selbst zusammenreimen, wenn man die Bandgeschichte verfolgt). Hart, dreckig, staubig – alles, was Godsmack bisher ausgemacht haben, wird hier genüsslich zelebriert. „Saints And Sinners“ und „War And Peace“ hauen in die gleiche Kerbe, wobei ein gesteigerter Härtegrad feststellbar ist, was der Band sichtlich gut steht. Sprachliche Intermezzi bei „War And Peace“ lassen ein leichtes Kriegspropaganda-Flair aufkommen, ehe dies wieder von typischen Licks und Riffs sowie der rauen Voice verdrängt wird, wobei Sully mit Inbrust von seinen inneren Dämonen singt. „Love, Hate, Sex, Pain“ ist ein zwiespältiger Track, da hierbei sehr stark bei Alice In Chains abgeschaut wurde, was Godsmack definitiv nicht nötig hätten. Klingt trotzdem gut, halt einfach mit einem starken Einschlag. „What If“ stellt dann die Ballade der Scheibe dar, auch wenn dieser Ausdruck dem Stück nicht wirklich gerecht wird, denn das Tempo wird zwar heruntergedrosselt, aber da die allgemeine Härte angezogen hat heisst dies nicht allzu viel, und Sully singt zwischen flehentlich und aggressiv, ziemlich eindrücklich, was der gute Herr an Variation aus seinen Stimmbändern rausholt. „The Oracle“, der letzte Track, ist ein Instrumental mit zwischendurch gesprochenen Parts, ähnlich wie bei „War And Peace“, ziemlich lang mit 6 Minuten und 21 Sekunden, aber interessant und schön. Die restlichen Stücke dazwischen bewegen sich allesamt in der vorhin schon beschriebenen Schnittmenge. So, und nun zu dem Teil mit der Ernüchterung: Direkt gesagt erfinden sich Godsmack nicht wirklich neu, die Grundprinzipien bleiben erhalten, es wird lediglich ein wenig variiert. Dies kann stören, muss aber nicht, denn hier weiss man: Wo Godsmack draufsteht, ist eben auch Godsmack drinnen. Man kann den Amis nun mangelnde Kreativität vorwerfen, aber warum sollte man etwas komplett umkrempeln, wenn es gut ist, so wie es ist?
Toby S.
Punkte: 8.5 von 10   
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RECKLESS LOVE – Reckless Love
Mercury/Universal Music
Ein Blick auf das Cover macht schon vieles klar. Bei Reckless Love kann es sich nur um eine Glam/Sleazy-Band handeln. So erinnert auch der Name an den Guns'n'Roses-Song "Reckless Life". Tatsächlich hiess die Truppe zu Anfang auch so und widmete sich als Coverband den Songs von Axl und Co. Nun erscheint das Debut der finnischen Truppe. Mit GNR hat man heutzutage aber nur sehr bedingt noch etwas zu tun. Die Band hat nämlich leider den Sleazy aus ihrem Sound verbannt. Vielmehr widmet man sich dem reinrassigen Glam Rock der 80er, kombiniert mit einer grossen Portion Pop Appeal. Diesbezüglich sind vor allem Poison der treffende Querverweis. Doch egal, wie man die musikalischen Vorlieben der Skandinavier definiert, sie haben so ziemlich alles richtig gemacht. Die Jungs haben elf Tracks verfasst, die ausnahmslos gute Laune verbreiten. Ein perfekter Soundtrack für feucht-fröhliche Sommerpartys ist bei deren musikalischer Umsetzung herausgekommen. Textlich beschränkt man sich zwar mehr oder weniger auf Klischees, doch für Party-Rock ist dies nicht weiter relevant. Dafür glänzt das Songmaterial durch extrem eingängige Gesangslinien und Refrains, die sich umgehend in den Gehirnwindungen festsetzen. Sonderlich kreativ sind die Jungs zwar nicht, dafür gibt es auf dem Album auch keine zweifelhaften Experimente. Parallelen lassen sich auch zu den vor ein paar Jahren grundlos gehypten The Darkness erkennen. Doch diese hatten einen wirklich beschissenen Sänger, ganz im Gegensatz zu Reckless Love. Dieser Frontmann heisst Olliver Twisted und ist Szenekennern garantiert ein Begriff. Nämlich als Ex-Frontmann von Crash Diet. Dort ersetzte er den verstorbenen Dave Lepard. Trotz einigem Erfolg stieg Olliver wieder aus, um sich eben auf seine Band zu konzentrieren. Zum Glück für Reckless Love. Die Musiker gehören sicher nicht zu den allerbesten, doch als Band funktioniert es eben hervorragend. Klasse Album.
Chris C.
Punkte: 8.5 von 10
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CRYSTAL TEARS - Generation X
7Hard
Es gibt Musiker im Leben eines Schreiberlings, die für immer und ewig in Erinnerung bleiben. Einerseits, weil sie sich besonders nett, zuvorkommend oder redselig präsentierten, oder weil sie sich wie der hinterletzte Idiot benahmen. Zur ersten Gruppe gehört Sänger Ian Parry, der bei Elegy, Vengeance, Hammerheart oder auch solo mit seiner unverkennbaren Stimme zu überzeugen wusste. Ian ist ein herzensguter Mensch, dem leider bis anhin der grosse Erfolg verwehrt blieb. Mit seiner Musik schwankte er immer zwischen Hard Rock und progressivem Sound hin und her. Für die einen war es zu komplex und für die anderen zu einfach gestrickt. Mit Crystal Tears hat Mister Parry eine neue Heimat gefunden, die musikalisch ganz in den Händen von Schlagzeuger Chrisfis Tantanozis liegt. "Generation X" ist ein Album geworden, das bestens zur musikalischen Vergangenheit des Sängers passt. Allerdings geht die Truppe hier bedeutend einfacher zu Werke, als es noch bei Elegy der Fall war. Die zehn Lieder wurden von Mystic Prophecy-Mastermind R.D. Liapakis produziert. Er hat der Band einen transparenten Sound besorgt, der den Instrumenten (Gesang, Bass, Gitarre, Drums) den nötigen und abgestimmten Platz lässt. Neben der Stimme ist es Gitarrist Dimitris Goutziamanis, der immer wieder brilliert und mit seinem Spiel die Tracks nachhaltig färbt. Die Lieder überschreiten nie die Fünf-Minuten-Länge und bleiben so immer nachvollziehbar. Bedingt durch das Talent der Musiker findet man aber bei jedem weiteren Hören von "Generation X" neue Nuancen. Somit bleibt das Album stets interessant. Bitte, hört euch diese Scheibe einfach mal an, denn Crystal Tears haben es verdient, gehört zu werden!
Tinu
Punkte: 8.5 von 10
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INSIDIOUS DISEASE – Shadowcast
Century Media/EMI
Insidious Disease sind Marc Grewe (Ex-Morgoth), Shane Embury (Napalm Death und weitere Side-Projects), Jardar (Old Man's Child), Silenoz (Dimmu Borgir) und Tony Laureano (Nile, Malevolent Creation, Angel Corpse, God Dethroned, Acheron usw.). Man nehme ein norwegisches Gitarrenduo also, gepaart mit dem US-Drumming-Stil eines der weltweit renommiertesten Drummers, ein englischer Bassist und ein deutsches Growlorgan, und heraus kommt eines der abwechslungsreichsten Death Metal-Alben der letzten Zeit. Kein Wunder bei dieser Mischung. Melodie, Old School-Riffs, Blasts und eine durchgängig morbide Atmossphäre machen diese 9 Songs aus. Death Metal wird hier gross geschrieben und nach allen Regeln der Kunst so auch zelebriert. Die Songs und Texte (psychologische Analysen eines Massenmörders) entstammen allesamt den Köpfen des Norweger-Duos Jardar und Silenoz und wurden nach 2007 von den anderen Beteiligten noch verfeinert. Auf "Shadowcast" wird sehr viel der europäischen und amerikanischen Death Metal-Geschichte stilistisch vereint, so ist es auch nicht grossartig überraschend, dass hier und da Erinnerungen an u.a. Morgoth, Autopsy und diverse andere skandinavische Bands wach werden. Auch dürfen natürlich zudem wie auf "The Desire" die obligatorischen Slayer-Gedenk-Soli nicht fehlen. Dieses Album ist für Genrefreunde und für solche, die es werden wollen, wirklich zu empfehlen. Auf jeden Fall sollte man (und nicht nur aufgrund des All-Star-Aufgebotes) mal ein Ohr riskieren. Anspieltipps: "Abortion Stew", "Boundless", "Rituals Of Bloodshed", "The Desire", "Facemask" und "Value In Flesh".
Ralf W.G.
Punkte: 8.5 von 10
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WICKED SENSATION – Crystallized
AOR Heaven/Non Stop Music
Ambitioniert war die Truppe Wicked Sensation schon immer. Warum sonst kommt man auf den Bandnamen. 2001 konnte man erstmals für Aufmerksamkeit sorgen. Das Debut "Reflected" konnte jedenfalls durchs Band für positive Resonanzen sorgen. Der Sänger Robert Soeterboek wurde sogar mit David Coverdale verglichen. Dies ist sicher ein bisschen überspitzt, doch eine gewisse Tendenz von Robert zum Whitesnake-Frontmann lässt sich nicht abstreiten. Trotzdem wurde für das Nachfolgewerk "Exceptional" 2004 Ex-Victory-Shouter Fernando Garcia angeheuert. Auch diese Scheibe wurde mit guten Rezensionen bedacht. 2006 wurde die Band dann wegen der berühmten musikalischen Differenzen auf Eis gelegt. Dies liess Bandkopf, Songwriter und Gitarrist Michael Klein nicht auf sich beruhen. Letztes Jahr reformierte er die Truppe, wieder mit R. Soeterboek am Mikro. Als Bassist und, noch wichtiger, als Produzent konnte Dennis Ward ins Boot geholt werden. Der Pink Cream 69-Member hat sein Talent als Knöpfchendreher nicht nur bei seiner Stammcombo schon oft eindrücklich unter Beweis gestellt. Wicked Sensation's dritter Streich "Crystallized" wurde durch Dennis ebenso mit einem ausgezeichneten Sound versehen. Auch musikalisch klingt die Band durchaus ähnlich wie Pink Cream 69. Das heisst, die Truppe hat ein paar erstklassige Tracks verfasst. Einerseits treibende, rifforientierte Hard Rock-Songs mit coolen Melodien, die das eine oder andere Mal eine angenehme Soul- und Blues-Schlagseite aufweisen, andererseits auch schöne Balladen und diverse Tracks, die irgendwo dazwischen liegen. Das Album beginnt äusserst stark, ungefähr ab der Halbzeit lässt die Band aber merklich nach und bewegt sich ab und zu nur im Mittelfeld. Sehr interessant ist der Song "My Turn To Fly". Nicht nur, dass er einer der besten auf der Scheibe ist, auch der Gastsänger hat es in sich. Niemand geringerer als Andy Deris hat die Vocals beigesteuert. Hauptamtlich ist dieser Frontmann bei Helloween und war bekannterweise früher Sänger bei Pink Cream 69. Also, Freunde von qualitativ hochstehendem German/Melodic Metal sollten das Teil unbedingt antesten.
Chris C.

Punkte: 8.5 von 10
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DISTASTE VS. BASTARD PEELS - Split
Refuse Records/Non Stop Music
Endlich mal eine tolle Össi-Split. Schon der rückseitige Schriftzug "No Gore. No Porn. Grind." macht Bock auf mehr, und nach den ersten drei Songs der beginnenden Distaste hatte mich diese Platte auch schon heftigst an den Eiern. Tönt für mich grob gesagt wie eine Napalm Death/Entombed-Kreuzung, groovt trotz aller Brutalität wie Sau und hat mit "You" sogar einen potentiellen Metal-Disco-Tanzfeger im Repertoire. Feine Sache. Danach bestreiten Bastard Peels die zweite Hälfte dieser absolut hörenswerten Scheibe und holzen sich mit ihrem technisch/experimentellen Lo-Fi-Geblaste charmant in sämtliche Hörzellen. Hatte bis jetzt zweimal das Vergnügen, die Band live zu erleben, unterhaltsame Sache und nicht nur auf Platte, sondern auch unterwegs eine echte Wand. Geheimtip.
Hardy
Punkte: keine Wertung
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EDENBRIDGE - Solitaire
Napalm Records/Musikvertrieb
Die Österreicher präsentieren uns hier mit "Solitaire" ihr bereits siebtes Album und gehören damit sicher zu den Symphonic Metal-Veteranen. Geboten wird wie gewohnt hohe Metal-Kunst, die unverkennbar die Handschrift des Ausnahmegitarristen Lanval trägt. Und auch Sabine Edelsbacher war natürlich zum Gelingen des Silberlings maßgebend. Ihre traumhaft schöne Stimme veredelt wirklich jeden Song. Kommen wir zu den Songs: "Solitaire" ist ein klasse Song im gewohnten Edenbridge-Gewand. Wogegen "Higher" von der Gitarre her etwas härter als man es kennt aus den Boxen rauscht, dieser Song glänzt mit einem klasse Refrain, der sofort gefällt und hängenbleibt. "Skylines End" ist ebenfalls ein härterer Song und brilliert sogar mit ein wenig Threshold-Schlagseite. Oh yeah, auch das rockig flotte "Bon Voyage Vagabond" könnte echt gut aus Karl Groms Feder stammen, jedenfalls vom Gitarren-Riff her gesehen. "Come Undone" schlägt so etwa in die gleiche Kerbe. Bei "Out Of This World" wird's dann etwas ruhiger, dieser Song wird ganz klar von Sabines toller Stimme getragen, ein herrliches Lied. "Further Afield" ist ein ganz typischer Lanval-Track mit lebendigen Gitarre und auch hier mit einer klasse Gesangsmelodie. Mit "Eternity" zeigt sich Lanval von seiner ganz ruhigen Seite mit einem akustischen, instrumentalen Stück. "A Virtual Dream" poltert wieder voll drauflos und mit "Brothers Of Diamir" kommt dann der zweite ruhige Song. Auch ein schöner Song, kann aber nicht ganz so überzeugen wie der Rest des Albums. Zum Schluss, und ich muss sagen, was für ein würdiger Schluss für ein starkes Symphonic-Werk, ist "Exit Unic" . Ein starker Song mit einem Klassischen Chor, könnte glatt von Lanvals Solo-Album "Pyromantic Symphony" aus dem Jahre 1997 stammen. Erwähnenswert sind natürlich all die klasse Soli von Lanval, bei denen er immer wieder zeigt, was für ein gefühlvoller Saitendehner er doch ist. Auch die überall auftauchenden Chöre sind wieder stark, und das Ganze macht "Solitaire" zu einem wirklich grossen Hörgenuss.
Crazy Beat
Punkte: 8.4 von 10
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DAYS OF LOSS - Life Is Decay
Terrasound Records
Death Metal ist vielleicht jetzt gerade nicht der grosse Renner, aber wir scheren uns natürlich um jegliche Trends einen Dreck und bringen mit grosser Freude ein Review über den Österreicher Days Of Loss, die es anscheinend schon mehrere Jahre gibt und hier ihr drittes Werk "Life Is Decay" auf den Markt bringen. Die vier Östereicher haben für meine Begriffe auf ihrem neuesten Werk dann auch seht gute Arbeit abgeliefert. Benjamin Pauswerk liefert die brachialen Growls und bedient zusätzlich noch den Bass, was recht gut gelingt. Die restlichen Drei schmieden hier ein Eisen, das härter als Titan ist und verdammt viel eingängiges Material hat, will heissen: Das Songwriting ist hier auf einem Topniveau gehalten. Death Metal mit Geschwindikeit, vielen Breaks, auch mal geile Hooks, ja, gitarrentechnisch einwandfrei und auch der Drummer überzeugt restlos. Was will man mehr fürs Death Metal-Herz? Kauft das Zeug!
Daniel J.
Punkte: 8.3 von 10
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WHEELS OF FIRE – Hollywood Rocks
Avenue Of Allies Music
Der Bandname, die optische Umsetzung des selben auf dem Albumcover, der CD Titel, bzw. der gleichnamige Track, weitere Songtitel wie "You're So Cool" oder "Rock The World", alles Indikatoren für waschechten Sleazy Rock. Doch bereits die ersten Klänge des Titeltracks belehren einen eines Besseren. Mit einem schwülstigen Keyboard wird das Album eröffnet. Da stehen die Räder nicht in Vollbrand, sondern motten nur unauffällig vor sich hin. Nichts also mit Guns'n'Roses und Mötley Crüe. Recht behalten wir aber bei der zeitlichen Einordnung in den 80ern, und da gab es eben nicht nur dreckigen Rock'n'Roll, sondern auch Melodic Rock. Genau dies ist das Steckenpferd dieser italienischen Combo. Formiert hat sich die Truppe um Davide Barbieri, der nebst den Vocals auch für das Keyboard zuständig ist. Kein Wunder also, dass das Tasteninstrument ab und zu aufdringlich im Vordergrund steht. Für das Songwriting und die Produktion wurde der gute Davide, der sich auch Dave Rox nennt, vom AOR/Melodic-Spezialist Michele Luppi unterstützt. Somit haben sich zwei absolute Könner ihres Fachs getroffen. Die Beiden haben nämlich richtig tolle Songs verfasst. Coole Hooklines werden mit eingängigen Refrains kombiniert. Der Titel "Hollywood Rocks" ist ein Paradebeispiel dafür. Ein Song, der auch neben einem "Burning Heart" oder einem "Seperate Ways" jederzeit bestehen kann. Aber auch "You're So Cool", "What I Want" oder "Everywhere I Go" glänzen durch Melodien mit viel Drive. In den besten Momenten tendieren Wheels Of Fire stark in Richtung Firehouse oder Lillian Axe. Oft fehlt der Truppe aber der letzte Kick. Die Band agiert zu brav, man vermisst mehr als einmal ein paar Ecken und Kanten. Trotzdem hat die Band potenzial, Charme, Herz und damit auch Zukunft.
Chris C.

Punkte: 8.2 von 10
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KORZUS – Discipline Of Hate
AFM Records/Musikvertrieb
Dass Brasilien mehr zu bieten hat als kickende, überbezahlte Fussball-Divas der Sorte Pele, Ronaldo oder Kaka, das weiss die Metalwelt schon seit die Tribal-Thrasher Sepultura Ende der 80er/Anfang der 90er mit Kult-Scheiben wie "Arise" (1991) oder "Chaos A.D." (1993) auch das europäische Bangerherz zu erobern vermochte. Genau so alt, aber auf dem alten Kontinent kaum ein Begriff sind deren Landsmänner Korzus. 1983 gegründet hat wohl noch kaum ein Europäer von den Mannen um Shouter Marcello Pompeu gehört. Mit "Discipline Of Hate" und der alles andere als im Abflauen begriffenen neuen Thrashwelle soll sich das nun ändern. Die Zeichen stehen gut dafür, denn was Korzus auf ihrem nunmehr vierten Langeisen bieten, ist grobkörniges Rifffutter für den etwas wüsteren Thrash-Maniac. Dabei orientiert man sich stärker an den amerikanischen Vorbildern der Bay Area als an heimischen Vorreitern. Namentlich Slayer scheinen bei dem südamerikanischen Fünfer auf Dauerrotation zu laufen, denn nicht nur klingt Pompeu des Öfteren nach Herrn Araya, auch in Sachen wuchtiger Riffs in Verbindung beunruhigend dissonanter Licks ("Under His Command", "Truth") und schrillen Gitarrensoli setzt man auf Slayer-Trademarks, sodass man sich beim Hören von Songs wie "Slavery" oder "Never Die" der Vorstellung nicht verwehren kann, hier malträtierten Jeff Hanemann oder Kerry King die verzerrten Saiten. Eher Testament gehuldigt wird hingegen in "Raise Your Soul", einem wuchtigen Stampfer mit eingängigem Refrain und "Ohohoh"-Parts. Dass bei solch deutlichen Referenzen die Attribute 'innovativ' und 'eigenständig' im Schrank bleiben müssen versteht sich zwar von selbst, ist aber nicht wirklich bedauernswert, machen das die kompakt gehaltenen Songs, das technische Können der Brasilianer und die fette Produktion doch allemal wett und man ist gespannt, ob die Zeit für Korzus nach über 20 Jahren auf der Warteliste gekommen ist.
Kissi
Punkte: 8.0 von 10
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HUNGRYHEART – One Ticket To Paradise
Fastball Music
Ziemlich genau zehn Jahre waren Hungryheart, vor allem in deren Heimat Italien, live unterwegs, bis 2008 endlich das Debut-Album aufgenommen wurde. Dieses stiess weit über die Landesgrenzen hinaus auf durchwegs positive Resonanzen. Bevor also halbgare Songs in einer künstlichen Konstellation aufgenommen wurden, hat man auf den Bühnen umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Dies kommt der Band nun zugute. Auch der zweite Output hat wieder Substanz, ist sogar noch einen Zacken besser, weil ausgereifter, als das Debut. Musikalisch bleibt man auf der sicheren Seite, das heisst, man hat sich dem klassischen, traditionellen Melodic Rock der 80er-Jahre verschrieben. Immer wieder interessant sind musikalische Hinweise der Labels. Bei Hungryheart sind das Bon Jovi, Whitesnake, Journey und Giant. Im Grossen und Ganzen kann man das so stehen lassen. Obwohl auch eine deutliche Tendenz zu den deutschen Vertretern des Genres auszumachen ist. So sind parallel zu Bonfire, Axxis und Jaded Heart zu erkennen. Für diesen Germany-Touch verantwortlich ist die Hammerproduktion von Michael Voss (Mad Max, Silver), der "One Ticket To Paradise" veredelt hat. Musikalisch schafft die Truppe den Spagat zwischen knackigem, kernigem Hard Rock auf der einen Seite und AOR-Schmachtfetzen auf der anderen. Die Italiener beweisen ein feines Gespür für starke Melodien und grosse Hooks. Leider ist der softe Part weit weniger interessant ausgefallen. Mit Songs wie "Let Somebody Love You", "Boulevard Of Love" und "Love Is The Right Way" wird das Thema Liebe schon arg strapaziert. Musikalisch hält sich aber auch hier der Kitschfaktor in Grenzen. Mit "Man in The Mirror" wagt sich wieder mal eine Rockband an einen Michael Jackson-Track heran. Starker Song, im Original, wie auch als Cover von "Hungryheart". Alles in allem lohnt es sich definitiv, "One Ticket To Paradise" anzuchecken.
Chris C.
Punkte: 8.0 von 10
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SOILWORK - The Panic Broadcast
Nuclear Blast/Warner
Der ewige Kampf Soilwork vs. In Flames geht mit dem Release von "The Panic Broadcast" in die nächste Runde: Die beiden schwedischen Formationen sind über den gesamten Verlauf ihrer Karrieren ähnliche Pfade gegangen, auch wenn Soilwork faktisch im direkten Vergleich meist etwas hinterher hinkten - so veröffentlichten sie ihr Debut-Album erst knappe fünf Jahre nach In Flames, und erhielten trotz ihrer hervorragenden Scheiben und Konzerten nie die Unterstützung der breiteren Masse. Seit Ende 2008 ist aber eine klare Machtverschiebung erkennbar - als direkter Vergleich und Temperaturmesser dienen hier die im Herbst des erwähnten Jahres separat in der Schweiz stattgefundenen Shows der beiden Formationen: Da hätten wir einerseits ein gnadenlos langweiliges und überstrapaziertes Set von In Flames im Fri-Son in Fribourg (die dann noch gekonnt von Gojira an die Wand gespielt wurden), und anderseits eine auf den Punkt gebrachte, einstündige Show von Soilwork im Z7, die die Band auf dem vorläufigen Zenit ihres Schaffens zeigte. "The Panic Broadcast" muss sich also die Auflistung gegen In Flames' schon etwas zurückliegendes letztes Werk "A Sense Of Purpose" gefallen lassen. Die Grundkonstellation der neuen Soilwork-Platte lässt klar bereits auf grosse Taten schliessen: Einerseits ist Ur-Gitarrist und Songwriter Peter Wichers wieder mit an Bord, anderseits wurde dem hyperaktiven Trommelmonster Dirk Verbeuren endlich der ihm gebührende Platz einberäumt. Beides Faktoren, die die Scheibe um die vielleicht entscheidende Handvoll Punkte nach vorne bringen könnten - der Opener "Late For The Kill, Early For The Slaughter" legt auf jeden Fall schon mal krachend vor und präsentiert dabei auch gleich noch die ersten Blastbeats in der Geschichte von Soilwork, dicht gefolgt von einem Chorus, wie ihn der Opener einer Platte unbedingt haben muss. "Two Lives Worth Of Reckoning" und "The Thrill" zitieren gekonnt den Groove der etwas älteren Werke der Band, während "Deliverance Is Mine" und "King Of The Threshold" Erinnerungen an Frontmann Björn's gigantische Gesangsleistung auf "Natural Born Chaos" wach werden lassen. "Let This River Flow" und "Epitome" dümpeln beide in etwas seichterem Wasser umher (hier kommen die grossen Melodien etwas gar plakativ daher), während "Enter Dog Of Pavlov" (nebst der etwas zu auffällig drapierten Referenz an eines der bekanntesten Verhaltensforschungsexperimente der Gegenwart) etwas lang gezogen daher kommt. Endergebnis? Etwas durchwachsen, muss ich eingestehen. Soilwork haben klar den Vorteil des aktiveren und interessanteren Songwritings in der Tasche, aber damit grösstenteils Leichenfledderei an den eigenen Meisterwerken zu begehen kann kaum Sinn und Zweck der Sache sein. Obwohl die Band offensichtlich über die bessere Ausgangslage als In Flames verfügt, hat sie sich nicht wie erhofft aus dem Schatten bewegt sondern auf funktionierende und ertestete Werte gebaut - ein Fakt, der mir normalerweise kaum ein müdes Lächeln entreissen kann. Aber Soilwork wären nicht Soilwork, wenn die Jungs auch in diesem für ihre Talente viel zu eng gesteckten Rahmen nicht aus allen Rohren schiessen würden - und so geht "The Panic Broadcast" äusserst knapp, und in erster Linie auch nur dank dem gnadenlosen Biss des Fünfers, als hauchdünner Sieger durch die Zielgerade.
El Muerte
Punkte: 8.0 von 10
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TERRA NOVA – Come Alive
Frontiers Records/Musikvertrieb
Von Terra Nova hat die Metal Welt erstmals 1996 gehört. In jenem Jahr veröffentlichten die 5 Holländer mit "Livin It Up" ihren ersten Silberling. Dieser Mainstream oder Melodic Rock aus den 80er Jahren kam damals bei verschiedenen Kritikern ganz ordentlich an. Vor allem in Japan gab es viele neue Fans. Nach dem dritten Album "Make My Day" war dann aber auch schon wieder Schluss. Die beiden Köpfe hinter der Band – Fred und Ron Hendrix – machten sich auf, um anderweitig Musik zu machen. 2008 dachten aber wohl alle an die guten alten Anfangszeiten und formierten sich erneut, um ein weiteres Album aufzunehmen. Und so halte ich nun mit "Come Alive" ein weiteres Terra Nova-Album in den Händen. Das Ziel der Band war ganz klar: Es musste ein weiteres Highlight wie "Livin It Up" werden. Und eines kann ich vorwegnehmen, im Genre Mainstream und Melodic Rock ist das durchaus gelungen. Was mich nun zum Album bringt: Die 10 Songs bieten auf knapp 45 Minuten eine Mischung aus Yes, Journey und vielen weiteren Bands aus dieser Sparte. Was mir zudem extrem auffällt, ist, dass mich einige Lieder schon beim ersten Hören an Musical-Songs erinnern. Gerade "Under Pressure" ist so ein Paradebeispiel. Ich könnte nicht sagen, in welches Musical es am besten reinpasst, aber die dazugehörende Szene ist in meiner Fantasie doch stark erkennbar. Bei den weiteren Songs halten sich wirklich rockige Nummern wie beispielsweise der Opener "Come Alive", "Fighting Yourself" oder "Do Or Die" die Waage mit den klassischen Balladen wie "Here Comes The Night" oder "Those Eyes". Sehr auffällig ist das extrem präsente Keyboard. Manchmal fast schon ein wenig zu stark, und ich wünschte mir, mehr von der guten Gitarrenarbeit zu hören. Aber dies gehört halt einfach zu Terra Nova. Alles in Allem ist die neue Terra Nova-Scheibe ganz ok. Jeder der auf Mainstream Rock steht, kann sich das Ding reinziehen. Der Rest hat vielleicht etwas für die ruhigeren Nummern übrig, wenn Gäste zu Hause sind und diese nicht gleich vom Teufel angegriffen werden sollen. Also bildet euch selber eure Meinung. Für mich ist es besserer Durchschnitt.
Timo K.
Punkte: 8.0 von 10
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KICKHUNTER - All In
AFM Records/Musikvertrieb
Als Helloween-Fan beschäftigt man sich immer wieder gerne mit den Bands der ehemaligen Mitgliedern oder den Nebenprojekten der aktuellen Besetzung. Aus diesem Grund fiel mir schon 2003 das erste Album von Kickhunter in die Finger, da kein Geringerer als Markus Grosskopf den Viersaiter bei Kickhunter spielt. Mit 'Happy Helloween' hat diese Truppe aber absolut nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, das Sextett plus die zwei Backgroundsängerinnen haben ihre Seele dem bodenständigen Hard Rock verschrieben. So cool diese Mucke bei einem Bikerfest auch die Stimmung ins unermessliche steigern wird, braucht es schon eine Portion Mut, sich an einem Klassiker wie Victory's "Check's In The Mail" zu vergreifen. Denn das Original kann man nicht besser machen. Gesanglich, wie instrumental! Da kommt die Coverversion von Blondie's "Call Me" schon besser aus den Boxen raus. Beide Coverversionen werden von den Sängerinnen vorgetragen. Gesanglich kann da nichts bemängelt werden. Ansonsten sind es die Hammondorgel und die Slide-Gitarre, die das Geschehen beherrschen und das Fernweh in den wilden, weiten Westen verstärken. Auch wenn Kickhunter die Qualität von Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet nicht erreichen, darf man sich "All In" als Südstaaten- und Hard Rock-Fan bedenkenlos in den CD-Schacht schieben. Dabei sind die Ballade "Deep In My Heart", das von einem feinen Basssolo eingeleitete "Boogie Town", die Faces-Hommage "Shy Shy Shy", die Trucker-Hymne "Feels Like Home" oder der Fetzer "Another Tear" die sofort in den Gehörgängen steckenbleibenden Hits des Albums. "All In" ist ein feines Rockalbum geworden, das seine Käufer finden wird und das sich nicht hinter den grossen Alben der Väter dieses Sounds zu verstecken braucht. Auch wenn die Qualität dieser Perlen (noch) nicht erreicht wird.
Tinu
Punkte: 8.0 von 10
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KATHAARSYS - Intuition
Silent Tree Productions/
Non Stop Music
In einer Zeit, da Bands nur schon aufgrund ihrer quadzilliarden programmierter Myspace-Klicks zum Erfolg gepusht werden, gibt es nicht mehr viele Undergroundbands wie das spanische Trio Kathaarsys. Denn wer wie die zwei Jungs und die Göre am Bass seit ein paar Jahren gefühlt nonstop auf ausgedehnten Touren in einem Minivan unterwegs gewesen sein sollte, innert fünf Jahren vier Alben heraus gegeben und wohl so an jeder verfügbaren Steckdose in Europa gespielt hat, muss zwar ein bisschen meschugge sein, verdient aber denoch meinen Respekt. Boten Kathaarsys mit den ersten Alben und ihrem kruden Mix aus Black Metal, verworrenen Jampassagen und jazzigen Anleihen schon keine leichte Kost, ist "Intuition" als bisherige Krönung so richtig zäh geworden. Der Jazzanteil ist noch einmal merklich in die Höhe geschraubt worden, die Jams wirken endgültig LSD-beeinflusst und die atmosphärischen Parts zerbrechlicher als jemals zuvor. Was dem Hartwurstfan jedoch zu kurz kommen wird, sind die harschen, brachialen Passagen, die zwar immer noch vorhanden sind aber nur noch als Mittel zum Zweck eingesetzt werden. Die Produktion tönt extrem 'live', als ob die Band das ganze Album an einem Stück aufgenommen hätte. Kleinere Spielfehler gehören da ebenso dazu wie die Umschaltgeräusche der Effektgeräte oder Rhythmusschwankungen. Fehlende 'Trveness' kann man dem gemischten Trio definitiv nicht nachsagen, und "Intuition" tönt dadurch auch extrem lebendig und hat tonnenweise Facetten zu bieten, die entdeckt werden möchten. Leider sind die Songs für den Durchschnittshörer zum Teil etwas zu fordernd, wenn nicht sogar sperrig bis nervig geworden, da braucht man Ausdauer und einen gewissen Liebhaberansatz. Die hohe Punktzahl rechtfertige ich damit, dass mir zehn nervige, aber musikalisch fordernde Bands wie Kathaarsys immer noch unendlich Mal lieber sind als die weiter unten erwähnte Nullnummer mit drei Punkten. Für Fans von rauchigen Jazzkneipen und eklektischen Überraschungen.
Hardy
Punkte:
8.0 von 10                         Hier bestellen für 27.90 SFr.
THULCANDRA - Fallen Angel's Dominion
Napalm Records/Musikvertrieb
In der momentanen sommerlichen Hitze ist man um jegliche Abkühlung froh, und sei sie auch 'nur' musikalischer Natur. Die Deutschen von Thulcandra haben sich melodisch angehauchtem Black/Death Metal verschrieben, der in seinen Grundzügen Erinnerungen an beispielsweise Sonic Reign oder auch Satyricon wach werden lässt. Was dies nun mit akustischer Kälte zu tun hat? Ganz einfach: Der Sound kann eine echte Gänsehaut erzeugen! Die Produktion klingt mehr als nur gut, die Abmischung ebenfalls, man also von einem wirklich gelungenen Debut sprechen. Die Instrumente lassen sich trotz der hektischen Passagen sehr gut auseinander halten, und die zahlreichen Melodiebögen bewahren Thulcandra davor, im Einheitsbrei der Knüppelbands zu verschwinden. Instrumentale Stücke wie "In Silence We Eternally Sleep", welches nur vom Keyboard und leichten Synthie-Sphären-Sounds lebt, lockern das Geschehen noch zusätzlich auf. Der Sänger growlt sich sogar halbwegs verständlich durch die Botanik, was ebenfalls ein Pluspunkt darstellt. Also, was will man mehr? Für ein Debut absolut gelungen, und wenn Thulcandra ihre Eigenständigkeit vielleicht noch einen Tick mehr hervorheben, dann steht ihnen eine ordentliche Karriere bevor. Antesten lautet hier die Devise!
Toby S.
Punkte:
8.0 von 10             Hier reinhören und bestellen für 27.90 SFr.
WOLFSPRING - Wolfspring
ProgRock Records
Wolfspring sind eine neue Band des Nemo-Gitarristen Jean Pierre Louveton. Wie man schon unschwer an dessen Namen erkennen kann, kommen die Jungs aus Frankreich. Und wenn die Franzosen schon nicht richtig Fussball spielen können (hähä), dann haben sie es aber hier ganz gut drauf. Alle acht Tracks können überzeugen, sowohl musikalisch als auch von den Songs her. Die Franzosen tummeln sich musikalisch zwischen Prog Rock und Prog Metal. Der Frickelanteil ist auf ein Minimum beschränkt. Man arbeitet lieber songdienlich und legt eher Wert auf Melodien und nachvollziehbare Riffs. Das Spektrum ist breit und reicht von Pink Floyd, Muse, Porcupine Tree hin bis zu einigen Led Zeppelin-Einflüssen. Man findet hier ebenso starke Soli, verspielte Instrumental-Parts wie auch straighte Gitarren-Riffs und schöne Key-Passagen. Nur um ein Beispiel zu erwähnen, da wäre das tolle, 7-minütige "Now Or Never". Hier findet man ein Auf und Ab der Gefühle. Ruhige Parts mit angenehmen Gesängen und Chören, das Ganze baut sich dann in einem coolen Solo auf, um am Ende wieder sehr ruhig zu enden. Wolfspring bieten hier wirklich tolle Songs, die man entdecken und von denen man sich mitreissen und mittragen lassen kann.
Crazy Beat
Punkte:
7.9 von 10                              Hier bestellen für 29.90 SFr.
JORN – Dio
Frontiers Records/Musikvertrieb
Geldgeile Leichenfledderei oder ehrliche Ehrerbietung; das ist hier die Frage. Praktisch die ganze Metalwelt war ergriffen von Trauer und Erschütterung, als am 16. Mai der Tod von Ronnie James Dio, sicherlich einer der grössten Metalsänger aller Zeiten, publik wurde. Genauso gross wie die Anteilnahme seiner Fans war diejenige seiner Berufskollegen, und innert Tagesfrist hatte aber auch jede Rockband der Welt ihr Beileid über Dio's Ableben kundgetan. Dass auch Jorn Lande, das norwegische Goldkehlchen (u.a. Bei Masterplan, Jorn, Allen/Lande u.v.a. zu hören), tief bestürzt sein würde, verstand sich von selbst, hatte der Blondschopf mit der Ausnahmestimme doch immer wieder seine Verehrung für Dio erwähnt und mit "Straight Through The Heart" (Dio), "Lonely Is The World/Letters From Earth" (Black Sabbath) und "Kill The King" (Rainbow) schon Coverversionen aus allen Schaffensphasen des Metalkönigs veröffentlicht. Nun, nicht einmal zwei Monate nach dessen Tod hat der für seine ungebremste Veröffentlichungsflut bekannte Jorn schon ein komplettes Tribute-Album am Start. Ein fauliger Beigeschmack nach ausgefuchster Geldmacherei ist dabei kaum zu verhindern, hält man "Dio" in den Händen. Klar, Hits wie "Stand Up And Shout" und "Don't Talk To Strangers" (beide von "Holy Diver", 1989) oder auch weniger bekanntes wie "Push" ("Killing The Dragon", 2000), "Lord Of The Last Day" (von "Magica", 1999), das ultracoole "Sunset Superman" ("Dream Evil", 1989), welche übrigens alle aus Dio's Solokarriere stammen, sind und bleiben, wie auch die schon genannten, vorher veröffentlichten Cover, ewige Übersongs. Und auch Jorn's Stimme kann sich mehr als hören lassen, seine Versionen sind selten weit weg von den Originalen und bestechen durch seine eindrückliche Gesangsleistung. Da man es aber sowieso nicht besser als der Meister machen kann, bleibt zu bezweifeln, ob wirklich ein ganzes Album für eine musikalische Verbeugung nötig gewesen wäre. Der einleitende, neue "Song For Ronnie James" mit typischem Dio-Flair hätte dafür sicherlich gereicht. Dass sich Alben aber besser verkaufen als Singles, das weiss wohl auch Lande.
Kissi
Punkte: keine Wertung
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DANTE - Saturine
ProgRock Records
Ein schweres, fettes Gitarrenriff und darüber ein fliegendes Syhthie-Soli, dann ein Break und das Ganze wird nur noch von Streichern getragen, um ein wenig später wieder mit fetten Gitarren und einem gefühlvollen Gesang fortzufahren. So etwa starten Dante in ihr neues, zweites Album. Die Deutschen haben sich dem Prog verschrieben und leben diesen sehr vielseitig aus. Da gibt es ruhige Tracks wie "Drifting", das hauptsächlich vom Klavier getragen wird oder das folgende "Last", welches mehr im Metal zuhause ist und mit seinem treibenden Riff ganz gut gefällt. Jeder Song klingt anders, die Band ist sehr kreativ zu Werke gegangen. Mir gefallen halt die vielen Tempi- und Stilwechsel. Jedoch bewegt man sich weit weg vom Gefrickel und baut einfach verschiedene Parts mit diversen Tempi zusammen, und das Ganze passt sogar noch ganz gut, was man bei "Never Return" gut hören kann. Und mit "Maybe One Day" hat man noch eine sehr gefühlvolle Klavierballade am Start, die mit Streichern bereichert wird. Dante's Herzstück ist aber der Rausschmeisser "Vanessa", der mit 18 Minuten der längste Song des Albums ist. Hier ziehen die Deutschen nochmals alle Register ihres Könnens und verbinden die verschiedenen Elemente des Progs geschickt inneinander. "Vanessa" schliesst ein wirklich interessantes Prog-Album ab, das es sicher verdient hat, gehört zu werden. Gute Arbeit aus unserem nördlichen Nachbarland.
Crazy Beat

Punkte:
7.9 von 10                                Hier bestellen für 29.90 SFr.
ROSWELL SIX - Terra Incognita - A Line In The Sand
ProgRock Records
Oh Mann, ich war total begeistert vom Debut "Beyond The Horizon", dem Debut vom Macher Kevin James Anderson. Zeigte sich beim Erstling noch Eric Norlander für den musikalischen Teil verantwortlich, tut dies hier Henning Pauli, der sich für die Gitarren, Keys, Bass und Drums verantwortlich zeigt. Das Debut vom letzten Jahr hatte erstens mit James La Brie und Lana Lane zwei erstklassige Sänger am Start und orientierte sich zweitens musikalisch stark an Ayreon und Eric Norlander, was eine ziemlich leckere Mischung ergab. "A Line In The Sand" wartet gesanglich auch gut auf mit Steve Walsh, Sass Jordan und Charlie Domonici, kann aber dem Debut nicht ganz das Wasser reichen. Das liegt aber nicht an den Sängern, es liegt an den Songs, die nicht so greifen und auch nicht wirklich gut zusammenpassen wie beim Debut. Einzelne Songs stechen jedoch hervor wie das von Sass Jordan gesungene "The Crown", ein klasse Rocksong, der lebt von Jordans rauer, weiblicher Stimme, oder das etwas härtere "My Father's Son". Ach ja, das instrumentale "Battleground" mag auch noch zu überzeugen. Die Ballade "Need" fällt halt auch wieder auf wegen Sass Jordan's Gesang, klasse Stimme hat die hübsche Blondine ja schon. Verglichen mit dem grandiosen "Beyond The Horizon" klingen die meisten Songs etwas zu wenig interessant, aber ohne diesen Vergleich hat man hier trotzdem ein starkes Album am Start, das sich sehen und hören lassen kann.
Crazy Beat
Punkte:
7.8 von 10        Hier reinhören und bestellen für 29.90 SFr.
HELL MILITIA – Last Station On The Road To Death
Debemur Morti Productions/Non Stop Music
Dass die Franzosen noch in anderen Bands tätig sind, ist wohl mit ein Grund, weswegen fünf Jahre bis zur letzten Platte zurück liegen. Aber die Miliz braucht man auch nicht an allen Tagen, denn was auf "Last Station On The Road To Death" so erklingt, ist alles andere als leichte Kost. Das Intro bereitet einen auf eine interessante Form der Selbstzerstörung vor, welche in den nächsten dreiviertel Stunden dargeboten werden. Dissonante Klänge und verstörende Rhythmuswechsel erinnern an die Herkunft, und die Stimme selbst ist kaum die eines (glücklichen) Menschen. Immer mal wieder werden die Gitarren zum Quietschen gebracht, was den Dreck und den Ekel genauso rüberbringt, dass die Zeilen eben mehr sind als sinnleere Worte. Das ist übelster Hass auf sämtliche Formen der Existenz, so tief eingebrannt, dass schon beinahe alles hinüber ist auf der letzten Schwelle zum Tod. Stilistisch bedeutet das Einflüsse aus Punk und Rock'n'Roll, zusammengehalten durch ein dichtes Band der Morbidität. "The Pig That Became A God" walzt zudem doomig durch das Gehör, und der Coversong beweist auch einiges an Ohrwurmcharakter. Bezeichnenderweise könnte man als Pessimist den Titel der Platte als letzten Faustschlag in das Gesicht der Szene deuten, bevor diese endgültig stirbt. Genau so muss es sein!
Tristan

Punkte: 7.8 von 10
        
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SPELLBLAST –Battlecry
Twilight/Non Stop Music
Italien kennt den Folk/Heavy Metal. Die Mannen aus dem Land, aus dem die nicht ganz so tollen Fussballer kommen, erklimmen aber nicht nur den didaktisch ersten Grad der Lernstufen (Wissen), sondern beweisen mit "Battlecry", dass sie diesen auch verstehen (2. Grad) und gleich anwenden können (3. Grad). Allerdings würde eine Analyse (4. Grad) Spellblast zeigen, dass sie noch über Verbesserungspotential verfügen. Dies zum Beispiel in Sachen Ohrwürmer. Denn auch nach fast zwei Wochen Dauerbeschallung will mir noch kein Lied im Ohr hängen bleiben. Dies sagt aber noch nichts über die musikalische Klasse der Italianos aus. Denn ihre Instrumente beherrschen sie. Auch die Art und Weise, wie sie Folk-Klänge aus Dudelsäcke und Geigen in ihren Power Metal integrieren, verdient Beachtung. Das gleiche gilt für Sänger Luca Azuffi. Was jetzt noch fehlt, sind die herausragenden Ideen, die sie aus dem Gross der Konkurrenz heraus heben. Die zwölf Songs rauschen wie ein angenehmer Sommerwind an einem vorbei. Sie stören also nicht, wenn man zum Beispiel dazu ein Buch liest. Sie verdienen aber auch nicht die Beachtung eines Sturmes, der die Landschaft verändert. Für eine glorreiche Zukunft der Band, bräuchte es aber diese Einschlagskraft. Da hilft es auch nichts, dass "Brave And Fierce" entfernt an Sonata Arctica erinnert. "Battlecry" verdient also eine gute 4.5 (um wieder auf das Schulthema zurück zu kommen). Auf die Notenskala von Metalfactory gerechnet also eine 7.5. Das Potential ist also durchaus vorhanden, und Folk Metal-Fans dürfen ruhig mal ein Ohr riskieren.
Roger W.

Punkte: 7.5 von 10
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DANZIG – Deth Red Sabaoth
AFM Records/Musikvertrieb
Nach dem produktionsschwachen letzten Album "Circle Of Snakes" von Mastermind Glenn Danzig war man sich fast schon einig, dass die Karriere des Schinkengottes nun endgültig vorbei sei. Zu schwach waren sämtliche Platten seit dem 94er-Album "4". Gute oder auch überdurchschnittliche Songs waren Mangelware. Zum Einen findet man die Gründe evtl. in der Tatsache, dass er sich auf der Suche nach der eigenen musikalischen Identität zum Teil sehr stark verzettelte. Leider fanden deshalb auch immer mehr Industrialelemente Einzug auf den Platten nach dem vertraglichen Ausstieg bei Rick Rubins American Recordings. Zum Anderen lag es aber sicherlich auch daran, dass auch der ewig jung wirkende Glenn doch auch in die Jahre gekommen ist und nicht mehr an gesangliche Glanzleistungen der Anfangszeit anknüpfen konnte. Und um so schon einmal eines vorweg zu nehmen: An die ganz grossen Glanzzeiten kommt er leider auch mit dem hier vorliegenden "Deth Red Sabaoth" nicht heran. Aber es ist dennoch eine wirklich gute Platte geworden. Lediglich der nur mittelmässige Gesamtsound trübt den Eindruck ein wenig. Die zwei Opener "Hammer Of The Gods", "The Revengeful" des "10 Songs langen"- Albums machen doch wieder richtig Spass und gleichen die eine oder andere "Sünde" der Vergangenheit aus. Auf "Black Candy", welches der Chef selbst eingetrommelt hat, versprüht er wieder diese düstere und völlig eigenständige Atmosphäre, welche nur er so überzeugend und unnachahmlich umsetzen kann. Das Line Up, bestehend aus Tommy Victor (Prong), Johnny Kelly (Type O Negative, Seventh Void) und Live-Bassist Steve Zing (Samhain) lässt keine Wünsche offen, und so setzen die Mitstreiter des Meisters Ideen professionell um. Ohrwürmer wie "On A Wicked Night" und "Ju Ju Bone" und starke Arrangements wie in "Deth Red Moon" und "Night Star Hel" lassen zu Recht wieder hoffen. Klar kann man jetzt alles auch nur absolut negativ reden. Eines ist aber nach wie vor Fakt, Danzig ist und bleibt einzigartig und somit auch sein ganz persönlicher Stil. "Deth Red Sabaoth" ist insgesamt betrachtet sicherlich das stärkste Album seit langer Zeit. Und daran kann man sich ja auch einfach mal erfreuen, ohne alles kaputt zu analysieren.
Ralf W.G.
Punkte: 7.5 von 10
        
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ANGELINE – Confessions
Avenue Of Allies Music
Die Bandgeschichte von Angeline ist so unglaublich, dass ich es mir mehrmals durchlesen musste, um alles zu begreifen. Die 4 Schweden haben sich 1987 zusammengerauft, um im zarten Teenie-Alter Musik für die Ewigkeit zu machen. Zu Beginn nahmen Angeline einige Demo-Songs auf und hatten auch diverse Live-Auftritte zu verbuchen. Irgendwie kam aber alles nicht so wie gehofft in die Gängen und dann passierte 1995 das Unfassbare: Der Leadsänger Jörgen 'Sigge' Sigvardsson starb an einer Herzschwäche. Der Rest der Band war verständlicherweise ziemlich am Boden zerstört, raufte sich aber zusammen und nahm 1997 ihre erste CD auf. Dabei handelte es sich aber ausschliesslich um Coversongs. In den nächsten Jahren haben sich die Gründungsmitglieder alle zwei Jahre zum Todestag von 'Sigge' getroffen und zusammen gefeiert. 2007 war dann wieder mal so ein Treffen, und die Band nahm sich vor, einen einmaligen Live-Auftritt für alle Fans zu geben. Dieser kam so gut an, dass sie kurzerhand Angeline wieder zum Leben erweckt haben, und man glaubt es nicht, aber 23 Jahre nach der Gründung der Band erscheint das erste offizielle Album von Angeline. Eins muss man den Jungs lassen: Durchhaltewillen haben sie. Wie sieht es nun mit der Musik aus? Für mich war leider die Zeit des Wartens noch nicht lange genug verstrichen. Wir erleben hier ein Album voller klassischem Hard Rock. Dabei klingt der Sänger extrem oft nach Lenny Kravitz. Auch die Musik ähnelt sehr stark diesem Typen. Die Band hat ganz viele gute Ansätze. So sind die Refrains stets sehr eingängig, die Riffs sind abwechslungsreich und grooven teilweise echt gut. Auch finden sich einige Blues-Elemente sowie chorale Passagen Platz auf "Confessions". Trotzdem zünden für mich die Songs nicht wirklich. Stets ist für Abwechslung gesorgt. Aber eben fehlen mir irgendwie die 'Aha-Effekte'. Wer weiss, vielleicht sieht es mit dem zweiten Album in 20 Jahren anders aus.
Timo K.

Punkte: 7.5 von 10
        
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DEAD MOONS GREY - DMG
Soundmass/
Non Stop Music
So, hier ist sie also, die Band für alle, die über zu wenig Ecken und Kanten in der heutigen Rockmusik jammern. Dead Moons Grey bestehen ausschliesslich aus Ecken und Kanten! Teilweise schon fast grenzwertig viele. Vor allem stosse ich mich daran, dass man gleich am Anfang einen völligen Verhau von Song ("Visions") hinstellt, der frei von jedem Rhythmus- oder Melodiegefühl ist. Das wirft ein so schlechtes Licht auf die Band, dass es einige Zeit braucht, um den Charme zu erkennen. Je länger man jedoch durchhält, umso besser wird die Sache. Es verstecken sich sogar echte Perlen auf dem ersten offiziellen Album der Wüstenrocker. "Savior" zum Beispiel mit seinem zweistimmigen Gesang oder "Pete", ein Stoner Rock-Groover erster Klasse sowie "True Colors", der sich mit dem Banjo als Hauptinstrument deutlich vom Rest abhebt und "Let Go", wo man beweist, dass man auch schneller und heftiger zur Sache gehen kann. Ehrlich, dreckig, minimalistisch, kompromisslos und eigenständig ist die Mischung aus Metal und typischen Southern Country-Instrumenten - das Cover ist eindeutig: Eine Les Paul, gekreuzt mit einem Banjo. Dead Moons Grey selber bezeichnen ihren Stil als Appalachian Metal, ich wage jedoch mal zu behaupten, dass es in etwa so klingen würde, wenn Zakk Wylde bei Danzig einsteigt und dann ein Album gemeinsam mit Pantera einspielen würde. Fette, quietschende Gitarren treffen auf einen harten Bass, groovige Drums und eine düstere, Whiskey-getränkte Stimme. Dass ausgerechnet diese Band mit dieser Musik beim christlichen Label Soundmass unterkommt und sich auch tatsächlich als christliche Band entpuppt (inklusive mancher Texte), gibt für mich allerdings kein ganz stimmiges Bild ab. Soll mich aber fürs Erste mal nicht gross stören, solange sie nur auf allzu offensichtliche Missionierungsversuche verzichten. Fazit: Am besten Track Nummer 1 völlig ignorieren und gar nicht erst anhören, Track 2-10 voll aufdrehen und sich nur auf die Musik konzentrieren, dann sind Dead Moons Grey genial für Grill- und Biergelage mit dem Motorradclub an einem schweisstreibend heissen Sommerabend.
Joey Roxx
Punkte: 7.5 von 10
        
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SETHERIAL – Ekpyrosis
Regain Records/Irascible
Nach vier Jahren langen Wartens auf einen neuen Silberling ist es nun endlich wieder soweit: Voller Erwartungen legt man sie, die Neue und Unverfälschte, in den Spieler. Und ja, es hat sich gelohnt! Setherial, wie man sie kennt. Eisige und brennende Riffs von Anfang an, wobei gerade der erste Song noch ziemlich verspielt wirkt. Davon darf man sich auch beim Video gerne überzeugen. Auf jeden Fall fehlt es nicht an wuchtigem Sound und viel Hass, der gehörnte Gott wird seine Freude daran finden, dass seine schwarzen Schäfchen so fleissig die Botschaft des reinigenden Feuers verbreiten. Textlich sehr vielschichtig und durchdacht bereiten die Schweden den bevorstehenden Untergang vor, "Subsequent Emissions From A Frozen Galaxy" bringt die gnostische und wissenschaftliche Ansicht der Endzeit gekonnt auf einen Punkt. Musikalisch habe die Jungs damit ein Album gemacht, das dem Hörer die Hingabe an diesem Lebensstil sehr eindrucksvoll beschreibt. Ein starkes Stück, wenn auch kein Meilenstein.
Tristan
Punkte: 7.5 von 10
        
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GRAVE – Burial Ground
Regain Records/Irascible
Im Norden nichts Neues, oder etwa doch? Zumindest personell hat sich bei Grave ja Einiges getan seit der letzten Veröffentlichung "Dominion XIII". Und gerade der kreative und spielerische Input vom Neuzugang am Schlagzeug Ronnie Bergstahl steht den 9 neuen Tracks sehr gut. Viel stärker als auf dem Vorgänger kommt ein unbändiger Groove, ein satter Drive und eine deutlich spürbare Spielfreude zum Tragen, welche die Klasse der neuen Formation um Bandgründer Ola Lindgren in ein mehr als positives Licht setzt. Klar, von der musikalischen Grundausrichtung darf man keine Quantensprünge erwarten. Es wird wie gehabt klassischer Schwedentod gespielt, den die Mitbegründer des Genres mittlerweile perfektioniert haben. Ein Text auf dem 42 Min. langen Silberlang stammt zudem von Dismember-Frontröhre Matti Kärki und darüber hinaus gab sich Nile-Gitarrenhexer Karl Sanders noch die Ehre, bei dem Song "Bloodtrail" ein Solo beizusteuern. Ein weiterer überraschender und zugleich positiver Faktor wäre die Tatsache, dass Chef Ola und Drummer Ronnie sich komplett im Alleingang aus Zeitgründen um die Produktion, den Mix und das Mastering gekümmert haben. Hut ab, meine Herren! Die beiden Nordländer wissen wirklich exakt, wie ihre eigene Band zu klingen hat. Abschliessend bleibt nur noch zu sagen, dass wie bis anhin keine Überraschungen zu erwarten sind, aber dennoch ein verdammt starkes Album entstanden ist. Vielleicht sogar das Beste Album von Grave in den vergangenen Jahren. Anspieltipps: "Liberation", "Semblance In Blood", "Dismembered Mind", "Sexual Mutilation" (vom gleichnamigen Demo aus dem Jahre 1988).
Ralf W.G.
Punkte: 7.5 von 10
        
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KNUT - Wonder
Conspiracy Records
Asche auf mein Haupt: Knut sind genau die Sorte Band, über die der El Muerte eigentlich Bescheid wissen sollte - zumal die Jungs bereits seit sechs Jahren den Schweizer Untergrund zerpflügen, und als Resultat ihres Schaffens bereits mehrere Alben auf dem Label des Ex-Isis-Fronters Aaron Turner veröffentlicht haben. Das Genfer Quintett reiht sich musikalisch irgendwo zwischen den Szenekollegen von Zatokrev und Kruger ein, wobei Knut allerdings eine stärkere Entwicklung durchgemacht haben - "Wonder" greift dabei die vertrakten Wurzeln des Erstlings "Bastardiser" (1998) auf, ignoriert aber interessanterweise den eher in die Sludge-Richtung tendierenden Drittling "Terraformer" (2005) fast komplett. Daran ist rein qualitativ gesehen nix auszusetzen, bloss nähert sich die Band mit dieser Ausrichtung etwas mehr der grossen, grauen Masse. Über die Hintergründe des Ausrichtungswandels kann indes nur spekuliert werden, das akute Besetzungschaos ist hier sicherlich ein mit einfliessender Faktor: Vom Original-Line Up sind gerade mal Fronter Didier Séverin und Drummer Roderic Mounir übrig geblieben – Basser/Gitarrist Jeremy Tavernier ist zu Mumakil abgewandert, während Basser Thierry Van Osselt heut zu Tage eher ruhigere Musik bevorzugt und Gitarrist Philippe Hess nun bei Nebra in die Saiten haut. Als Ersatz dieser abgesprungenen Musiker ist unter anderem Gitarrist Christian Valleise in die Bresche gesprungen, der dem einen oder anderen Kenner der hiesigen Szene auch als Klampfer von Impure Wilhelmina bekannt sein dürfte. Doch zurück zur Platte: "Wonder" greift wie eingangs beschrieben ohne Vorwarnung an, "Leet", "Damned Extroverts" und "Suckers" speien Gift und Galle, haben aber relativ schnell alles Pulver verschossen. "Ultralight Backpacking" zitiert an fünfter Stelle zum ersten Mal auf der Platte den Geist des langsamen Grooves, nur um kurz darauf mit "Fast Forward Bastard" in die Schranken verwiesen zu werden. Erst "If We Can Fly There, We'll Take The Boat" und das abschliessenden "Wonder/Daily Grind" vermögen das Ruder dann doch noch herumzureissen und präsentieren die Band als kompakte Einheit, die sämtliches bisheriges Schaffen homogen in neue Wege lenkt. "Wonder" kann durchaus als zwiespältige Angelegenheit aufgefasst werden: Da steht einerseits eine Genfer Formation in den Startlöchern, deren Album sich durch die Schiere Wucht des Materials und der Produktion vorwärtskämpft - aber anderseits trägt die Band auch ein vielversprechendes Erbe und den damit einhergehenden Ruf auf dem Buckel... Ein Hochseilakt, der nicht über die gesamten 40 Minuten von "Wonder" die Balance halten kann. Aber schaut man mal über die Grenzen der hier beeinflussenden Mächte hinaus, so kann die Platte durchaus überzeugen.
El Muerte

Punkte: 7.5 von 10
        
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FATAL EMBRACE – The Empire Of Inhumanity
Metal Blade/Musikvertrieb
Doch, doch, auch die Verpackung kann etwas über den Inhalt aussagen. Zumindest ist dies der Fall bei "The Empire Of Inhumanity", dem aktuellen und nunmehr fünften Streich der Berliner Fatal Embrace. Nicht nur der zackige Schriftzug mit umgedrehten Kreuz und Pentagramm, auch der geflügelte Fürst der Finsternis, sein nach Blut dürstender, zweiköpfiger Hund und der in die Knie gezwungene Papst auf dem Cover lassen darauf schliessen, dass sowohl herausgeputzte Schwanzrocker als auch H&M-liebende Mode-Metaller lieber die Finger davon lassen. "The Empire Of Inhumanity", das ist urwüchsiger Metal der wüsteren Gangart, mal thrashig, mal deathlastig, dabei aber immer durch und durch den glorreichen 80ern verpflichtet. So überrascht es kaum, dass es neben den 10 eigenen Songs plus Intro auch eine räudige Version von "Killers", dem kultigen Maiden-Track vom gleichnamigen Album von 1982, auf die Scheibe geschafft hat. Zwar erreichen die eigenen Songs dabei nicht die Eingängigkeit und Unverwechselbarkeit dieser Nummer, dürfen aber mit Fug und Recht als handwerklich gut gezimmerte und kurzweilige Old School-Häppchen bezeichnet werden, welche vor allem live für gehörige Nackenschmerzen sorgen werden. Insbesondere die etwas lockeren, mal getragenen oder schlicht mit mehr Melodie ausgestatteten Songs, in welchen weniger der Thrash als harscher Power Metal das Sagen hat und Fronter Heiländer auch schon mal nach einem heiseren Chris Boltendahl von Grave Digger klingt, sorgen für Abwechslung und lassen aufhorchen neben den ansonsten zwar guten, aber wenig spektakulären Thrash-Brettern. Wie das Cover, so also auch die Scheibe – technisch gut aber nicht herausragend, traditionell aber ohne eigene Akzente.
Kissi
Punkte: 7.3 von 10
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THE ARCHETYPE - The Fallen Grace
Lost Sound Records/Non Stop Music
Die Italiener von The Archetype spielen eine Mischung aus Heavy Metal mit ein wenig Gothic-Einflüssen, gepaart mit Growls und cleanem Gesang. Heavy Metal deswegen, weil gewisse Riffs und Licks stark an diese Spielart der härteren Mucke erinnern; Gothic-mässig sind einige Melodiebögen und atmosphärische Einschübe - hinzu kommt ab und an eine Verneigung vor der alten Göteborger Schule, In Flames zu "Reroute To Remain"-Zeiten gucken beispielsweise bei "Parasites" um die Ecke. "Ethereal" erinnert leicht an Katatonia, allerdings nach wie vor mit dem In Flames-typischen Schlagzeug-Effekt. Klingt nicht schlecht, wenn nur nicht der Grunzer ständig seinen Kommentar dazu geben würde. Oh Moment, das ist derselbe Sänger wie bei den cleanen Vocals. Nicht schlecht, die stimmliche Leistung, klingt aber reichlich undifferenziert, da wären zwei verschiedene Sänger eindeutig besser gewesen. Besonders bei Track 4, "Ethereal", merkt man die Übergänge von der einen Stimmlage in die nächste, was erstens unprofessionell klingt und zweitens einfach nur stört. "Blinded By Sand" mit dem Black Metal-artigen Einstieg und immer wieder mal vorkommendem Aufflackern ist zwar als Ansatz interessant, was jedoch den roten Faden komplett auseinander zwirbelt und den Hörer verstört zurücklässt. Progressive in Ehren, aber man auch zu viel versuchen. Und das ist bei "The Fallen Grace" der grosse Schwachpunkt. Mehr gibt's prinzipiell nicht zu sagen, die Band agiert auf einem für ein Debut hohen Niveau, aber die Progressivität wird zu sehr ausgereizt. Da hätte man sich besser auf weniger Einflüsse konzentriert, aber sonst erklingt die Scheibe ganz ordentlich. Mal reinhören kann nicht schaden.
Toby S.
Punkte: 7.2 von 10
           
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MONGO NINJA - No Cunt For Old Men
Indie Recording/Irascible
Ein paar Norwegische Musiker, die sich langweilten, haben anscheinend aus dem Nichts hier die Punk'n'Roll-Band Mongo Ninja (beim Bandnamen war sicherlich Alkohol im Spiel) gegründet und haben den Spassbrocken in nur 48 Stunden in den Caliban-Studios in Oslo eingespielt. Also Leute, hier haben wir 15 Songs, nicht länger als 2 Minuten pro Track, das ist schon mal nicht schlecht, da kommt man auf den Punkt und bei den Texten ist auch reichlich Fun drinnen, ausser vielleicht bei einem Track, wo man eine Rollstuhl-Frau verspottet. Musikalisch sind wir auch bei sehr vielen Motörhead-Einflüsse gelandet, was vielleicht auch so was wie ein Tribut an Lemmy sein soll. Also, wer auf Fun-Sound steht, kann ja mal ein Ohr riskieren.
Daniel J.
Punkte: 7.2 von 10
           
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GRAVE FORSAKEN – Fight To The Death
Soundmass/
Non Stop Music
Abgesehen vom Gründungsjahr 2004 haben es die Australier Grave Forsaken geschafft, jedes Jahr eine CD zu veröffentlichen, und das erst noch in wechselnden Line Ups. Entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil, aus Down Under kämen lediglich nur noch Retro Rock-Bands (Jet, Wolfmother etc.) und AC/DC-Epigonen spielen Grave Forsaken reinsten Bay Area-Thrash, und das nach schön altem Strickmuster. So erinnert Sänger/Gitarrist Vaughan Gregory mehr als einmal an den jungen Tom Araya zu "Show No Mercy"- und "Hell Awaits"-Zeiten, natürlich ohne dessen naturgegebene Bösartigkeit in der Stimme zu erreichen. Titel wie "Mutilator", "Fight To The Death" und vor allem "War Is Hell" knallen ganz gut rein, nur die Produktion hätte ruhig etwas fetter ausfallen können, aber wenn's ums Songmaterial geht, gibt es eigentlich nichts zu bemängeln... Ausser man schiesst sich auf Track Nr. 6, "Call Me A Dreamer", ein. Da trällert Vaughan Gregory mit irgend einer Gothic-Tusse einen Song über die Sehnsucht nach einer Welt voller Harmonie und Nächstenliebe. Ein klassischer Totalausfall, der auch von der knackigen Instrumentierung nicht gerettet werden kann; dieser Song passt zum Rest der Tracks wie ein Fetter Pickel auf Shakiras Knackarsch, also am besten wegsehen, ausdrücken und gleich wieder vergessen. Das darauf folgende "Destruction Comes" vermag einen danach glücklicherweise wieder zu wecken, und generell kann man sagen, dass gegen Ende des Albums die Songs an Durchschlagskraft gewinnen, was einerseits an erhöhtem Abwechslungsreichtum – und andererseits am abnehmenden "Tom Araya-Kopie-Faktor" liegt. Das abschliessende "Light In The Shadow" zeigt zum Schluss, dass die Jungs ihr Metier wirklich beherrschen und mit der entsprechenden Unterstützung, sprich Majordeal, zu mehr imstande wären. Wer sich übrigens eingehender mit der Band und deren Texten beschäftigt, wird sehr schnell realisieren, dass wir es bei Grave Forsaken mit einer christlichen Band zu tun haben, die ihre Message explizit über die Musik vermitteln will. Stört mich ehrlich gesagt nicht weiter, so lange die Mucke stimmt, und das tut sie, von der oben genannten Ausnahme mal abgesehen. Wer Uralt-Slayer und Sodom mag, sollte auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.
Mirko B.
Punkte: 7.0 von 10
          
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NO HAWAII - Snake My Charm
Paralell Music
No Hawaii liefern mit "Snake My Charm" ein äusserst überraschendes Debut-Album ab - die neun Tracks auf dem 52 Minuten dauernden Werk lassen sich auch nach dem x-ten Mal Durchhören nicht greifen. Das Quintett spielt unter anderem mit Elementen aus Stoner, Post Rock und Hardcore, ohne dabei aber jemals konkret zu werden. Vor meinem inneren Auge tauchen schon mal Referenzen wie The Mars Volta auf (Anspieltipp hierfür: "Unleash The Kuru"), aber No Hawaii lassen die bei der erwähnten Band oftmals latent zuckende Nervosität glücklicherweise gekonnt hinter sich. Innerhalb von wenigen Momenten schafft es die Band von zuckersüssen, cleanen Gitarren hin zu bitterbösen Riffgewittern zu springen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken – so geschehen etwa auf "Chuck Noir" oder "Tunnel". Songs wie "Isaul" hingegen erinnern plötzlich an Cult Of Luna, während "Radio Magellanes" oder etwa "E=MC2 (Kaospilot)" voll und ganz auf zurückgelehnte Tempi und flächige Sounds bauen. Keine Frage, "Snake My Charm" ist ein genauso ambitioniertes wie herausforderndes Werk – aber ich werde den Eindruck nicht los, dass die Band manchmal zu viel des Guten will, anstatt die Musik bis auf die federführenden Elemente zu dekonstruieren. Die Platte kommt somit über manche Stellen etwas zerfahren daher, auch wenn ich gewillt bin, dies als Kinderkrankheit abzutun. Mit etwas mehr Fokus kann aus dieser Band wirklich was fettes werden!
El Muerte
Punkte: 6.6 von 10
           
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JEX THOTH – Witness (EP)
I Hate Records
Die Liaison zwischen Metal und dem Gehörnten ist so alt wie das verzerrte Gitarrenriff selbst. Jahrzehnte bevor bekloppte Norweger auf die Idee kamen, sich wie Pandabären anzumalen und kulturell wertvolle Holzkirchen im Namen Satans in Flammen aufgehen zu lassen, spielten die Rolling Stones, Led Zeppelin, Black Sabbath oder die weniger bekannten Black Widow mit okkulten Symbolen, mystischen Texten und einem teuflischen Auftreten. Dass diese Verbindung von hippiesker Rock-Musik und Düsterimage auch heute noch funktionieren kann, bewies jüngst der Erfolg von Retrobands wie The Devil's Blood oder Bigelf. Auch Jex Thoth aus den Vereinigten Staaten haben sich dem ekstatischen Occult Rock verschrieben. Die Combo aus San Francisco, welche 2007 mit Pagan Altar eine Split-Platte aufnahm, bietet auf ihrer aktuellen EP "Witness" drei Nummern, die nach Räucherstäbchen, Weihrauch und Marihuana nicht stärker riechen könnten. Begonnen beim mit einem unheilvollen Orgel-Lick ausgestatteten "Raven Nor The Spirit", über die monotone Tristesse von "Slow Rewind" bis hin zur zeitweilig zweistimmig vorgetragenen Dramatik von "Mr. Rainbow" wird man von Jex Thoth in eine schwarzromantische Klangwelt entführt. Diese fesselt zwar nicht immer – zwischendurch gestaltet sich das Ganze schon etwas zähflüssig – kann aber mit einer stimmungsvollen Produktion, einigen Details und der mal herzzerreissenden, mal beängstigend schiefen Stimme der gleichnamigen Frontfrau überzeugen, welche hin und wieder an Velvet Undergrounds Femme Fatale Nico erinnert. Da das Material von "Witness" aber meilenweit von dem Abwechslungsreichtum und der Eingängigkeit genannter Bands entfernt ist, werden wohl nur hartgesottene Genre-Fans Freude daran finden. Alle anderen müssten vor dem Hören schon ordentlich einen durchziehen, um bei der Stange zu bleiben, "In trust with Satan" hin oder her.
Kissi
Punkte: keine Wertung
    
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FORLORN - The Rotting
Rising Records
Der Birminghamvierer Forlorn, gegründet 2006, ist so eine Band, wo man nicht richtig weiss, wohin die Reise geht. Einerseits sind die Riffs richtig slow und heavy, also man kann auch den Begiff Doom hervorkramen, um dann auch handumkehrt das Gaspedal durchzudrücken wie bei einer Thrashband. Also, Forlorn vermischen Doom und Thrash, was nicht neu wäre, nur ist da der Haken, dass bei mir der Aha-Effekt hier nicht zünden will. Forlorn beherrschen sicherlich ihre Instrumente, aber beim Songwriting gibt es schon Mängel, denn es fehlt an Dynamik, Kompaktheit und den alles entscheidenden Wiedererkennungswert. Wenn der nicht da ist und bei drei bis vier Durchläufen nichts hängen bleibt, ist man schnell angepisst und greift zur nächsten Scheibe. Schade.
Daniel J.
Punkte: 6.6 von 10
           
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JOEY SUMMER - Written On The Horizon
Avenue Of Allies Music
"Written On The Horizon" ist das erste Solo-Album vom früheren Arena- und Karma-Sänger, dem Brasilianer Joey Summer, auf dem alle Texte auf Englisch sind. Laut Summer bezieht sich der Titel auf die heutigen Möglichkeiten, dank dem Internet Musiker und Songwriter aus der ganzen Welt dafür zu begeistern, einen Beitrag zu seinem Solo-Werk zu leisten - der Horizont hat sich somit aufgetan. Auch wenn die Songs grossteils von Summer selber stammen und auch von ihm und seiner brasilianischen Band gesungen und gespielt werden, hat er einige namhafte Kollegen aus der ganzen Welt dazu bewegen können, etwas beizusteuern. So finden sich Kee Marcello ("Rough Ride To Paradise"), Michael Bormann ("Anymore" - und das klingt auch sehr typisch nach Bormann) und Göran Edman und Fredrik Bergh ("Tables Turning", ein Song, der bereits für die gemeinsame Band Street Talk aufgenommen wurde) als Songwriter und Michael Müller (Jaded Heart, Bass auf "Anymore"), Julio Cezar (Cathedral, Bass auf "Don't Believe") und die Herren Edman (u.a. Malmsteen, Backing Vocals auf "Don't Believe") und Bergh (u.a. Bloodbound, Keyboards auf "Don't Believe") also Gastmusiker auf dem Album wieder. Wie schon an den aufgeführten Namen unschwer zu erkennen ist, handelt es sich bei "Written On The Horizon" um ein Stück Melodic Rock der klassischen Sorte. Noch dazu ein durchaus gutes Stück. Die ersten beiden Songs "Rise Up" und "Anymore" fahren gewaltig ein, bilden aber gleichzeitig leider auch den Höhepunkt des Albums. Wenn auch der Rest nicht von schlechten Eltern ist, Joey Summer zeigt hier ja, was er kann. Wieso schafft er es nicht, auch die anderen Songs auf diesem Niveau zu halten? Das würde die Scheibe zu einem Dauergast in meinem CD-Player machen. "Lorea", "Beating" und "Brand New Day" (erinnert etwas an Magnum) sind zwar ganz anständige Hard Rock-Songs, stechen jedoch nicht besonders hervor. Die anderen sind leider eher nichtssagende Balladen oder Halbballaden, die natürlich nicht fehlen dürfen. Aber gerade bei diesen Balladen und Halbballaden ist es wichtig, aber auch sehr schwer, dass sie eben zu etwas Besonderem werden. Alles in allem droht Joey Summer leider in dem Sumpf an unterbewerteten Figuren im Melodic Rock zu versinken, aber "Written On The Horizon" darf trotzdem keineswegs in einer gut sortieren Plattensammlung eben dieser Richtung fehlen.
Joey Roxx

Punkte: 6.5 von 10
           
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WHITECHAPEL - A New Era of Corruption
Metal Blade/Musikvertrieb
Eine Deathcore-Platte aus amerikanischen Gefilden, deren Texte grundsätzlich von negativen Energien handeln und deren dahinter steckende Musiker sich optisch in den endlosen Reigen an ungezählten stilistischen Trittbrettfahrern reihen - was so offensichtlich nach dem feuchten Traum unzähliger Kiddies da draussen klingt, hinterlässt bei mir nicht viel mehr als einen äusserst ambivalenten Eindruck. Klar, Whitechapel machen ihre Sache gut, "A New Era Of Corruption" drückt mehr als amtlich, die Behemoth-Zitate stehen der Band gut zu Gesicht und zum Abfeiern kann ich mir durchaus vorstellen, mal den einen oder anderen Song dieser Platte aufzulegen. Aber mal ehrlich, sollten beim dritten Release einer Band nicht langsam höhere Ziele durchsickern? Oder haben Whitechapel einfach zu tief gepokert? Denn dass Potential vorhanden ist, daran lässt sich kaum zweifeln, zumal Produzent Jason Suecof in Sachen Druck und Präzision das Beste aus dem Sextett rausgekitzelt hat. Aber trotz der akustischen, strategisch ausgereizten Dauerberieselung will die Platte einfach nicht an Gesicht gewinnen, da hilft auch das fette Gesamtbild kaum. Whitechapel's "A New Era of Corruption" überzeugt über lange Strecken, aber am Ende fehlen der Platte einfach Charakter und Mut zur Eigenständigkeit - denn mal ehrlich, wer denkt beim Durchhören dieser elf Songs nicht andauernd an eine Mischung aus Behemoth und Job For A Cowboy? Ich weiss, sind jetzt auch nicht die schlechtesten Referenzen - aber die konsequente Null-Toleranz-Politik der Band gegenüber weiteren Einflüssen lässt diese Scheibe zu einem austauschbaren Produkt verkommen. Einem mächtigen, aber zu geschliffenen Produkt.
El Muerte

Punkte: 6.5 von 10
           
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MAGNA MORTALIS – Onward
Firefield Records
Magna Mortalis, die 2006 gegründete Death Metal-Band aus Hannover (D) präsentiert hier mit "Onward" ihr Debut-Album, obwohl dieses bereits 2009 über ihren Eigenvertrieb veröffentlicht wurde. Mittlerweile konnte das Quartett einen Labeldeal an Land ziehen, um somit ihre Death Metal-Granaten einem grösseren Publikum vorzustellen. Zu den Fakten: 12 Songs mit einer Spielzeit von über 40 Minuten und einem sehr ansprechenden Artwork, welches ebenso wie die textlichen Inhalte ganz klar auf eine postapokalyptische Endzeit-Stimmung abzielen. Musikalisch wie auch produktionstechnisch einwandfrei umgesetzt gibt es hier nicht viel zu meckern. Blasts wechseln sich ab mit verschiedenen Grooves. Die Hannoveraner bedienen sich gleichermassen an Stilmitteln amerikanischer und britischer Prägung. Magna Mortalis des reinen Plagiats zu bezichtigen, würde ihrem Debut-Album nicht gerecht werden. Es ist lediglich erkennbar, von wem die Haupteinflüsse bei diesen Eigenkompositionen stammen. Die Vocals sind sehr passend, verlieren aber nach der Hälfte der Songs ihre Wirkung, da diese, ebenso wie die instrumentalen Passagen, noch z.T. zu langatmig sind. Obwohl eine grosse Abwechslung bei den Songs vorhanden ist, will der Funke nicht so recht überspringen. Noch sind zu wenig Hooklines vorhanden, welche sich nachhaltig im Gehörgang festsetzen. Der Endruck der am Ende übrig bleibt, ist der einer wirklich ordentlichen, soliden und bodenständigen Death Metal-Scheibe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine potentielle Entwicklung hin zu überdurchschnittlichen Songs ist angesichts von Songs wie "Flaming Rain" und "Of Man's Defeat" ganz weit am Horizont schon teilweise erkennbar.
Ralf W.G.

Punkte: 6.5 von 10
           
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TENEBRAE IN PERPETUUM / KROHM - Split
Debemur Morti Productions/Non Stop Music
Von wegen im Sommer gibt es kein Black Metal: Dieser Monat ist wahrhaftig gesegnet, jeder Subkategorie dieses Genres scheint das Sonnenlicht gut getan zu haben. Denn auch wenn die beiden Italiener und das italo-amerikanische Einmannprojekt nicht eine wirkliche Platte rausbringen, so schaffen sie es mit jeweils 3 Liedern auf eine Spielzeit von knapp einer Stunde, was doch einiges an Respekt verlangt. Beim ersten Lied fällt schon auf, dass Tenebrae In Perpetuum deutlich mehr Depressive Black in ihre mystisch-düstere Soundcollage gepackt haben, was sie eher in den Durchschnitt zurückdrängt, als an die Ansätze des Vorgängeralbums anzuknüpfen. Der Ami hingegen schafft durch den Einsatz des Keyboards das typisch verträumte, melancholische Denken der letzten Jahre hervor zu heben. So eignet sich die Platte ganz gut, um einfach abzutauchen und die Klänge wirken zu lassen. Die Abwechslung kommt durch den Split auch nicht zu kurz, wodurch die Scheibe mittelfristig Spass garantiert.
Tristan

Punkte: keine Wertung
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BAD HABIT – Timeless (Best Of)
AOR Heaven/Non Stop Music
Knapp vor dem 25 Jährigen Jubiläum erscheint ein Best Of-Album der Schwedischen Formation Bad Habit. Bereits seit 1986 erfreut uns die Truppe mit gepflegtem AOR/Melodic Rock. Nach acht Alben ist eine solche Zusammenstellung nun auch durchaus legitim. Bad Habit ist trotzdem eine der unauffälligsten der beständigen Bands dieses Genres. Ausser Die Hard-Melodic-Freaks wird kaum einer die Truppe kennen. Auch optisch können die fünf Musiker nicht gerade für Aufsehen sorgen. Den Jungs würde man eher Lehrer oder Buchhalter geben. Nichts desto Trotz verstehen es die Schweden, gute Musik zu machen. Innovation ist im AOR-Bereich schwierig bis unnötig. Daher ist auch diese Band in den 80ern zu Hause, um nicht zu sagen stehen geblieben. Von Szenegrössen wie Journey oder Toto ist man aber meilenweit entfernt. Selbst eine Best Of-Compilation kann da wenig aufsehenerregende Songs bieten, die die Band bekannt machen würde. Selbstverständlich haben aber auch Bad Habit ausgezeichnete Momente. Interessanterweise zählen die zwei neuen Tracks des Albums zu den Highlights. Vor allem "Rock This Town" glänzt durch einen coolen Refrain. Auch der Rausschmeisser "Need Sombody" ist ein toller AOR-Track mit Tiefgang. Sonst bewegt man sich zwischen angenehm entspannter Hintergrundmusik und zeitlosem Melodic Rock zum Entspannen. Mit "Timeless" hat die Scheibe auch den einzig richtigen Titel. Die Beständigkeit muss der Truppe jedenfalls hoch angerechnet werden. Obwohl beim Songwriting einfach zu wenig Akzente gesetzt werden können.
Chris C.
Punkte: keine Wertung
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DIE SO FLUID - The World Is Too Big For One Lifetime
DR2 Records/Musikvertrieb
"Mit dem Moment der Geburt beginnt das Sterben und das Bedürfnis, etwas zurückzulassen und sich zu verewigen", dies soll der skurile Bandname Die So Fluid mit einem Satz erklären, so die Leadsängerin Grog. Die Alternative Rock/Grunge-Band aus London präsentiert mit "The World Is Too Big For One Lifetime" bereits ihr drittes Werk. Eigentlich absolut unverständlich, dass die Band hierzulande völlig unbekannt ist, denn ihre ohrwurmlastige Rock-Musik hätte sicherlich einige Hörer angezogen. Naja, auf jeden Fall sind Die So Fluid trotz Ohrwurmqualitäten eine spezielle Truppe. Die Briten wirken rebellisch und wild, ihre Musik ist aber eher zurückhaltend, strukturiert, ja beinahe brav. Die feine, sehr schöne Stimme von Sängerin Grog ist sicherlich Hauptaugenmerk der Band, aber auch die rhythmischen Gitarrenmelodien machen Spass. Rockmusik mit Popanleihen, mainstreamfreundlich und radiotauglich. Nicht die Musik unserer engstirnigen Metalfreunde, aber Musik für offene Ohren. Musik für Nebenbei, Klänge für die Autobahn. Einfach freundlich, unbeschwinglich, friedlich und ein wenig strange. Klar bewegt sich die ganze Scheibe etwa im gleichen Schema, aber für zwischendurch sorgt "The World Is Too Big For One Lifetime" garantiert für Unterhaltung. Interessante Rockmusik aus London mit etwas Kitsch, einem Hauch Brutalität, vielen freundlichen Klängen und einer skurilen Leadsängerin.
Yannick S.

Punkte: 6.5 von 10
           
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JUVALIANT – Inhuman Nature
Limb Music
Mit "Inhuman Nature" brillieren nicht nur diese österreichische Prog/Melodic Metal-Band mit unglaublichen Ideen, sondern auch ihr Label. Allerdings handelt es sich dabei um Einfälle mit ganz unterschiedlicher Qualität. Bewirkt die Band fröhliches Kopfnicken, bleibt bei den 'Innovationen' des Labels nur ein heftiges Kopfschütteln. Kommen wir aber zuerst zur Musik von Juvaliant. Diese glänzt mit einem Sound irgendwo zwischen neoklassischen Prog-Einflüssen à la Symphony X und melodischem Metal von Domain. Die Songs bleiben immer nachvollziehbar und spannen epische Bögen, die in grossartigen Instrumentals münden. "Inhuman Nature" schafft locker die Verbindung zwischen ruhig und laut, theatralisch und verspielt. Musikalische ist bereits bei diesem Debut-Album eine grosse Eigenständigkeit herauszuhören. Das Einzige, was dabei den grossen Erfolg verhindern könnte, ist die Stimme von Sänger Thomas Struebler. Dieser singt zwar einwandfrei und überwindet auch die schwierigsten Stellen mit einer unglaublichen Leichtigkeit, klingt aber über weite Stellen wie jeder andere Standart-Melodic/Power Metal-Sänger. Besonders bei den schnellen und hohen Passagen kommt dieses Manko stark zum Tragen. Klar, dafür kann der Shouter nichts, dem Album schadet aber dieser Umstand. Aber auch damit hätte es noch locker für 8.5 Punkte gereicht, wäre da die nicht Labelpolitik. Langjährige Leser wissen, dass wir Reviewer für unsere Kritiken viel Freizeit opfern, um für die Plattenfirmen und ihre Produkte Werbung zu machen. Der Lohn dafür waren lange Zeit der Erhalt der jeweiligen CD. Später flogen geschnittene oder mit Piepstönen oder Geschrei ergänzte CDs ins Haus, bis auch das eingestellt wurde. Heute erhalten wir die 'Silberlinge' per mp3-Files und individuell markiert, damit beim Weitergeben der Daten der schwarze Peter gefunden werden kann. Der Vorteil: Wir können die Songs ganz hören. Limb Music scheint nun diese Wassermarken (wie sie heissen) nicht mehr zu genügen und schicken uns mp3s, die wie einst geschnitten wurden. Dadurch mindert sich die Qualität der Kritik, weil der Kritiker nicht mehr ganze Songs sondern willkürlich geschnittene Schnippsel hören muss. Zudem stellt es dieses Vorgehen generell die Wassermarkierungen in Fragen, weil man bis heute nicht so sicher ist, ob diese wirklich existieren oder reine Angstmacherei sind. Wir waren also bei 8.5 Punkte. Für diese Label-Politik gibt's 2.5 Punke-Abzug, womit wir bei 6 sind. Fair? Unfair? Entscheidet selber!
Roger W.
Punkte: 6.0 von 10      
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ARMAGEDON – Death Then Nothing
Mystic Production
Und nochmals eine Reunion, dieses Mal aus Polen. Armagedon gründeten sich 1986 und veröffentlichten 1993 ihr Debut "Invisible Circle". Danach wurde es sehr still, und die Band brach auseinander bis zum Jahr 2006. Das vorliegende Album "Death Then Nothing" wurde dann vor gut zwei Jahren in Polen eingehämmert und ist nun dank einheimischer Labelunterstützung endlich überall erhältlich. Armagedon spielen klassischen 90er-Death Metal polnischer Prägung à la Vader. Die Einflüsse von Morbid Angel und Slayer sind also auch hier sehr stark vertreten. Geradliniger "Alte Schule"-Todesmetall, brutal und kompromisslos. Zum Teil kommen längere, epische Passagen zum Einsatz, Geknüppel wechselt sich ab mit getragenen, schwermütigen Riffs. Also alles in Allem ist für jeden etwas dabei. Gute Produktion, technisch sauber gespielt, alles absolut in Ordnung. Doch abermals ist nichts dabei, was aus dem breiten Durchschnitt herausstechen könnte. So bleibt auch hier die Frage offen, wer diese Wiedervereinigung eigentlich wirklich braucht. Nicht falsch verstehen, die Platte ist gut, aber das war es auch schon. Zu berechenbar klingen die 10 Songs. Ein bis zwei Songs stechen heraus wie z.B. der Titeltrack, ansonsten gibt es aber leider nur Standardkost.
Ralf W.G.
Punkte: 6.0 von 10      
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ISTAPP – Blekinge
Metal Blade/Musikvertrieb
Da hat wohl ein grosses Label mehr Interesse an verkaufsfähigem 'Black Metal' gefunden. Tatsächlich habe ich mich nach den ersten Klängen nämlich schon gefragt, wo denn wohl solche Glanzaufnahmen gemacht werden für Musik, die im letzten Jahrzehnt so gross im Kurs standen. Naja, gemischt wird das mit einer gehörigen Portion Wintersun oder frühen Ensiferum, Melodien und verzierte Gitarrenläufe sind genauso vorhanden wie Chöre und eingängige Refrains. Ist also doch ein wenig moderner gehalten, muss es ja fast bei dem Zielpublikum. Die Thematik liegt (wie der Name der Band schon aufzeigt) vor allem bei Kälte, Wald und Landschaften, womit sich die Schweden auch nicht ins kritische Gebiet der Erkenntnistheorien vorwagen müssen, sondern getrost an Immortal anknüpfen dürfen. Clever gemacht, und da eben auch der Sound ziemlich solide ist, darf man ihnen nichts vorwerfen. So wird man in Zukunft wahrscheinlich noch einiges von den Herren hören, mir persönlich fehlt es aber an Inhalt, um restlos zu Überzeugen.
Tristan
Punkte: 6.0 von 10      
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SOULPIT – Substantial
Sweet Poison Records
Metal aus Italien ist ja immer so eine Sache. Neben grossartigen und eigenständigen Bands findet man dazwischen auch immer wieder Plagiate und unoriginelle, künstlich aufgesetzte Trend- und Imagekappellen. Soulpit gehören weder zu der einen noch zur anderen Kategorie. Viel zu anspruchsvoll und verspielt sind die 11 Songs des Debuts der 2004 gegründete Band. Den Stil könnte man gut als melodischen Death Metal mit Prog Rock-Einlagen bezeichnen. Technisch versiert und mit Liebe zum Detail gestalten sich die Eigenkompositionen, welche durch den rauhen Gesang zusätzlich unterstützt werden. Melodien, Hooklines und fette Refrains sind z.T. ebenso vorhanden wie absolutes Gefrickel des Gitarrenduos und ebenso des Bassisten. Schade nur, dass sich die Songstrukturen recht oft verzetteln und der geneigte Hörer völlig orientierungslos stehen gelassen wird. Abwechslungsreich, vielseitig und anspruchsvoll sind die positiven Argumente in der Endabrechnung. Dem gegenüber stehen die fehlende Grundlinie, der rote Faden und das fahle Gefühl, dass man einfach zu oft versucht hat, so viele Teile wie möglich in die Songs zu verbauen. Nach dem Motto 'Quantität statt Qualität' beim kreativen Output. Italien ist ja für obskure Stilmischungen und übertriebene technische Einlagen bekannt, und auch diesem Stereotyp werden Soulpit hiermit gerecht.
Ralf W.G.

Punkte: 5.9 von 10      
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EQUILIBRIUM – Rekreatur
Nuclear Blast/Warner
Nun, vorweg muss ich sagen dass ich den Hype um diese Band noch nie verstanden habe. Darum war es mir auch schlicht egal, ob die Deutschen nun bei ihrem dritten Album Gründungsmittglied/Sänger gewechselt haben oder nicht. Aber wer weiss, also rein mit der Musik. Und schon zu Beginn ist klar, viel scheint sich nicht geändert zu haben: Das Keyboard gibt meistens die Melodien vor, während die Gitarren Rhythmusarbeit leisten. Hauptsache schnell gespielte, tausendmal gehörte Riffs, damit noch ein wenig was vom guten alten Power Metal dabei rausschaut, wenn man über Seefahrerei singt. Dann haben wir nämlich alles zusammen, was sich verkaufen lässt: die Fans aus den Pagan-Anfangstagen und die Aktualität mit den Piraten und Vikingern. Schon nach dem dritten Lied hatte ich ernsthaft Mühe, mich überhaupt auf die Musik zu konzentrieren. Zwar erkennt man die Linie, welche die junge Band verfolgt, aber es gefällt mir schlicht nicht. Auch wenn einige Ideen wie das Steeldrum bei „die Affeninsel“ ganz witzig klingen, sowas gab es schon mal bei Finntroll. Das langsamere „Wenn Erdenreich brennt“ mag hübsch grooven, aber die Chöre aus dem Keyboard dienen inzwischen tatsächlich nicht mehr zum aktuellsten, was die Atmosphäre ausmachen soll. Und mit dem „Kurzen Epos“ hat man schliesslich die 10 Minuten Skala übertroffen, klingt erstmals wirklich überzeugend, wenn auch nicht hinreissend. Musik für die Massen, aus hunderten Bands die stärksten Einflüsse zusammengemischt und gekonnt in eine Scheibe gespielt. So sieht Rekreatur aus.
Tristan
Punkte: 5.5 von 10      
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PUSSY SISSTER - Pussy Sisster
Black Bards Entertainment
Eine deutsche Band, die nach L.A. 'auswandert' (zumindest in der VOX-Serie "Goodbye Deutschland", deren Existenzberechtigung ich persönlich sowieso stark bezweifle), um den grandiosen Glam-Sound der 80er weiterleben zu lassen? Pussy Sisster, hauptsächlich wegen diesem Auftritt bei VOX eher belächelt, wollen uns jetzt zeigen, was sie wirklich drauf haben. Das selbstbetitelte Album ist der zweite Full Length-Release ihrer durchaus recht bemerkenswerten Karriere, für eine Band ihrer Art. Kurz gesagt: Wäre diese Band wirklich in L.A. in den 80ern aktiv gewesen, wäre sie zwischen der Fülle der grossartigen Bands dermassen untergegangen und mit Nichtbeachtung gestraft worden. Mit Pretty Boy Floyd, Cats In Boots, Tuff oder eben den grossen Vorbildern aller, Mötley Crüe, können sie nämlich bei Weitem nicht mithalten. Da fehlt einfach der letzte Kick. Und auch heute kommt viel zu viel wirklich Gutes aus dieser Sparte der Rockmusik (Babylon Bombs, Vains Of Jenna usw.), dass man Pussy Sisster mehr Beachtung schenken müsste. Ja, zugegeben, die Songs machen schon Spass, und die Jungs geben alles, um dem Image gerecht zu werden. Um Hits zu werden, müssten sie jedoch schon etwas präziser und überzeugender gespielt (langweilige Gitarren, auch vom Sound her) und gesungen (juhu, ein Steve Summers-Klon, der dem Original leider aber nicht das Wasser reichen kann) werden. Die Idee an und für sich ist ja keine schlechte, und ich bin ja auch ein eingeschworener Sleaze Rock-Fan, aber hier zündet es einfach nicht wirklich. Bei ein paar Songs steht der Funken schon kurz davor, überzuspringen. "Hold Us Down" oder "Angel Dust" gehen schon ziemlich ab, und "Leader Of The Gang" ist als vorletzter Track noch eine so positive Überraschung, dass er es schon fast schafft, den Rest des Albums zu retten. Die Balladen "Back Again" und "Melody Of Pain" sind im Sinn der Sache schon gelungen - extrem schmalzig, kitschig und übertrieben, aber eben, leider nur das. Und noch ein Leider für Pussy Sister: Vor allem erstere klingt zu sehr nach den ebenfalls im Baden-Württembergischen beheimateten 'grossen Brüdern' von Madhouze oder den Dirrty Angelz. Speziell eben "Back Again" könnte auch ein Song von diesen beiden grandiosen Bands sein, der es aus auf der Hand liegenden Gründen auf kein Album geschafft hat. Naja, anyway, Pussy-Schwestern, lasst euch nicht unterkriegen, haltet weiter die Flagge hoch für eine grossartige Sache namens Sleaze Rock, immerhin scheint es euch ja nicht an Überzeugung zu fehlen!
Joey Roxx

Punkte: 5.5 von 10      
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REALMBUILDER - Summon The Stone Throwers
I Hate Records
Was zum Geier soll das? Sind das Judas Priest, als sie noch keine guten Songs schrieben oder der Versuch, alte Demos von Virgin Steele und Manowar unter das Volk zu bringen? Epischer Metal, den wohl nur die 'Truesten der Truen' wie die kommende heilige Salbung ansehen werden. Ich für meinen Teil finde nicht nur die Produktion sehr bescheiden, sondern auch die Songs. Nach dem ersten qualvollen Durchgang versuche ich mich an irgendwas zu erinnern... Wenn mir was in den Sinn kommt, lass ich es euch wissen. Wir haben eh schon einen überfüllten Markt, wer also soll eine solche Scheibe kaufen?
Tinu
Punkte: 5.5 von 10      
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NOX AUREA – Ascending In Triumph
Napalm Records/Musikvertrieb
Interessant, was sich so durch die Gehirnwindungen schleicht, wenn man einen bestimmten Sound hört. Nur schon der erste Track „Ascending In Triumph“ lässt klare Parallelen zu Draconian, aber auch zu Soulfallen oder Dolorian erkennen, stellenweise wird auch der Groove von November’s Doom erreicht, ohne jedoch gross in Geschwindigkeitsorgien zu verfallen. Dafür, dass diese vorliegende Scheibe erst das zweite Werk nach „Via Gnosis“ ist, kann beileibe nicht vom Ausbügeln anfänglicher Fehler gesprochen werden, denn „Ascending In Triumph“ erklingt, als hätten die Jungs und das Mädel nie etwas anderes gemacht und schon zig Scheibletten auf den Markt geworfen. A propos: Die weiblichen Vocals wurden zwar nicht dermassen prägnant wie die Growls in den Vordergrund gestellt, erklingen auch etwas dünn aber dennoch solide. Spoken words sind ebenso zu vernehmen wie sachte Keyboard-Klänge. Auffällig ist an der ganzen Chose, dass nicht nur ein, sondern gleich 3 Sänger am Werke sind, was natürlich eine gewisse Vielfalt garantiert, vermutlich aber schwierig zu konzeptionisieren ist. Leider ist aber genau die Nähe zu benannten Bands der Grund dafür, dass Nox Aurea ‚nur’ der kleine Bruder darstellt, der sich zwar ziemlich heftig Mühe gibt, seinen Brüdern (und damit auch zugleich Vorbildern) nachzueifern, jedoch an Eigenständigkeit einbüsst. Auch wenn die Tracks ziemlich lange sind und mit vielen Details aufwarten, so müssen sich Nox Aurea dennoch etwas einfallen lassen, um eine eigene Nische in der doch reichlich gefüllten Doom/Death Metal-Szenerie zu finden.
Toby S.
Punkte: 5.3 von 10      
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COLISEUM - House With A Curse
Temporary Residence
2003 wurde Coliseum von Ryan Patterson, dem Gitarristen von Black Cross gegründet. In der Metalszene wird man aber auch von dieser Band nicht wirklich was berichten können. Coliseum trotzen vor alter Schule, was aber, wenn man die Member anschaut, nicht verwunderlich ist. Ihre Musikgeschichte beginnt bereits in den 80er Jahren. "House With A Curse" steckt voller Energie, ein Old School-Punk/Hardcore-Silberling mit Biss. Musikalisch wird sicherlich gute Unterhaltung geboten, trotzdem muss man sich nach 40 Minuten fragen: War das schon alles? Es beginnt ja alles vergnüglich, perfekt nach einem mühsamen, anstrengenden Tag, perfekt um die eigene Wohnung zu verwüsten, mal richtig den Boxsack verhauen usw. Aber nach knapp einer Stunde hat man wieder Ruhepuls und geblieben ist absolut nichts, die Musik ist komplett am Hörer vorbeigeschrammt. Woran das liegt, kann sich jeder selber aussuchen, ich vermute, das einfache Konzept jedes Songs, die Einfachheit jedes Riffes, ist ausschlaggebend für die Unauffälligkeit. Ebenso kann auch der Sänger nicht viel Abwechslung bieten. Wer aber dem modernen Hardcore aus dem Weg gehen möchte und von ein wenig zusätzlichem Punk der alten Schule nicht abgeneigt ist, der kann ohne Zögern reinhören. Fakt ist: Coliseum sind 80er-Antiaggressionsmusik, aber leider nicht mehr.
Yannick S.
Punkte: 5.0 von 10      
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DOUBLE CROSS - II
Sweet Poison Records
Seit ihrer Jugend machen die drei Schulfreunde Matt Dean Brownstone, Joseph Lazzaris und Remo Thunder gemeinsam Musik, 2004 holte man Bassistin Alice Devine dazu und gründete Double Cross. Der Titel "II" lässt vermuten, dass dies das zweite Album ist, welches das italienische Quartett zu Tage gefördert hat - hieb- und stichfeste Informationen zur Bandgeschichte sind leider nicht auffindbar. Double Cross scheinen also eine Band zu sein, die sich ganz auf ihre Musik und ihre Live-Präsenz verlässt. Wie auch immer, das Album fängt auf jeden Fall schon mal einprägsam an: "Fuck You!" Insgesamt erwartet uns streckenweise doomig angehauchter Hard Rock. Musikalisch gesehen sind die vier gar nicht mal so übel unterwegs, vor allem die Gitarrensoli gefallen mir, nicht übertrieben angeberisch, sondern einfach Old School-Hard Rock. Es fehlt den Songs an und für sich leider etwas an Eigenständigkeit und Eingängigkeit sowie an Zusammenhang. Das Album bildet keine wirkliche Einheit. Man steckt irgendwo zwischen Iron Maiden, System Of A Down, Black Sabbath und Guns'n'Roses, zwischen düster-tragend-epischem Desert Rock und benzintriefendem Hard Rock, Matt Dean Brownstone scheint rein stimmlich sowieso ein Serj Tankian- und Axl Rose-Fan zu sein - also muss man schon eher auf schrägen Gesang stehen, um sich mit Double Cross wirklich anfreunden zu können. Als abwechslungsreich würde ich es dennoch nicht bezeichnen, dazu ist es zu gleichförmig und einfallslos gespielt. Na, immerhin macht der Sound etwas her, sofern man es schafft, den Gesang im Kopf ein bisschen leiser zu drehen. Die Gitarren sind aber jedenfalls ziemlich fett. Die Überraschung kommt dann am Ende - der letzte der drei Bonustracks "Use Me Baby" klingt zwar, als ob man ihn noch recht eilig ungeplant zum Schluss eingespielt hätte, aber dafür - oder genau deshalb - rockt der ordentlich weg! Wenn das ganze Album in dem Stil wäre... Aber leider bleiben Double Cross alles in allem wohl eine weitere Band, die sich nie aus der Masse zu etablieren schaffen wird.
Joey Roxx
Punkte: 5.0 von 10      
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THE EYES OF A TRAITOR - Breathless
Listenable Records/Irascible
Moderne Musikkunst ist in aller Munde, und auch das bereits in die Jahre gekommene Metalgenre bleibt nicht verschont. Für viele ein Jammer, aber für junge Bands eine Chance, mit neuen Ideen neue Klangwelten zu erschaffen, die neue Fans beeindrucken und vielleicht sogar alte Hasen in den Bann ziehen. The Eyes Of A Traitor fabrizieren modernen Death Metal mit Hardcore beziehungsweise Metalcore. Die fünf Engländer sind wohl grosse In Flames- oder Soilwork-Fans, denn ihre Musik wirkt wie deren erste Gehversuche. "Breathless" ist bereits das zweite Werk der Briten, und irgendwie vermag dieses Stück nicht zu überzeugen. Kraftvoll, brachial und riffgewaltig ist die Scheibe zwar, sogar abwechslungsreich, aber man braucht nicht der Sherlock Holmes des Death Metals zu sein, um zu wissen, wo sich die Band orientiert. Das ist schade, denn durch diese Kopieversuche geht jegliche Eigenständigkeit verloren. Musikalisch hat das Quintett richtig was auf dem Kasten, die wissen, wie man die Hütte zum Beben bringt. Aber was bringt das, wenn man für den Hörer zu wenig interessant klingt. Zusätzlich geht der monotone Kreisch/Growl-Gesang des Sänger sehr schnell auf die Nerven, nur die Clean-Passagen können halbwegs überzeugen. Wenn The Eyes Of A Traitor weiterhin ihre Vorbilder nachahmen anstatt ihr Potential und Talent zu nutzen, werden sie im Sumpf der jungen Metalcore/Melodic/Death Metal Gemeinde versinken, wenn sie aber mehr Eigenständigkeit hineinbauen können, werden wir hier bald eine ernstzunehmende Todeskapelle zu hören bekommen.
Yannick S.
Punkte: 4.5 von 10      
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TRIUMFALL - Antithesis Of All Flesh
Regain Records/Irascible
Überall gibt es sogenannte Paradiesvögel, in der Metalwelt sind die Serben sicherlich dazuzuzählen, denn ausser The Stone gibt es ja da nichts Nenneswertes. Bis jetzt: Triumfall sind ein Sextett aus Serbien, die mit ihrem Debutalbum "Antithesis Of All Flesh" die ganze Black Metal-Welt auf den Kopf stellen möchten. Um genauer zu werden, Triumfall fabrizieren melodischen, orchestralen Keyboard-Black Metal, mit sehr viel Kitsch. Anders gesagt ein Dimmu Borgir-Nachahmer, der bei weitem nicht an die Klasse der ersten Garde rankommt. Die Instrumente werden zwar solide gespielt und auch die Musik an sich kommt passabel daher, aber das zu oft eingesetzte Keyboard vertreibt den bösen Blackmetaller, und das schadet dem ganzen Werk. Ach, was macht man mit Bands, die solide Arbeit leisten, aber alles so abgekupfert klingt und absolut nichts Neues miteingebracht haben? In Triumfall steckt das Potential zu einer grossen Black Metal-Band. Weniger Keyboardkitsch, mehr Eigenständigkeit und mehr Abwechslung sind gefordert. Kein leichtes Unterfangen, denn viel zu oft scheitern Bands an genau diesen Punkten. "Antithesis Of All Flesh" ist durchschnittlicher Melodic/Black Metal, der leider nichts Neues bietet, das bereits da Gewesene nicht übertrifft und somit sehr uninteressant wirkt.
Yannick S.
Punkte: 3.8 von 10      
                         
MALCHUS – Didymos
Soundmass/Non Stop Music
Wenn man etwas über Polen und Death Metal sagen möchte, so ist das in etwa, wie wenn man sagte, dass zu einem ordentlichen Balisto auch ein Schoko-Überzug gehört. Vader oder auch Behemoth sind da wohl die herausragendsten Vertreter ihrer Zunft, und Malchus würden sich ihnen vermutlich gerne anschliessen. Allerdings, so viel sei gleich zu Beginn verraten, wird dies mit ihrem Debut nicht wirklich funktionieren. Da wäre einerseits mal die staubtrockene, nach Keller-Proberaum tönende Produktion, andererseits das Wechselspiel zwischen weinerlich-cleanen und harschen Growls, die man aber anderswo auch schon besser gehört hat. Die Soundstrukturen gleiten immer mal wieder ins Progressive ab, was generell nicht schlecht sein muss, aber ein wenig den roten Faden innerhalb der Tracks und der Scheibe generell vermissen lässt. Dies alles mag ja noch angehen, denn nach 4 Demos kann man noch kein Meilenstein erwarten, aber dass die Jüngelchen den Hörer mit ihrer ach so frommen Christlichkeit nerven müssen, das leuchtet echt nicht ein. Vermutlich wäre dieser Effekt weniger aufgetreten, wenn im Booklet die allesamt auf Polnisch gehaltenen Songs nicht auch auf Englisch übersetzt wären. Musikalisch können die Jungs ja schon was, das streitet ihnen auch niemand ab, und im melodischen Bereich können sie auch etwas reissen, aber „Didymos“ ist halt einfach sperrig wie Sau, will sich dem Hörer nicht wirklich erschliessen und könnte mit nur einer rauen Stimme viel eher überzeugen als mit diesem Wechselgesang-Wischiwaschi. Dass, zumindest für mich persönlich, eine christliche Death Metal-Band ein Oxymoron darstellt, kann ebenfalls nicht wirklich positiv bewertet werden. Ausserdem sind die Lyrics penetrant bis zum Gehtnichtmehr. Also: musikalisch ganz annehmbar, inhaltlich ein Flop.
Toby S.
Punkte: 3.0 von 10      
                         
AND HELL FOLLOWED WITH - Proprioception
Earache Records/Non Stop Music
Wer The Black Dahlia Murder mal als uperisierte Fettfreivariante hören möchte, darf sich diese weitere 'Deathcorehoffnung' aus Detroit, Michigan, verbotenerweise unterm Verkaufstresen durchreichen lassen. Fette, digitalisierte Produktion, Breakdowns en masse und null Songs. Habe auch dieses Mal nichts Neues aus diesem Genre zu erzählen, und der Kopierschutz mit kurzen Unterbrechungen während der Tracks treibt mich ebenfalls in den Wahnsinn. Es ist schlichtweg und definitiv langweilig geworden, da hilft auch ein bekifftes Bandpic nicht mehr weiter. Wenn das der Soundtrack der aktuellen Generation sein soll, bin ich sowas von froh, ein paar Jahre früher geboren worden zu sein. Pure Rohstoffverschwendung. Alle mit einem IQ <40 und/oder einem Promillegehalt >3 sollen trotzdem mal reinhören.
Hardy
Punkte: 3.0 von 10      
                         
NECRONOMICON – The Return Of The Witch
Napalm Records/Musikvertrieb
Zwar gibt es durchaus einige Bands aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die mit Schwarzstahl umgehen können und zuweilen auch was Tolles daraus fabrizieren. Okay, Kanada gehört nicht zur USA, ist aber auch jenseits des Meeres. Und daran liegt es wohl, dass der grösste Teil halt zum Unterdurchschnitt gehört. Das gilt unabhängig von den bereits als Band überstandenen Jahren des gemeinsamen Schaffens, denn der Dreier aus Montreal flutet die Läden auch schon seit fast 20 (!) Jahren. Das neueste Produkt sollte sich dabei wohl anhören wie eine Mischung aus Black und Death, aber das tut es leider nicht überzeugend genug. Die Songs geben nicht mal annähernd genug Fülle, als dass man mit ihnen was anfangen könnte. Neben den langweiligen Liedern kommt noch die nervende Stimme dazu, was die Scheibe in meinen Augen ziemlich überflüssig macht. Aber schön, wenn sie glücklich sind damit.
Tristan
Punkte: 3.0 von 10      
     
IN THIS MOMENT – A Star-Crossed Wasteland
Century Media/EMI
Uiuiui, was ist denn das? Achso, ja, die neue In This Moment rotiert in meinem Player, und ganz ehrlich: Die gute Frau hat ein wirklich derbes Organ, welches perfekt für den Metalcore geschaffen ist, den die Jungs aus ihren Instrumenten hauen. Wobei auch gleich gesagt werden muss, dass das ständige Geschreie mit der Zeit auf die Nerven geht, denn dies erinnert mehr an einen Kindergeburtstag mit hyperaktiven Schreihälsen als an wirklichen Gesang – wobei dieser zwischendurch auch vernehmbar ist. Ruhiger wird es kaum, zwischendurch gibt es mal ein oder zwei Tracks, welche auch eher in deutlich vernehmbarer Voice gesungen werden. Aber generell lässt sich sagen, dass „A Star-Crossed Wasteland“ zu sauber produziert wurde, halt total auf Erfolg, und die Ecken und die Kanten fehlen komplett. Da ist jetzt nichts, aber auch gar nichts authentisch oder sonst wie bemerkenswert. Moderner Metal, wie er abgelutschter nicht sein könnte – dass die Frontschreierin Maria Brink sowohl auf der Bandhomepage wie auch bei den Auftritten ihre weiblichen Reize mehr als nur zur Geltung bringt, bewirkt auch nicht, dass man die Band als ernsthaft wahrnimmt. Wird sich gut verkaufen und die Säckel der Musikindustrie-Bosse füllen, aber eine seriöse Aussage oder gar Individualität wird man hier vergebens suchen.
Toby S.
Punkte: 2.0 von 10      
                    
STATE COWS – State Cows
Avenue Of Allies Music
Jemand muss sich hier in der Adresse geirrt haben, und zwar entweder die deutschen Jungs von Avenue Of Allies Music oder der Schweizer Postbote, der uns diese CD zugestellt hat. Das passt zwar nicht so recht ins Bild des gründlichen Deutschen und des zuverlässigen Schweizers, aber anders kann ich mir diese Fehllieferung nicht erklären. Beim Bandnamen – kombiniert mit dem trashigen Coverartwork – dachte ich zunächst an eine räudige Rotzrock-Band mit leichter Punkschlagseite, aber leider weit gefehlt! State Cows aus dem schwedischen Umeå zelebrieren lupenreinen Westcoast-Pop/Softrock, wie ihn Szenegiganten wie Chicago, Steely Dan oder Christoffer Cross kaum besser hinbekommen haben. Das Ganze wird technisch perfekt und kompositorisch einwandfrei kredenzt. Nichts fehlt, schmeichelnde Melodien, mehrstimmiger, sehr sauberer und harmonischer Gesang, Bläser, Saxophon, jazzige Gitarren, alles da... Ist aber leider bei METAL FACTORY schlicht und einfach völlig fehl am Platz. Unter diesen Umständen erscheint es mir absolut sinnlos, eingehender auf den Silberling einzugehen. Für Fans gepflegter und qualitativ hochstehender Westcoast-Popmusik sehr empfehlenswert, Rocker und Metaller werden um das Ding einen riesengrossen Bogen machen. Sorry Jungs, ihr bohrt hier am falschen Loch, also endet dieser Einstand trotz des sehr hohen Qualitätsstandarts ohne Punktevergabe, so viel Fairness muss sein.
Mirko B.
Punkte: keine Wertung
                           
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