CD-Reviews Juli 2011
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
DECAPITATED - Carnival Is Forever
Nuclear Blast/Warner
Intelligenter, technischer Death Metal vom Feinsten! Wer hätte gedacht, dass sich die jungen Polen nach dem tragischen Busunfall 2007 (bei dem der extrem talentierte Witek - Schlagzeuger und jüngerer Bruder von Bandkopf Vogg (git.) - verstarb und Sänger Covan (Ex-Atrophia Red Sun) sich schwere (Kopf-)Verletzungen zuzog) nochmals aufraffen und einen derartigen Brocken auf die Menschheit loslassen würden?! Ich war ehrlich gesagt skeptisch, aber "Carnival Is Forever" überzeugte mich eines Besseren, und noch dazu mit Vehemenz! Von der alten Besetzung ist zwar nur noch Mastermind Vogg übriggeblieben, aber die neue Mannschaft überzeugt durchgehend und fügt sich fast nahtlos in das bekannte Bandmuster ein. Dreadlockträger/Sänger Rafal Piotrowski (Ketha, Forgotten Souls) ist ein echtes Tier, seine Vocals gehen tief unter die Haut und überzeugen durch Abwechslungsreichtum und Intensität. Die angezerrte Spur von Basser Filip Halucha (Vesania, Rootwater, Unsun, Masachist) geht zwar auf der grenzwertigen Vorab-mp3-Promo ziemlich unter, dürfte aber auf der offiziellen Aufnahme amtlich drücken, und auch Schlagzeuger Kerim Lechner (Thorns Of Ivy, Krimh) fühlt sich in den grossen Fusstapfen von Witek hörbar wohl und treibt die Band zwar gnadenlos, aber mit viel Herz nach vorne. Die Musik an und für sich ist typisch Decapitated, spätestens nach ein paar Sekunden weiss man, wer hier das Zepter schwingt und die unglaubliche Dichte der acht abwechslungsreichen Kompositionen machen das sechste Album zu einem echten Tipp. Gerade in Zeiten von gleichtöniger Nachspielerei, spiegelglatt polierten Produktionen und aufgeblasenen Mastering-Verbrechen ist dieses Album eine echte Wohltat, denn die Band lässt sich nicht schubladisieren, sondern kreiert ihren ganz eigenen musikalischen Kosmos, in dem sich Technik und Bauch scheinbar ohne Probleme ergänzen und durch die warme, aber agressive Produktion zu etwas Grösserem wird als nur der puren Summe aus talentierten Mitwirkenden. Und da sogar meine Lady darauf abfährt, erteile ich "Carnival Is Forever" eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.
Hardy   

Punkte: 9.5 von 10
ANVIL – Juggernaut Of Justice
Steamhammer/SPV

Wenn es eine Band gibt, der das Pech an den Schuhen klebt, dann gehört der kanadische Dreier von Anvil sicherlich zu den Prototypen. Seit 1978 hat der Amboss versucht, die Musikwelt von seinen Qualitäten zu überzeugen. Lange vor Metallica oder Slayer haben sie mit schnellen Tracks die Welt der Klänge und Töne erschüttert und nachhaltig verändert. Keine andere Band, nicht einmal ihre Landsleute von Exciter, haben vor Anvil mit so viel Schmackes und einer Hymne wie "Metal On Metal" die Erde beben lassen. Doch was blieb? Missmanagement und ein ungerechtes Business liessen die Kanadier aussen vor, und das damalige Quartett wurde von unzähligen Truppen links locker überholt. Steve Kudlow, besser bekannt unter dem Namen Lips, hat sich dabei nie blenden lassen und mit seinem Partner in crime, Trommler Robb Reiner, der noch heute einer der begnadetsten Double Base-Zerstörer ist, immer wieder fantastisches Material veröffentlicht, das in der Flut an Neuerscheinungen leider Gottes unterging – Hallo! Aufwachen, ihr da draussen! Mit ihrem 14. Studioalbum "Juggernaut Of Justice" versuchen Lips, Robb und Bassist Glenn Five, den unglaublichen Erfolg ihres Filmes "The Story Of Anvil" aufrecht zu erhalten. Was dem Trio auch locker gelingt, denn Keulen wie der Titelsong, "On Fire", "Turn It Up", "When All Hell Breaks Loose", "The Ride" oder "Not Afraid" leben noch immer von der fantastischen Gitarren- und der knallharten Rhythmusarbeit. Dass die Herren aber auch neben ihren Speed-Granaten mal ganz doomig zu Werke gehen können, zeigt das über sieben Minuten lange "Paranormal", oder Schwerfälliges wie "New Orleans Voodoo". Der absolute Lacher ist der Swing Metal-Track "Swing Thing" mit Bläsereinsätzen! Da dank des Movies nun viele Leute auf die Truppe aufmerksam wurden, sollten sich all diejenigen nun auch die neue Scheibe kaufen – und am besten dann auch gleich noch die alte Werke! Denn neben geiler Mucke steht das Trio auch für viel Spass. Alleine der kürzlich gespielte Gig als Special Guest von Dio's Disciples machte allen Anwesenden wieder einmal klar, wer zu den besten Live-Acts gehört. Anvil sind Kult, eine Macht und viel zu gut, um erneut unter zu gehen!
Tinu 
Punkte: 9.9 von 10
COMMUNIC - The Bottom Deep
Nuclear Blast/Warner
Die beiden ersten Alben "Conspiracy In Mind" (2005) und "Waves Of Visual" (2008) gehören zu meinen meist gespielten Tonträgern der letzten Jahre! Vor allem "Waves... " ist von einem anderen Stern, und wer auf Nevermore zu ihren Glanzzeiten abfährt, kommt an den Norwegern keinesfalls vorbei. Wenn man sich die komplexen Songs auf Konserve anhört, könnte der voreilige Eindruck entstehen, dass die als Trio agierende Band diesen Mördersound so nie und nimmer auf die Bühne bringt. Doch weit gefehlt, denn wer Communic schon mal live und mit Vorteil in eher kleineren Locations gesehen hat, weiss um die Energie, die die Nordländer loszutreten im Stande sind. Dem dritten "Make it or break it"-Album "Payment Of Existence" von 2008 oblag dann natürlich der Druck, die beiden voran gegangenen Steilvorlagen mindestens zu bestätigen. Das gelang ziemlich gut, obwohl der Ohrwurmfaktor insgesamt etwas schwächer ausgefallen ist. Wobei, was heisst hier schwach, eher zu wenig häufig am Ohr gehabt?! Nun sind drei Jahre seither vergangen, die nebst dem Touren erfreulicherweise auch neue Songs hervor gebracht haben, die bald als das vierte Studio-Album mit dem Titel "The Bottom Deep" erscheinen werden. Da war ich nun also gespannt wie ein Flitzebogen, was mich nun erwarten würde. Der Opener "Facing Tomorrow" vereint bereits wieder alles, was diese Band so einzigartig macht: die geniale Symbiose zwischen Härte und Melodie sowie zig Tempiwechsel und ausufernde, instrumentale Achterbahnfahrten der Sonderklasse. Darüber thront die Hammer-Stimme von Oddleif Stensland, angetrieben von Tor Atle Andersen's mörderischem Drumming und dem ewig pumpenden Bass von Erik Mortensen. Kaum eine andere Band vermag zudem ruhige Parts derart gekonnt einzubauen, dass sie perfekt zum Rest passen und sich dabei stets zu einem klanglichen Kunstwerk erheben. Was auf den ersten Blick auch auffällt, sind die mitunter kürzer ausgefallen Spielzeiten, womit Communic mehr auf den Punkt kommen. Das gilt auch für die wiederum göttliche Produktion, die wohl wieder auf das Konto von Jacob Hansen gehen dürfte. Und eben, wer als grosser Nevermore-Fan von seinen Helden in der letzten Zeit mehr erwartet hat, kommt hier voll auf seine Rechnung! Darüber hinaus ist "The Bottom Deep" auch eines dieser Alben, das mit jedem Durchgang mehr von sich preisgibt und einem fast eine Stunde puren Musikgenuss beschert. Buy or die!
Rockslave 
 

Punkte: 9.3 von 10
LOCK UP – Necropolis Transparent
Nuclear Blast/Warner
Lock Up 2011 sind Shane Embury (Napalm Death, Venomous Concept und X-tausend andere Projekte) am Bass, Nicholas Barker (Ex-Cradle Of Filth und X-hunderte von andere Extrem-Metalbands) am Schlagzeug, Anton Reisenegger (Criminal) an den 6 Saiten und Tomas Lindberg (At The Gates) am Gesang, der ja schon zuvor auf dem 9 Jahre (!) zurück liegenden Studio-Album "Hate Breeds Suffering" (von 2002) die Growls und Schreiattacken von Peter Tägtgren (Hypocrisy/Pain) übernommen hatte. Und was kann man schon von solch erfahrenen, altgedienten und szenebekannten Grössen erwarten? Richtig, in diesem Fall nur das Beste. Extremer Death/Grind mit pfeilschnellen Riffs und einem abartig vor sich hin prügelnden Drumkit. Heutzutage ist es ja meistens bei Extrembands folgendermassen: Je jünger die Kapellen, desto technischer wird's, und je älter... Na ja, desto "zurück gelehnter" (=laid back) kommt das Ganze oft daher. Nun, in diesem Fall hier bei "Necropolis Transparent" zeigen uns die 4 Herren vor allem 2 Dinge. 1. Alle modernen Möchtegern-Brutalo-Bands können einpacken, da sie alle gegen diese Gewaltorgie keinen Stich machen, und 2. Dass intelligentes Songwriting sämtliche zu gewollte technische Umsetzung immer übertrumpfen wird. Dazu muss aber gesagt werden, dass dies kein beliebiges "Alte Schule"-Grindalbum ist, welches auch sicherlich nicht einfach gestrickt ist. Es sind intelligent in die Arrangements verpackte Nuancen und die kurzweiligen Grooves zwischendrin, welche dieses Album zu einem wahren Feuerwerk für Krachliebhaber werden lassen. Am Besten wird die durchschlagende Wirkung noch bei maximaler Lautstärke der entsprechenden Soundanlage deutlich. Lärm und Brutalität mit sehr hohem Spassfaktor, eben die wahre und eigentliche Bedeutung der Extreme.
Ralf W.G.  

Punkte: 9.0 von 10
UNEARTH - Darkness In The Light
Metal Blade/Sony Music

Metalcore ist ein uncooles Wort für ein Genre, das sich in den letzten Jahren mit neueren Bands, die wirklich was auf dem Kasten haben, profilieren wollte, aber dabei von vielen sogenannten Kopien einen schlechten Ruf verpasst bekommen hat. Eine dieser coolen Bands, für mich sogar unter den drei besten des Genres, ist Unearth. Das Quintett aus Massachusetts, das Ende der 90er Jahre das Licht dieser Welt erblickte, hat sein fünftes Werk am Start, und man kann ohne zu übertreiben sagen: Es ist das Beste, was sie je veröffentlicht haben! Die Doppelleadgitarristen Buz Mc Grath und Ken Susi können sich ohne Probleme mit dem Slayer- oder Exodus-Duo duellieren, so gut sind die Jungs. Ja Leute, das Album ist sehr melodiös ausgefallen, ohne aber dabei an Härte zu verlieren. Sänger Trevor Phipps ist mit seinen Brüllattacken und Cleangesang der richtige für den Job, und mit Produzent Adam Dutkiewicz, seines Zeichnes Gitarrist von Killswitch Engage, hat man eine gute Nase gehabt, um einen fähigen Mann an den Reglern zu verpflichten. Das Endergebnis kann sich mehr als nur hören lassen, man findet wie erwähnt Melodien, melodische Doppelleadgitarren, zwischdurch mal ein Breakdown und einfach ehrliche Hausmannskost. Für mich das Beste, was Metalcore derzeit zu bieten hat. Die Konkurrenz wird es sehr schwer haben.
Daniel J.  

Punkte: 9.0 von 10
DEVIN TOWNSEND PROJECT – Deconstruction/Ghost
InsideOut Music/EMI

1993 wurde Devin Townsend als Sänger beim Gitarren-Hero Steve Vai im Alter von zarten 21 Jahren bekannt. Danach folgte nach einigen Kooperationen mit namhaften Künstlern (Front Line Assembly, The Wildhearts etc.) die Gründung seiner ersten eigenen Band, die Sci-Fi-Metaller Strapping Young Lad. Weiter auf die Biographie des Kanadiers einzugehen würde definitiv den Rahmen sprengen, denn Townsend hat seine eigene aussergewöhnliche Geschichte, die es unbedingt mal nachzuschlagen gilt! "Musik zu machen ist für mich wie scheissen, es gehört einfach zum Tagesablauf dazu!" Herr Townsend bringt es auf den Punkt. Seine Produktionen wie auch Liveauftritte sind musikalisch von unterschiedlichster Natur, oftmals recht skurril und ausdrucksstark. Aktuell wurden die 2 Alben "Deconstruction" und "Ghost" zum gleichen Zeitpunkt veröffentlicht und bieten beide absolut gegensätzliches Songmaterial. "Deconstruction" ist rau, aggressiv und extrem schwerfällig. Zu den Gastmusikern zählen u.a Mikael Akerfeldt (Opeth), Paul Kuhr (November's Doom), Oderus Urungus (GWAR) und Floor Jansen (After Forever). Dieses Album schickt einen auf eine wirre, abgefahrene Reise. Devin Townsend knurrt, kreischt, keift, brüllt und singt auch mal ganz regulär die Texte ins Mikrofon. "Ghost" hingegen wirkt friedlich meditativ, und Flöten untermalen ein eher folkig akustisches Album. Hier hört man das Fiepen von Möwen und Regengeplätscher. Ich gehe bewusst nicht tiefer auf die Alben ein, sondern versuche, das Kunstwerk als Ganzes zu erklären und die Idee hinter dem Konzept zu erläutern, denn diese 2 Neuerscheinungen sind nun Kapitel 3 und 4 seiner Konzept-Tetralogie und bauen auf Kapitel 1 und 2 ("Ki", "Addicted") auf. Die Veröffentlichung der insgesamt 4 Alben birgt ein Geheimnis, dessen Bedeutung zu gegebener Zeit offenbart wird. In erster Linie geht es jedoch um die Verarbeitung der 4 emotionalen Komponenten im Leben des Devin Townsend. Noch in diesem Jahr werden Live-Performances stattfinden, die das ganze Projekt zu einem dramatischen und unvergesslichen Abschluss bringen werden, so sagt man. Ich gebe 9 von 10 Punkten, und zwar nicht, weil ich ohne die Alben nicht mehr Leben könnte. Die Werke haben eine hohe Punktezahl für aussergewöhnliche Kreativität und undefinierbare Faszination, die in mir geweckt wurden, verdient. "Deconstruction" ist das absurdeste und komplexeste Werk, das ich je in meinem Leben gehört habe. "Ghost" muss dann sofort im Anschluss die innere Balance wieder herstellen, um einen möglichen Amoklauf zu verhindern. Bitte unbedingt in dieser Reihenfolge hören, der lokale Schuldirektor wird es euch danken.
Liane P. 
Punkte: 9.0 von 10
ELITIST - Fear In A Handful Of Dust
Season Of Mist/Irascible
In your face! Elitist, das Quartett aus Portland, USA, öffnen mir die Tore zu einem, für mich, neuen Metalstil. Bezeichnet wird es als Sludgecore und ist laut Wikipedia (ich will ja meinen Dr. nicht verlieren) ein Genre, "das sich vornehmlich dem Hardcore Punk, Stoner Rock und Doom Metal entlehnt." Auch bezeichnet als "Southern Hardcore Blues". Und in etwa genau so hört es sich an. Die Wut ist richtig zu spüren, und die Herren verstehen es, wie man Atmosphäre schafft. Schwere, düstere Riffs laden sich zu einem Sturm der Wut auf. Der Gitarrensound ist richtig tief und dreckig, die Vocals beherrschen das Black Metal-Geschreie genauso wie die Hungriger-Riese-
Growls. Elitist lassen der Atmosphäre viel Raum, wodurch die Melodie zuweilen auf der Strecke bleibt. Was manchen vielleicht zu viel Atmosphäre ist, ist genau meine Betriebstemperatur. "Fear In A Handful Of Dust" ist ein durchgehender Hit, und man kann nur darauf hoffen, Elitist baldmöglichst live zu erleben.
Steve Butcher  
Punkte: 9.0 von 10 
EDEN WEINT IM GRAB – Geysterstunde I – Ein poetisches Spektakel....
Winter Solitude Productions

In den letzten paar Ausgaben hatte ich die Ehre und das Vergnügen, Bands zu beurteilen, die ein Konzeptalbum im Horror-Bereich erschaffen hatten. Zu The Grotesquery und Marienbad gesellen sich nun auch Eden weint im Grab mit einer Fülle an grausig-schönen Geschichten. Egal, ob es nun um eine Mühle geht, in welcher Knochen zu Mehl zerrieben werden, das wiederum im Brotteig landet, oder ob es um einen heruntergekommenen Leierkastenmann geht, der sich den Arm wegorgelt, während die Leute einfach an ihm vorbei ziehen – es ist beileibe keine leichte Kost, was einem hier vorgesetzt wird, und es lohnt sich allemal, ganz genau hinzuhören, zumal der Sänger eine wunderbare Erzählstimme besitzt und jegliche Passagen so vertont, als wäre er direkt dabei. Ganz ganz grosses Kino, deswegen: Unbedingt anhören und in einer Schauerwelt versinken, die nicht ohne Augenzwinkern daherkommt.
Toby S.  

Punkte: 9.0 von 10 
THORONDIR – Aus jenen Tagen
CCP Records
"Aus jenen Tagen" ist das zweite Album der fünf Jungs von Thorondir. Das Erstlingswerk "Düsterwald" fiel damals bei den Kritikern voll durch. Zu einfach gestrickt waren die Songs. So darf man nun gespannt sein, ob Thorondir sich die Kritiken zu Herzen nahmen und hart geprobt haben. Ich kann es vorweg nehmen: Sie haben es gemacht, und das sogar extrem gut. Die Songs sind in sich sehr stimmig, sind druckvoll und verbreiten die gewünschte Atmosphäre für ein typisches Pagan-Album, sprich mal düster, mal episch. Die Musiker haben wirklich viel gearbeitet. So kommt das Drumming sehr brachial rüber. Die Gitarren sind aggressiv und das Keyboard verbreitet einen guten, epischen Charakter, manchmal vielleicht ein wenig seicht, aber das sei hier verziehen. Auch der Gesang mag durch das Wechselspiel von Growls und Gekeife zu überzeugen. Einzelne Songs hervorzuheben ist nicht nötig. Es gibt auf "Aus jenen Tagen" für Liebhaber des Pagan/Viking-Bereiches keinen einzigen Ausfall. Die Abwechslung stimmt, und in den 60 Minuten Spielzeit kommt wirklich nie Langeweile auf. Also denkt nicht mehr über das Debutalbum nach und kauft euch Thorondir. Es lohnt sich allemal.
Timo K.   

Punkte: 9.0 von 10 
EXCENTRIC - White Knuckle Ride
Eigenvertrieb
Seit der ersten 5 Track-CD "Imprisoned" ist beinahe eine ganze Dekade verstrichen, während der ich die Geschicke der Baselbieter Band mehr oder weniger aktiv mitverfolgt habe. Inzwischen ist daraus eine persönliche Freundschaft zur ganzen Gruppe entstanden, die ich nicht missen möchte. Vom damaligen Quartett sind aktuell noch Leadsänger/Bassist Pivi R. Pieren und Drummer Raff Martin im Line Up vertreten. Die Gitarristen gaben sich derweil nicht gerade die Klinke in die Hand, aber es gab ein paar Wechsel und verschiedene Konstellationen. Mit Phil Schelker und Marc Waldmeier wurden jedoch zwei Mitstreiter gefunden, die schon auf der ersten Langrille "Take This!" von 2008 zu hören waren. Das war also vor gut drei Jahren. In dieser Zeit haben Excentric vor allem in der Heimat einige Gigs gespielt und gelten mittlerweile als sehr versierte Liveband. Ins gleiche Horn blasen die technischen Fertigkeiten und Kenntnisse auf Seite Studiobedingungen und dessen Umfeld. Da kennt sich das Duo Pieren/Martin bestens aus, und darum hat man auch beim neuen Album "White Knuckle Ride" keine fremden Hände an die Regler gelassen. Obwohl so manche schlaflose oder zumindest kurze Nacht resultierte, war das Ergebnis auf der Seite des Sounds stets phänomenal. In die gleiche Richtung geht auch das Songwriting, das 2011 eine neue Dimension erreicht hat. Klang es früher, auch wegem dem Gesang, oft 'irgendwie' nach Metallica, so bieten die aktuellen Songs viel mehr in Sachen Ausdruck und Eigenständigkeit. Dazu kommen liebevoll umgesetzte Details, die den Arrangements eine besondere Note verleihen. Eine weitere Stärke von Excentric sind die töften Backing Vocals der Saitenfront, die schon immer ein Markenzeichen waren. Dies unterstreicht bereits der satte Opener "Hold On", der für die typischen Trademarks der Rocker aus dem Baselbiet steht. Nicht minder heftig geht "KMA Goodbye" nach vorne los, ehe mit der ersten (Halb-) Ballade "Take Me Away" die gesanglichen Qualitäten noch mehr zum Vorschein kommen und eigentlich locker radiotauglich sind. Der Rest gehört dann aber klar in eine Sparten-Sendung wie dem "Rock-Special" auf DRS-3. Wer sich den Anfang von "And Then Sun... " aufmerksam anhört, erhält ein weiteres Müsterchen von den bereits erwähnten Feinheiten, die treffend eingeflochten wurden. Dass ihre Musik nicht nur auf CD gut klingt, konnten Excentric unlängst in Basel an der CD-Taufe unter Beweis stellen. "White Knuckle Ride" ist der perfekte Rock-Soundtrack für die heutige, junge Generation, und Excentric besitzen nun nach der ausdauernden und langjährigen wie sorgfältigen Aufbauarbeit die gute Chance, den nächsten Karriere-Schritt zu tun. Die authentische, musikalische Frei- und Gelassenheit beweist zum Beispiel "Hollywood Diva" perfekt, und der wirklich genial umgesetzte "Timba Remix" von "Take Me Away" als Schlusstrack setzt dem Ganzen noch das (Airplay-)Sahnehäubchen auf! Darum ganz im Sinne des Vorgängers: Take this!
Rockslave  

Punkte: 9.0 von 10
QUEENSRYCHE - Dedicated To Chaos
Roadrunner Records/Warner
Zwei Jahre nach dem starken Konzeptalbum "American Soldier" kommen die Jungs um Geoff Tate mit ihrem neuen Rundling "Dedicated To Chaos" um die Ecke. Und ich war echt gespannt, was die Herren mir da wieder für einen schwerverdaulichen Brocken auf den Tisch legen. Als QR-Fan der ersten Stunde, seit der genialen EP 1983, haben sich die Seattler nie selber kopiert oder musikalisch wiederholt. Und genau das war und ist die Stärke dieser Band. Ich habe viele negative Reaktionen über das neue Album gehört und kann nur sagen: Wer hier ein zweites "Mindcrime" oder "Empire" erwartet, wird enttäuscht sein und sollte lieber bei den zwei genannten Alben bleiben. Die wahren QR-Fans kennen ihre Helden und wissen, dass dieser Rundling mindestens fünfzehn Durchläufe braucht, um sich dem Zuhörer zu offenbaren. Musikalisch geht man einige neue Wege, ohne jedoch nicht ab und zu ein bisschen zurückzublicken, ein geniales Gemisch halt. Einige Songs wie der starke, eingängige Opener "Get Started" gefällt relativ schnell, auch mit seinem starken, melodiösen Refrain. Oder auch das geniale "Around The World", ein sehr starker Song, der mich nicht mehr loslässt. Das etwas sperrige "Higher" braucht da etwas länger, haut aber dann umso mehr rein, vor allem die klasse Drum-Arbeit gefällt mir außerordentlich gut, ebenso das kurze, von Geoff gespielte Sax-Solo und der chaotische Prog-Part in der Mitte und am Ende des Songs, klasse. Auch das raue "Retail Therapy" braucht etwas Zeit. Etwas leichter hat's da "At The Edge", das ganz klar nach QR klingt, unverkennbar, stampfender Bass, tolle Gesangsmelodie und klasse Groove mit einem leicht chaotischen, ruhigen Mittelteil.

Länger braucht das das Drumlastige "Drive", das sich aber irgendwann als coole Groove-Nummer entpuppt. Viel Zeit braucht auch das seltsame "Wot We Do", bei dem man fast auf die Gitarre verzichtet, aber halt eben typisch QR, niemand rechnet mit so einem Song, aber das macht's ja eben spannend. "I Take You" klingt dann wieder eher nach vertrauten Queensrÿche, natürlich nicht, ohne neue Einflüsse einzubauen, wie gewohnt. Auch "The Lie" schlägt in eine ähnliche Kerbe, nur mit einem einfacheren Mitsingrefrain. Ganz geil find ich den Rausschmeisser "Big Noize", er beginnt mit einer starken Bassline, für mich eine Art modernes "Della Brown" - zurücklehnen und geniessen. Auf der Special Edition gibt's noch 4 Bonustracks, "Broken" und "Hardtime" find ich nicht besonders gelungen und wären eigentlich nicht nötig gewesen. Das ganz eigene "I Belive", das auch einige Durchläufe braucht, aber dann voll reinhaut. Und zum Schluss noch das seltsame "Luvnu", das aber mit der Zeit durch den guten Refrain auch gefällt. Ganz stark finde ich die Produktion von Kelly Gray, und noch besser finde ich die Drum Arbeit von Scott Rockenfield, der Junge spielt auf einem sehr hohen Niveau und versteht es, mit seinem Spiel die einzelnen Songs noch stark aufzuwerten. Geoff zeigt sich ebenfalls von seiner besten Seite und zeigt oft, dass er immer noch ein grosser Ausnahmesänger ist und ein gewaltiges Stimmvolumen hat. QR spielen hier modernen Prog mit Niveau und vielen Spielereien, allerlei Instrumenten und Geräuschen, und ich sag's nochmals: "Dedicated To Chaos" (Chaos, der Name sagt's ja schon) braucht viel Zeit, um zu gefallen und geordnet zu werden, und ich finde, die ewigen "Empire"- und "De Garmo"-Nörgler sollen sich doch verpissen und den echten, offenen Queensrÿche-Fans Platz machen.
Crazy Beat
 

Punkte: 8.9 von 10
FOR ALL WE KNOW - For All We Know
Eigenvertrieb
Hier handelt es sich um das Solo Projekt des Within Temptation-Gitarristen Ruud Jolie. Der Gute wollte sich endlich mal solo austoben und seine vielen eigenen Ideen veröffentlichen. Am Bass hat sich der Holländer gleich mal Kristoffer Gildenlöw gekrallt und Wudstik für die Leadvocals, der auch schon bei Ayreon gesungen hat. Das Album ist sehr abwechslungsreich, und genau so ist auch Wudstiks Gesang. Der Junge kann mit sehr viel Gefühl singen wie beim etwas melancholischen "Out Of Reach", oder auch die etwas härteren Töne überzeugen voll und ganz, man höre sich nur "Down On My Knees" an. Musikalisch schippern die Holländer grösstenteils im Prog Rock-Gewässern. Es gibt viele ruhige Momente, die aber immer wieder in schnelle und anspruchsvolle Parts wechseln. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, und ich finde das Ganze sehr interessant und spannend. Bei der kurzen Klavierballade "Keep Breathing" geben sich Daniel Gildenlöw, Sharon Del Adel und Damian Wilson kurz in einem grandiosen Kanon die Ehre. Aber auch ohne diese Prominenz überzeugt die Truppe vollends. Die einzelnen Tracks sind alle sehr stark und packen den (Prog-)Zuhörer. Wenn man sich das Teil ein paar Mal reingezogen hat, entfaltet sich "For All We Know" zu einer herausragender Prog-Perle mit endlosen, starken Passagen von Chören, Keyboards und Gitarrensoli, tollen Gesanglinien, coolen Riffs und vielen wechselnden Stimmungen. Man muss Wudstik einfach zuhören und sich von seinem Gesang in eine andere Welt entführen lassen. Ein klasse Werk, das hier Ruud Jolie erschaffen hat, ich würde sagen: ein Muss für Proggies!
Crazy Beat 
 

Punkte: 8.9 von 10
STREAM OF PASSION – Darker Days
Napalm Records/Musikvertrieb
Darauf habe ich gewartet! Endlich mal wieder eine Female Fronted-Gothic Metal-Band, die nicht im Sumpf dieses Mode-Genres untergeht. Die niederländische Band mit der charismatischen Frontfrau Marcela Bovio aus Mexiko liefert richtig schönen Gothic Metal mit harten Riffs, ohne je pompös, opernhaft oder zuckersüss zu wirken. Das Spezielle an dieser Band sind die südamerikanischen Elemente, welche die Sängerin aus ihrer Heimat mitbrachte und die sehr dezent eingesetzt werden: Lateinamerikanische Rhythmen, Lyrics in Spanisch ("Our Cause", "Nadie Lo Ve"), mexikanischer Folk und argentinischer Tango sorgen für das nötige Ambiente. Dazu passen die Violine und das Bandoneón, die dem Ganzen etwas Gipsy-Charakter einhauchen, ohne dabei je zu dominant zu werden. Immer wieder mal wird's wunderbar düster und melancholisch, und mit "Spark" ist ihnen eine der besten Balladen seit langem gelungen, die garantiert für Gänsehaut sorgt. Beim Songwriting und bei den Aufnahmen wurde die Band vom niederländischen Produzenten, Songwriter und Arrangeuer Joost van den Broek (Ex-After Forever/Ayreon/Star One) unterstützt, eine Zusammenarbeit, die schon bei den ersten beiden Alben überzeugte. "Darker Days" ist ein abwechslungsreiches Album geworden, das neben Metal-Riffs auch raffiniert eingestreute klassische Elemente enthält, die das Klangbild abrunden. Mit "Lost" ist man schon von den ersten Takten an mitten drin, und auch "Collide" und "This Moment" sind etwas härter. Stream Of Passion haben mit diesem Album gezeigt, dass sie zu den ganz Grossen des Genres gehören. "Darker Days" gehört in die Sammlung jedes Gothic Metal-Fans und ist auch etwas für all diejenigen, die dieses Genre eigentlich schon längst abgeschrieben hatten.
Patricia  

Punkte: 8.8 von 10
JASTA - Jasta
Century Media/EMI
Ja, Jasta ist ein Begriff, sofern man Hatebreed kennt oder die Sludge-Formation Kingdom Of Sorrow mit Crowbar-Chef Kirk Windstein schon gehört hat, und zu guter Letzt, wenn man ins amerikanische Fernsehen reinkommt und sich die Sendung MTV2 anschaut, denn dort ist unser Held Jasta der Moderator. Anscheinend ist Jasta immer noch unterfordert und hat mit Kingdom Of Sorrow-Musiker Nick (Drums) und Charlie Bellmore (Gitarre/Bass) die idealen Mitstreiter gefunden, um so sein Soloprojekt Jasta zu verwirklichen. Und was geben die 12 Songs her? Die wütenden Hardcore-Hassbrocken sind auch da, aber sie sind den viel melodischeren Songs gewichen, auf denen Herr Jasta wirkich singt, ja Leute, der Brüllwürfel singt wirklich, und das mach er dabei noch ziemlich gut. Dabei helfen ihm so illustre Gäste wie Gitarrengott Zakk Wylde, Profi-Skater Mark Valley, Musiker von Lamb Of God und auch Leute von As I Lay Dying veredlen dieses doch sehr gelungene Werk. Fazit der Sache: Jasta veröffentlicht hier Songs, auf denen er singt und die es bei Hatebreed nie so in der Version geben wird. Punkt und aus.
Daniel J.  

Punkte: 8.8 von 10
ULVER – Wars Of The Roses
Kscope/Irascible
Kommerziell ist anders, ganz ganz anders. Ulver aus Norwegen schaffen zauberhafte und zugleich anspruchsvolle Klangkunstwerke und malen mit ihren Liedern unaufhörlich Bilder in meinen Kopf. Das ist Musik, die man niemals nebenbei hören kann und die eigentlich, wie ich finde, sich nur voll entfalten kann, wenn man passende Videoclips dazu in Einklang bringt oder vielleicht auch passende anspruchsvolle Kurzfilme ohne Ton dazu schaut. Ebenso könnte ich mir ein Theaterstück ohne Sprache vorstellen, eines, das von Mimik, Gestik und Bühnenbild lebt, dazu spielt die Musik von Ulver, und das im Idealfall live. Ursprünglich startete die Band mit Black Metal und entwickelte sich dann nach und nach in eine Richtung, die Ambient, Electronic, Experimental, Industrial, Metal, Pop, Progressive Rock und Neofolk vermischte. Die Herren sind sehr (!) experimentierfreudig und verlangen dem Hörer ganz schön was ab, auch wenn man das beim Einstiegssong "February MMX" noch gar nicht glauben mag. Vielleicht wählte man die Reihenfolge bewusst so, um den Hörer langsam auf das, was da noch kommen wird, hin zu führen. Beim Song Nummer 3 mit dem Titel "Providence" unterstützt die norwegische Soul-Sängerin Siri Stranger den Gesang. "Stone Angels" beendet das Album als 15-minütiges Epos, dem das gleichnamige Gedicht vom amerikanischen Dichter Keith Waldrop zu Grunde liegt. Den Text zum Song wird vom jüngsten Bandmitglied Daniel O'Sullivan gesprochen. Hier haben wir mal wieder etwas für Leute, die über den Tellerrand hinaus schauen können und nicht mit Scheuklappen durchs Leben laufen.
Liane P.
   
Punkte: 8.8 von 10
SOURVEIN – Black Fangs
Candlelight Records/Irascible
Die Oberfläche unserer Welt mag so glatt und sonnig sein wie sie will, im Untergrund, da brodelt und rumpelt es. Mehr als nur ein bisschen unter die Erde gestimmt sind auf jeden Fall die Gitarren von Sourvein. Nach unzähligen EP's und Split-Scheiben rifft das Trio aus Ami-Land immer noch tief im Keller unten und beschert uns so zwar lärmigen, aber umso intensiveren Sludge Metal mit überdeutlichen Doom-Einflüssen à la Black Sabbath. So beginnt man denn zum einleitenden "Fang" mit dem verdrogt meditativen Zeitlupen-Banging und hört erst wieder auf damit, wenn vom bedrohlichen "Nocturnal/Negative Phaze" der letzte dissonante Ton verklungen ist. Die knarzig verzerrten Riffs von Klampfer King James Haun jedenfalls stimmen schon mal. Stören könnte sich der eine und die andere lediglich am Gesang von Frontbart T-Roy. Dieser nämlich krächzt und kotzt in klassischer Black/Funeral/Noisecore-Manier ins Mikro, des öfteren aber, wie etwa im vergleichsweise schnellen "Gasp", mit viel Hall nach hinten gemischt, was die Stimme mehr zu gespenstischen Geräuschen denn voller Gesang werden lässt. So headbangt sich der geneigte Drogenrock-Fan zu den doomig dröhnenden Riffs von "Holy Transfusion" oder dem Überwalzer "Gemini" in eine düstergraue Trance, denn mit "Black Fangs" gelingen Sourvein ein Fuzz-Gewitter, dass zumindest alle Genrefreunde unerbittlich mit sich mitreisst, in einen Abgrund, um welche alle anderen, die Sludge wenig mögen, einen grossen Bogen machen werden.
Kissi   

Punkte: 8.6 von 10 
IWRESTLEDABEARONCE - Ruining It For Everybody
Century Media/
EMI
Auch das zweite Album des durchgeknallten Elektro/Grind/Pop/Death/ Disco/Math/Atari-Fünfers kann man nur hassen oder lieben, dazwischen bleibt nicht viel Spielraum. Mir persönlich gefällt "Ruining It For Everybody" sogar noch besser als der Erstling "It's All happening", denn die vielen Wildereien, überbordenden Soundcollagen und unzähligen Stileinflüsse wurden derart zwingend verzahnt, dass auf einen hektischen Frickelpart mit hysterischem Geschrei ohne Probleme ein pumpender Beat mit Gänsehautklargesang und danach ein treibendes Riff mit fiesen Grunts folgen kann, ohne den roten Faden zu vernachlässigen. Mir gefällt diese unbändige Kreativität und das konstante Brechen von Konventionen, diese bestimmte "Fuck you!"-Attitüde und das kompromisslose, zum Teil hart an der Grenze zum noch Ertragbaren liegende manische Element, das Iwrestledabearonce nun mal auszeichnet. Und schlussendlich können auch weder die nerdige Aufmachung der Band oder das 'stilsichere' Layout ihrer Veröffentlichungen und des Merchandise lange verbergen, dass die vier Musiker und die Mikrowürgerin technisch sehr fit sind und ihre Stärken vortrefflichst zu bündeln wissen. Für bestimmte Zeiten möchte ich diese Band wirklich nicht mehr missen und muss schon wieder schmunzeln, wenn ich Songtitel wie "Deodorant Can't Fix Ugly", "It Is "bro" Isn't It?" oder "Karate Nipples" sehe. Den Einen öffnet diese Band die Augen, die Anderen werden ob dieser nervigen Scheissmucke zum Triebtäter werden. Reinhören und selbst entscheiden.
Hardy 

Punkte: 8.5 von 10
DRACONIAN – A Rose For The Apocalypse
Napalm Records/Musikvertrieb
Wie habe ich mich doch auf dieses Release gefreut, und wie gross sind die Fragezeichen, welchen ich nach mehrmaligem Anhören dieser Scheibe nicht loswerde. Es sind eindeutig Draconian, daran gibt es nichts zu rütteln, die ganz spezielle Atmosphäre, welche sie kreieren, spricht Bände und muss, ja kann nicht erklärt werden – das muss jeder selbst erlebt haben. Und doch ist alles ein wenig anders als sonst, es ist immer noch die Frustration, die Depression und die alles niederdrückende Schwermut vorhanden, keine Frage – aber nicht mehr derart endgültig wie bei anderen Songs oder gar ganzen Scheiben. Ich wage sogar, die Behauptung aufzustellen, dass ein gewisser Groove mit leicht kommerziellem Einschub Einzug gehalten hat, was eine gewisse Leichtigkeit bewirkt. Wie gesagt, es ist sehr schwer zu erklären, wieso dass mich Draconian persönlich, nun, nicht direkt enttäuscht haben – aber sie haben mich überrascht. Und über die Qualität müssen wir nicht sprechen, da gibt es nichts zu bemängeln. Irgendwie erinnert mich die Situation ein wenig an die letzte Katatonia-Scheibe: Es ist unverkennbares Material, und doch fehlt ein bestimmtes Element, das in den vorhergehenden Platten vorhanden war. Anyway, das muss jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist: Draconian sind mit "A Rose For The Apocalypse" schwerer zu fassen als jemals zuvor, und doch gehen die Songs geschmeidiger in die Gehörgänge wie je zuvor. Anhören, selbst entscheiden!
Toby S.
 
Punkte: 8.5 von 10
RINGWORM - Scars
Victory Records
Habt ihr heute, rein musikalisch natürlich, schon eins in die Fresse gekriegt? Nein? Dann solltet ihr schleunigst mal in die neue Scheibe der Hardcore-Formation von Ringworm reinhören. Hell yeah! Das isses! Die aus Cleveland, USA, stammenden Jungs geben Vollgas, so dass einem Angst und Bange wird. Hochgeschwindigeitsattacken, coole Passagen mit einem passablen, nicht zu modernem Sound und ein knackiges Songwriting, das macht die Magie von Ringworm aus. Bei den 10 Tracks haben wir musikalisch gesehen eine Mischung aus Slayer und Carnivore. Vor allem der Carnivore-Einfluss passt seht gut zu dem U.S.-Quintett. Gesangstechnisch ist man zuoberst auf dem Brüll-Level, ja so ein richtiger Hassbrocken wird uns um den Kopf gehauen. Also Hardcore- und Thrash-Fans, hier habt ihr eine Band, die es ehrlich meint und ihr Handwerk überaus gut beherscht. Für mich eines der Highlights in diesem Monat. Knallt ohne Ende!
Daniel J. 

Punkte: 8.5 von 10
IRON MAIDEN – From Fear To Eternity (Best Of) (2 CDs)
EMI Music
Wir Schweizer gelten als Weltmeister im Recycling. Doch es gibt eine Band, die uns da den Rang ablaufen könnte: Iron Maiden. Kaum eine Band verwertet Vergangenes so konsequent wie die eisernen Jungfrauen. Schaut man sich alleine die Compilations und Live-Dokumente an, die in den letzten 10 Jahren veröffentlicht wurden, so kommt man auf stattliche sieben DVDs, ein Box-Set, drei Live-Scheiben und drei Best Ofs. Und nun, dieser Tage, ein weiteres Best Of. "From Fear To Eternity" nennt sich der Doppeldecker, welcher während einer Spielzeit von 2,5 Stunden in 23 Songs die jüngere und jüngste Geschichte der sechs Briten, d.h. die Jahre 1990-2010, aufarbeitet. Nun mag man sich fragen: Haben Steve Harris und seine Mannen in diesem Zeitraum überhaupt genügend gute Songs für eine solche Zusammenstellung aufgenommen? Immerhin waren sämtliche Alben, die in diese zwei Dekaden fallen, vom 1990er-Werk "No Prayer For The Dying" bis zur aktuellen Scheibe "Final Frontier" starker Kritik ausgesetzt und einzig das Reunionsalbum "Brave New World" von 2000 konnte durch die Bank überzeugen. So gibt es neben den klaren Fällen wie "Be Quick Or Be Dead", "Bring Your Daughter... To The Slaughter" und natürlich "Fear Of The Dark" aus den frühen 90ern oder neueren Hits wie "The Wicker Man", "Blood Brothers", "Brave New World" oder "Paschendale" auch einige fragwürdige 'Beste'. Vier Songs etwa von "A Matter Of Life And Death" (2006), darunter das belanglose "Different World" oder jetzt schon zwei Songs von "Final Frontier", einer Scheibe, die noch nicht einmal ein Jahr alt ist. Nun gut, welche Maiden-Songs in den letzten 20 Jahren wirklich überzeugten, das bleibt letztlich wohl Geschmackssache. Ganz und gar nicht diskutabel ist hingegen, wie die Herren Harris und Dickinson mit dem Material aus der Blaze-Bayley-Phase umgegangen sind. Bayley's Stimme nämlich ist auf "From Fear To Eternity" keine Sekunde lang zu hören, denn sowohl "Man On The Edge" als auch "The Clansman" und "Sign Of The Cross" sind als Live-Versionen mit Bruce enthalten. Das ist nicht nur unhöflich, sondern schlicht Geschichtsklitterung. Und wenn man schon recyclet, dann aber richtig!
Kissi  

Punkte: keine Wertung
WHO CARES - Out Of My Mind / Holy Water (2 Songs)
Ear Music/Phonag
Wie lange ist das jetzt her, seit Tony Iommi und Ian Gillan gemeinsame Sache gemacht haben? Schon bald unfassbare 30, genauer gesagt 27 Jahre sind vergangen, seit Black Sabbath ein Album mit dem Titel "Born Again" veröffentlicht haben. Nach der Tour, die bekanntlich bis anfangs 1984 dauerte, wurden ja Deep Purple MK-II noch im gleichen Jahr wieder aus der Taufe gehoben! Und nun, nach so langer Zeit und dem Drama um Ronnie James Dio's Tod (R.I.P.), finden sich die ehemaligen Kumpels für eine gute Sache wieder zusammen. Doch damit nicht genug, denn für die Unterstützung des Wiederaufbaus einer Musikschule in Armenien konnten weitere klingende Namen für dieses Projekt gewonnen werden. Dies sind der ehemalige Deep Purple-Keyboarder und Gründungsmitglied Jon Lord, Iron Maiden-Drummer Nicko McBrain, Ex-Metallica-Bassist Jason Newsted und HIM-Gitarrist Linde Lindström. Das Ganze nennt sich "Who Cares", und entstanden sind dabei, und da muss man dezidiert 'leider' dazu sagen, nur zwei Songs! Diese total zwölf Minuten haben es aber in sich, und wie! "Out Of My Mind" ist ein schleppender Groover mit unüberhörbaren Sabbath-Vibes, der locker auch auf dem letzten Heaven And Hell-Album hätte stehen können. Einzig die Keyboards von Jon Lord verleihen dem Ganzen einen etwas anderen Anstrich, und auch wenn man sich hierzu Ronnie gut am Gesang vorstellen könnte, passt Ian Gillan wie die Faust auf das berühmte Auge. Linde spielt dazu ein paar orientalisch angehauchte Leads, die den ersten Song optimal abrunden. "Holy Water" ist dann Deep Purple pur und klingt wie eine vergessene Perle aus der "Perfect Strangers"-Ära, gemischt mit den Strukturen, wie sie in den letzten Jahren entstanden sind. Will heissen, dass man diesen Hammer-Song auch auf "Bananas" (2003) oder "Raputure Of The Deep" (2005) hätte platzieren können! Es ist wirklich ein Jammer, dass hier nicht mehr daraus geworden ist. Ein komplettes Album auf diesem Niveau im Geiste von "Phenomena" wäre schlicht der Traum gewesen. Trotzdem sind wir froh um jede Sekunde, die uns Who Cares oder besser gesagt Tony Iommi & Friends hiermit geschenkt haben!
Rockslave
  
Punkte: keine Wertung
LOVE.MIGHT.KILL – Brace For Impact
Massacre Records/Musikvertrieb
Ein wunderbares Melodic Metal-Album hat sich Metalium-Hauptsongwriter Michael Ehré ausgedacht. Zusammen mit seinen Mitstreitern hat er eine Scheibe aufgenommen, die trotz ihres eher ruhigen Charakters immer wieder aufhorchen lässt und höchst selten seicht dahinplätschert. Die Seele wird den Liedern vom Italiener Jan Manenti eingehaucht. Er sorgt mit seiner variablen blues-soul-Stimme für eine wohlige Stimmung. Und selbst wenn es wie bei "Calm Before The Storm" mal schneller vorwärts geht, geht nie diese Wärme verloren. Im Vergleich zu den AOR-Bands schwenken Love.Might.Kill nie in schmalzige und allzu softe Fahrwasser ab, sondern halten immer einen gewissen Druck aufrecht. Hier quietschen die Gitarren oder schmettern ein hochmelodisches Solo aus dem Verstärker. Die Lieder sind so angelegt, dass sich schnellere Stücke mit ruhigeren Abwechseln. Damit bleiben die Ohren über lange Strecken wach. Also genau das Richtige für den anspruchsvollen Melodic-Metaller. Abzüge gibt es einzig dafür, dass sich auch nach zwei Wochen Dauerbeschallung kein Hit rausgeschält hat.
Roger W.  

Punkte: 8.5 von 10
THE BLACK DAHLIA MURDER - Ritual
Metal Blade/Sony Music
The Black Dahlia Murder stellten für mich bis anhin immer eine etwas ambivalente Angelegenheit dar: Zwar geht ihre typisch amerikanische Variante des modernen Death Metal gleichzeitig als Workout- wie auch als Party-Mucke durch, anderseits hat sich die Band seit "Miasma" mit der Steigerung ihrer Kunst extremst schwer getan - die beiden dazwischenliegenden Alben ("Deflorate" und "Nocturnal") verfügten dann auch über jeweils eine knappe handvoll Abrissbirnen der oberen Güteklasse, verloren sich aber vor allem in der zweiten Hälfte im von der Band zu eng gesteckten stilistischen Spektrum. "Ritual" stellt nun endlich einen Schritt in die richtige Richtung dar, was mir mehr als gelegen kommt - wollte ich doch das Quintett aus Michigan/USA schon mit dem Stempel 'Bandsdielivedefinitvmehrdraufhabenals-ihrePlattenjerüberbringenkönnten' markieren. Obwohl nach wie vor bei jeder Note klar ist, wer hier an der Schiessbude steht (will heissen, es wird wie bisher liebgewonnen geballert, was die Instrumente hergeben - während sich Trevor Strand in bester Keifmaniere die Seele rauskotzt), geben sich TBDM Mühe, die Songs interessanter als auch schon zu gestalten: Organische Streicher haben ebenso den Weg auf "Ritual" gefunden wie akustische Gitarren und Pianogeklimper – und das nicht nur als Intros & Interludes ("A Shrine To Madness", "Carbonized In Cruciform"), sondern auch mal als zusätzliche Ebene über den Riffs und Blasts der Band ("Blood In The Ink", wenn auch etws eckig ausgeführt). Zudem scheinen die Songs viel direkter auf den Punkt zu kommen, was über die letzten drei Alben augenscheinlich wohl eher dem Zufall überlassen wurde... Auch hier ein gelungener Schritt nach vorne. Zwar sind nicht alle Experimente auf "Ritual" komplett geglückt, aber The Black Dahlia Murder haben es innerhalb ihres angewohnten Veröffentlichungs-Zyklus (Rechnet mal nach, alle zwei Jahre gab's auf drei Monate genau 'ne neue Platte!) geschafft, ihre Songs mal endlich unvorbehaftet zu überarbeiten und der Sache neuen Pepp zu verschaffen - etwas, wovon andere Bands nur träumen können. Addiert man dazu den Fakt, dass TBDM im Vergleich zu anderen Acts aus dieser Sparte tatsächlich live auch so klingen wie im Studio, so ergibt sich mit "Ritual" ein Album, das manch einem da draussen zu Recht das Wasser im Mund zusammen laufen lassen sollte: Moderner Death, wie er knackiger nicht sein könnte. Zugreifen, abfeiern. Oder Joggen gehen, je nachdem.
El Muerte  

Punkte: 8.5 von 10
HUMAN ZOO – Eyes Of The Stranger
BOB-Media
Das Städtchen Balingen in Süddeutschland würde kein Mensch kennen, würde da nicht jeweils das "Bang Your Head"-Festival stattfinden. Doch auch die Band Human Zoo ist dort beheimatet. Die Truppe steht nun mit dem dritten Output "Eyes Of The Stanger" auf der Matte. Schon die ersten zwei Scheiben "Precious Time" (2006) und "Over The Horizon" (2007) konnten durchs Band für positive Resonanzen sorgen. Die Jungs bieten nach wie vor melodiösen Hard Rock auf höchstem Niveau und lassen sich in einem Atemzug mit Bonfire, Jaded Heart oder Axxis nennen. Der grosse Unterschied von Human Zoo zu ihren musikalischen Verwandten ist die instrumentelle Zusammensetzung. Nebst Vocals, Gitarre, Bass, Keyboards und Drums ist das Saxophon ein fester Bestandteil der Truppe. Dieses Instrument fliessend in die Songs zu integrieren, ohne das es aufgesetzt klingt, ist die Kunst, die Human Zoo perfekt beherrschen. Nach einem, von einer Kinderstimme gesprochenen Intro werden keine Gefangenen mehr gemacht. Wuchtige Gitarren werden perfekt mit den Keyboards ergänzt und eben mit den Saxophon-Klängen verfeinert. Eingängige Melodien, homogenes Songmaterial und eine glasklare Produktion sind weitere Punkte, die das Niveau konstant hoch halten. Sänger Thomas Seeburger brilliert mit starken Vocals, die von knackig hart bis balladesk soft in allen Bereichen überzeugen. Man sagt, das dritte Album einer Band sei das zukunftsentscheidende. Mit "Eyes Of The Stranger" sollte dem weiteren Erfolg von Human Zoo nichts mehr im Wege stehen.
Chris C. 

Punkte: 8.3 von 10
BEYOND THE LABYRINTH - Chapter III - Stories
Twilight/Non Stop Music
Wie man am Titel unmissverständlich erkennen kann, handelt es sich hier um das dritte Album der Jungs aus Belgien. Und die Herren sind gar nicht mal so eindeutig in eine Schublade zu stecken. Man tobt sich musikalisch in vielen Ecken aus, das geht von Deep Purple über Queenrÿche bis zu Marillion, ja sogar Savatage, hört euch nur mal Song 12 an, "Strenght", verblüffend. Oder das an Purple und Asia erinnernde "Raise The Horns". Es ist übrigens sehr schwer, irgendwelche Songs hervorzuheben, da alle zwölf sehr stark sind. Ob das härtere "Fear's The Killer" oder das flotte melodiöse "Saturation Point", um nur mal zwei herauszupicken. Ich denke, erstens macht die grosse Abwechslung und Vielseitigkeit der Songs das Interessante dieses Rundlings aus, und zweitens die starke Stimme von Jo De Boeck. Immer passend zum Song variiert seine Stimme und rundet so jeden Song noch ab. Zusätzlich passt sein Organ perfekt zum etwas Old School-Hard/Classic/Prog Rock. Ich denke, durch den nicht sehr grossen Prog-Anteil wird dieses Album dafür eingänglicher und bleibt aber trotzdem sehr spannend und macht auch nach vielen Durchläufen noch Spass und bleibt für den Zuhörer sehr Interessant. Oder kurz gesagt: "Chapter III" ist einfach ein klasse Rock-Album.
Crazy Beat
 
Punkte: 8.1 von 10
TORMENTED – Rotten Death (Neuauflage)
Listenable Records/Irascible

Death Metal in Reinkultur kommt in letzter Zeit ja oftmals aus Schweden, vor allem, wenn es um die 'schrammelige', fiese "Alte Schule"-Variante des Todesbleis geht. Alte Slayer, Autopsy, Venom, sehr alte Death ("Scream Bloody Gore") und weitere Stilmittel und Trademarks der genannten Bands werden zu einer düsteren, bösen Melange verbunden. Brutal geht auch ohne Blastbeats, wie hier zu hören ist. Rumpelschlagzeug der Marke 'Abbadon' (Original-Venom-Drummer), runtergeschraubte Gitarrensounds und räudig kreischende Vocals gänzlich ohne moderne Einflüsse, aber auch ohne Innovationen, werden in den insgesamt 9 Songs dargeboten. Klar ist das nichts Besonderes eigentlich. Auf der anderen Seite hat das Ganze einen ganz mächtigen Charme, dem man sich fast nicht entziehen kann. Zu cool, rotzig und eingängig fahren sich die zu Tode verzerrten Riffs in den Kopf, ohne auch nur einmal eine Verschnaufpause zuzulassen. Empfehlenswert für alle, welche keinen Bock mehr auf übertechnische, überproduzierte, moderne Trendsounds haben.
Ralf W.G.   

Punkte: 8.0 von 10
THE KONSORTIUM – The Konsortium
Agonia Records
Also damit hat Agonia sich einen potentiellen Verkaufsschlager geangelt, soviel ist sicher. Während ich bei den ersten beiden Songs einfach an guten Durchschnitt gedacht habe, belehrten die vier (aus bekannten, anderen Bands) mich mit "Under The Black Flag" eines besseren. Nicht, dass die Chöre was Spezielles wären, aber ihr Einsatz, zusammen mit den unüberblickbaren Rhythmuswechseln und abwechslungsreichen Gitarrenparts, lassen einen ganz genau hinhören. Die eher sterilen Verzerrungen machen aus den Songs zeitgemässen Black Metal, bei "Onwards! Onwards!" mag man stellenweise an Samael denken. Ich habe nicht genug Platz und Zeit, all die kleinen Details und Querverweise rauszuhören und aufzuschreiben, aber ganz bestimmt wird dieses Album zu den meistgehörten dieses Jahres gehören. Dass die Herren sich nicht bekannt geben möchten, gibt umso mehr Platz für Gerüchte, womit wohl auch für Gesprächsstoff gesorgt ist. Cleane Gesangsparts (z.B. bei "Lik Ulven") wirken am Anfang ein wenig unpassend, offenbaren aber bei mehrmaligem Hören die Genialität der Songs. Bei knapp 36 Minuten Spielzeit ist das allerdings auch nötig, um nicht als Abzocker dazustehen. Von Anfang bis zum Schluss (und wieder zurück) ist das Debut der Schweden ganz deutlich über den Durchschnitt erhoben, da sie es geschafft haben, so viel Chaos in ihre Songs zu pressen, dass es schier Gestalt bekommt.
Tristan 

Punkte: 8.0 von 10
INDESTRUCTIBLE NOISE COMMAND - Heaven Sent... Hellbound
Rising Records
Ich staune immer wieder, wenn es heisst, eine Kultband aus den 80ern ist zurück. Die U.S.-Thrasher, die 1985 I.N.C. gegründet haben, sind mir ehrlich gesagt dazumals am Arsch vorbeigegangen. Umso besser, habe ich jetzt das Vergnügen, die Jungs kennenzulernen. Vorab: Wer auf Thrash Metal steht, kann weiter lesen, der 'weiche' Teil unserer Leseschaft kann runterscrollen. Wieso die Ansage? Tja, die Jungs geben Vollgas und sind musikalisch gesehen in der Reichweite von Exodus und Konsorten. Das heisst, wir haben fette Thrashriffs, einen dicken Groove, coole Breaks, Geschwindigkeitsattacken, eine Saugute Produktion, der Sänger ist Champions League-tauglich und die Rhythmusabteilung steht dem Ganzen in Nichts nach. Bei den 12 Tracks hat man Abwechslung, mal schnell, mal Mid Tempo, was ein wenig zu bemängeln ist, das Songwriting könnte die eine oder andere Überraschung bringen. Aber nichts desto Trotz haben hier I.N.C. eine wirklich hochstehende Thrashkeule veröffentlicht, die ich jedem Thrasher wärmstens empfehlen kann. Sehr cooles Ding!
Daniel J.  

Punkte: 8.0 von 10
ICON IN ME – Head Break Solution
MDD Music/Max Music
Oh wie nett, Metalcore in einer überschaubaren, da bereits zigmal dagewesenen Version – braucht die Welt unbedingt. Aber ist es wirklich so einfach, kann diese Band dermassen schlicht abgekanzelt werden? Ja und nein, möchte man da sagen. Da sind immer wieder Elemente vorhanden, die dem Sound, welcher prinzipiell wie eingangs erwähnt auf einer eher langweiligen Basis beruht, eine neue, interessante Richtung geben. Beispiele gefällig? "The Quest" hat eindeutige Schlagseiten von Disturbed oder auch Slipknot, wobei die eher bei "Lost For Nothing" zum Zuge kommen. "Tired And Broken" ist schon beinahe Balladen-mässig, und hier hört man auch zum ersten Mal längere Passagen clean gesungener Vocals – na ja, halt so clean, wie es für einen Shouter halt möglich ist, klingt aber echt gut! Was jedoch eine Tatsache darstellt, ist, dass die Shouts mit der Zeit eher eintönig klingen. Ist jetzt nicht ganz so tragisch, muss aber der Fairness halber erwähnt werden. Wer damit kein Problem hat, gerne Cataract und Konsorten hört und auch generell eher offen gegenüber melodischen Experimenten in diesem Sektor ist, der wird an Icon In Me seine helle Freude haben – andere werden sich vielleicht an einzelnen Tracks total freuen, aber das Gesamtwerk als solches eher skeptisch ansehen.
Toby S.  

Punkte: 8.0 von 10
SPIRIT DISEASE - Retaliation
Firebox/Non Stop Music
Das Überraschungs-Frischfleisch für den Juli bringen mir Spirit Disease, die auf einen oberflächlichen ersten Hinhörer zwar reichlich unspektakulär, aber genauer analysiert sehr sympathisch gekonnt die Boxen rocken. Grooviger, fett produzierter, nicht allzu melodischer Death Metal, arschtight dargebracht, wunderschön eingebettete kleine Rhythmuswechsel und viele Details und Sperenzchen, die erst mit gesteigertem, aufmerksamem Genuss voll zur Geltung kommen, erfinden zwar nicht das Rad neu, aber wissen zu gefallen und erfüllen jede Voraussetzung für des Headbanger's liebste Passion. Irgendwo zwischen Impaled Nazarene's "All That You Fear" und irgendeiner Scheibe von Hearse death'n'rollen sich die Finnen mit einem überraschend angenehmen, variablen Shouter zackig durch über 38 Minuten kurzweiliges, fein ausgearbeitetes Songmaterial und hinterlassen ein wohlwollendes Grinsen sowie einen Daumen nach oben. Wenn die Band diese Qualität live hinbringt, sind ein paar glückselige Bierleichen mit Nackentrauma schon mal vorprogrammiert. Unbedingt reinhören!
Hardy  

Punkte: 8.0 von 10
SUICIDE SILENCE - The Black Crown
Century Media/EMI
Im aktuellen Deathcore-Zirkus sind Suicide Silence klar die regierende Formation - das Quintett aus Kalifornien hat sich mit gerade mal drei Scheiben und einer handvoll EPs und Videoclips knapp vor Carnifex & Co an die Spitze des noch jungen Genres gesetzt und dabei vor allem auch live ihre Spuren hinterlassen. "The Black Crown" zeigt die Band dann auch in bester Form: Hier wird geballert, bis sich die Balken biegen, während mit Hilfe der brachialen Breakdowns ganze Felder an Rüben abgeschraubt werden. Leider hatte diese Form des Deathcore aber auch nie wirklich mehr zu bieten, und Suicide Silence sind da keine Ausnahme - während sie ihr Genre mit chirurgischer Präzision dominieren, gehen die 39 Minuten Spielzeit auf "The Black Crown" nicht ohne Ermüdungserscheinungen am Hörer vorbei. Gut gewillt könnte man dies auf die Intensität der Mucke schieben, aber das ist leider nur die halbe Wahrheit: Suicide Silence sind eintönig. Da, ich hab's gesagt. Was live mehr als trefflich für Feuer im Pit sorgt, muss halt nicht zwingend auch auf Platte funktionieren. Dabei ist die Band im Vergleich zu anderen Acts zwar einen Schritt weiter gegangen und hat etwa in Songs wie "The Only Thing That Sets Us Apart" auch mal die cleanen Gitarren ausgepackt - was bei Szeneverfechtern wohl für hochgezogene Augenbrauen sorgen wird, weckt bei mir Gedanken an das wirkliche Potential der Band. Da hätte ich gerne mehr von gehört! Auch lustig: Kaum bemerkt man die Simplizität der Riffs und zieht Vergleiche zu anderen Bands, kommt bei "Witness The Addiction" schon Korn-Frontmann Jonathan Davis für einen Gastauftritt um die Ecke - nett! Ebenfalls noch zu erwähnen: Produzent Machine (Lamb Of God, Clutch etc.) hat Suicide Silence einen lobenswert eigenständigen und organischen Sound kreiert, der noch lange nicht so lieblos zugetriggert wie bei anderen Bands klingt. Unterm Strich also eine mehr als solide und funktionierende Scheibe, die in einigen fast unbemerkt vorbeiziehenden Momenten Grösseres andeutet, sich aber letztlich auf sichere und erprobte Werte besinnt - schade, aber ganz ok.
El Muerte
 
Punkte: 7.9 von 10
THE SQUARE HIPPIES – The Square Hippies
7usMusic/K-Tel
Der Name sagt schon alles: The Square Hippies, die 'bescheuerten Hippies', bieten 70's Gitarrenstoff der relaxten Sorte. Als gemütliche Deep Purple könnte man sie dabei beschreiben, als reduzierte Uriah Heep (wobei man als Bonustrack "Locomotive Breath" von Jethro Tull als Reggae-Version gibt), alles etwas verhaltener spielend (nur im zu Beginn an "Highwaystar" erinnernden "The Rebels" wird das Gaspedal durchgedrückt), abgeklärt, was auch Altersmilde genannt werden könnte, vermittelt das aus Deutschland stammende Quartett doch auf den Fotos nicht wie die allerjüngste Truppe. Diese Gemütlichkeit aber, diese Unaufgeregtheit aber ist es, was das Debut der Hippies zum perfekten Soundtrack macht für laue Sommerabende mit Gartenparty. Die harmonisch melancholische Semiballade "Honesty", die Southern Rock-Hymne "One Man Show", "Loves Comes 'Round" mit seinen verschrobenen E-Piano-Stakkatos, das ultra-funkige, im Refrain wieder in die Südstaaten wandernde "Trapped", sie alle sind zwar keine Hits, beschwören aber eine angenehme Gemütlichkeit und Gelassenheit. Das gilt genauso für das verdrogt wippende, da im Dreivierteltakt gehaltene "Channels Of Love" wie für die etwas zügigere, verdächtig nach Purple klingende "Life", wobei der Gesang, der von allen Mitgliedern abwechselnd, so wie's scheint, übernommen wird, zwar nie und nimmer an die Sangesgötter der 70er ranreicht, gleichzeitig aber angenehm unaufgeregt daherkommt. So feiert man gerne mit den Square Hippies den musikalisch in den Südstaaten (Blues Harp) stattfindenden, dabei ausufernden "Wedding Day", verzeiht ihnen auch die kitschige, mit billigen 80ern Synthies ausstaffierte Ballade "Runaways" und gröhlt am Ende noch die implizite Bandhymne "For Those About To Hip", die, titelmässig angedeutet, zumindest streckenweise AC/DC im Blick hat, dann aber doch im psychedelischen 70's-Nebel sein Ende findet. Wenn es eindunkelt, man im Garten sitzt und das dritte Bier schon leer ist (von illegalen Substanzen schreiben wir hier nicht), dann ist Zeit für The Square Hippies.
Kissi
 
Punkte: 7.9 von 10
ATLAS LOSING GRIP - State Of Unrest
Black Star Foundation
Vom hohen Norden, genauer gesagt aus Schweden, stammen Atlas Losing Grip. Wer jetzt schlimmstes Todesröcheln aus den tiefen der Hölle erwartet, liegt total falsch, ja so um ziemlich 180 Grad. Die fünf Skandinavier spielen nämlich beherzten, melodischen Punk Rock. Ja Leute, wer auf Rise Against steht, und das sind auch nicht wenige, wenn man deren Charterfolge sieht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Die 13 Songs versprühen viel Freude, ja jetzt gerade, wo die Grillsaison voll am Laufen ist, ist "State Of Unrest" der richtige Soundtrack dafür. Mir persönlich scheint die Scheibe gelungen, jetzt ist da nur die Frage, ob man hier auf einen Zug aufspringt, der massenhaft Erfolg beschert, also auf Nummer sicher geht oder einfach drauflos rockt und einfach Spass hat. Wer auf guten, melodischen Punk Rock steht, sollte sich mal ein Löffel davon einnehmen und probieren, ihr werdet sehen, das schmeckt richtig gut. Für den Sommer genau das Richtige, das passt mir gut!
Daniel J.

Punkte: 7.9 von 10
SHINING – VII: Född Förlorare
Spinefarm Records/Musikvertrieb

Und wieder hat sich Niklas die Zeit genommen, neben all seinen Beiträgen in anderen Bands gibt es endlich wieder einen Knochen mit ordentlich Fleisch dran. Und das, obwohl ich die ersten Alben von Shining eigentlich gar nicht mochte. Aber eins ums Andere: Zuerst einmal fiel mir die Entwicklung im Sound auf. Nirgends hört man das genretypische Rauschen, auch überspielt kein Halleffekt musikalische Schwächen. Unerwartet auch die häufig klare Stimme, vor allem beim interpretierten Gedicht "I Nattens Timma" gefällt die daraus entstandene Tiefe. Zusammen mit sanften Pianoakkorden und der Gitarre ist das Arrangement minimalistisch, aber treffsicher gewählt und einfach traumhaft umgesetzt. Doch bis zu diesem Track gibt es fünf Vorgänger, welche nicht weniger kompakt und druckvoll auf den Hörer wirken. Schon zu Beginn holpern die Drums immer wieder in eher klassisch doomigen Rhythmen, bevor sie in Gitarren die Lieder schwarz färben und dem Hass freien Lauf lassen. Soli jeglicher Art werden gekonnt in den Liedfluss eingebaut und wirken selten unpassend. Kleine Verzierungen (z.B. das Tremolo beim ersten Track) machen aus den Liedern in sich geschlossene Geschichten, welche höchst selten ein gutes Ende finden. Der letzte Track schliesst schliesslich 40 finstere Minuten lang mit allem ab, was die Schweden zu bieten haben: sanfte Gitarren, wutentbranntes Schreien, schneidende Riffs, schnelles Schlagzeug, packende Strukturen. Mit so starken Alben wäre das billige Auftreten des Sängers wirklich nicht nötig. Daumen hoch!
Tristan
Punkte: 7.8 von 10
FULLFORCE - One
Steamhammer/SPV
Fullforce sind kein Nebenprojekt. So jedenfalls verkündet es das Promo-Papier der Plattenfirma. Und es tut gut daran, denn Fullforce bestehen aus gestandenen Musikern wie die beiden HammerFaller Anders Johansson (Schlagzeug) und sein Ex-Kollege Gitarrist Stefan Elmgren. Dazu gesellen sich am Gesang Mike Andersson (Cloudscape), DJ Grimmak (Gitarre, Ex-Narnia) und Tommy Larsson (Ex-Heed) am Bass. Mit Fullforce ist dem Fünfer nun ein Werk gelungen, das weder wirklich schlecht ist noch die Stammcombos in den Schatten stellt. Zu hören gibt es klassischen Heavy und Power Metal, der bei "Heart And Soul" gar ein wenig die Griechen Firewind erinnert. "One" ist ein Album zum Durchhören, Headbangen und Liebhaben. Auch wenn es trotz seiner Klasse nie aus der Masse sticht. Unvoreingenommenen Hörern machen Nummern wie das schnelle "Rain", das wuchtige "Walls Of Secrets" oder das stampfende "Father Spirit" durchaus Freude. Nicht mehr, und nicht weniger. Aber wer will bei diesen gestandenen Musikern schon grossartig Kritik ausüben?
Roger W. 
 
Punkte: 7.7 von 10
HEKATE – Die Welt der dunklen Gärten
Prophecy Productions/Non Stop Music
Wer auf Neo Folk steht, der kommt an Hekate nicht vorbei. Mit "Die Welt der dunklen Gärten" bringt die deutsche Kombo bereits ihr 5. Album raus. Wunderbar melancholisch und zauberhaft plätschert die Musik vor sich hin, ohne dabei je langweilig zu werden. Es gibt Songs in Deutsch, Französisch, Latein und Englisch, mal mit weiblicher, mal männlicher Stimme, mal mit klassischen Folk-Instrumenten, mal mit Synthesizern. "Idilia Dubb" erinnert an Omnia, während andere Songs Ähnlichkeit haben mit Sol Invictus, die ebenfalls beim Label Auerbach Tonträger/Prophecy Productions ein neues Album rausgebracht haben. Hekate beweisen, dass sie auch nach 7 Jahren Pause nichts verlernt haben und die Zeit gut genutzt haben. Auffallend gut sind wie auch schon in den Alben zuvor die Percussion-Arrangements und der Einsatz der melancholischen Folk-Elemente. Dazu kommt, dass die Band neben eigenen Texten Adaptionen klassischer Dichter wie Lord Byron ("Byronic Hero"), Joseph von Eichendorff ("Opportunity Of Time") und Hermann Löns ("Die blaue Blume") aufgenommen hat. Wunderschön ist auch das Wechselspiel zwischen der markanten Stimme von Axel Menz und der lieblichen Stimme von Susanne Grosche, die wunderbar zusammenpassen und sich gegenseitig umschmeicheln. "Die Welt der dunklen Gärten ist definitiv ein gelungenes Album, das in keiner Folk-Sammlung fehlen darf.
Patricia   
Punkte: 7.7 von 10
AIRRACE - Back To The Start
Frontiers Records/Musikvertrieb

Das Debut der Briten liegt schon eine Weile zurück, nämlich 1984. Damals trommelte noch Jason Bonham bei den Hard Rockern um Sänger Keith Murrell. Die Songs pendeln musikalisch so irgendwo zwischen melodiösem Hard Rock und AOR hin und her, und zwar im 80iger-Gewand. Man führt die Linie vom Debut hier konsequent weiter, das heisst ohne grosse musikalische Veränderungen. Des Öfteren werde ich an die alten Domain erinnert. Im Vordergrund steht die Gesangsmelodie, immer gut begleitet von einer meist starken Rhythmus-Gitarre und vielen fetten Chören. Auch das Key/Gitarren-Verhältnis stimmt, so sind die Keys meistens etwas weniger im Vordergrund als die Gitarren, deshalb klingt das Ganze auch etwas rockiger. Ich hab mir das Teil auf der Autobahn bei gemütlichen 180Kmh reingezogen und fand das Ganze eigentlich sehr gut. So richtig Gute-Laune-Rock zum Mitsingen. Ob das sehr melodiöse "Call Me Anytime" mit starkem Keyboard-Rhythmus, das an die Scorpions erinnernde "Two Of A Kind" oder etwa das Survivor-ähnliche "So Long", hier gibt's kaum Ausfälle. Nur "What More Do You Want From Me" flacht mir etwas zu sehr in den AOR-Einheitssumpf ab, ansonsten ist wirklich jeder Song hörenswert. Bedingung ist natürlich die Vorliebe für solche Art von Musik.
Crazy Beat
Punkte: 7.6 von 10
BRIDGER – Bridger
Escape Music/Non Stop Music
Main-man und Namensgeber dieser amerikanischen Formation ist der Gitarrist Glen Bridger. Der Mann spielte in seiner Heimat Kansas in diversen Melodicbands, bevor er nun unter seinem Namen sein Debutalbum Veröffentlichte. Seine Mitstreiter werden mit diversen Grössen des Musikbusiness in Verbindung gebracht, ohne dass man aber einen Namen schon einmal gehört hätte. Somit verbleibt einzig Sänger Terry Ilous, der namentlich hier erwähnt werden soll. Der Vocalist überzeugt voll und ganz mit einer Stimme mit viel Gefühl und Tiefgang und weist durchaus Parallelen zu Jack Russel (Great White) und Eric Martin (Mr. Big) auf. Auch soundtechnisch lassen sich die zwei genannten Bands als Vergleich heranziehen. Das Manko von Bridger ist aber der erzwungene Versuch mit akustischem und/oder balladeskem Material kommerzielle Bereiche zu erschliessen. Das kann durchaus funktionieren, siehe Gotthard, in der Rockszene stösst man damit aber längerfristig mit Sicherheit auf wenig Interesse. Schade, dass es die Truppe mit dem seichten Material übertreibt. Einerseits haben diese Tracks zwar richtig Klasse, andererseits beweist die Truppe aber mit Songs wie "On The Ledge" oder "Gonna Get Better", dass sie auch auf hohem Level richtig abdrücken können. Mit "Heaven And Hell" versuchen sich Glen Bridger und seine Jungs äusserst erfolgreich an einem Black Sabbath-Cover, dass sie als Tribut für Ronnie James Dio aufgenommen haben. Alles in allem ein gutes Album für alle, die sich durch die softe Seite der Band nicht abschrecken lassen.
Chris C.
 
Punkte: 7.5 von 10
CONSFEARACY – Consfearacy
Massacre Records/Musikvertrieb
2009 gründeten Ex-Vicious Rumors-Frontröhre Brian O'Connor sowie The New Black-Gitarrist Fabian Schwarz dieses deutsch–amerikanische Konglomerat und fanden mit Basser Guenter Auschrat (The New Black), Gitarrist Ira Black (Ex-Vicious Rumors, Lizzy Borden, Metal Church) und Drummer Timo Weis relativ schnell kompetente Mitstreiter, mit denen sie ihr selbstbetiteltes Debut aufnehmen konnten. Auch wenn der Stil im Labelwisch als "harte Power/Tech/Thrash Metal-Kombination" beschrieben wird, würde ich das mittig eingesetzte Tech/Thrash mal aussen vor lassen und mich auf das verbleibende Power Metal konzentrieren. Natürlich sind hier und da dezente Thrash-Anleihen auszumachen ("World Domination", "Unbreakable"), aber dennoch dominieren unüberhörbar Einflüsse der eingangs erwähnten ehemaligen bzw. aktuellen Hauptbands, nur gehen dabei Consfearacy (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen, polnischen Band) etwas technischer und vertrackter ans Werk, verzetteln sich aber glücklicherweise nicht in jener Komplexität, die z.B. eine Band wie Nevermore auszeichnet. Trotz aller technischer Raffinesse besitzen die Songs einerseits genug Melodie und Eingängigkeit, um sich schnell im Ohr festzubeissen, andererseits verfügen sie über genügend vielschichtige Details, um aufmerksames Zuhören der schnöden Berieselung vorzuziehen. Hier sind, wer hätte anderes erwartet, echte Könner am Werk, welche den zehn Eigengewächsen, abgesehen von der technischen und kompositorischen Qualität, im bandeigenen Studio unter der Regie von Gitarrist Fabian Schwarz und Sänger Brian O'Connor einen glasklaren, wuchtigen Mix verpasst haben. Ein beeindruckender Einstand, der wieder mal beweist, dass auch leicht kopflastiger Metal richtig Spass machen kann!
Mirko B.
 
Punkte: 7.5 von 10
SSS - Problems To The Answer
Earache Records/Non Stop Music
Leute der älteren Schule, sprich der 80er Jahre, mögen sich sicher noch an die legendären D.R.I., C.O.C. oder die alles umhauenden S.O.D. mit Freude erinnern. Das waren alles U.S.-Kapellen, die Hardcore mit Metalriffs und einen Hauch von Punk mischten. Das Ergebnis war die Sparte Crossover. Tja, und jetzt kommen die Liverpooler von SSS und praktizieren genau solch einen Sound, der dazumals nicht Charterfolge einheimste, aber sich eine feine Community erspielte, ja eine Lebenseinstellung an den Tag legte. Die Platte ist mehrheitlich mit vielen Songs gespickt, genauer gesagt um die 25, die aber nie länger sind als 2 oder 3 Minuten, ja manchmal sogar nur einige Sekunden schnell. Klingen tut das Ganze so: Mehrheitlich schnell wie im Hardcore oder Thrash, dann werden coole Passagen eingebaut, um den Fans eine Verschnaufpause zu gönnen (da wird natürlich gemosht, was das Zeug hält) und die Texte sind sozialkritisch mit viel Satire drin. "Problems To The Answer" ist die dritte Scheibe der Engländer und ist produktionstechnisch auf der Höhe, und auch das Songwriting ist demensprechend gut. Tja Leute, ich denke, dass die ganze Sache vor allem live gut abgehen wird, aber ihr könnt auch getrost mal die Band anchecken und euch euer Urteil bilden. Ist ne coole Sache, mehr aber auch nicht.
Daniel J.  

Punkte:
7.5 von 10
HEADSHOT – Synchronicity
Firefield Records/
Non Stop Music
Thrash Metal steht drauf, also schiebe ich "Synchroncity", das mittlerweile fünfte Langeisen der Deutschen Headshot, ohne Sorgen in die Anlage. Der Opener "Fallen From Grace" klingt aber weniger nach Bay Area als vielmehr nach Götheburg. Melodischer Death Metal, zwar mit einer Prise Thrash versetzt... Aber halt! Was ist das? Singt hier wirklich eine Frau? Daniela Karrer soll die Dame heissen, die frisch hinterm Mikro steht und klingt wie ein Alexi Laiho mit Eiern. Man nimmt es verwundert zur Kenntnis und freut sich, dass bei "In Silence", das auf das schwarzmalerisch angehauchte, dabei trotzdem kultige "Hell Remains" folgt, nun endlich der Thrash die Oberhand gewinnt, wobei man mit dem groovenden "Intensify My Fear" auch schon mal Richtung Soulfly abrutscht. So bewegt man sich zwischen den Genres, schlägt im Titeltrack zuerst weiche Töne an, um nach einem schleppenden Doom-Riff wieder zwischen Melodic/Death und Thrash hin und her zu pendeln. Dazu der Up Tempo-Mosher "State Of The Art", der von einem schreienden Gitarrensolo eingeleitete Stampfer "Sanctuary", das rabiate "Falling Off The Edge Of The World", das wiederum geschwärzte "Agony Of Sickness" mit seinem psychedelischen Gitarrenlicks und das zu guter Letzt noch unverschämt rockende, mit ausser Kontrolle zockenden Gitarren versehene "Control Denied", und fertig ist eine abwechslungsreiche Scheibe, die Thrash Metal lediglich als Ausgangspunkt nimmt. Zwar könnte "Synchronicity" noch etwas straffer daherkommen, den Vorgänger "As Above, As So Below" von 2008 schlagen Headshot damit aber allemal.
Kissi  

Punkte:
7.5 von 10
SUBLIRITUM – A Touch Of Death
Battlegod Productions
Wäre der Drummer nicht bei Keep Of Kalessin, würde man die Band wohl nicht kennen. Das Debut ist schliesslich schon zehn Jahre alt, also schon währen der Post-Kirchenanzünd-Epoche des Black Metals, erschienen. Das Klangbild zeichnet sich durch die sonnenklare Aufnahmen aus, welche die Melodien (abwechselnd getragen von Gitarre und Synthie) durch die standartgemässen Vocals und die treibenden Drums herausklingen lassen. Die vereinzelt eingestreuten cleanen Vocals erinnern an die ursprüngliche Herkunft aus dem Heavy Metal, auch können gewisse Gitarrenleads ihren Ursprung nicht verheimlichen. Somit ist die Mischung mit allem angereichert, was die Kritiker und Szenenpolizisten im Kreis hüpfen lässt: Zum Einen moderner Black Metal mit mächtig viel Reminiszenz an die 90er, zum Anderen die melodiösen Klänge aus dem Keyboard. Während die einen angewidert ausspeien, freuen sich die anderen an einem endlich wieder gutem Melodic/Black Metal-Album. Da ich selber die Band nicht kannte, war ich folglich positiv überrascht, da "A Touch Of Death" genau die richtige Portion von allem findet. Wer ein wenig in Erinnerungen schwelgen möchte, dem kann ich das Album nur empfehlen. Wer allerdings noch Nieten, Leder und Pandalook braucht, um Black Metal zu bekommen, wird hiermit nicht glücklich.
Tristan  

Punkte:
7.5 von 10
ROB MORATTI – Victory
Escape Music/Non Stop Music
Schönes und sehr eingängiges Melodic/Hard Rock-Solo-Album des Final Frontier & Ex-SAGA-Sängers Rob Moratti, bei dem bekannte Künstler wie Reb Beach (Winger/Whitesnake), Tony Franklin (Blue Murder/The Firm) und Brian Doerner (SAGA) mitwirken. In den früher 90ern startete Bob Moratti als Sänger und Songwriter der Band Moratti, um dann anschließend als Frontmann bei Final Frontier die Bühnen dieser Welt zu erobern. 2008 erreichte er als neuer Frontmann bei SAGA einen neuen Höhepunkt und ersetzte dadurch Michael Sadler nach 30 Jahren Bandzugehörigkeit, welcher, wie mittlerweile bekannt ist, zu SAGA wieder zurückgekehrt ist. Produziert wurde das Ganze von Rob Moratti selbst, und abmischen durfte Richard Chyki (Rush/Aerosmith/Gotthard). Moratti bezeichnet "Victory" als sein persönlichstes und bestes Album. Rob Moratti überzeugt mit 11 Liedern und einem guten Mix aus rockigen, melodischen Mid Tempo-Nummern, wie man sie von Journey oder Foreigner kennt.
Liane P.
  
Punkte:
7.5 von 10
JOHN WETTON - Raised In Captivity
Frontiers Records/Musikvertrieb
John Wetton, der inzwischen über 60ig-jährige Engländer, der sich musikalisch in Bands ausgetobt hat wie Uriah Heep, King Crimson, Wishbone Ash, Icon und natürlich Asia. Mit denen hat er rund 13 Alben veröffentlicht. Im Ganzen war John an über hundert Alben mit beteiligt, an eben unzähligen Bands und Projekten. Hat mit Musikern wie Ken Hensley, Robert Fripp, Bryan Ferry, Steve Hacket, Martin Orford, Lana Lane, Cher, Roger Chapman und vielen mehr gearbeitet. Nun beehrt uns der Engländer mit seinem achten Solo-Werk. Geboten werden elf Songs, die mich irgendwie immer etwas an Asia erinnern. Gut kommt der flotte Opener "Lost For Words" mit Steve Morse an der Gitarre, oder das Chorus-starke "New Star Rising" mit Mike Box an der Klampfe. Auch das ruhige, sehr schöne "Mighty Rivers", das John im Duett mit Anneke Van Giersbergen singt. Oder der saugeile Refrain in "Goodbye Elsinore", frisst sich sofort im Gehirn fest. Sonst rockt man eher gemächlich ohne grosse Überraschung durch "Raised In Captivity". Das Ganze würde ich im AOR-Bereich einordnen, in dem Wetton sich sehr wohl zu fühlen scheint, seine Stimme gefällt ganz gut, nur sind mir die Gesangslinien zum Teil etwas zu durchschaubar und vorhersehbar. "RIC" ist beileibe kein schlechtes Album und macht auch Spass beim Durchhören, man kann sehr schnell die meisten Melodien mitsingen. AOR-Fans könnten Gefallen finden an diesem Rundling.
Crazy Beat   

Punkte:
7.5 von 10
HAEMORRHAGE – Hospital Carnage
Relapse Records/
Non Stop Music
Haemorrhage aus Spanien dürften den meisten Underground-Szenekennern ein Begriff sein, sind die 5 Madrilenen doch nun schon seit 1990 aktiv. In den letzten Jahren hatten sie sich allerdings etwas rar gemacht, was dem hier vorliegenden neuen Album "Hospital Carnage" eventuell nochmals zu Gute gekommen ist. 15 neuen Blastorgien mit dazugehörigem Vokabular aus medizinischen Lehrbüchern. Auch 2011 ist der grösste Einfluss bei Haemorrhage immer noch deutlich zu hören. Richtig, ihr habt es schon erahnt: Carcass. "Hospital Carnage" klingt in weiten Teilen wir ein "Symphonies Of Sickness"-Tribute Album, jedoch mit gelegentlichen Anleihen an diverse Autopsy-Stilmittel. Wie dem aber auch sei. Das Ganze ist so gut gemacht und brilliert nicht zuletzt wegen der überzeugenden Vocals , so dass die 15 Songs bzw. Gurgelattacken wirklich ausgesprochen flüssig in die gefolterten Gehörgänge wandern. Blastbeast, Grindcore, Stumpfpunk/Crustangriffe und so weiter sind mit viel Witz und Humor in sehr abwechlungsreiche Soundcollagen eingepackt, welche durch ein paar wenige Gitarrensoli ab und an aufgelockert werden. Neu erfunden wird hier nix, auch gibt es keine Innovationen. Dies ist aber angesichts der wirklich saugeilen Songs auch völlig egal. CD rein, grinden, pogen, Spass haben, saufen, kiffen... Eben gemäss Brutal Truth's Wahlspruch: "Smoke...Grind...Sleep..."
Ralf W.G.  

Punkte:
7.5 von 10
KILMARA – Don’t Fear The Wolve
Rising Records
Wer sich schon immer gefragt hat, was Ex-Helloween-Gitarrist und Masterplan-Cheffe Roland Grapow sonst noch so treibt, der erhält mit dieser Scheibe die Antwort: Er produziert gute Heavy Metal-Bands wie die Spanier Kilmara. Und wie von diesem Profi erwartet, überzeugen hier sowohl Sound wie auch die Songs. Auf "Don’t Fear The Wolve" kriegt der Fan das, was man sich als klassischer Heavy Metal vorstellen darf. Und dies in der ganzen Sparte von zuckersüss bis episch und ritterlich gerumpelt, so dass die eiserne Jungfrau ihre wahre Freude daran hätte. Sänger Christian Wolfgang Kohl erinnert mit seiner speziellen Stimme leicht an unsere heimischen Jungspunde Sin Starlett. Wer Ohrwürmer sucht, findet diese nach ein paar Durchläufen in "Vampire Of Love" oder in der im Duett gesungenen Ballade "You Left Without A Reason". Hoch anzurechnen ist Kilmara der Hang, in die Gitarrengewitter immer wieder ruhige Momente einzubauen, was die Ohren ungemein entspannt. "Don’t Fear The Wolve" wird wohl nie einen Klassiker-Status erhalten. Dafür fehlt es trotz hochklassigen Arrangements am letzten Biss. Die Scheibe ist aber ein Zeugnis für eine lebendige Szene. Underground-Freaks werden ihre wahre Freude daran haben. Und die, die es noch werden wollen, können ruhig ein Ohr riskieren.
Roger W. 

Punkte:
7.5 von 10
IF ONLY – No Bed Of Roses (Re-Release)
Avenue Of Allies Music
If Only war eine Melodic/Hard Rock-Band, die es leider nur auf diesen einen Output brachte. Schon der Aufnahmeprozess verzögerte sich immer wieder. So konnte das Album erst zwei Jahre nach Beginn der Arbeit 1992 in Japan veröffentlicht werden, zwei weitere Jahre später in Europa. Die Truppe formierte sich um Songwriter und Gitarrist Greg Hart und seine Kumpels von der Band Moritz. Ergänzt wurde die Formation mit der Sängerin Lorraine Bennington, die If Only aber bereits nach einem einzigen Gig wieder verliess. Ersatz wurde in der ehemaligen Girlschool-Frontfrau Jackie Bodimead gefunden. Doch kaum waren die Aufnahmen im Kasten verliess auch diese Frontfrau die Band. Ein weiteres Mal wurde ein weiblicher Ersatz gefunden. Mit Tina Egan wurden die Songs neu aufgenommen. Leider ging das Album im Zuge der aufkeimenden Grunge-Welle komplett unter, und die Band trennte sich. Greg Hart reformierte unlängst seine alte Truppe Moritz und veröffentlichte mit "Undivided" ein erstes Album. "No Bed Of Roses" wurde nun in erster Linie als Erinnerung an Tina Egan wiederveröffentlicht, denn diese verstarb leider im Jahr 1999. Wer das Original nicht schon besitzt, sollte hier kompromisslos zugreifen. Auf der Scheibe wird nämlich alles geboten, was in den 80ern angesagt war: Sleazy Rock-Songs mit Knaller Refrains, Melodic-Tracks mit Melodien für die Ewigkeit, knackige Hard Rock-Tracks und Gänsehaut-Balladen. Das grösste Highlight sind aber definitiv die Vocals von Tina. Da sind selbst Lita Ford und Lee Aaron nicht besser. Die Scheibe wurde mit fünf Bonustracks ergänzt, vier davon mit Jackie Bodimead am Mikro und einer Live-Aufnahme, ebenfalls mit Tina. Hätte diese Band damals nicht so viel Pech gehabt, wäre "No Bed Of Roses" heute mit Sicherheit ein Klassiker.
Chris C.  

Punkte: keine Wertung
BEYOND THE VORTEX - One
Non Stop Music
Beyond The Vortex sind 2010 aus der Asche der Zürcher Band Timor auferstanden und beeindrucken mit ihrem in Eigenregie aufgenommenen Debutalbum zutiefst! Im Gegensatz zu Toblerone und Ricola ist der Mix aus melodischem Death Metal und Hardcore zwar keine Schweizer Erfindung, aber die Jungs von Beyond The Vortex interpretieren diesen Sound auf ihre eigene Weise. Sehr viel Melodie, unzählige Breaks, Hardcore- und Thrash-Riffing, doppelläufige Leads, drumtechnische Kabinettstückchen ohne Ende und das Ganze mit chirurgischer Präzision eingespielt und mit der Durchschlagskraft einer Panzerfaust abgemischt, diese CD lässt kaum Wünsche offen und beeindruckt durch die Ausgereiftheit und Komplexität der Kompositionen. Glücklicherweise gelingt es selbst Brüllwürfel Lukas Villiger, nicht in monoton nivelliertem Geshoute zu verharren, sondern die Variationen seiner Stimme optimal einzufügen und damit Akzente zu setzen, zudem konnten mit Ivan Strimer (Taste Of Tears) und Marc Reichen (Minsk Security) zwei wertige Gastsänger verpflichtet werden, mit deren Beitrag man das eh schon hochwertige Songmaterial noch weiter veredeln konnte. Track für Track knüppeln sich Beyond The Vortex durch beinharte Songs. Selbst das für ihre Verhältnisse relativ ruhige Instrumental Passing Embers verschafft den Ohren bloss eine kurze, trügerische Verschnaufpause, das Energielevel wird über die ganze Laufzeit hinweg hoch gehalten. Dass sich dabei die Band nicht in sinnlosem Brutalo-Geknüppel und Blastbeat-Overkill verirrt, sondern gekonnt weiss, wann es Zeit ist, den Fuss ab dem Gaspedal zu nehmen, spricht für die kompositorischen Fähigkeiten der Jungs. Dieses feine Gespür für packende Grooves und treffsichere Harmonien macht dieses Album selbst für solche Metalfreaks interessant, die schon beim blossen Hören des Wortes Metalcore Ausschläge bekommen. Eine solide, beeindruckende Darbietung, erst recht für ein Debutalbum. Daumen hoch!
Mirko B.
 
Punkte:
7.4 von 10
BLOODSTAINED GROUND - The Human Parasite
Quam Libet Records/Non Stop Music
Na, wenn es mit der Schweizer Thrash und Death Metal-Szene so weitergeht, dann brauchen wir bald keine internationalen Acts mehr. Nach vier Jahren Existenz und einer selbstbetitelten EP führen uns 2011 Bloodstained Ground vor, wie man Melodic/Death in der Tradition der Göteborger Schule auch in der Schweiz gekonnt zelebrieren kann. Nach einem kurzen, düsteren Keyboard-Intro eröffnen sich dem Hörer zehn angenehm melodische und abwechslungsreiche Death Metal-Geschosse (das Interludium "Eos" nicht mit einberechnet), welche dank der richtigen Balance aus Geknüppel, Blastbeats und sporadisch eingebauten atmosphärischen Parts zu überraschen und gefallen wissen. Vocal–Chamäleon Roger Rüfenacht gelingt dabei das Kunststück, seine Texte immer gut verständlich vorzutragen, egal, ob er nun im tiefen Keller growlt, mit derben Thrash-Vocals daherkommt oder hardcoremässig screamt. Dabei bewegen sich die Songinhalte weitab von der sonst so beliebten Kriegs- und Splatter-Thematik, denn es geht primär um Themen wie menschliche Verzweiflung, unseren Drang zur Selbstzerstörung oder auch um ganz harte Fakten wie das durch rote Schlächter verübte Tian'anmen-Massaker in Peking am 3. Und 4. Juni 1989 ("Eos"/"Army Of Devastation"). Musikalisch folgt man dem Beispiel von Szenegrössen wie Dark Tranquillity oder In Flames und liefert dabei kompositorisch wie auch technisch eine wirklich gute Leistung ab. Das Verhältnis zwischen ruhigen Klängen und brutalen Phonattacken ist gut gewählt, das Album weist weder Durchhänger noch schwerwiegende Schwachstellen auf. Bloodstained Ground erfinden somit das Melodic/Death Metal-Rad bei Weitem nicht neu, aber was sie machen, machen sie gut. Das düstere, stimmige Artwork und die klare, druckvolle Produktion tun ihr Übriges dazu, dass ich mit gutem Gewissen diese solide Scheibe jedem Death Metal-Fan zur Hörprobe empfehlen kann.
Mirko B.
 
Punkte:
7.3 von 10
DANI W. SCHMID - Startup!
Dani Records/Eigenvertrieb
Mit reinen Instrumentalalben tue ich mich immer etwas schwer, so sehr sie mir auch immer gefallen. Auf der einen Seite ist da die technische Brillanz, mit welcher der Bündner Dani W. Schmid seine 14 Eigenkompositionen komplett als Einmannband im eigenen Studio eingespielt hat. Auf der anderen Seite ist da das Bewusstsein darüber, dass solche Platten in der Regel nur eine kleine Randgruppe wirklich ansprechen, welche in der Regel selbst vorwiegend aus Gitarristen besteht, und natürlich auch aus anderen Musikern, aber Otto Normalheadbanger steht doch eher auf komplette Bands mit Sänger. Nichts desto trotz liefert Dani W. Schmid auf seinem ersten Longplayer unter eigener Flagge eine beeindruckende Leistung ab, und zwar als Komponist wie auch als technisch versierter Gitarrist. Zum Glück – auf den Hörer und ihn selbst bezogen – war dabei Dani W. Schmid intelligent genug, nicht beweisen zu wollen, wie viele Anschläge er pro Millisekunde spielen kann, sondern sich auf songdienliche Ideen zu konzentrieren. So ist auf "Startup!" für jeden Gitarrenfreak was dabei, egal, ob er nun auf Satriani, Vai, Morse oder Macalpine steht. Die Palette reicht demgemäss von der hohen Kunst des Schredderns über flotte Rocker und Blueser bis hin zu sphärischen und ruhigen Klängen. Natürlich beweist uns der Bündner Solokünstler auf dieser CD, wie gut er seine Sechssaitige beherrscht, aber er tut es mit viel Herz und Bauchgefühl und schenkt uns auf diese Weise einen Silberling, der sich gut anhört und hervorragend zu längeren Autofahrten passt. Es bleibt die Hoffnung, dass er für künftige Projekte unter eigenem Namen noch eine technisch ebenbürtige Rhythmustruppe findet, das wäre noch die berühmte Kirsche auf der eh schon leckeren Torte. Wie auch immer: Sicher nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt's, und der erst fünfundzwanzigjährige Kerl kommt dazu noch ganz sympathisch rüber. Gute Musik für geschmackssichere Gourmets.
Mirko B.
  
Punkte:
7.2 von 10
SOL INVICTUS – The Cruellest Month
Prophecy Productions/Non Stop Music
Sol Invictus gehören seit 25 Jahren zum Urgestein des Apocalyptic Folk. Wunderbar düstere Vocals mit den klassischen Folk-Instrumenten machen die Musik dieser Band unverkennbar. Nachdem Tony Wakeford, Herz und Seele der Kombo, sich vor ein paar Jahren des 'morschen Holzes in der Band' entledigte, blieb nicht mehr viel von der ursprünglichen Truppe übrig. Eigentlich sollte das 2005 erschienene Album "The Devil's Steed" dann auch das letzte Projekt von Sol Invictus werden. Doch nach einer Pause von 6 Jahren und einem Vertrag mit Auerbach Tonträger/Prophecy Productions melden sich Sol Invictus 2008 mit ihrer neuen Single "The Bad Luck Bird" zurück. Der Song hat es in veränderter Form auch aufs Album geschafft. Wakeford hat sich für sein neustes Projekt mit Andrew King ein besonders starkes Zugpferd ins Team geholt. So erinnern einige Titel denn auch eher an King‘s Soloprojekt ("Edward", "Sailor's Aria"), doch gibt es auch viele Stücke, die beinahe nahtlos an die alten Sachen anknüpfen. Im Mittelpunkt steht wie immer Wakefords ausdrucksstarke Stimme, die dem Ganzen seinen persönlichen Stempel aufdrückt. Einen Stempel, den man entweder als charmant wunderlich oder absurd schräg empfinden kann – Folk Noir ist nun mal nicht jedermanns Ding. Das Album ist eine kompakte Sache, eigentlich nie langweilig und überrascht immer wieder mal mit kleinen Experimenten. So erinnert "Toys" stark ans Cabaret, während "Fool's Ship" ein nicht ganz so typisches Seemannslied sein will. Allerdings wird die Qualität der Aufnahme dem Werk nicht gerecht – Wakefords schaurig-schöne Vocals und die an sich starke Gitarre verlieren sich im Hintergrund und hinterlassen das unbefriedigende Gefühl, dass man da noch mehr hätte rausholen können. Alles in Allem ist es ein gelungenes Comeback-Album, das Fans des Neo Folk begeistern wird. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall!
Patricia
 
Punkte:
7.1 von 10
SKOLD - Anomie
Metropolis Records
Tim Skold ist es, der hinter dieser Veröffentlichung steckt. Er war bereits bei Shotgun Messiah, Marilyn Manson und KMFDM aktiv und bringt mit "Anomie" sein 3. Solo-Album raus, auf das man 15 Jahre hat warten müssen. Nach diesem Background weiss man natürlich, wie Industrial Rock funktioniert, und einen Mix aus dieser Vergangenheit findet man in "Anomie" wieder. Tim Skold kann endlich tun und lassen, was er will. Keine Band und kein Druck im Nacken, allen Gerecht werden zu müssen. Das Album mag zwar gut produziert sein, und aufgrund dessen, dass Tim Scold ein alter Hase im Geschäft ist, konnte er seine gesammelte Erfahrung hier gut ausleben. Am Ende bleibt für mich allerdings nur ein ganz gewöhnliches Industrial Rock-Album übrig. Nichts, was die Welt oder mich auf den Kopf stellen wird oder begeistern kann.
Liane P. 

Punkte:
7.0 von 10
MY PASSION – Inside This Machine
Spinefarm Records/Musikvertrieb
Nun gut, der Bandname ist recht banal, muss ich sagen. Hätte man da nicht etwas kreativer sein können? Was die Musiker aus England angeht so bewegt man sich zwischen Alternative Rock, Pop, Punk, Industrial und Electro. Mit dem aktuellen Release "Inside This Machine" kommen sie ein wenig härter und aggressiver rüber als noch auf dem im Jahre 2009 erschienene Debut-Album "Corporate Flesh Party". Insgesamt eine Mischung, die man bis anhin auch nicht gerade das erste Mal gehört hat. In Grossbritannien werden sie bereits hoch gelobt und heiss gehandelt. Das auf modern getrimmte, edle 80er Dark Wave-Outfit kommt bestimmt auch gut bei den weiblichen Anhängern an. Eingeleitet wird das Album durch fast 2 Minuten Maschinen-Geräusch. Danach folgen 13 Songs, die mich an einen Mix aus Depeche Mode und Marilyn Manson erinnern. Mit einer Geschichte, wie sie Herr Devin Townsend erzählt, welche Hand und Fuss hat, kann man mich eben doch mehr begeistern.
Liane P.
 
Punkte:
7.0 von 10
STONELAKE – Marching Of Timeless Tales
Massacre Records/Musikvertrieb

Die Schweden sind bekannt dafür, dass sie griffigen Hard Rock schreiben und spielen können. Das hört man auch dieser Scheibe von Stonelake an. Allerdings sind die Herren weit davon entfernt, mit ihrem fünften Album im Fahrwasser von Talisman, Treat oder Europe zu schippern und nehmen dabei schon gar nicht die Virtuosität von Yngwie Malmsteen an. Stonelake sitzen irgendwie zwischen Stuhl und Bank und versuchen ihren griffigen Songs einen leicht progressiven Mantel anzulegen. Das passt zumindest in meinen Augen nicht immer. Auch mit den Tempowechseln ("Red Canyon") verzettelt sich der Fünfer mehr, als dass der Track hängen bleibt. Selbst ein guter Ansatz wie das schnelle "Liar" kann nicht halten, was der Einstieg verspricht. Dabei schreit sich Peter Grundström die Kehle aus dem Hals, erreicht aber leider nicht das Ziel(-publikum) mit seinen Songs. Es ist alles handwerklich sehr gut eingetütet, aber es bleibt zu wenig hängen. Gute Tracks zu schreiben, die dann auch noch nachhaltig sind, ist nicht einfach...
Tinu 
Punkte: 7.0 von 10
GEORGE LYNCH - Kill All Control
Ear Music/Phonag
George Lynch, diesen Mann kennt man vor allem durch Bands wie Dokken oder Lynch Mob, mit denen er grosse Erfolge feiern konnte. Doch er veröffentlich seit 1993 mehr oder weniger regelmässig Solo-Alben, die besonders bei Kennern gefragt sind. Nach "Orchestral Mayhem" (2010) folgt nun mit "Kill All Control" ein solides Werk, auf welchem Grössen wie Keith St.John (Montrose, Burning Rain), Will Martin (Earshot), Marq Torien (Bulletboys) und Fred Coury (Cinderella) als Gastmusiker mitgewirkt haben. Die Musik auf dieser CD lebt und atmet von der Lynch Mob-Atmosphäre und tritt mit Songs wie "Wicked Witch" reihenweise in Ärsche. Zwischendurch hört man auch ein wenig Dokken heraus, doch das verwundert natürlich nicht, sondern ist ganz gut so! "Kill All Control" macht wirklich Spass, vor allem für Gitarristen ist es sicher ein sehr spannendes Werk, da es trotz starker Vocals im Grunde ein Gitarren-Album ist. Reinhören lohnt sich hier allemal!
Maiya R.B.
  
Punkte: 7.0 von 10
CORPUS CHRISTII – Luciferian Frequencies
Candlelight Records/Irascible
Mit einiger Freude habe ich mich auf die neue Scheibe der Portugiesen gestürzt, habe ich mir doch true Songs wie damals mit "Soaked In Your Blood" gewünscht. Nun, handzahm sind die Herren nach wie vor nicht. Nocturnus Horrendus schreit sich die Seele aus dem Leib, während Menthor sein Kit verprügelt wie am jüngsten Tag. Soweit also nichts Neues, aber: "Crystal Glaze Foundation" allerspätestens enthüllt Blut aus Nord'sche Dissonanzen und Songstrukturen. So auch bei "Picatrix" oder "Deliver Of Light", ja eigentlich beim ganzen Album. Der typische, leicht verwaschene Sound hat mehr Tiefe gekriegt, man hört die einzelnen Spuren auseinander und die beiden Satansjünger toben sich mit den neuen Möglichkeiten aus. Mit dem Inhalt habe ich mich zu wenig auseinander gesetzt, aber Titel wie "In The Rivers Of Red" brauchen nicht erklärt zu werden. Ein böses, orthodoxes Stück Black Metal, gespickt mit diversen kleinen Einschüben und einer Stimme, die dem Album einen grossen Wiedererkennungswert gibt. Wem das letzte Werk von Arckanum gefallen hat, dem werden die "Luciferian Frequencies" die Steigerung bieten.
Tristan
  
Punkte: 7.0 von 10
JUNGLE ROT – Kill On Command
Victory Records
Jungle Rot aus den USA sind nun schon seit langer Zeit im Underground aktiv und stellen 2011 ihr bereits sechstes Album vor. Mittlerweile bei Victory Records unter Vertrag bieten die 4 Amerikaner wie bereits auf dem sauguten Vorgänger "What Horrors Await" traditionellen, groovigen Death Metal mit leichter Thrash-Schlagseite. Einfach gestrickte Songs mit völlig nachvollziehbaren Arrangements und Riffs, welche aber nie die nötige Härte vermissen lassen. Oft erinnert das Ganze an Six Feet Under, nur mit dem grossen Unterschied, dass Jungle Rot immer noch sehr frisch und unverbraucht klingen und dementsprechend in der gesamten Wirkung die Nase vorne haben. Wirklich sehr ansprechender, sehr gut gemachter traditioneller Death Metal mit Einflüssen von Obituary, Six Feet Under und, ja, auch Sodom, der unter Garantie weitere Interessenten begeistern wird. Meiner Ansicht nach nicht ganz so stark wie der bereits erwähnte Vorgänger, aber immer noch eine echte Death Metal-Keule "im alten Sinn", welche für alle Lebenssituationen geeignet ist.
Ralf W.G.  

Punkte: 7.0 von 10
CROW'S FLIGHT – The Calm Before
Eigenvertrieb
Die Wurzeln von Crow's Flight gehen zurück auf das Jahr 2008. Damals trafen sich der Leadsänger der Schweizer Band Medusa's Child sowie der Leadgitarrist der Finnischen Band von Crow's Flight und dachten über eine Zusammenarbeit nach. Mit drei weiteren Finnen an Bord wurde kurzerhand eine EP aufgenommen. Mit Hiili Hiilesmaa fürs Engineering sowie Svante Forsbäck fürs Mastering konnten zudem zwei hochkarätige Leute verpflichtet werden, die beide schon grosse Erfolge mit Bands wie HIM, Apocalyptica, Sentenced oder Rammstein aufweisen können. Die Voraussetzungen für ein gutes Debutalbum namens "The Calm Before" waren also geschaffen, und los ging's. Was erwartet uns nun auf "The Calm Before"? Es ist Melodic Metal in seiner ureigenen Art mit guten Melodien, einer tollen Stimme, untermauert mit choralen Passagen, ein Drumming, das eher simpel wirkt und ein Keyboard, das sein eigenes Bild dazu gibt. Gerade "Crow's Flight", das sehr abwechslungsreiche "Gabriel" oder das sehr druckvolle "Run By The Fallen" können in dieser Beziehung überzeugen. Dazwischen muss ich aber sagen, dass ich des öftern gähnen musste. Die Songs sind so sehr im Mid Tempo angesiedelt, dass es ein wenig langweilig wirkt. Wenn dann noch Balladen vor Kitsch und Klischees triefen ("Farewell For You"), wird's wirklich zu viel des Guten. Das Album ist absolut nicht schlecht. Die Voraussetzungen für ein Klassealbum wurden aber leider nicht ausgeschöpft. Mehr Druck, mehr Power, mehr Abwechslung hätte "The Calm Before" sehr gut getan. Leider die Chance nicht genutzt. Vielleicht klappt's ja beim nächsten Mal.
Timo K.  

Punkte: 7.0 von 10
DEVIANT SYNDROME- Inflicted Deviations
MDD Music/Max Music
Metal(l) aus Russland, von dem habe ich seit dem Ende der Rüstungsindustrie der Sowjetunion nichts mehr gehört. Umso gespanter bin ich auf das Debut-Release der 2005 gegründeten Deviant Syndrome. Mit "Inflicted Deviations" zeigen die Russen, dass sie, um Vergleichbares herzuziehen, eine gesunde Mischung aus Heaven Shall Burn und Children Of Bodom sind. Hiert trifft sich Melodie mit härte und schnelligkeit. Technisch sind die Putinianer grundsolide, vor allem die Soli stechen immer wieder hervor. Man merkt dem Album an, dass sich die Herren sichtlich Mühe gegeben haben, einen Gradmesser als ersten Release zu veröffentlichen. Die Produktion ist überaschend gut, überraschend daher, dass ich über den Produzenten rein gar nichts in Erfahrung bringen konnte. Ein fader Nachgeschmack bleibt, und zwar fehlen eingängige Riffs oder gar ganze Hitsongs, die man den ganzen Tag nicht mehr aus dem Gehörgang kriegt.
Steve Butcher

Punkte: 6.6 von 10
MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus
Seasons of Mist/Irascible
Ich bin so enttäuscht von diesem Album, dass ich es kaum in Worte fassen kann... Morbid Angel standen einst für kranke, abgründige Songs, die dich an den dunkelsten Ecken deiner Seele packten und deinen Geist mit den verworrenen Riffgebirgen, dem ungestümen Drumming und den kranken Soli malträtierten. Acht Jahre nach "Heretic" besetzt wieder David Vincent den Frontposten und marschiert an der Spitze einer sichtlich gewandelten (gealterten?) Band gen neue Gestaden. "Illud Divinum Insanus" ist beileibe nicht schlecht, und das tragende, positive Element ist unverkennbar Vincent's eindringliches Organ, aber ansonsten sind Morbid Angel anno 2011 einfach nicht mehr dieselben. Die Songs haben zum Teil einen martialischen, elektronischen Industrialeinschlag, irgendwo zwischen Rammstein und Marilyn Manson, und sind so gut, dass die dazwischen geschobenen Echt-Instrumental-Tracks irgendwie keinen Pfifferling mehr wert sind. Wie schon beim letzten Nevermore-Album gibt es zudem nervige, auf Livesituationen zugeschnittene Shouts für die Fans oder zerfahrene, langatmige Lückenfüllerpassagen... Die Produktion ist zwar satt und dann und wann schimmert doch noch was vom alten Spirit durch, aber es sind einfach nicht mehr 'meine' Morbid Angel. Und auch wenn Tim Yeung ein guter Knüppler sein mag, Pete 'Commando' Sandoval wird schmerzlichst vermisst... Neuhörer sollten sich ein unvoreingenommenes Ohr voll gönnen, Altfans testen auf eigene Gefahr.
Hardy  

Punkte: 6.5 von 10
THE HUMAN ABSTRACT - Digital Veil
Steamhammer/SPV
The Human Abstract aus Los Angeles wurden im Zuge der Djent/Progballer-Welle der letzten Jahre nach oben geschwemmt, "Digital Veil" stellt dabei ihr drittes Album dar. Bereits beim flächigen Opener "Elagic" und dem tighten "Complex Terms" wird klar, was uns hier erwartet: modern glatter Metal, hochpoliert und runtergestimmt. Drums und Rhythmus-Gitarren treiben die alte Fear Factory-Formel zu neuen Horizonten, ungerade Taktarten gehen bei der Band mit hübscher Regelmässigkeit ein und aus, die Vocals schwanken zwischen Gift & Galle speiend und betörend choral, und die Produktion wurde digital um den einen oder anderen entscheidenden Faktor erweitert. Klarer Fall, die Zutaten sitzen und der moderne Markt hat sich gefälligst warm anzuziehen. Dass bei all der Detailbastlerei der Blick aufs grosse Ganze schnell mal vergessen geht, ist hingegen kein neumodisches Phänomen, und auch The Human Abstract lassen sich hierbei ertappen: Die acht Songs/36 Minuten sind nicht nur etwas gar wenig Mucke für eine komplette Scheibe – die Songs preschen auch oftmals einfach am Ziel vorbei und rammen mit übereiligem Gefrickel jegliche gerade eben mühsam kreierte Stimmung in Grund und Boden. Effektvoll, aber auf die Dauer nervend. Übrig bleibt ein Album, das sich über weite Strecken musikalisch hyperaktiv, aber auch mindestens so chaotisch verhält. Ich wiederhole mich gerne noch mal: Durchatmen, ein paar Schritte zurück, den Fokus aufs grosse Ganze richten. So komplex ist's ja gar nicht, gell? Eben, gern geschehen. Und da ihr jetzt wisst, wie's geht, könnt ihr das auch nächstes Mal einsetzen?
El Muerte 

Punkte: 6.5 von 10
ALYSON AVENUE - Changes
Avenue Of Allies Music
Von dieser schwedischen AOR-Combo hätte man kaum bis gar nichts wahr genommen, wenn da nicht 2007 eine gewisse Anette Blyckert die Nachfolge von Tarja Turunen bei Nightwish angetreten hätte! Meine Wenigkeit zumindest hatte nie eine Notiz von den beiden ersten Alben "Presence Of Mind" (2000) und "Omega" (2004) genommen. Im Sommer 2008 hatten sich die restlich Bandmembers nach gut zweijährigem Unterbruch dazu entschlossen, mit einer neuen Frontfrau weiter zu machen. Diese wurde im Frühling 2009 in der Person von Arabella Vitanc gefunden. Weitere zwei Jahre später steht nun die dritte Langrille mit dem Titel "Changes" in den Startlöchern. Mit einigen Gästen wie der ehemaligen Kollegin Anette Olzon (dies ist ihr lediger Nachname), Michael Bormann (Ex-Jaded Heart, Biss), Rob Marcello (Danger Danger) und noch ein paar weiteren Helfern war die Ausgangslage auf dem Papier zunächst ganz gut. Herausgekommen ist allerdings nicht gerade das, was man hätte erwarten können. Das Ganze klingt viel zu harm- wie belanglos und besitzt kaum Biss! Nur zeitweilen, wie beim Opener "Liar" oder meinem Fave "Fallen", tauchen Elemente auf, die zu gefallen vermögen. Als zweiten Song zudem gleich das etwas schwülstige Duett "Will I Make Love" mit Herrn Bormann zu bringen ist jedoch keine gute Wahl. Ansonsten regiert hier überwiegend nicht zu harter AOR mit Anleihen zu Lee Aaron's 87er-Zeiten, Heart, Chrissy Steele oder Saraya, ohne aber deren geile Hooks zu erreichen. Es wird jedoch sicher Leute geben, die zum Beispiel der schwer nach 80er klingenen Nummer "Amazing Days" mit Europe-Anleihen etwas abgewinnen können. Retro-Fans werden das Teil eh mögen, derweil ich nichts höre, was mich wirklich vom Hocker haut, da alles schon längst mehrfach und deutlich besser unter die Leute gebracht wurde. Singen kann das Mädel aber schon, keine Frage, und es liegt nicht an ihr, sondern an den insgesamt zu schwachen Songs, die überwiegend ziemlich cheesy (wie "I'll Cry For You","Somewhere" und "Always Keep On Loving You") daher kommen.
Rockslave  

Punkte: 6.5 von 10
SOREHEAD - Infect
Twilight/Non Stop Music
Hach, wieder Metalcore. Vollkommen unvoreingenommen mache ich mich auf, die künstlerischen Gefielde von den jungen Sorehead aus Österreich zu erkunden. Und wie es so ist mit der Butcher'schen Intuition, wurde ich überrascht. Ich habe mich schon darauf eingestellt, den typischen Einheitsbrei von studentenausweis besitzenden, jungen, nicht zum Aufhören zu bringenden Metalcorler einverleiben zu müssen. Doch schon das Einstiegsriff lässt aufhorchen und lädt ein auf ein genüssliches Metalcoreübel. Die Voralberger orientieren sich stark an alten Grössen und mögen dadurch zu überzeugen, dass sie sich nicht zu schade sind, sich auf die eigenen Stärken zu beschränken. Auch nach mehrmaligem Hören ist man nicht dazu geneigt, sich eine im Brennofen aufgeglühte Nadel ins Ohr zu stecken.  Wirkliche AHA-Erlebnisse beim Riffing bleiben aus, die Stärken liegen ganz klar im Rhythmusbereich. Einzelne Songs hervorzuheben macht keinen Sinn, da der wirkliche Über-Song wohl noch warten muss, geschrieben zu werden. Aber diese Zeit darf man Sorehead durchaus geben.
Steve Butcher

Punkte: 6.5 von 10
BEYOND THE DREAM – In The Heart Of Nothing
Firebox/Non Stop Music
So, nun zu unserem heiteren Ratespiel für diesen Monat: Was ist ein essentieller Bestandteil aller Rock- und Metal-Songs und kann, wenn falsch verwendet, jegliches Hörvergnügen komplett pulverisieren? Klar, ist doch logisch: die Vocals! So, genug der Schulstunde für heute, dieses Grundwissen sollte eh so ganz langsam im Bewusstsein der Allgemeinheit verankert sein. Grundsätzlich machen Beyond The Dream eigentlich alles richtig: Sie haben mehrfach deutbare Texte, auch wenn gewisse Titel wie "Death, I Am Death" oder "Heart-Shaped Cemetery" gar lächerlich wirken, sie wissen, wie man ordentlich spielt, bauen abwechslungsreiche Elemente ein und lockern somit die gesamte Situation so auf, dass man nicht in Versuchung kommt, die Band schubladisieren zu wollen. So, langer Satz und nun kurze Ergänzung: Die Stimme ist, nun ja, unpassend wäre das passende Wort. Sie ist nicht schlecht, aber für diese Art von Sound wäre eine cleanere sowie variablere Stimme eindeutig besser gewesen. So versinkt nun leider das wirklich gute Soundkleid in den ach so bösen, teilweise verzerrten Vocals und kommt nur nebenbei so richtig zum Zug. Wie gesagt, im Prinzip eine gute Sache, aber der Sänger ist fehlplaziert. Kann man hören, muss man aber nicht.
Toby S. 

Punkte: 6.5 von 10
EARTH CRISIS - Neutralize The Threat
Century Media/EMI
Heiteres Rätselraten: Wie könnte sich die Mucke einer New Yorker Combo anhören, die seit 1989 für die Rechte der Tiere, Straight Edge und den veganischen Lebenstil einsteht? Richtig, Hardcore heisst die Devise. Und weil die Band von 2001 bis 2007 inaktiv war, kann ich's noch nicht mal auf das Quintett schieben: Die Jungs haben den stilistischen Anschluss verpasst - oder bleiben ihrem Sound treu, je nach Sichtweise. "Neutralize The Threat" feuert aus allen Rohren, Brettgitarren treffen auf tonnenschwere Drums und es wird geshoutet, was die Stimmbänder hergeben – für Szeneliebhaber ziemlich sicher ein Schmankerl, für mich bereits ab dem zweiten Song vorhersehbar und ermüdend. Der Vergleich zum kultigen Backkatalog der Formation hinkt dann auch etwas hinterher, ein frischer Wind hätte dieser Platte sicherlich gut getan – alles in allem ein leider sehr durchschnittliches Album, auch wenn die Sache ordentlich knallt.
El Muerte  

Punkte: 6.5 von 10
OMEGA LITHIUM – Kinetik
Drakkar Entertainment/Musikvertrieb
Omega Lithium produzieren düsteren, tanzbaren Industrial/Gothic Metal mit vielen elektronischen Elementen. Mit "Kinetik" bringt die erst 2007 gegründete Band bereits ihr zweites Album auf den Markt. Nach ihrem Erstling "Dreams In Formalyne" ging die Kombo mit Subway to Sallly auf Tour, wo sie wahrscheinlich auch die Idee aufgeschnappt haben, einige wenige Folk-Elemente einzustreuen, wie zum Beispiel in "Breaking". Auf dem neuen Album hört man zwar, dass die Band sich weiterentwickelt hat, doch zum wirklich überzeugenden, eigenständigen Sound hat's noch nicht gereicht. Die Form erinnert ein wenig an Lacuna Coil, allerdings ohne deren Einzigartigkeit. Harte Riffs liefern sich hier Battles mit Synthi-Klängen und der Rockröhre von Frontfrau Mya, die mit ausdrucksstarker Stimme überzeugt. Dass die Kroaten auch sehr melodisch sein können, beweisen sie mit "Kinetik", das gleichzeitig mit vielen elektronischen Elementen glänzt, was auch schön zu den Lyrics passt. Einer der besten Songs ist "I Am God", ein dramatischer Song, der vom Krieg ums Öl handelt. Speziell ist vor allem das Spiel zwischen weiblichem und härterem männlichen Gesang – eine Kombination, von der sie ruhig etwas mehr bieten könnten. Mit "Times Of Grace" und "Cut, Forget" treten die Gitarrenriffs in den Vordergrund, und zusammen mit Mya's aggressiverem Ton gibt das dem Album die nötige Härte. Auch ein Song in der Sprache der Heimat hat's auf den Silberling geschafft: "Pjesma (A Song)" ist etwas weicher im Vergleich zum Rest des Albums. Der Bonustrack, ein Mechanic-Remix vom Titelsong "Kinetik", erinnert schwer an Linkin Park, was so gar nicht passen will. Fazit: Omega Lithium liefern ein gutes Album ab, das auch nach dem x-ten Mal durchhören immer noch gefällt, wenn auch nicht begeistert. "Kinetik" macht sich jedenfalls auf jeder Gothic-Party gut, denn der Sound ist absolut tanzbar, ohne dabei allzu sehr in den Mainstream abzudriften.
Patricia  

Punkte: 6.4 von 10
SERPENTCULT – Raised By Wolves
Listenable Records/Irascible
Serpentcult aus Belgien veröffentlichten bisher 2007 ihr Debut "Trident Nor Fire", den Nachfolger "Weight Of Light" und nun ihr neuestes Werk "Raised By Wolves". Zu den Fakten: Enthalten sind 4 Songs mit einer Gesamtspielzeit von über 38 Minuten (!), welche in der Schnittmenge von Doom-, Progressive und Ambient-Sounds liegen dürften. Vocalparts wie z.B. mit klarer Stimme versehene sowie Growls sind nur vereinzelt über die gesamte Spiellänge vorhanden. Es dominiert die instrumentale, düstere Gesamtatmosphäre. Monoton und dumpf werden einzelne Passagen bzw. Riffs endlos wiederholt, was nicht unbedingt zum Abwechslungsreichtum beiträgt. Beim Debut "Trident Nor Fire" konnten noch einzelne weibliche Gesangsteile einen Kontrast zu den dunklen, monotonen Klangwelten bilden. Anno 2011 ist davon allerdings nichts mehr vorhanden, weswegen dieses Album hier leider nur noch gewohnte Durchschnittskost im SloMo/Doom/Drone-Sumpf darstellt. Schade, schade... Eventuell finden die belgischen Herren ja in Zukunft wieder zurück zu ihren innovativeren Anfängen. Für Genrefans sicherlich geeignet, aber eben nicht herausragend.
Ralf W.G.
Punkte: 6.0 von 10
BYFROST – Of Death
AFM Records/Musikvertrieb
Also wenn Immortal mehr Thrash gehört hätten, könnte "Of Death” auch von ihnen sein. Klare Riffs, zeitweise ziemlich melodisch, besingen diverse genretypische Themen. Vorgetragen durch eine knurrende, druckvolle Stimme und begleitet von einem bereits erwähnten Schlagwerk im Stile alter Thrashbands, so offeriert sich das Zweitwerk der Norweger. Die Headbangtauglichkeit ist damit natürlich garantiert, erinnert das ganze Ding irgendwie auch an die deutschen Unlight, welche im Moment nicht gerade erfolglos sind. Epischere Parts wie beim längsten Lied auf der Platte gibt es leider nicht so viele, davon hätten die Jungs gerne ein wenig mehr einpacken dürfen. Denn die Melange an sich ist solide und griffig, geht aber bei der ebenfalls starken Konkurrenz nicht über den Durchschnitt hinaus. Lieder mit kurzem Aufbau, wie zum Beispiel der Titeltrack, machen gleich Laune, aber auf Dauer büsst das Album an Spass ein. Da sich die Spielzeit auf 35 Minuten beschränkt, schmeckt das ganze allerdings zu sehr nach schnell versprochenem Ruhm und geschickten Labels, als dass ich unbesorgt von einer Kaufempfehlung sprechen könnte. Ich meine, wenn die Jungs ihr erstes Album dazu geben würden, kämen sie auf eine anständige Zeit.
Tristan 

Punkte: 6.0 von 10
HOLY MARTYR - Invincible
Dragonheart/Musikvertrieb
"Denn was da als nächstes auf uns zukommen könnte, verspricht grossartig zu werden!" Diese Zeilen stammen von meinem Review der letzten Holy Martyr-Scheibe. Heute weiss, ich wie die neue Scheibe klingt und bin enttäuscht. Denn anstelle, dass die Italiener ihr Konzept konsequent verfeinert haben, schwenken sie bereits wieder um. Damals vermischten sie Texte über hellenische Schlachten mit englischem und griechischem Gesang, musikalisch untermauert von Folklore und Heavy Metal. Wäre dies damals noch klarer geschehen, würden Holy Martyr wohl bereits im Heavy Metal-Olymp speisen. Aber scheinbar schmeckt das Essen dort wohl nicht. Denn auf "Invincible" wiederholen die Italiener die bereits gemachten Fehler und verschlimmern sie sogar. Von den griechischen Schlachten haben sich Holy Martyr mittlerweile verabschiedet und singen nun über japanische Kämpfe. Fernöstliche Klänge und japanische Gesänge findet man nur bei sehr genauem Hinhören. Wäre da nicht der Promobeschrieb, würde man das Thema überhaupt nicht wahrnehmen. Das ist schade, liegt doch gerade darin noch ein riesiges Potential. Dagegen regiert ein guter, wenn auch bereits zigfach gehörter Speed/Power Metal. Dieser schafft es nie, Szene übergreifende Akzente zu setzen. Wer sowas braucht, wird mit dieser Scheibe sehr glücklich werden. Wer aber Originalität, Frische und Eigenständigkeit sucht, der wird sich zurecht fragen, wieso so eine Scheibe überhaupt vertrieben wird. Vielleicht, weil es genügend Hörer der ersten Sorte gibt.
Roger W.  

Punkte: 6.0 von 10
THE BUNNY THE BEAR -If You Don’t Have Anything Nice To Say...
Victory Records
Der Hase und der Bär sind zwei lustige New Yorker die ziemlich strange Musik machen.  Das zwei-Mann-Projekt (und Satan bewahre, dass es ein Projekt ist) ist schwer zu beschreiben.  Angegeben ist es mit Metal-Electronic. Dies sind auch die zwei Hauptbestandteile, verzerrte Gitarren, zwischen durch harte Growls, gepaart mit Clubsound, bestehend aus E-Drum und Synthies. Doch die genaue Strukturierung ist viel komplexer, in diese Platte wurde alles reingepackt, was der (un-)heilige Gral der Musik im Köcher hat. Doch es verhält sich mit dem Album "If You Don’t Have Anything Nice To Say... " so, dass man es nicht zum Kaufen empfehlen kann. The Bunny The Bear gelingt es nicht, den überraschenden Eindruck von etwas Neuem über längeren Zeitraum positiv zu gestalten. The Bunny The Bear wären perfekt geeignet, um auf Festivals den Zuschauern ein postives Erlebnis zu bescheren, natürlich mit der Voraussetzung, dass sie es live so hinbekommen wie auf Platte. Wer jedoch auf Enter Shikari, Chiodos oder etwa Bionic Ghost Kids steht, sei es nicht vergönnt, "If You Don’t Have Anything Nice To Say... " in seine Sammlung aufzunehmen.
Steve Butcher  

Punkte: 5.9 von 10
THE LIVING FIELDS - Running Out Of Daylight
Candlelight Records/Irascible
Freidenker aufgepasst! Sollte euch die momentane Rock- und Metalszene zu kommerziell und engstirnig sein, dann kann euch dieses Album Abhilfe verschaffen. Das mittlerweile dritte Werk von The Living Fields bietet Rock und Metal in selten dagewesener Vielfalt an. Ich muss zugeben, dass mir diese kauzige Truppe bisher völlig unbekannt war, aber was sie machen ist interessant und hat durchaus seine Momente. Die Verschmelzung verschiedenster Metal-Stile wie Black, Folk, Epic, Pagan und Doom Metal, das Ganze noch durchsetzt mit viel akustischen Klängen, noch mehr 70er Art Rock und dezenten Reminiszenzen an alte Pink Floyd und Yes, zusätzlich durch den Einsatz von Violine, Cello etc. veredelt, kann den Hörer aufs Erste zwar etwas überfordern, zumal die Songs wie bereits erwähnt recht lang, schwerfällig und komplex sind. Wer aber mit einer offenen Haltung an die Sache rangeht, wird die epische Stimmung, welche "Running Out Of Daylight" verbreitet, geniessen können. Als gekonnt werte ich ebenfalls den Einsatz von Sänger/Gitarrist Jonathan Higgs, der die ganze Palette von cleanen Vocals bis zu Growls ganz passabel beherrscht. Schade nur, dass die meist mehrstimmig eingesungenen Songs live wohl etwas abgespeckt klingen werden. Wie auch immer, massenkompatibel ist die CD auf keinen Fall, zumal man sie nur marginal als Metal-Scheibe bezeichnen kann. Die Band wird wohl nach wie vor ihre kleine Existenz in ihrer eigens erschaffenen Nische fristen, aber Fans progressiv-folkiger Klänge werden an den sphärischen und zuweilen symphonischen Kompositionen ihre helle Freude haben. Für Grill'n'Beer sind andere Bands zuständig, "Running Out Of Daylight" von The Living Fields serviert man am besten im Freien an einem schönen, sommerlichen Abend bei einem guten Glas Rotwein.
Mirko B.

Punkte: 5.9 von 10
THY BLEEDING SKIES - Autumn Souls
Whirlwind Records/Profimusic.ch
Bandname, Albumtitel und Artwork suggerieren eigentlich ganz was Anderes, als das beigelegte Infoblatt aussagt, denke ich doch beim gespenstisch-herbstlich angehauchten CD Titel und Cover doch eher an eine Gothic Metal-Band. Laut Labelblatt spielen Thy Bleeding Skies "unaufhaltsamen Death Metal, der sich keinerlei musikalische Grenzen setzt, aber ebenso stilsicher jegliche Fisimatenten außen vor lässt." Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen, jedenfalls hat der Death Metal auf dieser Scheibe mit dem üblichen Kriegs- und Splattergeknüppel nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die finnisch (Drummer Janne-Jussi Kontoniemi) deutsche (der Rest der Band) Allianz, in der sich u.a. diverse Mitglieder von Bands wie Might Of Lilith, My Darkest Hate und Sacred Steel austoben, fabrizieren auf ihrem zweiten Langeisen doomig angehauchten Gothic Metal, durch den sich Sänger Claudio A. Enzler mit derb-tiefen Death Metal-Vocals grunzröchelt. Das Tempo ist durchgehend gemässigt bis richtig langsam, nur selten darf sich der Drummer tempomässig etwas austoben ("The Inner Aspect"); musikalisch bewegt man sich eher auf jenen Pfaden, die dereinst von Combos wie Paradise Lost, Godgory, Orphanage und My Dying Bride vorbereitet worden sind. Rein instrumental betrachtet bietet das Dargebotene viel Melodie und noch mehr Melancholie und Schwermut, also richtig gutes Gothic/Doom-Futter mit viel Substanz und Tiefgang. Ob man dabei Claudio A. Enzlers Death Metal-Gegrunze gut oder eher deplatziert findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wie das Ganze mit durchwegs cleanen Vocals hätte klingen können, erfährt der Hörer erst auf dem zweitletzten Track "In Endless Dreams Everything Dies", in dem der Frontmann mit wunderschön zweistimmig dargebotenem Gesang beweist, dass in ihm weit mehr steckt als bloss ein heiserer Schreihals. Als einzig wirklich nervigen Song empfinde ich "The Fallen One", nach der gefühlten 173. Wiederholung des Refrains habe ich das Gefühl, der Titel bestehe aus nichts Anderem. Keine Ahnung, was sich die Jungs dabei gedacht haben, aber das ist nun mal die Freiheit der Künstler. Abgebrühten Death Metal-Heads wird die Scheibe zu zahm und melodisch sein, sensible Gothics werden sich an den Vocals stören. Allen anderen, die stilistisch etwas offener sind, kann ich ein Reinhören bedenkenlos empfehlen.
Mirko B.

Punkte: 5.8 von 10
LIONVILLE – Lionville
Avenue Of Allies Music
Hier handelt es sich um das gefühlte 100'000ste AOR-Projekt, bei dem der Schwede Tommy Denander seine Finger im Spiel hat. Er ist aber nur als Gastgitarrist auf einem Track zu hören. Initiator dieser Truppe ist der Songwriter, Sänger und Gitarrist Stefano Lionetti, der im italienischen Genua zu Hause ist. Als Produzent ist auch sein Bruder Alessandro mit an Bord. Die Namen aller weiteren Beteiligten sind höchstens für AOR-Freaks interessant. Erwähnenswert ist höchstens noch Alessandro Del Vecchio (Edge Of Forever, Eden's Curse, Glenn Hughes), der die Keyboards beisteuert. Soundtechnisch wiederholen sich die unzähligen Projekte leider immer wieder. So haben auch Lionville nichts weltbewegendes zu bieten. Es gibt die übliche AOR/Melodic-Kost mit Westcoast-Schlagseite. Handwerklich astrein, aber ohne Wiedererkennungswert. Ab und zu wird ein bisschen mehr Gas gegeben, was zu ein paar angenehmen Momenten führt. Die sind aber selten. Das Meiste ist einfach langweilig und taugt höchstens zur Hintergrundberieselung.
Chris C.

Punkte: 5.7 von 10
SCHATTENREICH – Von Gedeih und Verderb
MDD Music/Max Music
Ideen braucht man im ausgelutschten Black Metal anscheinend immer seltener. Ich meine, nur schon der Bandname würde mich vom Reinhören abhalten. Aber über das kann ich nun nicht entscheiden, also füge ich mir mit relativ wenig Erwartungen das vollgepackte Debut der Knüppeltruppe zu, schliesslich hört sich eine Stunde Musik nicht von alleine. Und siehe da, wie man es gedacht hat: scheppernder, truer Metal im Stile Carthaun's und Konsorten. Leider aber gibt es auf "Von Gedeih und Verderb" keine vertonten Gedichte, sondern eher einfallslose Themen. "Kreuzritter" ist genauso abgegriffen wie "Peststurm", welches durch die Stimme umso mehr nach alten Eisregen klingt. Ressourcenorientierter betrachtet muss ich allerdings gestehen, dass einiges an Potential vorhanden wäre. So zum Beispiel "Das Licht" oder "Unser Weg", welche nicht von sinnfremden Klischees triefen, sondern irgendwie authentischer klingen als der Rest. Während beim erstgenannten Lied der Schönheit der Nacht glaubhaft gehuldigt wird, überzeugt das zweite durch sehr aggressive, abwechslungsreiche Rhythmen inklusive progressiver Frickelei. Als Ganzes aber kann das Album nicht überzeugen, da helfen auch die guten Absichten nicht.
Tristan 

Punkte: 5.5 von 10
NOCTEM – Oblivion
Rising Records

Selten so ein bescheuertes Promo-Blättchen gelesen, erinnert irgendwie an Kindergarten, nur mit dem Unterschied, dass die Knirpse dort deutlich bessere, weil intelligentere Texte fabrizieren könnten. Egal, Es geht ja um die Mucke. Und da nehmen die Spanier kein Blatt vor den Mund und walzen alles platt, was nach dem Intro "Popol Vuh" nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Und hier liegt auch schon der Hund erschossen in Nachbars Garten: So sehr die Brutalität auch auf einem hohen Niveau daherkommt, so ermüdend ist sie auch und langweilt nach kurzer Zeit, da hilft auch kein Kaffee mehr. Es gibt zwar immer wieder melodische, auch sachte ruhigere Ansätze, aber die werden von den Double Base-Salven und dem Gegrowle/Gekreische gnadenlos auseinander genommen. Deswegen braucht’s hier auch keine elends langen textliche Monologe, sondern ein schlichtes Statement: Prügelorgie für Leute, die keine Ansprüche an Feinheiten legen, sondern lediglich alles in Schutt und Asche legen wollen.
Toby S.  
Punkte: 5.0 von 10
THESE HEARTS – Forever Ended Yesterday
Victory Records
These Hearts stimmen mit ihrem Debutalbum "Forever Ended Yesterday" so richtig auf die Openair-Saison ein. Vergleichbar mit A Day To Remember, Silverstein und Taking Back Sunday rocken die Amerikaner die Bühne bzw. die heimischen vier Wände. These Hearts machen eine Mischung aus Punk Rock, Metalcore, Screamo und Christian Metal, was vor allem ein etwas jüngeres Publikum begeistern dürfte. These Hearts sind selbst noch ziemlich jung, und obwohl sie auf ihrem ersten ausgewachsenen Silberling bewiesen haben, dass sie es durchaus ernst meinen, wird man das Gefühl nicht los, dass sie noch nicht erwachsen sind und ihren eigenen Stil noch nicht ganz gefunden haben. Die ganze Platte wirkt etwas klischeehaft. Die Mainstream-tauglich verpackten Hardcore-Elemente, das klebrig süsse Akustik-Duett "Thinking In Terms Of Two", welches ein bisschen an Highschool Musical erinnert, plus die fast schon eunuchenhaften Höhen, die Sänger Ryan neben ein paar Growling-Anwandlungen fabriziert, sind für meinen Geschmack ein bisschen Overkill. Für Fans des Genres bietet sich hier ein Leckerbissen, der sich nach etwas polieren in Zukunft zu einem echten Star mausern könnte – denn Potential ist definitiv da. Das Album macht jedenfalls gute Laune, und die knapp 34 Minuten bieten gute Unterhaltung.
Patricia  

Punkte: 4.8 von 10
BLOODWRATH - The Hate Effect
Rising Records
Erst 2009 gegründet gehen Bloodwrath mit "The Hate Effect" gleich zwei Jahre danach mit dem ersten Longplayer an den Start. Ganze elf Songs hat man auf auf die erste Veröffentlichung gepackt, und mir scheint, dass in der kurzen Zeit wirklich auch nur elf Songs geschrieben worden sind. Bloodwrath haben mit Grym Cox (ja der nennt sich wirklich so) einen sehr untalentierten Growler am Mikrophon, und leider können das die Instrumentalisten nicht wett machen. Zwischendurch mag melodietechnisches Talent aufblitzen, doch dies reicht zusammen vielleicht für einen Song. Die Rhythmusfraktion ist komplett ideenlos und spielt die ewig gleichen Takte. Da die einzige Gitarre sehr melodielastig ist, fehlt es vielleicht an einem geeigneten Rhythmus Gitarristen, der der ganzen Sache die nötige Treibkraft verleiht. Wie schon erwähnt, ist im Melodiebereich durchaus Potenzial vorhanden, jedoch hätten sich die Jungs vielleicht noch ein wenig Zeit mehr gegönnt, um sich zu finden. Eins muss man den Engländern lassen: Selten zuvor war ein Albumtitel so treffend.
Steve Butcher

Punkte: 4.0 von 10
HOUSTON – Mechanical Sunshine
Superball Music/Sony
Irgendwie scheint in diesem Monat der Wurm drin zu sein: Egal, wie gut die Mucke auch anfängt, es gibt immer irgend etwas, das so eklatant nervend ist, dass es den Gesamteindruck dermassen trübt, dass man keine Lust verspürt, weiter dem Sound zu lauschen. Erinnert irgendwie immer an 30 Seconds To Mars, My Chemical Romance und ähnliches Kroppzeugs. Der Sänger singt wie ein kleiner Junge, der auf dicke Hose macht und dabei nur Balistos in der Unterwäsche mit sich herumschleppt, und zwischendurch versucht man sich an kleineren Schrei-Einlagen oder elektronischen Spielereien. Klingt alles sehr nach einem gewissen Schema, zu durchdacht, ohne Ecken oder Kanten. Könnte glatt in jeder Boutique für kleine Mädchen zu hören sein. Mehr braucht’s hier echt nicht an Text, denn der Sound an sich wäre nicht sooo schlecht, er ist einfach derbst überproduziert, aalglatt und vorhersehbar, und eben: die Vocals. Nee Jungs, werdet mal erwachsen, dann reden wir weiter.
Toby S.  

Punkte: 4.0 von 10
KILL THE ROMANCE - For Rome And The Throne
Firebox/Non Stop Music
Kennt wohl niemand, macht aber nichts, dann stelle ich sie eben vor.  Kill The Romance kommen aus Finnland, haben sich dem Melodic Metal angeschlossen und mischen das mit Hammerfall und Hansi Hinterseher. Das Mainriffing ist cool, dies mal vorneweg. Dann hört der Spass aber auf, wenn man sich "For Rome And The Throne" anhört, fühlt man sich von Zeit zu Zeit richtigehend verarscht. Da schaffen es Kill The Romance, wie z.B auf dem Track "Devilution" richtig Stimmung zu machen, bevor sie dann wieder der Pathos packt. Der Gesang der sich von Growls zu Clean abwechselt, lässt einen manchmal an einem Hasselhoff-Konzert wägen. Die unheimlich störenden Keys, die sich meistens anhören wie schlechte Chilbimusik, tragen ihren Teil dazu bei. Kill The Romance bezeichnen ihren Stil selbst als Modern/Death Metal, woher sie sich jedoch das Prädikat Death Metal herholen, ist mir ein Rätsel. Die haben mit Death Metal in etwa so viel gemeinsam wie Josef Fritzl mit einem Dachdecker.
Steve Butcher
Punkte: 3.3 von 10
SPIEGELKELLER – Zauber
Twilight/Non Stop Music
So liebe Kinder, heute lernen wir, was passiert, wenn Talentlosigkeit und schamloses Klauen mit Kommerz gepaart wird. Das da, was wir vor uns haben, sind die Deutschen, welche sich den einfallsreichen Namen Spiegelkeller gegeben haben. Lustig, gell? Wunderbar, weiter geht es mit ihrer ‚Sängerin’, die dermassen nervtötend vor sich hin quietscht, dass einem nach wenigen Millisekunden die Ohren bluten, zudem hat sie einen bescheuerten Möchtegern-osteuropäischen Akzent mit eingebaut, der einfach nur peinlich ist. Dass die Gitarrenfraktion auch nur knapp drei Riffs beherrscht, ist ja nun nicht mehr weiter verwunderlich. Und dass man sich einfach an jeglichen Mittelalter-Rock-Combos orientiert und sie zu kopieren versucht, was kläglich scheitert, ist auch keine Schlagzeile mehr wert. Also liebe Kinder, wenn ihr eine CD von dieser, ähem, Band findet, dann macht einen grossen Bogen darum. Um die Truppe sowieso, denn dermassen lächerlich hat sich schon seit Ewigkeiten keine Combo mehr gegeben. Und jetzt mal ernsthaft: Wer sein Geld für diesen lieblosen Schund ausgibt, dem kann echt nicht mehr geholfen werden. Kein weiterer Kommentar notwendig.
Toby S.
Punkte: 1.0 von 10
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