CD-Reviews Juni 2015
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.    0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
HELLOWEEN – My God-Given Right
Nuclear Blast/Warner
Recht symphonisch startet der neuste Streich der Kürbisköpfe aus Hamburg. Das dreissigste Jahr der Bandgeschichte wird mit der 16. Scheibe gebührend gefeiert. Eins werden die Herren um die beiden Ur-Mitglieder Michael „Weiki“ Weikath (Gitarre) und Markus Grosskopf (Bass) immer fabrizieren: Faszinierende Refrains, die jeder sofort nach dem ersten Hören mitsingen kann. So auch beim Opener „Heroes“, der ohne zu zögern ins Ohr geht, auch dank der tollen Gesangsleistung von Andi Deris. Mit dem nachfolgenden „Battle’s Won“ drücken die Herren mächtig aufs Gaspedal und zelebrieren eine unheimliche Dynamik dank Schlagzeuger Dani Loeble! Mit den orchestralen Parts erinnert der Track schon an die goldenen „Keeper Of The 7 Keys“-Tagen. Das Mitrocken und Mitsingen steht bei Helloween wieder im Vordergrund, einfach im Gewand von 2015. Paradebeispiel ist der Titeltrack, der mit seiner packenden Hookline kein Bein stehen lässt - Gott hat ihnen das Recht gegeben, sich selber zu sein und zu bleiben! Ins selbe Fahrwasser gehört auch „Stay Crazy“, das mit einem unheimlichen Charme um die Ecke kommt, dir auf die Schulter klopft und du leicht erschrocken in die Knie gehst mit der Erkenntnis: „Wie geil ist das denn?!“ Logisch werden die Nörgler sich wieder an Mister Deris Stimme reiben, weil er eben kein Michael Kiske ist. Zum Glück, denn Andi macht seit über 20 Jahren einen verdammt hervorragenden Job! „Lost In America“ ist eine Hymne, wie sie eben nur Helloween schreiben können, und genau das macht dieses Album dermassen spannend, interessant und abwechslungsreich! Vielleicht auch zum besten Werk seit „Rabbit Don’t Come Easy“ aus dem Jahre 2003. Was bei Helloween auch nicht fehlen darf, sind die Doppel-Leads, die immer wieder würdevoll vorgetragen werden. Neben all den schnelleren Nummern ist es aber auch das eher schleppende „The Swing Of A Fallen World“, das punkten kann. Helloween haben so viele Truppen beeinflusst, da steht es ihnen als erstes zu, sich selber zu verwirklichen und sich selber zu sein und zu bleiben. Das haben die Hanseaten bestens umgesetzt wie in „Creatures In Heaven“ mit einem unglaublich schönen Choruspart. Die wohl beste Verbindung aus den alten, erfolgreichsten und neuesten Zeiten wird in „If God Loves Rock’n'Roll“ umgesetzt. Eine Nummer, die von jeder Helloween-Epoche etwas zu bieten hat! Wie das schon fast Judas Priest-like „Living On The Edge“ oder das speedige und gitarrenvirtuose „Claws“. Helloween haben sich selber übertroffen und eine Scheibe veröffentlicht, mit der sich drei Jahrzehnte sehr gut feiern lassen.
Tinu 

Punkte: 9.8 von 10
PARADISE LOST – The Plague Within
Century Media/Ubiversal
Man durfte definitiv gespannt sein, wie das neue Werk der britischen Kings of Sorrow ausfallen würde – man bedenke, dass Greg Mackintosh mit Vallenfyre ein sehr derbes, deutlich todesmetallischeres Gebiet erschlossen hat, während Frontgrummler Nick Holmes bei Bloodbath ins Mikro knarzt. Ich persönlich war damals schon mehr als nur begeistert von seinem Einsatz, und es zeigt sich: Die guten Herren scheinen Gefallen an derberen Klängen und böseren Stimmen gefunden zu haben. „No Hope In Sight“ startet gleich mit allen Tugenden bisheriger Werke – clear Vocals treffen auf knurrende Growls, während die Instrumentalfraktion sowohl melodisch wie auch hart zur Sache geht. „Terminal“ legt dann tempomässig nochmals einen Zacken zu und kommt mit beinahe dem schnellsten Drumming daher, welches „The Plague Within zu bieten hat – noch brutaler wird’s nur noch auf „Flesh From Bone“! Und ich meine, wir reden hier von Paradise Lost, DIE Truppe, welche für eher langsamere Songs mit dafür umso düsterer Atmosphäre bekannt gewesen ist! Ich könnte hier noch weiter einzelne Songs herauspicken und analysieren, was sich verändert hat und in wie fern, aber das macht keinen Sinn – ich kann wirklich, und das nicht nur, weil Paradise Lost meine Stammband sind, wirklich nur empfehlen, dieser Scheibe eine Chance zu geben – vor allem dann, wenn man einen räudigeren Sound mit Growls mag, der dennoch atmosphärisch-melodische Momente besitzt, plus einen Sänger zu schätzen weiss, der seine Stimme so variabel wie schon ewigs nicht mehr einzusetzen weiss: klagend, flehend, pragmatisch, böse, knurrend und einfach nur fies… Ich habe keine Ahnung, ob Mister Holmes all dies auch live bringen kann, aber ich bin guter Dinge. Genauso, wie ich weiss: Mit solch einem Monster an Düsternis, Härte und Melodie hätte kaum jemand gerechnet – mich eingeschlossen. Darauf ein Bier! Als Nebenbemerkung: Die Zusatztracks auf der auf 666 Einheiten limitierten EMP-Edition sind die Zusatzkohle mehr als nur wert, und die Tracks namens „Fear Of Silence“ sowie „Never Look Away“ hätten den Platz auf der regulären Scheibe mehr als nur verdient. Anyway, es bleibt schlussendlich nur noch anzumerken: Paradise Lost sind auch nach 14 (!) Alben für Überraschungen gut – all hail the Kings of Sorrow!
Toby S. 

Punkte: 9.5 von 10
DEMON LUNG – A Dracula
Candlelight Records/Iracible
Demon Lung war für mich DIE Neuentdeckung des Jahres 2013. Das damals erschienene Debut „The Hundredth Name“ hat seither immer mal wieder den Weg auf den Plattenteller gefunden - die Messlatte für den Nachfolger ist entsprechend hoch. Auch wenn die ersten Takte kurz Zweifel aufkommen lassen – „A Dracula“ setzt genau da an, wo man vor zwei Jahren aufgehört hatte. Zentrales Qualitätsmerkmal bleiben demnach die kraftvollen Riffs, die - abgesehen vom kurzen Instrumental ‚Rursumque Adracula‘ - in keinem Song fehlen. Die Spannungsbögen werden gekonnt gesetzt, sodass man der Musik bis zum Schluss gebannt lauscht. Man wechselt mit Tempi und bettet wie in ‚Gipsy Curse‘ auch mal Zwischenteile ein, die einen komplett anderen Vibe versprühen. Die Abwechslung ist auch von Nöten, schliesslich hat man eine turbulente Geschichte von Satans Tochter zu erzählen, die sich im Kloster in die reinste der anwesenden Seelen verliebt, in der Folge in einen Negativstrudel gerät und schlussendlich die ganze Welt umbringt. Sängerin Shanda Fredrick unterstreicht mit ihrer markanten, tiefen Stimme den diabolischen Charakter der Texte. „A Dracula“ ist zweifelsfrei ein weiteres episches Meisterwerk der Doomer aus Las Vegas.
Patricia L.  
Punkte: 9.5 von 10
FAITH NO MORE - Sol Invictus
PIAS/Musikvertrieb
18 Jahre! Ja, es fühlt sich eine Ewigkeit an, aber scheisse auch - jetzt ist es Tatsache: Die Crossover-Pioniere Faith No More haben sich nach ihrer Konzertreunion im Jahre 2009 zusammengerauft und ein neues Werk erschaffen. Man hat sich dafür drei Jahre Zeit genommen, um in dem heimischen Studio in Oakland von Billy Gould diese, ich kann es schon vorwegnehmen, sehr gute Platte einzuspielen. Der Einsteiger „Sol Invictus“ ist sehr ruhig, doch schon der zweite Song „Superhero“ hat das Zeug zum Klassiker und zeigt, dass die Band vom Songwriting her gar nichts vergessen hat. Vor allem die Stimme von Sänger Mick Patton trägt einiges bei, denn was der Kerl hier stimmlich abgibt, ist schlicht und einfach weltklasse! Er schreit, flüstert, ist melodisch aktiv, einfach Klasse. "Sol Invictus" muss man auch Zeit lassen, wie bei einem guten Wein, wenn der Reifungsprozess erfolgt ist, hat man ein Resultat, das einem einen Rausch beschert, von dem man nicht mehr weg möchte. Platte des Jahres! Punkt und aus.
Daniel J.  
Punkte: 9.3 von 10
LUCA TURILI'S RHAPSODY - Prometheus - Symphonia Ignis Divinus
Nuclear Blast/Warner
Der Italiener Luca Turilli liefert ein Meisterwerk ab, welches man in dieser Form wohl nicht erwartet hätte. Wir erinnern uns: 2011 wurden durch die freundschaftliche Trennung der beiden Chefdenker Luca Turilli und Alex Staropoli aus Rhapsody zwei-Bands. Beide veröffentlichten bisher ein Studioalbum. Luca Turilli folgt nun mit seinem zweiten Streich. Dabei wir deutlich, dass, zumindest für mich, Luca Turilli derjenige mit dem magischeren Händchen für epische Kompositionen ist. Nahm ich sein Erstwerk nach der Trennung noch verhalten positiv auf, löst der Zweitling bei mir nur positive Gefühle aus. Und das obwohl ich derart symphonischen Klängen eigentlich sehr Kritisch gegenüber stehe. Prometheus ist cineastisch, klassisch, treibend, progressiv, in der Gesangssprache mal Englisch, mal italienisch oder ev. lateinisch, mal rasend, dann wieder ruhig und vor allem eingängig. Die Kompositionen hören sich an, als würde man ein gutes Buch lesen. Hier macht alles irgendwie Sinn. Luca Turilli baut wahre Soundkatedralen auf und lässt bei allem Bombast den Metal nie aussen vor. Im Vergleich zu früheren Jahren macht der Meister zwar weder besonders viel anders, noch klingt es anders – diesmal ist aber alles noch ein wenig packender als sonst. Anspieltipps zu nennen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das einzige was ich bei diesem Album auf keinen Fall möchte, ist, es „live“ zu erleben. Schon gar nicht dann, wenn Luca Turilli der Versuch verfallen würde, es so wie auf CD wieder zu geben. Diese Chöre, die klassischen Instrumente und diese magische Stimmung würden zum lächerlichen, vom Playback getragenen Kasperli-Theater verkommen. Auf der heimischen Anlage aber macht dieses Album Sinn. Oder mit anderen Worten: Luca Turilli hat sich mit diesem Album selber übertroffen.
Roger W.  
Punkte: 9.3 von 10
ARCHITECTS OF CHAOZ – The League Of Shadows
Metalville/Musikvertrieb
Leck mich am Arsch! Paul Di’Anno ist zurück! Der ehemalige Iron Maiden-Shouter, welcher auf den ersten beiden Jungfrauen-Scheiben sang, fiel in der letzten Zeit eher durch seine provokanten Sprüche gegenüber seiner Ex-Truppe auf denn durch gute Musik. Sein letztes wirklich geiles Werk war Killers „Murder One“ aus dem Jahr 1992. Gesanglich singt und kreischt der gute Paule auf dem neuesten Werk wie in frühen Tagen und hat nichts von seiner räudigen, punkigen und aggressiven Art verloren. Ob dies dann auf der Bühne auch noch der Fall sein wird, werden wir sehen. Die Songs dieses Werkes wurden von den Bandmitgliedern, bestehend aus der deutschen Band The Phantomz, geschrieben. Alles klingt nach einer wuchtigen, wütenden Version der „New Wave Of British Heavy Metal“. Allerdings viel reifer. Dabei geht die Spielfreude niemals flöten, erreicht aber auch nicht die Klasse von „Murder One“. Ab und an klingt das Ganze auch nach neueren Accept. Dies liegt aber an der Stimme von Paul, die ziemlich ähnlich klingt wie jene von Mark Tornillo. Die Gitarrenarbeit überzeugt mit fetten Riffs und tollen Leads, welche Joey Siedl und Andreas Ballnus reihenweise zocken. „Switched Off“ ertönt wie ein kleiner Bruder des Iron Maiden-Tracks „Remember Tomorrow“. „Erase The World“ ist einer dieser Hassbrocken und „Dead Eyes“ überzeugt mit der schon angesprochenen Gitarrenarbeit. Ein Album von Mister Di'Anno hätte ich in dieser Art und Weise nicht mehr erwartet, aber „The League Of Shadows“ ist eine verdammt heisse Scheibe geworden, auf welche die Truppe Stolz sein darf.
Tinu   
 
Punkte: 9.0 von 10
FORGOTTEN HORROR - Aeon Of The Shadow Goddess
Woodcut Records
Die zweite Scheibe des finnischen Duos soll eine blackmetallische Huldigung an meine absolute Lieblingsbitch Lilith sein. Und obwohl ich meine persönlichen Fantasien hinsichtlich der dunklen Mutter anders vertont hätte, kann ich durchaus nachvollziehen, was Bandkopf Tuomas Karhunen (u.a. Deathchain, Jess And The Ancient Ones) mit Schlagzeuger Kassara hier veranstaltet hat. Messerscharfe, abwechslungsreiche Riffs treffen auf ebensolches Drumming und homogene Temposchwankungen, akustische Intros/Interludien und viele kleine Details gilt es zu entdecken und zu verarbeiten. Das Thema Lilith (je nach zeitlicher/nationaler Herkunft beschreibbar mit "Urmutter", "Windhauch", "Unterweltgöttin", "Nachtwind", etc.) ist einfach nicht totzukriegen. Aber wie auch, denn diese besondere Madame fasziniert die Metal/Gothic/Belletristik-Szene seit Anbeginn, und für nahezu jedes Genre gibt es entsprechende Klang-/Schreibkunst zu entdecken (u.A. Coroner, Cradle Of Filth, Dissection, Virgin Steele, Genesis, Geisterjäger John Sinclair uvm...). Aber zurück zur vorliegenden Musik. Denn bei allem konzeptionellen Unterbau zur thematischen Ausrichtung der Texte sind Forgotten Horror vor allem eins - Metal! Neun Songs und eine 3/4 Stunde lang gibt es durchdachtes, blackmetallisches Kopfkino mit vielen Details, aber immer mit groovigem Fluss und einem tollen Händchen für abwechslungsreiches und nichtsdestotrotz griffiges Songwriting. Es fällt mir aktuell schwer, eine sinngemässe Beschreibung von "Aeon Of The Shadow Goddess" zu liefern und lasse es darum lieber gleich von Anfang an. Soviel sei jedoch dazu gesagt: Dieses Album wächst mit zunehmendem Genuss kontinuierlich, und ich "musste" meine Punktzahl nach jedem weiteren Durchlauf erhöhen. Wer auf intelligente, durchdachte Düstermusik steht, dürfte mit etwas Geduld einen indirekten Nachfolger zu Dissection's "Reinkaos" entdecken, absoluter Reinhörbefehl! Ich für meinen Teil bin gerade ziemlich begeistert.
Hardy  
Punkte: 9.0 von 10
HOUSE OF LORDS – Indestructible
Frontiers Records/MUsikvertrieb
Sänger James Christian schreibt noch immer hervorragende Rock-Hymnen, die von einer perfekt eingespielten Truppe vorgetragen wird. Man muss einfach anerkennen, dass bei House Of Lords noch nie eine so homogene Truppe am Werk war. Speziell Trommler BJ Zampa vermischt sein lockeres Spiel amerikanischer Prägung mit einer feinen Technik. Genau gleich wie Gitarrist Jimi Bell, der tolle Riffs seinen Saiten entlockt, soliert wie ein kleiner König, und aus den beiden ersten Tracks „Go To Hell“ und dem Titelsong erstklassige Power Rock-Songs mit monumentalen Chören macht. Erinnerungen an Def Leppard werden dabei wach. Die Verbindung aus einer Ballade und Power ist nachzuhören in „Pillar Of Salt“. „100 mph“ lässt danach dann gleich wieder die Schwarte krachen. Eine geile Melodic-Hymne erwartet uns dann mit „Call My Bluff“, und mit diesen Tracks haben wir das breite Spektrum der Amis abgedeckt. „Indestructible“ ist ein Album geworden, das nicht nur durch tolle Melodien, einem hervorragenden Sänger und sensationellen Songs überzeugt, sondern auch durch eine grandiose Dichte an Hits. Da mutet das fast wehmütige „We Will Always Be One“ wie ein Fremdling an, der aber absolut passend das Album abrundet. House Of Lords finden auch immer den ergänzenden Part für die Keyboards, die mal mächtiger („Another Dawn“) oder auch mal ein bisschen dezenter („Eye Of Storm“) aufblitzen. Das Album vermag nicht bis ganz am Schluss das extrem hohe Niveau zu halten, schafft aber mit „Stand And Deliver“ (was für ein Gitarrensolo!) noch einen hervorragenden Abschluss. Wer auf ein tolles, hart rockendes, mit vielen Hits gesegnetes und ins Bein gehendes Album wartet, wird an der neuesten Scheibe von House Of Lords nicht vorbeikommen!
Tinu  
Punkte: 9.0 von 10
STARQUAKE - Times That Matter
Pure Rock Records/Non Stop Music
Beeinflusst von Genre-Größen wie Iron Maiden, Spock's Beard und Einflüssen des 70er-Hard Rock bewegt sich die Musik von Starquake zwischen heavy Gitarren, fetten Drums und ausgefeilten Gesängen. Gewürzt mit einem guten Schuss Hammond Orgel und großen Arrangements ist “Times That Matter” dabei immer harmonisch, song- und melodieorientiert. So wird die Musik des Deutschen Mikey Wenzel und seinen Mitmusikanten beschrieben. Ich empfinde die Musik als sehr abwechslungsreich, interessant und ich mag das ganze Album. Schon der Opener "Scenes Of A Revolution" glänzt mit Chören, erinnert an Queen und Spocks Beard zugleich. Eine sehr leckere Mischung. Mickeys Stimme erinnert ab und zu an die von Graham Bonnet, vor allem bei "Here I Go Again" einem ganz grossartigen, zeitlosen Rock-Song, ich liebe solche Tracks. Dem entgegen steht das ruhige, mit akustischer Gitarre gespielte "Times That Matter". "Close Encounter" beginnt mit Yes-Klängen und lässt danach die Hammond wummern, dass es nur so eine Freude ist. "No More Hate" ist stark angelehnt an Maidens "Wasted Years", aber was soll's es gefällt. Die zweite akustische Gitarrennummer gefällt ebenfalls sehr gut und überzeugt mit einer gefühlvollen Gesangsmelodie, wunderschön. Auch stark: das 21 Minuten lange "Rise And Fall". Hier spielen alle Starquake-Einflüsse musikalisch zusammen, von den oben erwähnten Spock's Beard über Deep Purple und noch so einigen klassischen Rockbands. ein herrlicher Song. Keiner der 11 Songs gleicht dem anderen, und genau das macht "Times That Matter" zu was ganz besonderem. Als toleranter Rockmusik-Liebhaber muss man diesen Rundling einfach mögen. Gratulation an Mikey Wenzel für dieses wirklich gelungene, grossartige Album.
Crazy Beat  
Punkte: 9.0 von 10
TREMONTI – Cauterize
Fret12 Records
Mit „Cauterize“ führt Sänger und Gitarrist Mark Tremonti (auch bekannt als Gründungsmitglied von Alter Bridge und Creed) seine zweite Platte ins Feld. Nachdem er mit „All I Was“ im Jahr 2012 in ein Wespennest gestochen und durchschlagende Erfolge gefeiert hat, kommt Anfang Juni sein Zweitwerk auf den Markt. Zeit muss sein, sich die Scheibe genauer anzuhören! Bereits der Opener „Radical Change“ drückt richtig satt ab und erfüllt die ersten Erwartungen. Die perfekte Kombination von modernem Thrash und Melodie findet sich in diesem Song wieder. „Flying Monkeys“ ist im Anschluss eher langsam und könnte die Frucht aus der Verbindung Gojira und Alice In Chains sein. Die Harmonie der Gitarren macht das Stück aber erst so richtig interessant. Mit dem Titeltrack „Cauterize“ verschmelzen polyrhythmische Presslufthammerriffs mit Doublebass an genau den richtigen Stellen. Dadurch besteht die Musik aus einer Mischung zwischen zeitlosem Metal, sattem Hard Rock und progressiven Einflüssen. „Arm Yourself“ erinnert stellenweise stark an Slipknot, wenn man den Gesang einmal ausser Acht lässt. Die Arbeit von Schlagzeuger Garrett Whitlock kommt hier schön zum Tragen. „Dark Trip“ ist schliesslich ein Track, der auch gut auf einem Alter Bridge Album Platz finden könnte. Das Schaffensgenie kann seine jahrelange Tätigkeit bei Creed und Alter Bridge also nicht verbergen – braucht er auch gar nicht, denn auch „Another Heart“ fügt sich geschmeidig ins Gebilde von „Cauterize“ ein. „Fall Again“ kommt im Anschluss düsterer und schleppender daher als seine Vorgänger. Mark Tremonti spielt mit der Melodie und versprüht eine gewisse Melancholie, die sich in einem heulenden Refrain jeweils entlädt. „Tie the Noose“ ist eine rockige Nummer über die es nicht viel zu sagen gibt. Es ist vielleicht der Titel, der auf „Cauterize“ ein wenig unterzugehen droht. Mit „Sympathy“ und „Providence“ schliesst sich vorerst einmal die Akte Tremonti. „Sympathy" besticht durch komplizierte Instrumentierung und überragende Chöre, die den Hörer in andere Gefilde hebt. Mit „Providence“ wird noch ein Schlussgang serviert, der für jeden Fan zum Leckerbissen wird. Man kann ganz unverblümt sagen, dass wo Tremonti draufsteht, auch Tremonti drin ist! Aber aufgepasst: es folgt ein Doppelschlag! Innert Kürze soll auch bereits das dritte Album mit dem Namen „Dust“ den Musikmarkt erobern, denn seit Anfang 2014 wurden im 12Fret Record Studio über 20 Songs geschrieben und zusammen mit Michael „Elvis" Baskette (Alter Bridge/Slash) aufgenommen. Es wäre eine Sünde, sie in einer Ecke verkümmern zu lassen!
Oliver H.  
Punkte: 9.0 von 10
ORPHEUS BLADE - Wolf`s Cry
Pitch Black Records
Dies ist das Debut-Album der progressive Metaller aus Israel. Geboten wird sehr melodiöser und abwechslungsreicher Prog, untermauert mit den kräftigen Stimmen von Adi Bitran und Henning Basse. Schon "The Finest Art Of Feeding" fesselt den Zuhörer mit sehr interessanten Songstrukturen und melodiösen Gesangsmelodien. Auch das etwas härtere "The Becoming" glänzt mit den abwechslungsreichen Mann/Frau-Stimmen und verleiht den Songs noch zusätzlich Spannung. Das mit einem tollen Gitarrensolo beginnende "Under Dying Stars", das dann mit der ruhigen Stimme von Adi weitergeht, gefällt sehr, auch nachdem der Song dann später wieder ordentlich Fahrt aufnimmt. Die Wechselspiele der einzelnen Tracks halten das Ganze sehr spannend. "In Sickness And In Hell" startet orchestral, und hier zeigt sich die gesangliche Klasse von Henning Basse besonders gut, ein grandioser Shouter. Ganz gross auch das knapp neun Minuten lange "Dismissal", ein sehr melodiöser Song, der zeigt, dass die Band in der Lage ist, klasse Songs zu schreiben. Die elf Nummern sind allesamt recht verspielt, sehr abwechslungsreich, oft theatralisch dargeboten. Mit viel Melodie und durchgehend auf hohem Niveau gespielt. Es macht unheimlich Spass, diesen Silberling zu entdecken und nach jedem Durchlauf mehr zu geniessen. Klasse Debut von Orpheus Blade.
Crazy Beat 
Punkte: 9.0 von 10
THE OTHER – Fear Itself
Steamhammer/Musikvertrieb
Holla die Waldfee, da ging aber einiges bei den sympathischen Gruft-Punks (man lese hierzu mein Interview mit dem Sänger Rod Usher nach) – erst war es ‚nur‘ der Abgang des Gitarristen, welcher zu verkraften war, und dann hat offenbar der Bassist auch noch das Grabtuch in die Ecke gepfeffert. Nun, wieder erstarkt mit gleich zwei Gitarreros und einem neuen Basser hieven The Other nun ihre neueste Kreation aus der Gruft ins Vollmondlicht. Nett die Anspielung im Plattentitel auf den Spruch: We’ve got nothing to fear than fear itself. Dass nun zwei Saitenhexer am Werk sind, macht sich deutlich im Soundgewand bemerkbar – so tight und druckvoll habe ich bisher die Mucke der Deutschen nicht erlebt. Allerdings geht dies auch sachte auf die Horroratmosphäre, die zwar nach wie vor da ist, keine Frage, aber sie musste der neuen Härte auch ein wenig Platz machen. Das Resultat sind deutlich metallisch gefärbtere Punk-Songs, man höre sich nur mal „Nie mehr“ oder „German Angst“ an – wie gesagt, die ursprüngliche Horror/Punk-Atmosphäre ist nach wie vor vorhanden, sie hat sich einfach eher in die metallischere, härtere Richtung gewandelt. Ist aber auch kein Wunder, mit dieser neuen Konstellation. „Funeral March“ oder „Doll Island – Isla de las Muñecas“ sowie „Screams In The Black House“ erklingen dann wieder ganz im Stile der vorhergehenden Platten „New Blood“ oder „The Devils You Know“. Fazit: Auch wenn sich einiges geändert hat in der Krypta von The Other, so haben sie ein Album veröffentlicht, das zwar sachte anders klingt, aber man dennoch deutlich zu spüren bekommt: Wo The Other drauf steht, sind auch The Other drinnen. Super Sache, ich geh mal meine Kippen holen und brettere zu den Klängen von „Fear Itself“ über den örtlichen Friedhof.
Toby S. 
Punkte: 9.0 von 10
PRO-PAIN - Voice Of Rebellion
Steamhammer/Musikvertrieb
Gary Meskill hat Pro-Pain im 1992 mit „Foul Taste Of Freedom“ gegründet und seiher regelmässig Alben veröffentlicht. "Voice Of Rebellion" ist schon das 15. Werk des New Yorker Haudegen. Was Meskill ausmacht, ist, dass er ohne Kompromisse sein Ding durchzieht. Mit seinen Texten deckt er Missstände in seinem Land auf, wie zum Beispiel mit der Polizei, die nicht gerade zimperlich umgeht mit den Bürgern, wie wir alle wissen. In der neuesten Ausgabe geht Meskill wieder vermehrt in den Hardcore zurück, von wo er stammt, ohne aber die Metal-Einflüsse zu vergessen, die das Gesamte von Pro-Pain ausmachen. Stimmlich brüllt er sich wie immer die Seele aus dem Leib, hat aber auch eingängige Passagen dabei. Sonst sind wie immer die fetten Riffs und die Rythmussektion absolut stark, einer Felswand gleich. Meskill erfindet mit seinem neuen Werk das Rad nicht neu, "Voice Of Rebellion" ist aber mehr als nur gelungen und wird jeden Fan der Band entzücken und auch für Einsteiger interessant sein.
Daniel J. 
Punkte: 8.9 von 10
TEN – Isla De Muerta
Rocktopia Records
Bereits zum 12. Mal wird die britische Melodic-Institution Ten mit einem Studioalbum vorstellig. Einmal mehr beweist dabei Mainman, Sänger und Kopf der Formation Garry Hughes ein aussergewöhnliches Gespür für feinste Melodien und deren Ausarbeitung zu fantastischen Songs. Der Titel des Werkes „Isla De Muerta“ lieferte bereits den Hinweis zum Stoff des Konzept-Albums. Es dreht sich um das Thema Piraten und die Mythen um die „Island Of The Dead“. Musikalisch hat die Band um Mr. Hughes die entsprechende Stimmung punktgenau eingefangen und versprüht dabei einen authentischen Vibe. Zwischen Bombast, knackigem Hard Rock bis hin zu Melodic Metal und sanften Keyboard Klängen fand Direktor Hughes immer den exakten Weg, die entsprechende Thematik zu vertonen. Ganze Arbeit leisteten dabei auch die drei Gitarristen, die Hand in Hand erstklassige Riffs und Soli mehr als einmal zu akustischen Wänden aufbauten. Die Truppe spielt aber auch immer wieder mit modernen Effekten, ohne dabei über das Ziel hinaus zu schiessen. So wird auch immer wieder durch düstere, fast melancholische Stimmungen von klassischem 08/15-Melodic abgerückt. Somit glänzt die Scheibe durch variable Nuancen, aber auch durch ausgeprägte Hooks. Im Gegensatz zu so mancher Konkurrenz schaffen es Ten, die Spannung vom ersten bis zum letzten Ton aufrecht zu erhalten. Auch der Härtegrad bleibt hoch und wird nur selten durch legitime, balladeske Klänge unterbrochen. „Isla De Muerta“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie man Melodic vom angestaubten Image befreien kann. Ein unerwartet starkes Album.
Chris C. 
Punkte: 8.8 von 10
BEAUVOIR FREE – American Trash
Frontiers Music/Musikvertrieb
Mit seinem blonden Iro setzte Jean Beauvoir in den frühen Achtzigern mit der Metal/Punk-Band Plasmatics optische Massstäbe. Die Zusammenarbeit mit der illusteren Truppe um Wendy O. Williams (R.I.P.) endete drei Alben später 1981. Dies war aber erst der Anfang der äusserst erfolgreichen Karriere des Multiinstrumentalisten, Songwriters und Produzenten aus Chicago, der zwischenzeitlich an über 100 Alben beteiligt war. Nach ersten Soloalben, dem ersten und bis dato einzigen Album von Voodoo X und dem Anfang mit Ausflügen in die Filmmusikbranche, begann auch das Projekt Crown Of Thorns. Deren Debut war nicht nur erfolgreich, sondern kreuzte auch die Wege von Mr. Beauvoir und Gitarrist Micki Free. 22 Jahre später beschlossen die Beiden, den Geist von damals zusammen wieder aufleben zu lassen und setzten da an, wo das selbstbetitelte Debut endete. Musikalisch bleibt Jean seinen Vorlieben für hochmelodischen Hard Rock treu. Zusammen haben die Beiden aber auch erstklassige Songs verfasst, die schnell ins Ohr gehen und dort auch bleiben, zwischenzeitliche Abnutzungserscheinungen von Crown Of Thorns sind dadurch schnell vergessen. Das kreative Duo scheint hervorragend zu harmonieren. Der Sound klingt extrem leichtfüssig und locker. Vor allem die individuelle Stimme von J. Beauvoir, gepaart mit den satten Riffs und filigranen Soli von Gitarrenkünstler M. Free, ergeben in Kombination Weltklasse-Melodic/Hard Rock. Somit ist „American Trash“ ein Album, das in keiner einschlägigen Sammlung fehlen darf.
Chris C.   

Punkte: 8.8 von 10
THE GREAT DISCORD - Duende
Metal Blade/Sony Music
Die vielschichtige Musik der Schweden um Sängerin Fia Kempe und Drummer Aksel Holmgren ist nicht einfach zu beschreiben oder zu verstehen. In eine Kategorie scheinen die Schweden kaum zu passen. Mal im schweren verzerrten Metal zu Hause, dann wieder in melancholischen Gefilden, dann wieder mal ein Growl-Part und Doublebass-Drums. Und über allem schwebt die schöne Stimme von Frontfrau Fia Kempe. Mal fast poppig, dann wieder brachial hart. Am Anfang ist dieses Album sehr verwirrend, öffnet sich aber dem Zuhörer nach und nach. Wenn sich das Ganze dann voll entfaltet hat, kann man hier ein wunderbares Stück Musik geniessen und erleben. So geht es mir beim Anhören des sieben Minuten langen "Ephemeral", da wird man einfach davongetragen in die wunderbare Welt von "Duende", was übrigens bedeutet, eine Seele zu besitzen. Über grosse Strecken verbreitet das Album immer wieder melancholische Stimmung, gepaart mit schönen Gesangsmelodien und tollen Gitarren. Ich kann euch "Duende" nur empfehlen, unbedingt reinhören und die Musik der Schweden geniessen, starkes Album.
Crazy Beat   
Punkte: 8.6 von 10
ENTRAILS - Obliteration
Metal Blade/Sony Music
Zwei Jahre nach „Raging Death“ bringen die Schweden von Entrails mit „Obliteration“ ihren vierten regulären Longplayer seit der Reunion 2008 heraus. Es sind keine Überraschungen von dieser neuen Scheibe zu erwarten - aber der Schwedentod-Liebhaber wird hier auch keinesfalls enttäuscht! In gewohnt düsterer und räudiger Manier prügelt und groovt sich das Quartett durch die zehn Songs des Albums, so dass kein Mensch mit etwas musikalisch-metallischer Seele im Leib dem Headbangen widerstehen kann. Mal schleppend, mal aggressiv-prügelnd mitten auf die zwölf, dann aber auch gern mal melodisch catchy und immer schön griffig rau - so sollte Schwedentod klingen. Fans von Entombed, Grave, Dismember und ähnlichen Truppen können und sollten hier ohne Zögern zugreifen. Geile Scheibe!
Lucie W.   
Punkte: 8.5 von 10
EVERSIN - Trinity: The Annihilation
My Kingdom Music
Italien hat längst nicht nur schnelle Sportwagen, Pizzen und La Dolce Vita zu bieten, nein mit Eversin hat unser südlicher Nachbar eine Thrash Metal-Kapelle in der Premium-Klasse. Wem die Bay Area ein Begriff ist, muss sich wirklich Zeit nehmen, um hier mal den sehr gut produzierten Thrash Metal anzuhören. Flinke, fette Gitarrenriffs mit geilen Soli, hämmernde Doublebass und einen pumpenden Bass mit einer geilen Stimme über dem Sound ist das Ergebnis einer Band, die nicht auf Copy/Paste aus ist, sondern sicherlich Einflüsse hat, die aber gezielt einsetzt werden, sodass man hier von einem Erfolg sprechen kann. James Rivera (Helstar) und Glen Alvelais (Ex-Forbidden) haben auch noch ein paar Nuancen zu diesem guten Album dazugetragen.
Daniel J.    
Punkte: 8.5 von 10
MY SLEEPING KARMA – Moksha
Napalm Records/Universal
Tja, auch die die Aschaffenburger My Sleeping Karma werden älter. Erschienen die ersten vier Alben der selbsternannten „Psychedelic Groove Rock“–Enthusiasten im schönen Zweijahrestakt, hat es diesmal drei Jahre gedauert, bis sie ihren neuen Longplayer druckreif im Kasten hatten. Spielt es eine Rolle? Mitnichten, denn die Band hat es schon wieder geschafft, eine knappe Stunde pure, instrumental gehaltene Magie auf Plastik zu bannen. Einerseits sind die sechs Nummern (plus fünf Zwischenspiele dazwischen) kompositorisch relativ einfach gehalten, spieltechnisch progressiv und in den Arrangements nachvollziehbar zugleich, und rufen Ambient-Pioniere wie Jean Michel Jarre oder Kitaro in Erinnerung, andererseits leben sie von unheimlich viel Dynamik (Kompression und Loudness War sind den Jungs glücklicherweise ein Gräuel), welche von sanftesten akustischen Klängen bis zu schon Stoner-mässig fett bratenden Riffs und heftigen Ausbrüchen reicht. So erschafft sich das bayerische Quartett wie gewohnt seinen ureigenen Klangkosmos aus lieblich vertonten Mantras, welche stilistisch wirklich alles umfassen, was Prog Rock, Metal, Ambient, Stoner und Psychedelic Rock hergeben, alles perfekt aufeinander abgestimmt und geschickt ineinander verflochten. Auch der härteste Metaller muss mal etwas chillen, hier hat er den perfekten Soundtrack dazu, und wer sich nicht sicher ist, soll sich mal Titel wie „Jalam“ oder das abschliessende „Agni“ reinziehen. Solche Stücke beschreiben die nicht existierende Stil-Schublade von My Sleeping Karma auf schon fast vollendete Art und Weise. Hattet ihr einen miesen Tag? Dann tut euch einen Gefallen und kauft euch „Moksha“, ist gesünder als Pillen, Nikotin und Alkohol und wirkt garantiert!
Mirko B.    
Punkte: 8.5 von 10
SIRENIA – The Seventh Path
Napalm records/Universal
Sirenia melden sich mit ihrem mittlerweile 7. Studioalbum zurück, welches sinnigerweise “The Seventh Path“ heisst. Die Norweger bewegen sich entsprechend trittsicher auf dem mittlerweile etwas ausgelatschten, altbekannten Trampelpfad namens Symphonic/Gothic Metal. Nachdem sich das letzte Album “Perils Of The Deep Blue Sea“ (2013) ein wenig düsterer und machtvoller präsentierte als seine Vorgänger, schlägt auch dieser neueste Silberling eine ganz ähnliche Richtung ein. Führend ist dabei Mastermind Morten Veland, der nicht nur fürs Songwriting zuständig ist, sondern auch noch die meisten Instrumente selbst einspielt sowie die männlichen Vocals beisteuert. Den Part der Sirene übernimmt seit 2008 und mittlerweile 4 Alben die hübsche Ailyn. Oft schon wurde kritisiert, dass ihre Stimme ein wenig schwächelt, und leider ist das grade bei diesem Album eher auffällig so. Offenbar hat sie die Grenzen ihrer stimmlichen Entwicklung erreicht und geht dabei oft gnadenlos unter neben der epischen Instrumentierung und den massiven Chor-Einlagen. Das könnte allerdings auch an der Aufnahme liegen, die manchmal ein wenig übermächtig scheint, was den Gesamteindruck etwas dimmt. Sehr gut kommt hingegen der “Beauty & the Beast“-Stil rüber – das Hin und Her aus glockenhellem, weiblichem Klargesang und brutalem, männlichem Growling. Davon findet sich auf “The Seventh Path“ wieder deutlich mehr, was Fans begeistern dürfte. Die durchschnittliche Tracklänge liegt bei rund 7 Minuten – das bietet viel Platz für ausgefeilte und abwechslungsreiche Kompositionen, und von denen gibt tatsächlich sehr viele. Das Album präsentiert sich äusserst vielseitig und bedient sich dabei grosszügig an Elementen aus klassischer Musik, aber auch aus dem Gothic-Genre. Die Mischung aus symphonischen Klängen und brutalem Death Metal ist dabei erstaunlich harmonisch und dank den hervorragenden Arrangements tatsächlich nie langweilig. Highlight sind dabei das an Epica erinnernde “Elixir“, wo auch die männlichen Vocals etwas mehr im Vordergrund stehen, oder auch das vorab veröffentlichte “Once My Light“. Sehr episch kommt dabei “Sons Of The North“ rüber mit den raffinierten Chor-Einlagen – ausserdem kommt Ailyns Stimme hier wirklich schön zum Tragen. Sehr gut ist auch das bombastische “Contemptuous Quitus“, das eine sehr eingängige Melodie hat. Fazit: Sehr schönes Symphonic Metal-Album, das mit tollem Songwriting glänzt. Abzug gibt’s für die etwas unbefriedigende Klangqualität und für die schwächelnde Frontsirene. Reinhören lohnt sich aber auf jeden Fall!
Patricia H.    
Punkte: 8.5 von 10
BOREALIS - Purgatory
AFM Records/Musikvertrieb
Es gibt ja Musikrichtungen, unter denen kann man sich im ersten Moment nicht viel vorstellen kann. Dark/Melodic Metal ist da so ein Beispiel. Hört man jedoch erst einmal rein, zeigt sich, warum man diese Parts miteinander gemischt hat. Die Band Borealis fühlt sich sehr mit dieser Bezeichnung verbunden. Sie werden in Kürze bereits ihr drittes Album mit dem Titel "Purgatory" veröffentlichen. Was ich da gehört habe, hat mir sehr gefallen. Die Band stammt aus Kanada, und anders als andere kanadische Bands sind hier wirklich ernste Themen in den Songs zu finden. Auf der zwölf Songs starken Platte bekommt man aber nicht nur düstere Stimmung geboten. Der Opener "Past The Veil" wird von Matt Marinellis Stimme perfekt transportiert. Auch wenn man beim ersten Hinhören ein wenig das Gefühl hat, dass es sich um eine austauschbare Mainstreamstimme handelt, ist das Gesamtpaket tadellos. Die Musik hat einen sehr fetten Klang, und das haut voll rein. "Destiny" zeigt das Potential der Jungs. Düstere Keyboards von Sean Werlick und druckvolle Drums von Sean Dowell. Wer es düster und doch druckvoll mag, kommt voll auf seine Kosten. Zur Vollständigkeit tragen natürlich auch die Stimme und Gitarrenarbeit von Matt Marinelli und Mike Briguglio bei. Gekonnte Tempowechsel kurz vor dem Gitarrensolo runden den Song zum Schluss ab. "Place Of Darkness" ist ein weiterer Anspieltipp. Der Track transportiert eindrücklich die vielen Facetten der Kanadier. Kanada gilt ja bekanntlich nicht gerade als Geburtsstätte des Melodic Metal, dieses Album belehrt mich aber eines Besseren. Borealis verbinden wirklich Melodic Metal mit zahlreichen düsteren und harten Elementen des Dark Metal und mehr. Man kann diese Kombination kaum beschreiben, da viel Input daherkommt. "Rest My Child" ist schliesslich eine tragisch schöne Ballade, die es nur zu geniessen gilt. Mit "Revelation" ist ein weiterer Leckerbissen am Start. Druckvoll rockt es durch die Gehörgänge! Die Gesamtproduktion ist sehr episch geworden, und wer aufmerksam hinhört, wird sogar die weibliche Stimme erkennen, die an manchen Stellen echt gelungen eingebaut wird. Ich könnte mir für die Zukunft durchaus noch mehr Duette vorstellen. Sie fügen sich sehr gut in den Sound der Band ein. "Purgatory" ist rein instrumental ein sehr interessantes Werk, dennoch ein Album, das auf Dauer langweilig werden könnte, da die Stimme doch ab und zu ein wenig Monotonie hinterlässt. Sie passt, könnte aber gerne mehr in andere Tonlagen und Klangfarben abschweifen. Ansonsten bitte so weitermachen wie bisher! Dass es die Band noch nicht weiter als über manche Grenze in der Nähe von Kanada geschafft hat, wundert mich doch sehr, denn das Potential ist enorm.
Oliver H.    
Punkte: 8.5 von 10
KING PARROT - Dead Set
Agonia Records
Phil Anselmos Baby, gezeugt im Hintergrund, hat das Licht der Welt erblickt. King Parrot aus Australien konnten auf einer ihrer zahlreichen Auftritte augenscheinlich das Interesse eines gewissen Phil Anselmos (Pantera, Down) gewinnen. Denn für die neue Scheibe der Australier wirkte der ehemalige Pantera-Shouter nicht nur an den Drehreglern im Studio, nein, der gute Herr ist sich auch nicht zu Schade, im Stück "Like A Rat" mitzuwirken und als Krönung gleich noch im dazugehörigen Musikvideo mitzuspielen. Dass der aktuelle Down-Sänger King Parrot unterstützt, liegt auf der Hand, doch zurecht? Das neue Album "Dead Set" besticht durch den Mix aus Thrash, Hardcore, Punk und Grindcore und einem unerreichbaren Groove. Auf den 35 Minuten kann man aufgrund der stilistischen begrenzungen keine Kompositionswunder erwarten, gleichwohl merkt man bereits ab dem ersten Takt, warum Phil A. einen Narren an den Aussies gefressen hat. Und die bereits erwähnte Singleauskopplung "Like A Rat" haut dermassen von den Socken und ist ein potenzieller Evergreen.
Steve Butcher    
Punkte: 8.5 von 10
BURNING POINT - Burning Point (Compilation)
AFM Records/Musikvertrieb
Die finnischen Power-Metaller von Burning Point sind 2015 mit einem neuen Album und neuer Frontfrau zurück! Für die Band um Mastermind Pete Ahonen beginnt somit eine neue Ära ihrer Bandgeschichte. Nitte Valo ist zurück! Sie war die erste Sängerin von Battle Beast. Seit dem Verlassen der Band war es eine lange Zeit sehr ruhig um sie. Nun tritt ihre grandiose Stimme wieder ins Rampenlicht, und das mit einer Band, die sich in Finnland schon Kultstatus erarbeitet hat. Von Burning Point sind seit 1997 bereits fünf Alben auf dem Markt, und die Band kann auf eine beachtliche musikalische Geschichte zurückblicken. Fakt für diese Platte ist aber, dass Nittes Stimme dem Sound einen grandiosen neuen Klang verleiht. Die Mischung zwischen melodischen Höhen und die eher rauchigen Tiefen lassen zusammen mit dem Sound ein interessantes Gesamtpaket entstehen. "Burning Point" beinhaltet sechs aufregend neue und sechs alte Klassiker ("In The Shadows", "Find Your Soul", "My Darkest Times", "Into The Fire", "Heart Of Gold" und "Queen Of Fire"), die mit Nitte Valo neu aufgenommen wurden. Gerade die alten Stücke im neuen Kleid finde ich persönlich sehr gelungen. Um das beurteilen zu können, habe ich mir die Originale natürlich auch noch angehört. "All The Madness" ist ein neues Stück, das in der Strophe eher ruhig daher kommt. Im Refrain entlädt sich aber die ganze Spannung sehr kraftvoll. "Signs Of Danger" ist dagegen eine geballte Ladung Power Metal, die zum Headbangen auffordert. "Heart Of Gold" klingt extrem kitschig, ist es aber nicht! Obwohl eher ein ruhigerer Track, kommt die klassische Metal-Hymne sehr druckvoll daher. "Into The Fire" ist von Anfang bis Schluss einfach der Hammer! Mehr braucht es da nicht. "Burning Point" ist eine lebendige und abwechslungsreiche Scheibe, die ganz soliden Metal geladen hat. Die Songs sind sehr ansprechend und haben eine anständige Länge, so dass sie sich komplett entfalten können. Viel Melodie, harte Riffs, gute Gitarrenparts und eine Frontfrau, die mit ihrem Instrument mehr als umzugehen weiss. Der elfte und letzte Song birgt noch eine Überraschung. Es handelt sich dabei um einen Kiss-Klassiker: "I've Had Enough (Into The Fire)" ist eine ganz gut gemachte Coverversion und gibt dem Album noch eine etwas andere Seite. Man kann auf die weitere Zukunft von Burning Point gespannt sein.
Oliver H.   
 
Punkte: keine Wertung
SECRETS OF THE SKY – Pathway
Metal Blade/Sony Music
Was das Quintett aus Oakland Kalifornien auf ihrer erst zweiten Langrille abliefert, ist schlichtweg beeindruckend, und das ist noch untertrieben. Um wenigstens ansatzweise beschreiben zu können, wie diese extrem interessante Combo klingt, ist das Heranziehen der gesanglichen Fähigkeiten von Keyboarder und Frontmann Garett Gazay schon mal ein guter Ansatz. Der Kerl kann gleichermassen teuflisch schwarz screamen, abgrundtief growlen und engelsgleich clean singen, passt somit perfekt zur vordergründig nicht ersichtlichen Marschrichtung der Truppe, welche sämtliches Terrain zwischen Doom, Death, Black und Dark Metal, irgendwo zwischen Moonspell und Type O Negative, Prog und Psychedelic Rock, abdeckt. Klingt wirr, ist es aber keinesfalls, denn die Band geht dem wilden Stilmix zum Trotz klar und strukturiert vor, was dem aufmerksamen Zuhörer einen anspruchsvollen, aber zugleich sehr angenehmen, fünfundvierzig Minuten dauernden Hörgenuss beschert. Besagte Dreiviertelstunde beinhaltet sechs reguläre Tracks und sieben Interludes (von I bis VII in römischen Ziffern durchnummeriert), wodurch das Album einen sehr angenehmen Fluss bekommt und kompakt statt vertrackt wirkt. In Anbetracht der an den Tag gelegten Progressivität und des insgesamt sehr hohen Niveaus erscheint es mir müssig, irgendwelche einzelne Nummern hervorzuheben. „Pathway“ ist genau eine dieser Langrillen, die man bei entsprechender Stimmung am Stück und mit der nötigen Ruhe geniessen muss wie ein wirklich gutes Glas Rotwein, für Hektiker und Party-Prolls ist das definitiv nix. Wer hingegen dazu geneigt ist, das Wechselbad zwischen tiefgründigen, progressiven Klängen, brachialen Death Metal-Einschüben, schleppenden Doom-Lavasounds und einlullenden sphärischen Klanglandschaften zu geniessen, liegt hier genau richtig. An „Pathway“ werden insbesondere die Düsterheimer unter euch eine helle Freude haben, und wer sonst noch offenen Ohres durchs musikalische Leben schreitet, ist herzlich eingeladen, sich den Dreher mal anzuhören, mir hat er es jedenfalls sehr angetan. Dies ist tiefgründige, stimmungs- und zugleich kraftvolle Musik, welche wieder mal wertvolle Vitamine für Herz und Hirn liefert.
Mirko B.   
Punkte: 8.4 von 10
V.A. – A Light In The Black – A Tribute To Ronnie James Dio
Massacre Records/Musikvertrieb
Auf einer Doppel-CD geben sich diverse Massacre-Bands die Ehre und huldigen dem besten Metal-Sänger aller Zeiten, Ronnie James Dio. Dabei fällt die Auswahl der Song von Rainbow über Black Sabbath bis zu Dio. Erstaunlicherweise erklingen die Songs, alle auf ihre Art, wirklich gut. Auch wenn die Sänger ab und an eine eigenwillige Performance abgeben (Burden Of Grief). Lieder herauszuheben ist schwierig, da wohl jeder Fan seine ganz persönliche Lieblingstracks hat und diese besonders unter die Lupe nehmen werden. Persönlich finde ich die Präsentationen von Iron Fate („A Light In The Black“), Crystal Ball („Sacred Heart“, „The Sign Of The Southern Cross“), Love.Might.Kill („Hungry For Heaven“, „Stand Up And Shout“), The Order („The Last In Line“) und Gun Barrel („Evil Eyes“) äusserst gelungen. Trotzdem bleibt das Original unerreichbar. Als Huldigung an Ronnie ist diese Doppel-CD aber schon fast ein Pflichtkauf!
Tinu    

Punkte: keine Wertung
LEPROUS - The Congregation
InsideOut Music
Auch das Vierte Werk der Norweger Leprous bewegt sich im Prog Metal, genauso wie die drei Vorgängeralben. Immer noch ein Markenzeichen ist die hohe Stimme von Einar Solberg, die zwar gewöhnungsbedürftig ist, aber keineswegs nervt. Die verspielten Prog-Szenen, gepaart mit den zum Teil eingängigen Gesangsmelodien, passen sehr gut zum Rest der Songs, und das Auf und Ab von Tempos und den instrumentalen Höhenflügen. Atmosphärische Strukturen prallen auf harte Parts und ruhig verträumte Passagen. Alles passt zusammen und ist gut zu verstehen bei "Flood", bei dem sich viele der obengenannten Stimmungen vereinen. Es ist nicht einfach, Leprous in irgendeine Musikalische Ecke zu drängen, da die Norweger immer wieder aus einem Schema ausbrechen, was das Ganze sehr interessant macht. Man kann sich schnell in den musikalischen Details verlieren. Meiner Meinung nach ist "The Congregation" das bisher stärkste Werk der Nordländer, und das, obwohl die Vorgängeralben allesamt auch gut sind. Tolle Leistung und sicher interessant für jeden Prog-Fan, der das Anspruchsvolle liebt.
Crazy Beat   
Punkte: 8.4 von 10
SIDEBURN - Evil Or Divine
Metalville/Musikvertrieb
Manchmal macht es Sinn, dass man mit einer CD-Review etwas später dran ist. Im Falle der schwedischen Sideburn (nicht mit der gleichnamigen Schweizer Band zu verwechseln!) geschah am diesjährigen "Sweden Rock" gar Wundersames, indem ich vor Ort per Zufall die Managerin der Gruppe kennen lernte. Wir konnten es beide kaum glauben, was da gerade geschah. Die Band aus Stockholm spielte während des Festivals, jedoch ausserhalb des Geländes, sogar ein separates Konzert, zu dem es mir aber leider nicht gereichte. So nehme ich Vorlieb mit dem Studiomaterial und bereits nach wenigen Klängen des Openers «Masters And Slaves» ist die Marschrichtung sonnenklar. Die formulierte Stilschublade "doomiger Hardrock" trifft den Kern der Sache ziemlich genau, wobei hier in erster Linie Black Sabbath, respektive Heaven & Hell deutlich auszumachen sind. Gelungen ist jeweils die Bridge in ein etwas ruhigeres Feld, wo sich dann auch die Stimmfarbe von Leadsänger und Gitarrist Dimitri Keiski ändert. Da der erste Song über sechseinhalb Minuten dauert, wurde sinnigerweise auch ein Tempowechsel untergebracht, was bestens passt. Das nachfolgende «Sea Of Sins» bringt neben Vibes von Alter Bridge deutlich höher angesiedelte Gesangslinien. «Evil Or Divine» ist das mittlerweile fünfte Album der Combo, die erstmals 2002 mit dem Debüt «Trying To Burn The Sun» von sich reden machte. Die Zeiten für Retro-Sound sind ja mittlerweile schon eine ganze Weile am Köcheln, und da passen Sideburn bestens rein. Allerdings geniessen nicht alle Bands die gleiche Beachtung wie gegenwärtig Blues Pills oder The Vintage Caravan. Sideburn könnten so eine Unterstützung sicher auch gut gebrauchen, was bei weiteren Highlights wie dem nach Michael Schenker (!) klingenden «When Darkness Calls» oder dem sich vor Candlemass verneigenden «The Day The Sun Died» unter Beweis gestellt wird. Der Sound dringt dabei ordentlich fett an meine Lauscher und erinnert mich an die guten Tage der Doom-Legende. Für Abwechslung ist also gesorgt und mit dem rockigen wie kompromisslos nach vorne treibenden «Evil Ways» folgt genau das, was ein gutes Album stets enthalten sollte, nämlich einen Killer-Song, der fix auf die Repeat-Taste abonniert ist! Zum Schluss gibt bei «Presence» eine akustische Einleitung und einen ruhigen gepflegten Aufbau, ehe «Evil Or Divine» schliesslich halbballadesk und dem melodiösesten Gesang des ganzen Albums endet. Doch das ist noch nicht alles, denn es folgt noch ein progressiv gefärbtes Guitar-Solo. Kritiker könnten nun bemängeln, dass den Schweden irgendwie der rote Faden fehlt, doch die Variabilität bietet, eingebettet in der Retro-Schiene, allen Fans etwas. In der Tat interessante Mucke, die man hoffentlich bald einmal auch in unseren Breitengraden live zu sehen bekommt.
Rockslave   
Punkte: 8.3 von 10
TRIXTER – Human Era
Frontiers Music/Musikvertrieb
Der Vierer aus New Jersey wurde bereits 1983 gegründet. 1990 erschien ihr vielbeachtetes, selbstbetiteltes Debutalbum, das mit „Give It To Me Good“, „One In A Million“ und „Surrender“ gleich drei Singles in den Billboard Charts platzieren konnte. Es folgten erfolgreiche Tourneen in den USA, Kanada und Japan. Dabei teilte man die Bühne unter anderem mit Grössen wie Kiss, Scorpions, Cinderella, Warrant, Slaughter, Winger und Skid Row. Mit dem Ausklingen der Glam- und Sleazy-Ära Mitte der Neunziger und der Machtübernahme von Grunge war auch für Trixter die erfolgreiche Zeit vorbei. Erst mit der Rückkehr des zeitlosen Hard Rock Ende des letzten Jahrtausend versuchte die Truppe einen Neuanfang. Nach einem ersten Live-Album erschien dann vor drei Jahren das, im Original Line Up fabrizierte, Comeback-Album „New Audio Machine“. Dieses Werk stiess durchwegs auf positive Resonanzen, wurde doch praktisch da weitergemacht, wo man gegen zwanzig Jahre vorher aufgehört hatte. Nun erscheint mit „Human Era“ der Nachfolger. Bisher konnte man die Truppe durchwegs der Sleazy-Szene zuordnen. Auf dem aktuellen Output klingt man nun weniger aggressiv und weniger dreckig wie noch auf dem Vorgänger. Sicher, die Band beinhaltete schon immer einen ausgeprägten Melodic-Touch. Dieser wurde nun aber ausgebaut und somit stärker gewichtet. Das ist nicht unbedingt ein negativer Aspekt. Man tendiert aber eher in die Richtung von Firehouse oder Danger Danger und entfernt sich dezent von Skid Row oder Slaughter. Nach wie vor versteht sich der Vierer aber auf erstklassiges Songwriting. Knackige Riffs und catchy Melodien mit ausgeprägten Hooks sind beileibe keine Mangelware. Die Songs mit Hitpotenzial sind trotzdem weniger zahlreich vertreten als auf dem Vorgänger. Nichts desto trotz ist „Human Era“ ein starkes Stück Musik geworden, das eben nicht nur in Sleazy-Kreisen, sondern auch in der Melodic-Szene auf Interesse stossen kann. Tolles Album, aber weniger stark als der Vorgänger.
Chris C.  
Punkte: 8.2 von 10
KRAYENZEIT – Auf Dunklen Schwingen
Oblivion Records/Musikvertrieb
Krayenzeit ist aus der Mittelalter Rock-Kombo Feanor entstanden, welche bereits seit dem Jahr 2000 herumgeistert. Als 2013 Die Multiinstrumentalistin Jula Grohl dazu stiess, ging es dann aber erst richtig los und unter neuem Namen reicht die Truppe nun endlich ihr Debut-Album “Krayenzeit“ ein. Der Sound der Krähen erinnert stark an Saltatio Mortis. Sänger Markus Engel könnte man teilweise sogar fast mit Alea von SAMO verwechseln. Auch andere Mittelalterkapellen wie Schandmaul (besonders auffällig bei der Ballade “Ein Abschied“) oder Subway To Sally (z.B. bei “Feuertanz“) lieferten hier die Inspiration. Entsprechend fehlt mir bei "Krayenzeit" ein wenig das Unverwechselbare und Einzigartige. Was nun aber nicht heissen soll, dass diese Scheibe keinen Spass macht! Ganz im Gegenteil sogar – Krayenzeit picken sich von alledem das Beste raus und mischen das Ganze dann noch ein wenig auf! Das Ergebnis ist eine ziemlich rockige Reise durch Themen wie Liebe und Leidenschaft, Tod und Teufel sowie Himmel und Hölle. Dabei geizen sie auch nicht mit tanzbaren Nummern, welche jedes Mittelaltermarkt-Publikum zum Abgehen animieren dürften. Allen voran der Opener “Krayenzeit“, der wohl beste Track des Silberlings – dicht gefolgt von “Erntefest“, ein erstaunlich heiteres Lied über Pest und Verderben. Toll ist auch “Himmlische Heere“, wenngleich etwas gar zu lang. Mit dem letzten Track “Rum Sherry’s Ladies“ haben die Krähen auch noch eine Hymne für alle Möchtegern-Piraten da draussen kreiert. Fazit: Wer auf Mittelalterrock steht, der sollte "Krayenzeit" auf jeden Fall eine Chance geben!
Patricia H.  

Punkte: 8.2 von 10
KAMCHATKA - Long Road Made Of Gold
Despotz Records
Verspielt, lebendig und immer noch tief im Blues Rock der Siebziger verwurzelt (ich sag nur: Cream) gibt sich das schwedische Trio auch auf ihrem mittlerweile sechsten Langdreher, und relaxt noch dazu, denn das ganze Album strahlt eigentlich konstant eine selbstsichere Entspannung aus, welche sich in der wohldosierten Experimentierfreudigkeit der Songs widerspiegelt. Da steht gerne mal eine bodenständige Slide Guitar neben verträumt-psychedelischen Klängen, und der ordentliche Pfad des Blues wird ohne viel Federlesen hin und wieder verlassen, um sich in etwas wilderen Hard Rock–Gefilden kurz auszutoben. Dabei macht es das Powertrio genau richtig und versucht gar nicht erst, irgendwie gigantisch oder gar überladen zu klingen. Die Overdubs halten sich in engen Grenzen und geben so einen authentischen Eindruck davon ab, wie die Band auf der Bühne klingt, nämlich kraftvoll, klar strukturiert und ursprünglich, wie ein Powertrio eben klingen sollte. In Sachen Blues Rock etwas vom Feinsten, was mir in den letzten Monaten durch die Lauscher gerauscht ist. Und noch eine Bemerkung an die Bassisten da draussen: Per Wibergs (Ex-Opeth, Spiritual Beggars) Bass-Sound auf “Long Road Made Of Gold” ist einfach nur geil, reinhören ist Pflicht!
Mirko B. 

Punkte: 8.2 von 10
TESSERAT - Odyssey (Live)
Century Media/Universal
Die britischen Progger von Tesseract haben ihre Tournee im 2014 genutzt, um eine Liveplatte aufzunehmen. 11 Songs hat man ausgelesen, von denen ein jeder ein wahrer Chef d’oeuvre ist. So soll moderner Prog Metal im Jahre 2015 klingen. Super Songarrangements mit den ausserirdischen Fähigkeiten an den Instrumenten der Musiker, die jedem Anfänger schon früh den Wind aus den Segeln nehmen, wenn es darum, geht ein Instrument zu beherrschen. Hier wird wirklich Musik gelebt und zelebriert, so dass man sich Fragen muss ob es eigentlich noch möglich ist, eine Steigerung hinzubekommen. Doch bei Tesseract muss man sich keine Sorgen machen, denn sie sind in ihrem Genre führend und müssen keine Konkurrenz fürchten. Mit dieser Liveplatte hat man sich ein kleines Denkmal gesetzt, um der Welt zu zeigen, zu was man fähig ist.
Daniel J.   
 
Punkte: keine Wertung
DARKMOON - Decline
Non Stop Music Records
Neues von der Schweizer Melodic/Death Metal-Front! Die Truppe um Matthias Borer wirft diesen Monat bereits ihr siebtes Album mit dem Namen "Decline" auf den Markt. Was ist zu erwarten? Die Basler haben das Rad des Death Metal auch diesmal nicht neu erfunden. Ist aber auch nicht nötig! Wenn man bedenkt, dass sich Darkmoon nun auch schon seit mehr als 15 Jahren in der Schweizer Metalszene austoben, mag man ihnen einen gewissen angewöhnten Stil verzeihen. Nichts desto trotz - die Platte kommt sehr erfrischend daher und zeigt nach mehreren Hördurchgängen auch eine gewisse Vielfalt in der Härte. "Decline" bietet erstaunlich viele melodische Parts. Harte Drums, sägende Gitarren und wütende Gesangsparts stehen in gekonntem Wechsel und sorgen damit für eine gewisse Eingängigkeit der Songs. "1000000 Suns" überzeugt durch gradlinige Riffs, und Borers Vocals erinnern stark an die Gesangskünste von Benedictions Dave Hunt (was für mich persönlich ein grosses Plus ist). "Riders In The Sky" und "Longing For" sind Kracher, die allenfalls auch Pro Pain-Fans in Stimmung versetzen könnten. Die Eidgenossen brauchen sich also keineswegs zu verstecken und stehen musikalisch Auge in Auge mit den ganz Grossen. "Step Back!" sowie "Darkness Complete" weichen vermutlich am meisten von der Norm ab und bieten stellenweise mit Offbeats einen etwas ungewohnten Rhythmus. Über das ganze Album hinweg kann man sagen, dass sich die Combo nochmals ein Stück mehr vom klassischen Death Metal verabschiedet und die Tür der Moderne aufgestossen hat. Die zehn Tracks, wenn man "Misgiving" als Intro mitzählt, sind mit einer zeitgemässen Prise Melodic/Death gewürzt und bieten so dem einen oder anderen neuen Hörer die Gelegenheit zum Reinhören an. Ein solides, energiegeladenes Album mit viel Herzblut und ohne Schnickschnack. Platz für Schnörkel und musikalische Grossversuche gibt es nicht, dennoch klingen Darkmoon deutlich anders als noch zu Zeiten von "Wounds". Auf ihre generelle Rezeptur hat das Quintett glücklicherweise doch nicht verzichtet, und "Decline" ist eine klasse Scheibe mit allem Drum und Dran, viel hartem Sound und Spielfreude. Von letzterem konnte man sich übrigens an der Plattentaufe im altehrwürdigen Z7 überzeugen. Die Scheibe ist schon zur Unterstützung der CH-Metalszene für Fans ein MUSS!
Oliver H.    

Punkte: 8.0 von 10
ARMORED SAINT – Win Hands Down
Metal Blade/Sony Music
Mit einer neuen Armored Saint-Scheibe hätte ich nicht gerechnet! Die ehemaligen Hoffnungsträger des amerikanischen Power Metal wurden 1990 aus der Bahn geworfen, als ihr Gitarrist David Prichard an Leukämie starb. Von diesem Schock hat sich die Band bis heute nicht erholt. Auch wenn das erste Werk der Amis ohne Dave, „Symbol Of Salvation“ (1991), eine amtliche Scheibe war, kam das Fahrwerk der Truppe nie mehr aus dem Stocken heraus. Dass Meistersänger John Bush dann bei Anthrax anheuerte, behinderte die Truppe zusätzlich. Ebenso wie Bassist Joey Vera, der unter anderem bei Fates Warning in die Saiten griff. Nun liegt der achte Rundling von Armored Saint zur Hörprobe bereit. Auch wenn die Scheibe kein „March Of The Saint“, „Delirioius Nomad“ oder „Raising Fear“ geworden ist, so steckt das Songmaterial noch heute locker 98% aller Truppen in die Tasche. Die Jungs gehen nun etwas verspielter vor, finden aber immer wieder den passenden melodischen Chorus wie bei „Mess“ oder haben nach wie vor die typischen AS-Hymnen auf Lager, wie beim Titelsong. Das Gitarrenduo Jeff Duncan und Phil Sandoval rifft sich gegenseitig in die Höhe („An Exercise In Debauchery“) und zeigt, dass sie würdige Nachfolger des leider viel zu früh verstorbenen Mister Prichard sind. Die Amis verstehen es, sich neu zu definieren, sich dabei aber trotzdem treu zu bleiben. Was aber auch bedeutet, dass der Fünfer nicht mehr so viele Hits am Laufband schreibt wie früher. Herauszuheben ist neben dem einmal mehr fantastischen Gesang die tolle Produktion, die keine Wünsche offen lässt. Das Wechselbad zwischen gefühlvollen Momenten und schnelleren Parts beherrscht Armored Saint noch immer, wie dies nachzuhören ist in „With A Head Full Of Steam“, bei dem das Gesangduett zwischen John und Pearl Aday überzeugt. „In An Instant“ verbindet modernere Parts mit brachialen und schnelleren Momenten, eine für Armored Saint typische Idee, die aber wie erwähnt moderner erklingt. Die Truppe bleibt unberechenbar und es fordert vom alten AS-Fan einige Durchläufe, damit er sich mit der neuen Art der gepanzerten Heiligen definieren kann. Einen Song wie „Dive“ hätten die Jungs in den achtziger Jahren niemals geschrieben!
Tinu    

Punkte: 8.0 von 10
BACKWATER - Backwater
7hard
Geile Mucke, die mir hier auf den Tisch geflattert ist. Ich mag die Musik der Lausanner Rocker Backwater sehr. Schon der Opener "Muddy In My Head" rockt in guter alter Südstaaten-Rock-Manier. Sänger Marc Vermot hat eine geile Rockröhre, die richtig gut gefällt. Starke Gitarren, immer auf den Punkt gebracht, ich mag sie, wenn sie so cool angechruncht sind wie beim Titelsong "Backwater". Oder beim AC/DC-lastigen "Hey Man". Ganz toll das melodiöse "Looking For The Thrill", am Anfang erinnert mich der Gesang etwas an Steve Lee. Ganz starker Song, für mich ein Highlight des Albums. "Moving Like A Reptile" kommt mit tiefem bluesigem Gesang und einer klasse Gitarre, begleitet vom Schlagzeug, grösstenteils nur mit Bass Drum und Hi Hat und einem monotonen Bass, später noch mit Chor und einem starken Gitarrensoli dazu, ein Hammersong. Das flotte "Rock`n`Roll Devil" erinnert dann musikalisch wieder an Angus Young und Co, aber auch an Krokus. Ein weiteres Highlight ist das coole "Ride On Wild Horses", teils mit akustischer Gitarre, teils rockig finden die Jungs eine tolle Balance, den Song spannend zu halten und die Gitarrensoli am Ende von Fred und Boris, einfach nur geil. Zum Schluss wird dann mit "Never Be Down" nochmals ordentlich AC/DC-like gerockt und beendet ein starkes Rock-Album, das wirklich Spass macht, beide Daumen hoch nach Lausanne zu Backwater. Rock On Dudes!
Crazy Beat    

Punkte: 8.0 von 10
THE BLOODLINE – We Are One
Another Century
Was mir da aus den Boxen entgegenschallt, ist feinster Alternative Metal, wie er nur in den USA entstanden sein kann. Tatsächlich stammen The Bloodline aus Chicago, und die noch relativ junge Band gibt mit “We Are One“ ihren Einstand im Bereich des Metalcore. Dabei erinnern sie streckenweise stark an Bullet For My Valentine – massive Gitarrenwände, donnernde Doublebass-Gewitter und ein ständiges Spiel zwischen Härte und starker Melodie. Auch Travis Neal, der Mann am Mikrofon, vermag durch seine erstaunlich breitgefächerte Stimmpalette zu begeistern. Egal ob Scream- oder Clearvocals – seine Stimme kommt immer kräftig rüber. The Bloodline gingen übrigens aus der Band Dirge Within hervor – als diese sich von ihrem Frontmann trennten und Travis Neal mit an Bord holten, merkten sie plötzlich, dass ihre Musik eine ganz neue Dynamik angenommen hatte und dass sie alle auf einer Wellenlänge lagen. Der Name der Band drückt diese Verbundenheit aus, und ja – man hört deutlich, dass hier eine hochmotivierte und talentierte Truppe mit Leidenschaft dahinter steckt. Nach all diesem Lob bleibt allerdings ein wirklich grosser Wermutstropfen, der sich nur schwer schlucken lässt: die fehlende Abwechslung. Spätestens nach 3 Songs wird klar, dass hier eigentlich alles nach Schema F aufgebaut wird. Klar, Schema F ist klasse und macht Spass, wird aber auch schnell langweilig und verkommt gegen Ende der lediglich 42 Minuten Spielzeit zu einem monotonen Plätschern. Einzig das leicht militärisch gedrillte “With Fire (Comes Absolution)“ und die Quotenballade “Bedside Sorrow“ vermögen diesen Einheitsbrei noch etwas aufzulockern. Letzterer ist übrigens tatsächlich ein sehr schöner und vor allem emotionaler Track – der Sänger verarbeitet darin die aufwühlenden Stunden am Totenbett seines Grossvaters. Fazit: Ein wirklich gelungenes Debut! An der Abwechslung müsste noch ein wenig gefeilt werden, aber sonst gibt es eigentlich nichts zu meckern. Fakt ist, dass es hier schon eine Menge gutes Material gibt, das Fans des US-Metal sich keinesfalls entgehen lassen sollten!
Patricia H.     
Punkte: 8.0 von 10
IWRESTLEDABEARONCE - Hail Mary
Artery Recordings
Wer die drei Vorgängeralben kennt und schätzt, muss gar nicht erst weiterlesen sondern kann gleich blind zugreifen. Denn noch immer scheint die komplette Truppe unter kollektivem Zuckerschock zu stehen und demnach baldigst ebenfalls kollektiv an Diabetes zu erkranken. So sehr ich diese Band einst hochgelobt und in ihnen einen herrlich frischen Wind im ach so ernsthaften, extremen Musikgenre gesehen habe, so sehr gehen mir die superfuturistisch/-fiesen Verzerrungen/Quietscher/Songgebilde mittlerweile auf den Sack. Entspannt ist definitiv anders... auch ich werde wohl langsam alt. Wer IWABO noch nicht kennt, darf sich jedoch auf 14 hypernervöse Mathcore/Jazz/TetrisAufSpeed-Tsunamisongs freuen, die zahnschmelzsplitternder kaum sein könnten. Man muss der Band mit der zwischen wüstem Gebrülle und schönem Klargesang pendelnden Sängerin allerdings attestieren, dass sie ihre jeweiligen Instrumente und Studiowerkzeuge fantastisch beherrschen und nach wie vor ein paar Kinnladen runterklappen lassen können. Was ich auf "Hail Mary" aber kläglichst vermisse, ist der nerdige Humor mit dem die Band früher wie ein lustiger, bunter, unter LSD stehender Klassenausflug des örtlichen ADHS-Zentrums daherkam. Die neue Ernsthaftigkeit ist zwar sehr erwachsen, macht die knapp 45 Minuten aber auch zu einer echten Herausforderung für das körpereigene Nervenkostüm. "Hail Mary" ist alles andere als schlecht, aber leider überhaupt nicht mehr meine Blutgruppe. Ich empfehle daher vor dem Reinhören euren Psychiater auf Kurzwahl zu programmieren.
Hardy    
Punkte: 8.0 von 10
ARCTURUS – Arcturian
Prophecy Productions
Beim Durchschauen der Bandmitglieder von Arcturus könnte man beinahe an ein All-Star Projekt denken: Hellhammer und ICS Vortex, die beide wohl keine weitere Erklärung brauchen, sowie Sverd, Skoll sowie Knut Magne Valle(ex Ulver). Tatsächlich gibt es die Band aber bereits seit 91, nur haben die Norweger in den letzten zehn Jahren in anderen Bands und Projekten mitgewirkt. Die Musik ist sehr ideenreich, ob orientalisch anmutende Gesangslinie bei ‚Crashland‘, diverse elektronische Einschübe oder klassischer gehaltene Synthesizer-Orchester, Arcturus geizen nicht mit ausufernden Arrangements. Dabei ist die Stimme von ICS Vortex natürlich ein wichtiger Aspekt. Orchestrale Passagen wie bei ‚Game Over‘, bei denen keine verzerrten Gitarren zu hören sind, werden erst durch den Gesang wirklich interessant. Mehr Gitarren gibt es beispielsweise bei ‚Pale‘, was schon fast ein klassisches Heavy Metal Lied aus dem neuen Jahrtausend gelten kann. Man hört die typischen Einflüsse aus altem Heavy, gepaart mit bombastischen Synthesizer und sogar einige Screams. ‚The Journey‘ beginnt wie der Opener mit stark elektronischer Schlagseite, spielt gekonnt mit Effekten und wiederkehrenden Melodielinien, was dem Lied einen sehr entspannenden Spirit verleiht. Allgemein wirkt das Album (für ein avantgardistisches Werk) schon beim ersten Hören relativ einfach zugänglich. Dennoch macht es auch bei weiteren Durchgängen immer wieder Spass. Und das, obwohl die Gitarren sich oft eher im Hintergrund halten. Ich würde behaupten jeder Metalhead sollte hier mindestens einmal reingehört haben, um seine eigenen Grenzen raus zu finden. So ein vielschichtiges Werk hört man nicht jedes Jahr!
Tristan    
Punkte: 8.0 von 10
CIVIL WAR – Gods And Generals
Napalm Records/Universal
Die schwedische ex-Sabatoner Civil War veröffentlichen bereits ihr zweites Werk. Dabei sind sie sich musikalisch wie auch textlich treu geblieben. Wie bereits bei ihrer Vorband regieren hier Schlachten, Dramas und alles was sonst noch mit Krieg zu tun hat. Dabei schreiten sie kompositorisch noch ein wenig weiter weg vom grossen „S“ und schreiben auf hohem Niveau eigene Musikgeschichte. Wobei ohne „S“ geht es auch diesmal nicht. Dieses steht aber für Savatage und stand vermutlich beim dramatischen „Braveheart“ Pate. Zugegen wirklich viel Neues bieten Civil War nicht – oder es bleibt Englisch wenig bewanderten Zeitgenossen verborgen. Civil War verpacken die Texte aber in tolle Lieder, so dass man über gewisse Lyrics hinwegsehen kann. Zwei weitere Kritikpunkt gibt es trotzdem: Da wären die Chöre, welche einen Zacken zu episch ausgefallen sind, man aber auch als Markenzeichen der Band sehen darf. Das andere ist die Tatsache, dass man beim konzentrierten Hören des Albums irgendwann in der zweiten Hälfte geistig aufgibt. Irgendwie passiert da zu wenig Aufregendes. Es ist eine Krankheit, an dem aber geschätzte 95 Prozent aller Alben leiden (oder ist es nur der Kritiker?). Gods And Generals ist ein tolles Heavy Metal-Album, welches den Einzug in den Metal-Olymp nur knapp verpasst. Hoffen wir, dass wir uns auf die Band als Vorgruppe einer grossen Herbsttour freuen dürfen.
Roger W.    
Punkte: 8.0 von 10
VALLENDUSK - Homeward Path
Northern Silence Productions
Grundsätzlich sind wir es uns ja mehr gewohnt, aus nördlichen Landen mit atmosphärischem Black Metal beliefert zu werden, und lauscht man den Klängen von Vallendusk, dann würde man bestimmt nicht so rasch darauf tippen, dass die Band eigentlich aus Indonesien stammt. Indonesien tönt schon exotisch, wenn man dabei an klirrende Riffs und eisige Landschaften denkt, welche sich zwangsläufig beim Anhören von “Homeward Path“ im Kopf manifestieren. Doch grundsätzlich ist es nicht die Herkunft der Band, welche mich verblüfft, sondern was die Herren hier mit gut einer Stunde Spielzeit auf “Homeward Path“ darbieten. Verpackt in sieben langen Songs, entführen Vallendusk den Zuhörer in eine wundervolle Welt, in der es viel zu entdecken gibt. Sehr erfrischend dabei ist, dass die Band auf irgendwelche Trends (Orchester, penetrante Keys, Chöre, Core-Elemente, 70er-Retro-Riffing, Post Rock etc.) verzichten und eine organische, ja nahezu zeitlose Form von anspruchsvollem Black Metal zelebrieren. Vermutlich haben sich die Herren schon mal Emperor oder gar Nocte Obducta zu ihren “Nektar“-Zeiten angehört, jedenfalls muss klar sein, dass “Homeward Path“ viel zu schade ist, um so nebenbei angehört zu werden, denn seine Schönheit, Vielfalt und Atmosphäre erschliesst sich nur dem aufmerksamen Geiste. Vorteilhaft dabei ist jedoch, dass “Homeward Path“ nicht zu sperrig oder komplex ausgefallen und dadurch das Werk durchaus zugänglich ist und kein Musikstudium erfordert. Einzelne Songs herauszupicken grenzt schon an Frevel, aber wer sich mal ein Bild machen möchte, soll sich “The Anchors“ anhören, aber wenn, dann bitte bis zum Schluss - es lohnt sich!
R.K.    
Punkte: 8.0 von 10
HOLLOW HAZE – Memories Of An Ancient Time
Scarlet Records
Gleich zu Anfang dieses Albums wird klar: Hier ist eine italienische Symphonic/Power Metal-Kapelle am Werk! Die Anleihen an Genre-Grössen wie Rhapsody sind unverkennbar, wobei sich Hollow Haze nicht hinter ihren Kollegen verstecken müssen. Die Italiener präsentieren mit “Memories Of An Ancient Time“ ihr mittlerweile 7. Studioalbum und damit nach “Countdown Of Revenge” (2013) den 2. Teil ihrer geplanten Trilogie. In diesem Konzept-Zyklus geht es um ein Wesen, das im Labor gezüchtet wurde und sich nun gegen seinen Schöpfer richtet. Hollow Haze hatten in den letzten Jahren mit diversen Line Up-Wechseln zu kämpfen, wobei sie auch den Sänger mehrmals austauschten – immer ein schwieriges Unterfangen! Während auf Teil 1 der Trilogie noch Fabio Lione hinter dem Mikrofon stand, wird dieser nun auf dem Folgewerk gleich von einer ganzen Horde von Gastsängern abgelöst: Mats Levén (Yngwie Malmsteen, Therion, Candlemass), Rick Altzi (Masterplan, At Vance), Amanda Somerville (Avantasia, Epica, Kamelot, Edguy, After Forever), Ivan Giannini (Derdian) und Claudia Layline (Serenade). Solch eine Vielfalt kann schnell überwältigend wirken, doch da Levén den Löwenanteil der Vocals übernimmt, während die andern eher im Hintergrund zu hören sind, entsteht doch so was wie ein harmonisches Gesamtbild. Gerade das Duett mit Amanda Somerville in “An Ancient Story“ kommt dabei sehr gut rüber, während “Angeli Di Fuoco“ mich nicht so ganz überzeugt hat – es wirkt einfach zu überladen! Auch musikalisch hat sich seit dem letzten Silberling einiges getan: Die Tracks sind deutlich kürzer im Durchschnitt, und die Kompositionen sind somit entsprechend dichter aufgebaut. Neben starken Melodiebögen und mächtigen Gitarrenlinien kommt auch der für Symphonic/Power Metal so typische Bombast nicht zu kurz. Highlights sind vor allem das rassige “Night Is Calling“ sowie die melancholische Ballade “Gate To Eternity“, welche noch ein letztes Mal für Gänsehaut sorgt... Fazit: Wer auf italienischen Power Metal steht, sollte sich dieses Album nicht entgehen lassen!
Patricia H.    
Punkte: 8.0 von 10
CHAINSHEART - Leaving Planet Hell
Pitch Black Records
Zypern ist bekannt für zahlreiche Traumstrände, glasklares Wasser und den gigantischen Erholungsfaktor während den Ferien. Es gibt aber noch anderes in Zypern, und zwar Chainsheart. Der Clan um Sänger Yiannis Savva, alles passionierte Rocker, vereint klassischen Hard Rock und Heavy Metal. Die Leidenschaft zu diesem Genre spiegelt sich durchwegs in ihrer Musik wider. Als Soloprojekt gestartet, wurde die Band 2011 ausgebaut und komplettiert. Chainsheart waren geboren! Ende 2012 brachten sie das Debut "Just another Day" heraus, was in der Weltpresse nur positive Kritik einbrachte. Jetzt kommt ihr Zweitwerk "Leaving Planet Hell" auf den Markt. Im Gegensatz zum Debut haben die Jungs noch an ihrem Sound gefeilt und mehr Heavy Metal-Parts eingebaut. "Leaving Planet Hell" ist ein melodisch hochstehendes und energiegeladenes Album geworden, das dem Old School-Sound auf moderne Art und Weise seinen Tribut zollt. "Soul Kingdom" und "Breeze" eröffnen das Album mit stürmischer Gitarrenarbeit. Fette Riffs, die unter die Haut gehen. An die Stimme von Frontmann Yiannis Savva muss man sich vielleicht erst einmal gewöhnen. Sie klingt beim ersten Mal hören irgendwie normal und wenig auffällig. Spätestens bei der Mid Tempo-Nummer "Mistery" und dem anschliessenden "Final Destination" legt sich dieses Empfinden aber vorzu. Bestimmt ist Savva nicht mit einer Ausnahmestimme gesegnet, wie es andere Berufskollegen zuteil wird. Dies tut aber dem Gesamtprojekt Chainsheart nicht weh. Durch das Zusammenspiel von allen erschafft die Band einen einzigartigen Sound. "Return To The Stage" oder "Never Stand Still" haben durchwegs Mitsingcharakter. "Dangerous Drop" ist mein persönlicher Anspieltipp auf diesem Album. Der Song liegt charakteristisch irgendwie sehr nahe bei den Scorpions. Spezifisch die Passagen mit den Chorstimmen lassen Meine & Co. unweigerlich in meinen Gedanken aufsteigen. Auch das absolut hörenswerte Gitarrensolo gegen Ende des Titels ist Freude pur. "Dangerous Drop" hat irgendwie alles, was ein ansprechendes Lied eben braucht. Es stimmt von Anfang bis Schluss! Zur Entspannung folgt mit "Journey" ein musikalisch abwechslungsreiches Instrumental, und der Finisher der Platte bildet schliesslich die Ballade "The Spell". Irgendwie haben sich die Jungs das Beste zum Schluss aufgespart. Das ist irgendwie clever, denn wenn die Scheibe am Ende ist, will man unbedingt mehr Chainsheart hören!
Oliver H.   
Punkte: 7.9 von 10
IRON SAVIOR – Live At The Final Frontier (2 CD & 1 DVD)
AFM Records/Musikvertrieb
Ein Projekt, das von Mastermind Piet Sielck und Gamma Ray-Leader Kay Hansen gegründet wurde und nun schon sein 20 jähriges Bestehen feiert... tolle Sache. Acht Studioscheiben später zelebrieren Iron Savior ihren Geburtstag in der Heimatstadt Hamburg und überzeugen auf der ganzen Linie. Logisch liegt der Sound immer zwischen den alten Helloween, Iron Maiden und Judas Priest, aber genau da haben die Jungs ihre Stärke. Aufgebaut auf den starken Leadgesang von Piet, den Gitarren und tollen Chören werden 15 Lieder präsentiert, plus ein Intro und der Judas Priest-Covertrack „Breaking The Law“. Das Ganze gibt es als DVD, und in der Digipack-Version wird dann noch eine Doppel-Live-CD mit hinzugepackt. Wer sich bis anhin nicht um die Truppe kümmerte, hat hier die Möglichkeit, sich mit dem Sound vertraut zu machen. Einen besseren Überblick gibt es kaum, und wenn Piet in der Ansage zu „Condition Red“ meint: „Der nächste Song ist auch ein echt guter Song, wie eigentlich jeder Song heute Abend“, liegt er absolut richtig. Vorausgesetzt, man mag die drei oben erwähnten Truppen. Eine Kopie von irgendwem waren Iron Savior aber nie, da alleine durch den kraftvollen Gesang von Piet schon genügend Eigenständigkeit präsentiert wird. Die Band besteht aus alten Könnern, Joachim Küstner (Gitarre), Jan Eckert (ehemals Masterplan) und Thomas Nack (ehemals Gamma Ray). Alles Leute, denen man nicht mehr beibringen muss, wie sie ihr Instrument zu bedienen haben, und darum kann man hier von einer wirklich tollen Live-Scheibe sprechen.
Tinu    

Punkte: keine Wertung
RAZOR - (Reissues)
Open Hostility - Shotgun Justice - Violent Restitution
Relapse Records/Non Stop Music
Die Thrash Metal Band aus Guelph, Ontario in Kanada wurde im gleichen Jahr wie die Truppe ihrer Landeskollegen von Annihilator gegründet. Der Karriereverlauf war jedoch nicht vom gleichen Erfolg gekrönt wie der von Jeff Waters und dies trotz noch deutlich höherem Musikerverschleiss. Die Frage nach dem "Warum" erklärt sich nach dem Anhören dieses Gerumpels von Razor ziemlich rasch. Die Songs weisen trotz der heutigen Patina des 80-Jahre Kultes um viele andere Bands aus der Zeit einfach zu wenig Qualität auf. Sicher finden sich aktuell oder wieder Fans, die auf das weitgehend monotone Geschepper abfahren. Natürlich gibt es auch das eine oder andere längst vergessene Juwel neu oder wieder zu entdecken, doch unter dem Strich reissen diese Re-Releases kaum wirklich was. Vielmehr will man zum Beispiel mit dem gegenwärtigen Vinyl-Hype den Metalheads noch zusätzliche Kohle aus der Tasche ziehen. Cool ist es hingegen, wenn man davon noch die Erstausgaben aus dem schwarzen Gold besitzt. Von den insgesamt elf Studioalben hat man mit «Violent Restitution» (1988), «Shotgun Justice» (1990) und «Open Hostility» (1991) drei der wohl "erfolgreicheren Alben der Canucks wieder neu über High Roller Records aufgelegt. Markenzeichen war/ist die relativ kurze Spieldauer der Songs, die überwiegend unter drei Minuten liegt. Sowas kennt man ja sonst eher aus der Punk-Ecke. Letzlich ist es sicher auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber im direkten Vergleich zu Annihilator haben Razor absolut keinen Stich. Auch Anvil, um in Kanada zu bleiben, sind trotz insgesamt sehr bescheidener Resonanz deutlich angesagter und besser. Sobald man aber etwas vom Gaspedal runter geht, fällt Bilanz besser aus. Der Rest ist dröges Speed-Thrash-Geholze, das einem schon bald auf den Sack geht. Das frühere Nichtbeachten meinerseits geht heute einher mit dem unveränderten Desinteresse. Wer sich trotzdem berufen fühlt und eine allfällige Lücke schliessen will, kann sich ja mal ohne Scheuklappen dahinter klemmen.
Rockslave    
 
Punkte: keine Wertung
PERZONAL WAR – The Last Sunset
Metalville/Musikvertrieb
Die deutschen Thrash Metaller Perzonal rocken heuer bereits fast 20 Jahre lang. Zum Quasi-Jubiläum winken sie mit einem Album, welches von Abwechslung nur so trotzt. Das Etikett „Thrash Metal“ ist hier mehr grober Richtungsweiser als absolute Wahrheit. Perzonal War können es auch mal dezent verträumt (What Would You Say?), stampfend zwischen Laut und Leise (Never Look Back) oder episch (When Faith Has Gone). Damit sorgen sie vor allem im mittleren Teil des Albums für Abwechslung. Treibender Metal gibt es natürlich auch. „I See Nothing“, „Speed Of Time“ oder „Metalizer“ sind nur ein paar Beispiele dafür. Bei aller Eingängigkeit der Lieder ist es erstaunlich, wie lange es gedauert hat, bis das Album bei mir eine gewisse Wirkung entfaltet hat. Aber auch dann fehlt noch der letzte Kick. The Last Sunset ist aber weit davon entfernt ein schlechtes Album zu sein. Schaffen es die Deutschen mit diesem Album und einer anständiges Bühnenpräsenz einen Toursupport-Slot ergattern, könnte die Karriere nach all den Jahren ein weiteres Stück nach oben gehen. Wer noch vor dem möglichen Trend zu den Insidern zählen möchte, kauft dieses Album am besten heute schon.
Roger W.
   
Punkte:
8.0 von 10
NORDIC GIANTS - A Seance Of Dark Delusion
KScope/Irascible
Hinter Nordic Giants stehen die beiden englischen Multiinstrumentalisten Loki und Roka. Musikalisch geht man unter anderem nach eigenen Worten Richtung Björk oder auch Pink Floyd, aber eben nur grob eingeschätzt. Hört man sich zum Beispiel "Rapture" an, kommen dem Zuhörer sofort Parallelen zu Kate Bush in den Sinn. Wunderschön gesungen von Beth Cannon. Auch schön zu lauschen: dem feenhaften Gesang der Sängerin Freyja, beim ruhigen "Give Flight To The Imagination". Das Post Rock-ähnliche "Dissolve" zieht den Zuhörer magisch in seinen Bann und das instrumentale "Illuminate" glänzt cineastisch mit Wortlosem Frauenchor, einfach nur zum Abheben. Auch das von Nadine Wild Palmer gesungene "Futures Dark", scheint nicht von dieser Welt und entführt den Zuhörer in die mystische Welt der Nordic Giants. Das düstere Synthie-Instrumental "Black Folds" ist kaum zu beschreiben, muss man sich selbst anhören. Zum Schluss gibt’s dann noch mit dem sieben Minuten langen "A Thousand Lost Dreams" ein Pink Floyd/Post Rock-Abenteuer dem man sich kaum entziehen kann. "A Seance Of Dark Delusion" ist eine Reise durch ungewöhnliche Klänge und Songs die nicht jedermanns Sache sein werden, aber die, die es wagen, erwartet eine spannende Reise durch die komplexe Welt der Nordic Giants.
Crazy Beat    
Punkte:
7.8 von 10
BIRTH OF JOY - Live At Ubu (2 CD)
Long Branch Records/Musikvertrieb
Die Holländer Birth Of Joy sind eine aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Erfolgsgeschichte, weil es das Trio binnen fünf Jahren und unzähligen Gigs geschafft hat, sich eine mittelgrosse, treue Fanschar zu erspielen. Aussergewöhnlich, weil ihr orgellastiger Soundmix aus Cream, The Doors, MC5 und Pink Floyd nicht gerade als hip und zeitgemäss durchgeht, aber das Erfolgsrezept liegt wohl gerade hier. Anstatt schnöde Erwartungen zu erfüllen, bieten Birth Of Joy viele kleine Überraschungen, verpackt in eine musikalische Zeitreise, welche die wichtigsten Dekaden der Rockmusik abdeckt. „Live At Ubu“ wurde dieses Jahr am 29. und 30. Januar während zwei ausverkauften Shows im französischen Rennes aufgenommen und gibt eine gute Vorstellung davon ab, mit welcher Intensität und Leidenschaft die Band auf der Bühne agiert. Gertjan Gutman lässt die Hammond ordentlich knurren und lässt beste Erinnerungen an Jon Lord und Ken Hensley erwecken, Drummer Bob Hogenelst versteckt seine Bewunderung für John Bonham und Mitch Mitchell keine Sekunde lang, und Kevin Stunnenbergs Gitarre knarzt im gerade richtig dosierten Vintage-Crunch, währenddem sein psychedelisch angehauchter Gesang unaufdringlich aber bestimmt die ganze Sache dirigiert. Wenn die Jungs entfesselt losrocken, und das tun sie oft und gerne, seh ich vor meinem geistigen Auge so manche Metaller-Matte am Bühnenrand kreisen, schalten sie hingegen ein paar Gänge runter in den Doors- und Pink Floyd–Modus (als David Gilmour gerade drin und Syd Barrett noch nicht wirklich raus war), breitet sich pure Magie aus und man spürt sofort die Vibes einer längst vergangenen Zeit, in der Musik noch wirklich innovativ sein konnte und fernab jeglicher kommerziellen Gesichtspunkte erschaffen wurde. Wer die Band noch nicht kennt, hat mit „Live At Ubu“ die beste Gelegenheit dazu, dies nachzuholen. Der psychedelische Heavy Rock-Hybrid, den der lustige Haufen da kreiert hat, öffnet jedenfalls trotz aller Rückbesinnung auf alte Werte neue Horizonte und macht mächtig Spass.
Mirko B.   
 
Punkte: keine Wertung
OLTEN - Mode
Hummus Records
"Olten is a Swiss Heavy Rock Porn Sludge Instrumental Trio and they Play Loud." So steht's geschrieben auf der Homepage von Olten. Die drei Jungs aus der Welschschweiz schmeissen uns mit "Mode" einen zähen Bastard um die Ohren, der einiges an Durchhaltewillen fordert. Olten agieren mehrheitlich im Slow Motion-Bereich, will heissen: Der Sound ist zähflüssig wie Lava, aber nicht zu vergleichen mit der Sparte Doom, das sind zwei Paar Schuhe. Die sechs Songs sind gut produziert, und auch musikalisch kann man ihnen nicht ans Bein pissen. Das Cover-Artwork sagt auch alles, was einen erwartet. Leute, die Isis oder Neurosis zu ihren Helden zählen, sollten hier mal ein Ohr voll nehmen und in das Universum von Olten abheben.
Daniel J.   

Punkte:
7.5 von 10
VORUM - Current Mouth (EP)
Sepulchral Voice Records
Undergroundiger, extremer und böser als Vorum geht irgendwie fast nicht. Die Finnen haben 2013 ihr Debut „Poisoned Void“ veröffentlicht und legen nun eine 5 Track-EP mit dem Titel „Current Mouth“ nach. Und der Sound dieser Scheibe scheint direkt aus den Tiefen der Hölle zu kommen! Da hackt und hämmert und schrammelt es in allerbester Old School-Manier, darüber die supergeile, extrem hallig gemischte Stimme von Frontmann Jonatan Johansson - und man fühlt sich in die tiefsten Abgründe des Chaos und Verberben gestürzt. Weit weg vom modernen, glattgebügelten, manchmal schon fast sterilen Sound, der den heutigen Death Metal zum Teil prägt, prügeln sich Vorum durch die 20 Minuten, düster, böse, finster und mit deftiger Black-Schlagseite. Scheiss auf Finessen und Innovation! Diese Scheibe verursacht schon fast körperliche Schmerzen, so fies ist sie - und das ist gut so! Unbedingt reinhören! Wer sich Death-Metaller nennen will, muss da jetzt durch!
Lucie W.   
 
Punkte: keine Wertung
COSMIC WHEELS - Cosmic Wheels (Demo)
Heavy Psych Records
Eine zwiespältige Angelegenheit, das Cosmic Wheels-Debut. Beim Anhören der ersten paar Tracks fand ich den herrlich altmodischen, hochenergetischen Vintage-Garage Rock der Gebrüder Paul und Vincent Marrone richtig geil. Roh, ungeschliffen, räudig, entfesselt, genau so müssen die Epigonen von MC5, The Stooges und Blue Cheer klingen. Spätestens nach der dritten Nummer störte mich allerdings die Abwesenheit eines Sängers, was allerdings kein Wunder ist, handelt es sich hierbei doch um unfertige Demoaufnahmen, welche abgesehen von zwei Ausnahmen noch nicht mal Titel haben. Und ist mal Gesang vorhanden („No One Knows Where They've Been“ sowie „12 o‘ Clock Groove Street“), dann reisst er mich auch nicht gerade vom Hocker. Letzter Kritikpunkt: Jungs, wenn ihr schon klaut, dann verkauft es doch wenigstens als bewusste Ehrerbietung den Originalen gegenüber. In der zweiten Hälfte von „A4 UNTITLED 4“ habt ihr euch dermassen offensichtlich bei „Black Night“ von Deep Purple bedient, inklusive Drumsolo, dass ihr von Glück reden könnt, wenn ihr den Rock-Dinosauriern keine Tantiemen abdrücken müsst, und „A6 UNTITLED 6“ ist nichts Anderes als „Parchment Farm“ in der Blue Cheer-Version von 1968 mit einigen Ausschmückungen. Aber keine Sorge, es gibt trotzdem eine gute Note, denn euer Retro Rock hat dermassen dicke Eier, dass er die Schlaghose schier zum Platzen bringt. Daher meine dringende Empfehlung: Macht aus der ganzen Sache eine richtige Band, dann sprechen wir nochmal darüber! Für Retro-Freaks allemal äusserst empfehlenswert.
Mirko B.   
 
Punkte: keine Wertung
BITTERNESS EXHUMED / OPTIMIST - Split LP
BDHW
Bitterness Exhumed aus Kaiserslautern und zum anderen Optimist aus dem Ruhrpott liefern uns gemeinsam eine Split LP. Das wichtigste bei einem Split LP-Projekt ist neben dem einzelnen Album einer Band selbstredend auch die verbindende Harmonie der beiden Veröffentlichungen. Auf diesem Split sind insgesamt 11 Stücke enthalten, wovon jeweils ein eigenes Intro dazuzählt und 5 Songs von Bitterness Exhumed und deren 4 aus der Feder von Optimist. Zu hören kriegt man hier auf beiden Seiten feinstes Death- und Grindcore-Gemetzel. Stilistisch, handwerklich und harmonisch bewegen sich beide Vertreter auf Augenhöhe, keine der Bands fällt ab, aber auch nicht ungewöhnlich auf. Nichts desto Trotz sind die Songs durchwegs gut, und die Harmonie beider Veröffentlichungen ist optimal.
Steve Butcher   
 
Punkte: keine Wertung
FERAL - Where Dead Dreams Dwell
Cyclone Empire
Ugh làlà, Schwedentod, und zwar der alte '90er-Pfad! "Sunlight"-Gitarren, knarziger Basssound und Elchgeröhre mit ausgewogener, sauberer Produktion und sympathisch-positivem Flair. Songtitel wie "Creatures Among The Coffins" oder "Carving The Blood Eagle" weisen ausserdem unaufdringlich auf die zu erwartende lyrische Thematik hin. Es bleibt eigentlich nicht viel mehr übrig, als es zu hassen oder zu lieben. Denn so souverän und mit schnörkelloser Eleganz "Where Dead Dreams Dwell" aus den Boxen schallt, könnten Fans von ganz alten Unleashed oder Dismember durchaus auf ihre Kosten kommen. Wer es allerdings richtig ruppig mag, wird von der nicht wirklich ungeschliffenen Produktion auch nicht wirklich überrannt werden. Was Feral jedoch unter dem Strich abliefern, hat Hand und Fuss, und sowohl Ausdruck wie auch Glaubhaftigkeit nimmt man dem Schwedenquartett ohne Probleme ab. Ist nicht 100%ig meine Baustelle, aber für ein "Reinhören!" immer noch ungeniert empfehlbar.
Hardy  
Punkte:
7.0 von 10
EXPELLOW - Modern Age Credo
Eigenvertrieb
Die Zürcher Band Expellow um Frontsängerin Mik hat mit "Modern Age Credo" ein neues Album veröffentlicht. Die Stilrichtung der Truppe macht es nicht einfach, ich würde mal meinen, dass Metalcore sicher nicht falsch ist. Die 14 Tracks sind gut produziert und arrangiert, und auch das Können an den Instrumenten ist vorhanden. Die Shouts und der Klargesang und auch die Breakdowns sind eigentlich nicht neu, doch man kann sagen, dass die Songs gut inszeniert sind und man sich eigentlich von den grösseren Kapellen musikalisch nicht sonderlich entfernt. Was man vielleicht besser machen könnte, ist, ein wenig Abwechslung bei den Songs einbringen, denn mir ist zu vieles in der gleichen Tonlage. Sonst haben wir mit "Modern Age Credo" ein relativ cooles Werk, das Metalcore-Fans sicherlich begeistern wird.
Daniel J. 
Punkte:
7.0 von 10
GOATSNAKE - Black Age Blues
Southern Lord
Natürlich gehören Hektik und hohes Tempo nicht zum guten Ton in der Doom Rock-Szene, aber sich satte fünfzehn Jahre Zeit lassen, um nach dem letzten Lebenszeichen in Form einer vollwertigen Scheibe („Flower Of Disease“, im Oktober 2000 veröffentlicht) endlich wieder mit einer neuen Full Length in Erscheinung zu treten, sprengt selbst in der von Gemächlichkeit geprägten Doom–Nische den Rahmen des Gewohnten. Aber scheiss drauf, bei Goatsnake lohnt sich das lange Warten allemal, denn auch diesmal knallt uns die Truppe um die (Ex-) The Obsessed-Rhythmusmannen Greg Rogers und Guy Pinhas einige ganz schwere Brocken um die Ohren, die ihren Ursprung irgendwo in der Schnittmenge zwischen schmutzigem Garage Rock und ultraschwerem Doom Metal haben. Und natürlich drückt vor allem wieder Frontsirene Pete Stahl den Songs mit seiner charaktervollen Stimme seinen ganz eigenen Stempel auf, welche in ihren besten Momenten ganz leicht an Ian Astbury von The Cult erinnert. Für die nötigen Überraschungsmomente sorgen zwischen all den ultraschweren Iommi-Riffs eine sparsam eingesetzte und amtlich verzerrte Bluesharp sowie ein sehr kompetenter, dreiköpfiger weiblicher Chor, der mehrere Male für einen Funken Gospelfeeling inmitten der ganzen Rifflawinen sorgt. So gesehen passt der Albumtitel perfekt, „Black Age Blues“ ist nichts weniger als unkonventioneller Doom, der sich dermassen konsequent an den Genrewurzeln orientiert, dass er vermeintlich „artfremde“ Elemente mit einem selten gewordenen Selbstverständnis mit einbezieht. Interessant, unterhaltsam und tonnenschwer!
Mirko B.
  
Punkte:
7.0 von 10
DENNIS CHURCHILL DRIES – I
AOR Heaven/Non Stop Music
Der Name Dennis Churchill Dries dürfte den wenigsten bekannt sein. Trotzdem werden vor allem Fans von Achtziger-Melodic Rock dem Mann schon akustisch begegnet sein. 1984 erschien das Debut von White Sister (produziert von Gregg Giuffria), deren Sänger und Bassist er war. Später war er in den gleichen Funktionen für Tattoo Rodeo tätig, die es immerhin zum Support von Bad Company und Damn Yankees brachten. Die Geschichte dauerte bis 1998. 2006 folgte die Reunion von White Sister inklusive der Original-Members Dennis Churchill Dries, Rick Chaddock und Garri Brandon. Im Oktober 2012 starb R. Chaddock an Krebs. Damit verlor DCD seinen musikalischen Partner und besten Freund. Mit „I“ verarbeitet der Mann nun das Geschehene als eine Art Therapie, wie er selbst erklärt. Dazu griff er auf die Hilfe des Multiinstrumentalisten Paul Sabu (Only Child, Silent Rage, Sabu) zurück. Für die musikalische Umsetzung des Albums übernahm Dennis Vocals, Bass, Keyboards und akustische Gitarre. Paul war für Gitarre, Keyboards und Backing Vocals zuständig, zudem kümmerte er sich um den Mix. Produziert wurde das Teil in Gemeinschaftsarbeit der Beiden. Herausgekommen ist ein ansprechendes AOR/Melodic-Album mit Tiefgang und Seele. Die Songs wurden auf radiotauglichen Melodien aufgebaut, die aber auch dem Hard Rock-Aspekt mehr oder weniger gerecht werden. Obwohl der eine oder andere Track einen gewissen Memory-Faktor besitzt, ist das Ganze schlussendlich doch ziemlich unspektakulär. DCD ist diesbezüglich aber sehr ehrlich: Die Songs kamen komplett aus meinem Herzen, ich machte dieses Album für mich und daher ist es egal ob, 100 Exemplare oder 100'000 verkauft werden. Anyway, Journey- und Toto-Fans sollten unbedingt den käuflichen Erwerb von „I“ in Betracht ziehen.
Chris C.  
Punkte: 7.0 von 10
GEORGE KOLLIAS - Invictus
Seasons Of Mist/Irascible
Na, das nenn ich mal ein Soloprojekt! Auf dem Beipackzettel des Labels findet man folgende Angaben zum Line Up: George Kollias - all instruments. Bäm. Dass man hier von den Drums einiges erwarten darf, versteht sich, denn bei dem Griechen George Kollias handelt es sich um einen der derzeit schnellsten Schlagzeuger der Welt, der schon seit 2005 bei der Tech/Deathern Nile hinter den Trommeln sitzt und sich daneben bei weiteren Projekten seine Sporen verdient hat. Nun kommt mit „Invictus“ sein erstes Soloalbum heraus - und die Schlagzeugarbeit bläst einem echt die Ohren weg! Unfassbar, was dieser Mann zusammentrommelt! Und unfassbar anstrengend, sich das rasend schnelle Geprügle elf Songs lang anzuhören. Was das Songwriting anbelangt, hätte sich George vielleicht doch etwas Hilfe holen sollen, und dass das Schlagzeug sein bestes Instrument ist, wird auch schnell klar. Ein interessanter Schachzug war, das Album noch vor der Veröffentlichung komplett als Stream zur Verfügung zu stellen. Dies passt aber zu Kollias’ Aussage, er habe dieses Album nur aufgenommen, weil die Fans das unbedingt wollten. Kollias ist unbestreitbar technisch einer der besten Drummer weltweit und demonstriert das mit diesem Album. Musikalisch ist aber hier sonst nicht so furchtbar viel Spannendes los, und spätestens nach dem zweiten Song macht sich bei mir etwas Langeweile, gepaart mit nervlicher Anspannung, breit. Die Scheibe ist wirklich was für Fans.
Lucie W.    
Punkte:
7.0 von 10
VIRGIN STEELE – Nocturnes Of Hellfire & Damnation
Steamhammer/Musikvertrieb
Puh... Virgin Steele ist bei mir so eine Sache. Einerseits ist Sänger David DeFais noch immer einer der besten Metal-Sänger überhaupt, der mit den beiden „The Marriage Between Heaven And Hell“-Scheiben und „Noble Savage“ in den Geschichtsbücher des Heavy Metal immer eine Platz in den vordersten Reihen haben wird. Andererseits liegt zwischen „Nocturnes Of Hellfire & Damnation“ und dem letzten Studiooutput „The Black Light Bacchanalia“ fünf Jahre, und ehrlich gesagt ging „The Black Light Bacchanalia“ total neben mir vorbei. Also, wo stehen meine einstigen Hoffnungsträger heute? Noch immer sind es die markanten Gitarrensalven von Edward Pursino, welcher den Songs seinen Stemple aufdrückt. Wie auch die sagenumwobene Stimme (und auch die dazugehörenden spitzen Schreie) von David. Musikalisch hat das Klavier seinen festen Platz gefunden wie auch die eher Musical- und Opern-Anleihen. Reiner Metal ist Virgin Steele aber schon lange nicht mehr. Genau das ist das Problem. Den Ur-Fans (zu Zeiten vom Debut und „Guardian Of The Flames“) wird das neue Material kaum gefallen. Die „Marriage“-Fans werden die metallene Dramatik vermissen. Sieht man Virgin Steele aber als Truppe, die sich immer weiterentwickelt hat, präsentiert sich hier eine sehr interessant Truppe. Vielleicht hilft auch „Persephon“ als Anspieltipp, der alles beinhaltet, was den Vierer heute ausmacht. Neben der normalen Jewel-Case gibt es auch die Digipack-Version mit 15 Bonustracks. Hört euch diese Scheibe an, denn die Kreativität in seiner ureigensten ungewöhnlichen Art findet hier seine Fortführung...
Tinu    
Punkte:
7.0 von 10
BLAZE OF PERDITION – Near Death Revelations
Agonia Records
Vor drei Jahren hatten die Polen auf dem Weg nach Österreich einen Autounfall, bei dem der Bassist verstarb und der Drummer sowie der Sänger schwer verletzt wurden. Nicht jede Band übersteht ein solches Erlebnis, aber zum Glück haben die Herren sich dafür entschieden, weiter Musik zu machen. Denn was sich hinter dem (sehr schön gestalteten) Cover befindet, ist ein aussergewöhnlich intensives, abwechslungsreiches und durchaus finsteres Black Metal Album. Jeder Song ist in sich geschlossen, glänzt mit eigener Dynamik und spannenden Einschüben. Die ersten drei Tracks klingen noch sehr nach Enthroned’s ‚Sovereigns‘, was vom Liedaufbau und dem Gesang her rührt. Aber die Polen wirken noch ein wenig verspielter, fädeln hier und da noch modernere Ansätze mit ein (beispielsweise das Rauschen bei ‚Into the Void again‘ und das akustische Outro davon). Bei ‚Dreams shall Flesh‘ wird dann mit den Vocals experimentiert, die Gitarren klingen mehr nach Industrial und der ganze Song wirkt voll von chaotischer Energie. Genau solche Ausbrüche aus dem simplen Kopieren von Riffs aus den 90ern machen die Musik durchaus spannend. Ob es die Polen Langzeitig auf die Playlist schaffen, wird die Zukunft zeigen. Potential hat das Album aber ganz bestimmt.
Tristan
   
Punkte:
7.0 von 10
ASHTAR – Ilmasaari
Czar Of Crickets Productions
Ging letzthin nicht die Nachricht durch die Medien, die Schweizer seien das glücklichste Volk der Erde? Also wenn ich mir „Ilmasaari“ aufmerksam anhöre, dann hege ich diesbezüglich ernsthafte Zweifel. Das Schweizer Düster-Duo Ashtar liefert für die trüben Augenblicke im Leben zwar nicht unbedingt den ultimativen, aber zumindest einen durchaus passenden Soundtrack. Phased-Drummer Marko Lethinen und Ex-shEver-Bassistin/Sängerin Nadine bzw. Witch N schrauben seit nunmehr drei Jahren an ihren vertonten Bösartigkeiten rum und verfolgen dabei ein klares Konzept. Ihr Gemenge aus Doom und, auf den Schreigesang von Witch N bezogen, kontemplativem Black Metal wirkt beim ersten Reinhören zwar repetitiv bis monoton, da werden bisweilen über mehrere Minuten hinweg gebetsmühlenartig immer dieselben Riffs runtergespult, aber genau diese Vorgehensweise zeigt dann plötzlich die erwünschte Wirkung, vor allem, wenn der klanglichen Endlosspule plötzlich sehr düstere Elemente wie Geflüster, beklemmende Gitarrenlicks oder gar düstere Chöre hinzugefügt werden. Was somit anfangs etwas anstrengt, vermag mit der Zeit doch noch zu fesseln, und die sechs teils überlangen Tracks entfalten ihre wahrlich hypnotische Wirkung. In „Celestial“ hat die Band sogar einen wirklich schönen, positiv klingenden Mittelteil eingebaut, der zunächst in purem Kontrast zur restlichen, ansonsten sehr düsteren Angelegenheit steht, nur um dann wieder fliessend in die klangliche Negativität abzutauchen - das nenne ich eine kompositorische Punktlandung. Noch mehr solche Überraschungen und kleine Stilbrüche, und die Band befindet sich definitiv auf dem richtigen Weg. Bis dahin bleibt der Eindruck eines soliden Einstands, der für die Zukunft definitiv noch mehr verspricht.
Mirko B.    
Punkte: 6.9 von 10
WEEDEATER - Goliathan
Season Of Mist/Irascible
Ob man nun das wüste Stoner/Doom/Sludge–Trio aus North Carolina liebt oder hasst, eins muss man den Jungs lassen: Auch auf ihrer fünften Veröffentlichung bleiben sie sich absolut treu und scheren sich einen feuchten Dreck darum, wie ihr schräger Sound bei der grossen Masse der Rock–Fanatiker ankommen wird, natürlich wieder vor allem in Bezug auf den extrem derben und gewöhnungsbedürftigen „Gesang“ von Basser Dave "Dixie" Collins. In gewohnt bekifft-entspannter Manier ziehen die Drei einfach ihr Ding durch, lassen Bass und Gitarre bis zur Unkenntlichkeit verzerrt dröhnen, währenddessen Drummer Travis "T-Boogie" Owen seine Kessel und Becken ordentlich donnern und scheppern lässt. Und wisst ihr was? Wenn man sich dazu ein gut gefülltes Glas Jacky reinpfeift und ‘ne würzige Zigarre pafft, dann sieht selbst ein von Classic Rock verwöhnter alter Knacker wie ich die ganze Chose gar nicht mehr ganz so eng und gönnt den Jungs die Gelegenheit, sich mit ihrer Musik ordentlich austoben zu können. Zudem machen das heimelige Orgelintro „Processional“ mit den liebevoll geflüsterten Worten „I really hate your face, I hate the things you do, I know you don’t like me, I’m coming half to you“ und das Country-mässige Banjogeklimper “Battered And Fried” die Band in ihrem derben Humor gleich nochmal einen Zacken sympathischer. Und da bei der Spielzeit von gerade mal einer guten halben Stunde die Zigarre bestenfalls ihre erste Hälfte abgebrannt hat, kann man getrost nachschenken und „Goliathan“ gleich nochmal auf sich wirken lassen, wüst, ungehobelt und ursprünglich, wie nur ein Weedeater–Album sein kann. Für Fans sumpfiger Rifforgien ein absolutes Muss.
Mirko B.    
Punkte: 6.9 von 10
BABYMETAL - Babymetal (CD&DVD)
Ear Music/Phonag
Tamagotchi versus Gorgoroth, Tetris meets Dimmu Borgir! Wohl noch nie war die Metal-Nation weltweit so gespalten, was die Meinung zu einer Band und deren Musik betrifft. Babymetal! Zugegeben, die Produzenten der Girls wissen, was sie tun. Ob die Mädels wissen, in was sie da reingeraten sind, bin ich mir nicht so sicher. Wäre es wohl an der Zeit, im Kindsalter den Umgang mit Handyspielen, Mangas und sonstigem Elektroschrott einzudämmen? Heavy Metal, Power Metal, Death Metal, J-Pop und Electronic. Das sind die Zutaten für Japans Exportschlager und Konzeptband Babymetal. Dass in Japan Quatsch wie Furby & Co. grossgeschrieben wird, ist ja kein Geheimnis mehr, aber dass sich nun mehr solche Auswüchse, gepaart mit derbstem Metal, auch in der Metal-Szene wiederfinden, ist dennoch neu. Das Gemisch ist stellenweise Folter für die Ohren und hat dennoch das Prädikat "technisch hochstehend?!". Aller Kritik zum Trotz, scheint das Trio aber den Nerv der Zeit getroffen zu haben, denn die Unterstützung aus der Musikszene ist gross. Namhafte Grössen wie Slash oder Kirk Hammet (Metallica) unterstützen die Girls grosszügig. Sam Totman und Herman Li von Dragonforce haben sogar den Bonus-Song "Road Of Resistance" beigesteuert. Die Metalparts auf der Platte lassen sich durchwegs hören und haben echt grosses Potential. Metal allein lässt sich aber scheinbar noch nicht so gut verkaufen, vor allem, wenn die Akteurinnen gerade mal zwischen 14 und 16 Jahre alt sind. Die Echtheit bleibt dabei auf der Strecke, und das stört. Also hauchen die drei Minderjährigen dem Sound eine tüchtige Portion J-Pop ein, die die grosse Masse wieder versöhnlich stimmt. Eigentlich als Sub-Gruppe der Sakura Gakuin (eine japanische Sing- und Tanzgruppe mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern im jungen Alter) gegründet, entwickelte das Projekt schnell eine gewisse Eigenständigkeit und einen enormen Erfolg! Bizarr und genau so gewollt.

Die Mischung aus Deathcore in "Babymetal Death", die ultrakitschige Power Metal-Variante bei "Akatsuki", abgestumpfter Techno-Salat und J-Pop-Refrains in "Gimme Chocolate!" oder Drumcomputer-Nummern wie "Catch Me If You Can" scheinen gleichwohl bei vielen Leuten eine gewisse Faszination hervorzurufen. Ob es sich dabei um Kunst- oder Musikfans handelt, das sei dahingestellt! Wie auch immer: man kann dem Album so zumindest nie unterstellen, dass es langweilig oder gar monoton wäre - in allen Songs findet sich die eine oder andere Überraschung, zumindest für jene, die sich bisher noch nicht ausführlich mit dem Phänomen Babymetal beschäftigt haben. Das Album ist fast ausschliesslich eine Zusammenstellung aller Singles und sonst Produziertem, was die Band bis jetzt zustande gebracht hat. Querdenker und Anhänger von allem, was irgendwie anders ist, werden hierbei ihre helle Freude haben. Mit was wir todsicher auch in Zukunft rechnen müssen, ist, dass von Babymetal noch einiges zu hören sein wird und die Gruppe immer im Gespräch bleibt, solange es sie gibt. Ganz egal, ob positiv oder negativ.
Oliver H.    

Punkte: keine Wertung
VULCANO - Bloody Vengeance (Re-Release)
Greyhaze Records
Schon 1980 gegründet, sind Volcano eine der allerersten Extreme Metal-Bands aus Brasilien - wenn nicht die erste überhaupt. Ihre Mischung aus Black, Thrash und Death Metal beeinflusste später Bands wie Sepultura und Sarcofago massgeblich und verschaffte dem Trio in der damaligen Underground-Szene bald einen gewissen Ruf. Ihr Debutalbum „Bloody Vengeance“ gilt als eines der wichtigsten frühen Alben im Extreme Metal in Südamerika, und darüber hinaus und wird nun von Greyhaze Records neu heraus gebracht. Der Sound wurde zwar remastered, ist aber natürlich im Vergleich zu modernen Produktionen immer noch sehr rumpelig, leise aufgenommen und dünn - aber das gehört zum Feeling und darf auch nicht geändert werden. Ein Stück Geschichte, das man jeder Sammlung hinzufügen sollte.
Lucie W.    

Punkte: keine Wertung
VOICE OF RUIN - Consumed (EP)
Tenacity Music
Die Schweizer Modern/Death-Kapelle hat mit "Consumed" eine etwas verwirrende Veröffentlichung parat. Denn auf der EP finden sich vier Remixsong der letzten Jahres (!) erschienenen "Morning Wood". Lediglich 2 gänzlich neue Songs findet man auf "Consumed". Jedoch muss man sagen, dass die beiden Neulinge "I Am The Danger" und "Our Need To Consume" echte Nackenbrecher sind! Modern/Death-Walzen der besonderen Sorte. Warum man die 2 wirklich genialen Song nicht in die Schublade stecken konnte und wieder rausholen, wenn ein ganzes Album geschrieben wurde, oder zumindest eine EP ausschliesslich mit neuen Songs, ist warscheinlich niemandem so wirklich klar.
Steve Butcher    
Punkte: keine Wertung
SHOOTING ANGELS - Deal With The Devil (EP)
Eigenvertrieb
Das Cover der Platte ist schon einmal vielversprechend. Ein düsterer Engel mit Einschusslöchern im Flügel, pechschwarzen Augen und blutverschmiertem Mund. Was so deftig aussieht, kann auch nur deftig daherkommen. Die ersten Akkorde bringen aber dann bereits ein wenig Licht ins Dunkel, und es ist nicht mehr alles so extrem böse, wie zuerst angenommen. Shooting Angels sind eine junge Schweizer Hard Rock/Heavy Metal-Band aus Sankt Gallen, die beide Genres zu einem energiegeladenen und rotzig dynamischen Mix namens Apocalyptic Rock vereinen. Die Gründung der Band ist mehrheitlich aus einer Schnapslaune und der Aneinanderreihung mehrerer Zufälle heraus entstanden. Was auf der EP "Deal With The Devil" aber zu hören ist, ist alles andere als alkoholgetränkter Schwachsinn. Das Quintett um Frontfrau Lola van Loo zeigt in vier Tracks ihr ganzes Potential. "This Is War", so der erste Titel der Platte, besticht durch coole Gitarrenmoves und eingängige Melodien. Rein der Refrain ist mir mit dem mehrspurigen Gesang schlichtweg zu dünn geraten und lässt die erwartete Härte vermissen. "Mirror Mirror", die verdrehte Adaption der Schneewittchen-Geschichte, ist mein persönlicher Favorit. Der Song ist wirklich klassisch aufgebaut, steigert sich von Strophe zu Strophe und entlädt sich schliesslich im Refrain. Die Gesangsstimme passt dazu wie die Faust aufs Auge! "Shooting Angels" ist im Anschluss irgendwie anders. Der Song macht ordentlich Druck und bietet ein cooles Gitarrensolo zum Ende hin. Es ist wohl einfach ein guter Rocksong! "Deal With The Devil" ist mir persönlich als Titeltrack ein wenig zu harmlos geraten. Das Stück vereint irgendwie alles vorher schon Dagewesene, bietet aber keine Höhepunkte mehr. Shooting Angels haben für die Zukunft sicher einen Grundstein gelegt, und mit "Deal With The Devil" auch bewiesen, dass sie ordentlich rocken können. Ich denke, dass wir noch mehr von ihnen hören werden!
Oliver H.    

Punkte: keine Wertung
GRAVEWORM - Ascending Hate
AFM Records/Musikvertrieb
Nach über drei Jahren Abstinenz wühlen sich die Grabwürmer wieder durch die Kadaver. Die Südtiroler dabei noch vorstellen zu müssen, erachte ich als hinfällig, sind doch Graveworm auch schon bereits seit 18 Lenzen in der Black/Dark Metal-Szene aktiv und sollten gerade durch vergangene Werke wie “Engraved In Black“ dem geneigten Zuhörer ein Begriff sein. Abgesehen von Würmern, nagt jedoch auch der Zahn der Zeit an einem Gruftbewohner, und über die vergangenen Jahre haben sich Graveworm immer mehr von ihrem einst zelebrierten Melodic/Black Metal abgewendet und diesen mehr in Richtung Dark Metal gesteuert, was nicht unbedingt zur Zufriedenheit aller geführt hat. Mit der Rückkehr von “Stefan Unterpertinger (g)“ (ehemaliger Hauptsongwriter) zu Graveworm war ich denn nun wirklich gespannt, was auf “Ascending Hate“ zu erwarten ist. Der Opener “The Death Heritage“ eröffnet mit stimmungsvollen akustischen Klängen, welches durch ein schnell wütendes Black Metal-Geschrummel in einem Orkan mündet. Schnell, düster, mit einer gewissen Wucht und dezenten Melodien, wie man es grundsätzlich von Graveworm erwarten kann, setzt dieser Opener einen gelungen Akzent und macht durchaus Lust auf mehr. Leider wird meine Euphorie durch das folgende “Buried Alive“ massiv ausgebremst, denn ich wollte mehr Blast, mehr BM-Geschrummel, doch ich bekomme einen zähflüssigen Mid Tempo-Stampfer vorgesetzt, eingebettet in einen flächigen Keyboard-Teppich mit einem netten Refrain versehen, der irgendwie einfach nur so dahin “plätschert“. Obwohl “Blood Torture Death“ zwischendrin die Temposchraube wieder etwas anzieht, ist auch dieser grundsätzlich auf Melo/Death-Riffing basierende Song nicht viel mehr als nett anzuhören.

Ich muss bis “Downfall Of Heaven“ warten, bis endlich mal wieder anständig schnell geprügelt wird, aggressiv und düster wütet dabei dieser Song durch die Gehörgänge, eine absolute Wohltat. Während “Stillborn“ wieder um einiges zahmer ertönt und wenigstens mit einer netten Melodie Punkten kann, geht “Liars To The Lions“ als Up Tempo-Melo/Death-Nummer durch, die zwischendurch gute Momente aufweisen kann, jedoch vermisse ich hier eine ordentliche Portion Düsternis, um wirklich nachhaltig wirken zu können. Das dynamische “Rise Again“ mit seinem Wechselspiel aus schnellen BM-Riffs und ruhigeren, von Piano unterlegten Parts erinnert dann endlich mal wieder an vergangene Graveworm-Zeiten, ähnlich wie das finale „“Nocturnal Hymne Part II“, das mit seiner einprägsamen Melodie nicht gleich wieder vergessen wird. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der traditionelle Cover-Song, diesmal haben sich Graveworm den Bon Jovi-Klassiker “Runaway“ vorgeknöpft, welcher als Bonustrack auf der Digipack-Edition von “Ascending Hate“ beiliegt, jedoch leider nur dort und nicht auf meiner Promo, somit kann ich hier kein Urteil fällen. Also unerwartet Neues sucht man auf dem neuesten Werk von Graveworm vergeblich, und abgesehen von “Nocturnal Hymns Part II“ fehlen mir auch die grossen Melodien ( z.B. wie einst beim Song “A Dreaming Beauty“), welche sich unwiderruflich ins Hirn brennen und jahrelang dort hängen bleiben. Der Thron von “Engraved In Black“ gerät durch “Ascending Hate“ in der Graveworm-Discographie nicht ins Wackeln, wer jedoch bis anhin mit den letzteren Werken der Band sich gut bedient fühlte, darf hier bedenkenlos zugreifen.
R.K.  

Punkte: 6.5 von 10
MILKING THE GOATMACHINE - Goatgrind
NoiseArt Records/Universal
Ach, ich weiss nicht. Ist doch langsam einfach nicht mehr wirklich witzig, oder? War Milking The Goatmachine nicht mal als temporäre Spassaktion gedacht? Warum hören die jetzt nimmer auf, Alben rauszubringen? Goatfreed und Goatleeb aus GoatEborg? They are back for goat? Echt jetzt? Na gut, ich will mal nicht so sein, jedem sein Konzeptchen - und das hier ist so doof, dass es eigentlich schon wieder echt witzig ist. Mit "Goatgrind" bringen die Schweden mit den Ziegenmasken ihren fünften Longplayer raus und vertrauen auf die bewährten Zutaten. Ich zitiere aus dem Infosheet: „Eine Wand aus Gitarren, Goatdowns, Moshparts und Grindgeprügel.“ Dazu ganz viel spassige Ziegen- und Milchwortspiele, Gegrunze, Geschreie und ein paar Pigsqueals - und vielmehr gibt’s hier eigentlich nicht zu sagen. Gut gemacht wie immer, haut voll rein - meins ist das halt nicht wirklich. Fans dieser Gangart finden hier gewohnte Qualität.
Lucie W.  

Punkte: 6.5 von 10
COAL CHAMBER - Rivals
Napalm Records/Universal
Vor 20 Jahren hat man schon mal während 10 Jahren probiert, sich im Nu Metal-Zirkus zu etablieren. Leider gab es damals auch schon eine Truppe namens Korn, an denen Coal Chamber mit ihrem Chef Dez Favara nie vorbei kamen. Herr Favara hat dann entnervt vom Erfolg von Korn die Truppe DevilDriver gegründet, mit denen er ein paar Achtungserfolge einheimsen konnte. Jetzt versucht man es erneut mit Nu Metal (Korn sind ja auch nicht mehr sonderlich aktiv), was zwischendurch mal gut klingt, aber eigentlich gar nichts Neues bringt, was die Nu Metal-Fans nicht schon schon kennen. Also wer meint, er habe Entzugserscheinungen vom Nu Metal, der muss hier zuschlagen, alle anderen können sich wieder beruhigt dem Tagesgeschäft widmen.
Daniel J. 

Punkte: 6.5 von 10
NO ALTARS - Chambers Of Eternal Punishment
BDHW
No Altars sind der neue Stern am noch frischen Beatdown-Firmament. Metalcore ist zwar eine der neuesten gefestigten Genres unserer Musikwelt, aber auch neue Genres sind vor Evolution nicht gefeit. Aus dem Metalcore hat sich das Subgenre Beatdown gebildet und zeichnet sich durch einen langsameren Tempo-Beat, Groove-Orientierung und harte Breakdowns mit Tempowechseln aus, die die Menschenmenge vor der Bühne zum „Moshen“ animieren sollen. In diesem Subgenres hat es zwar noch keine grossartigen Meilenstein-Veröffentlichungen gegeben, aber die Bands sind gern gesehene Live-Acts und sind auch immer wieder an grösseren Anlässen anzutreffen. No Alstars haben bereits viel Bühnenerfahrung erspielt und teilten sich die Bühne auch schon mit Genregrössen wie Nasty, No Zodiac oder Beg For Life. Mit diesem Gepäck ging die 2012 gegründete Band aus Phoenix, Arizona ins Studio, um "Chambers Of Eternal Punishment" aufzunehmen. Auf den 10 Songs bekommt man durchwegs gut produzierte und gut geschriebene Songs zu hören. Das Debut weiss durchaus zu überzeugen, die Band hat aber noch Steigerungspotenzial, denn auch wenn die Songs alle stimmig sind, ist das Handwerk doch ein wenig beschränkt.
Steve Butcher 

Punkte: 6.5 von 10
MONO INC. – Terlingua
No Cut/Musikvertrieb
Mono Inc. haben sich für die Produktion dieses Albums auf eine Ranch mitten in der öden Weite der texanischen Wüste zurückgezogen (daher auch der Name "Terlingua"). Sie wollten ungestört an ihrem mittlerweile 8. Studioalbum basteln und sich von der kargen Ödnis inspirieren lassen. Die Band selbst spricht vom “reifsten und rockigsten Album der Bandgeschichte“, für mich hört es sich eher wie ein fader Abklatsch von Unheilig an – massentauglicher Düster-Schlager halt. Das Album plätschert fröhlich vor sich hin – paradoxerweise, denn die Grundstimmung ist ziemlich melancholisch. Allerdings fehlen Highlights im Stil von “Viva Hades“, “Voices Of Doom“ oder “Gothic Queen”, wie man sie aus den Anfangstagen der Band kennen und lieben gelernt hat, dieses Mal fast gänzlich. Einzig “It Never Rains“ zeigt Ambitionen, ein Ohrwurm zu werden. “Heiland“ ist zwar auch eingängig, fährt dann aber doch zu sehr die seichte Schlager-Schiene. So richtig mitreissend und rockig wie angekündigt wird’s irgendwie nicht. Zwar werden zwischendurch mal die Gitarren hochgeschraubt, wie bei “Die Noten deines Lebens“ oder das Tempo angezogen wie bei “Love Lies“, doch irgendwie ist dieses Mal der Funke auch bei mehrmaligem Durchhören nicht übergesprungen. Natürlich sind auch einige Balladen mit dabei, wie das nachdenkliche “118“, “Ghost Town Gates“ und der letzte Track “Study Butte“. Allerdings wird hier das Tempo teilweise fast zu drastisch gedrosselt, was den Flow des Albums unterbricht und die Dynamik schwächt. Wie schon auf dem letzten Album “Nimmermehr“ (2013) gibt es sowohl deutsche als auch englische Lyrics, was ganz gut zur Band passt und ihr etwas mehr von der dringend benötigten Abwechslung verschafft. Denn leider muss ich sagen, dass sich eine gewisse MONOtonie einschleicht – das fiel mir schon bei früheren Alben auf, lässt sich hier aber kaum mehr leugnen. Ausserdem hört man dieses Mal kaum was von Katha Mia – scheinbar konzentriert sie sich dieses Mal wieder vermehrt auf ihr Schlagzeug anstatt ins Mikrofon zu “Aaaah, Aaaah“-en. Fazit: Mono Inc. sind ihrem Stil treu geblieben. Aber so richtig überzeugt hat mich dieser Silberling leider nicht. Fans der Band können ruhig mal reinhören - solche, die es werden wollen, wären mit einem andern Album besser bedient.
Patricia H.   
Punkte: 6.5 von 10
GORGOROTH – Instinctus Bestialis
Soulseller Records
Keine Ruhe im Lande Gorgoroth. Kaum sind die Rechte gesichert, ein Album draussen und eine Tour angesagt, schon gibt es wieder Quereleien und Pest verlässt die Band (oder wird rausgeworfen). Und bereits beim Opener muss man festhalten, dass gerade dessen Organ fehlt. Dafür hat Infernus auf ein junges Talent mit Namen Atterigner gesetzt, welcher eher gutturalen Gesang beherrscht. Das lässt den ganzen Sound erdiger klingen, was durch die Klangfarbe der Gitarren noch unterstützt wird. Soll heissen: das ganze Album klingt mehr nach Death Metal als nach neunziger Kultmetal aus Norwegen. ‚Burn In His Light‘ oder auch ‚Rage‘ habe durchaus Charme und triefen von Blasphemie. Auch beginnt ‘Ad Omnipotens Aeterne Diabolus‘ mit einem gelungenen Riff (der irgendwie bekannt klingt), aber mit der besagten Stimme klingt der lateinische Part eher wie von einem Amerikaner gesungen. Schade, dieses Lied hätte einiges zu biete gehabt: die Rhythmenwechsel, die Breaks, die Riffs, ähnlich hat ‚Human Sacrifice‘ auf dem letzten Album geklungen…auffällig ähnlich sogar. Nach dem Überprüfen muss ich sogar sagen beinahe identisch. Was ist es schon für ein Zeichen, wenn das beste Lied auf einem Album eines ist, das bereits auf dem vorgängigen Album (einfach mit besseren Vocals) gespielt wurde? Schade, es gibt ganz viele tolle Ansätze, aber als ganzes wirkt das Album nicht fertig durchdacht. Daher kann es nicht mit dem Vorgänger mithalten.
Tristan   
Punkte: 6.3 von 10
MAJOR KONG - Doom Machine
Transubstans Records
Das ganze epische Getue lassen die Polen von Major Kong von Anfang an bleiben und bringen ihre Doom-Maschine, ungeschliffen wie sie ist, ins Rollen. Angestossen wird sie von ausladenden Rückkopplungseffekten und wenn sie mal in Bewegung ist, stoppt sie so schnell nichts mehr. Dabei beschränkt sich das Trio absolut auf das Nötigste – die Produktion ist sehr roh, mit rumpelndem Schlagzeug und knarrenden Gitarren. Hier wurde live und direkt ab Boxen aufgenommen. Die Riffs sind äusserst simpel und wenig originell – eine Ausnahme bildet hier ‚Voidwagon‘. Kreativität fährt man vor allem im Bereich der Gitarreneffekte auf – „Doom Machine“ scheint zu einer richtigen Spielwiese verkommen zu sein. Das abschliessende ‚Skull Of The Titan‘ mit zwischenzeitlich kaum mehr als einem Anschlag pro drei Sekunden und fett wummernden Saiteninstrumenten stellt den Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Die letzten Takte bekräftigen, dass man in der Tat gerade ein Live-Konzert gespielt hat. Als Sound für zu Hause ist das Ganze etwas weniger geeignet – hier muss schon ein muffiger Kellerraum mit Betonwänden her.
Patricia L.   
Punkte: 6.0 von 10
HYPOTHERMIA - Svartkonst
Agonia Records
Depressive/Black Metal, durchmischt mit Post Rock/Crust, reduziert auf ein absolutes Minimum, so in etwa könnte man dieses Tonwerk der Schweden Hypothermia umschreiben. Kein “Humpa-Humpa-Geschunkel“, keine eingängigen Melodien, keine Spannung und besonders auch kein Gesang. Ja, rein Instrumental gehen die Herren vor, dabei wandern sie auf einem höchst eigenständigen dunklen Pfad, der jegliches Leben im Keim erstickt. Keine leicht verdauliche Kost, welche in Form der fünf Songs vorgesetzt wird, dessen muss man sich erst mal bewusst werden. “Svartkonst“ ist keins dieser Alben, welche nebenbei zu hören sind, es ist mehr eine meditative Reise in sich selbst, die in etwa so angenehm ist wie eine Darmspiegelung. Ein monotoner hypnotischer Soundtrack zu den Abgründen der eigenen Seele, welcher extrem schwierig zu umschreiben ist, denn ich denke, diese Art von Musik muss nicht nur gehört, sondern auch gefühlt werden. Da wird wohl auch der grösste Knackpunkt liegen, denn die grosse Masse an Konsumenten wird hier nicht angesprochen, mehr die verlorenen Seelen, welche nach Traurigkeit lechzen und auch über eine gewisse Feinfühligkeit verfügen, um in diese trostlose Klangwelt eintauchen zu können. Für die Meisten wird daher “Svartkonst“ nicht viel mehr sein als vertonte Langeweile, was eine Bewertung nicht gerade vereinfacht, daher kann ich dieses Werk nur denjenigen zum Probehören empfehlen, welche die innere Ruhe und Kraft in der Verlorenheit und Einsamkeit suchen.
R.K.   
Punkte: 6.0 von 10
ASIA - Axis XXX Live in San Francisco MMXII (DCD/DVD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Wenn es denn eine Band gibt, die, nebst Yes, stets sehr künstlerisch geprägtes Artwork (unter anderem von Roger Dean) abgeliefert hat, dann sind das die Briten von Asia. Die vier Protagonisten Geoff Downes (keyb), John Wetton (v/b), Steve Howe (g) und Carl Palmer (d) bildeten bezüglich ihrer vorherigen Aktivitäten bei den Buggles, Uriah Heep, Yes oder ELP eine der ersten "Supergroups" der 80er-Jahre. Des selbstbetitelte Debüt verkaufte sich gegen sieben Millionen Mal und warf nicht weniger als sechs Singles, darunter den Überhit «Heat Of The Moment», ab. Dieser immense Erfolg konnte nachher jedoch nie mehr auch nur annähernd wiederholt werden. Zahlreiche Lineup-Wechsel kennzeichneten die folgenden Jahre. In den 90ern kam John Payne als neuer Sänger und brachte eine andere stimmliche Note ein. Das Album «Aqua» markiert den Höhepunkt dieser Zeit. 2006 war es dann wieder soweit und das, was sich die alten Fans immer wieder gewünscht hatten, traf tatsächlich ein! Das Ur-Lineup fand wieder zusammen und es folgten wieder Konzerte und Studioalben. Die vorliegenden Aufnahmen aus dem Jahre 2012 sind wohl die letzten, die mit der originalen Besetzung eingespielt wurden. Inzwischen hat sich Gitarrist Steve Howe bekanntlich wieder vom Acker gemacht und wurde durch den jungen Nachfolger Sam Coulson ersetzt. Die Hoffnung, dass dieser etwas frischen Wind in den Altherren-Club trägt, hat sich bis heute leider nicht erfüllt. Trotz der lupenreinen und soweit auch druckvollen Produktion plätschert das neue Live-Werk von Asia ohne Ecken und Kanten völlig blutlos daher. Die eingefleischten Fans werden das womöglich anders beurteilen, aber mir schläft dabei, wie schon bei den letzten Studiosongs der Neuzeit, glatt das Gesicht ein.
Rockslave    

Punkte: keine Wertung
CRAIGH - Of Dreams & Wishes
Eigenvertrieb
Die 2012 gegründeten Alternative-Metaller aus dem Thurgau veröffentlichen mit "Of Dreams & Wishes" ihr Debut. Der Sound besticht Stilistisch durch eine stimmige vereinigung der weicheren Gangart (z.B Soundgarden) und dem härteren Gefilde der Marke Metallica oder Soilwork, immer wieder ist aber auch moderner Metalcore rauszuhören. Die Mischung stimmt also auf den 13 Songs. Stilistisch haben Craigh sicherlich ihren Weg gefunden (den es auch noch zu bestreiten gilt), auch wenn keiner der Songs "übergut" ist, findet man auf anhieb keine wirklichen Schwächen, erst nach mehrmaligem Durchhören fällt auf, dass die Stimme des Sängers Sebastian Möbius ein wenig zu eintönig und das Riffing der beiden Gitarristen zu variantenlos ist.
Steve Butcher    
Punkte: 6.0 von 10
ARS IRAE – Dunkle Klänge
Quality Steel Records
Na also nach den ersten gehörten Takten scheinen Ars Irae dem Namen ihres Labels nicht gerecht zu werden. Die wenig voll klingenden Growls mit unstetigem Luftstrom trüben den Ersteindruck gewaltig. Wenn man das Geschrei mal auszublenden versucht, wird die Sache doch einiges annehmbarer. Der eingeschwärzte Death Metal der Truppe aus dem bayrischen Rosenberg kann rein instrumental mit technischem Geschick überzeugen und auch das Songwriting ist trotz einiger Taucher mehrheitlich ansprechend, mit gekonnten Übergängen zwischen schnelleren und langsameren Parts und einigen netten Riffs. Die märchenhaften Songtexte in deutscher Sprache wirken dazu wiederum komplett fehl am Platz. Innovation ist ja gut und man soll auch mal eine neue Kombination versuchen – hier wäre aber dringend mal wieder eine Evaluation nötig. Schade um die guten Ideen, aber das Hörvergnügen wird auf hier einfach zu stark beeinträchtigt um ein positives Fazit zu ziehen.
Patricia L.    
Punkte: 5.9 von 10
STERBHAUS - New Level Of Malevolence
Black Lodge Records
Sterbhaus kommen nicht aus dem deutschsprachigem Raum, wie es der Bandname vermuten lässt, sondern aus Stockholm. Die Schweden, die bereits mit dem Vorgänger "Angels For Breakfast... And God For Lunch" überzeugen konnten, liefern nun mit "New Level Of Malevolence" ihr drittes Album ab. Diese Mischung aus Thrash, Melo/Death und gelegentlich auftauchendem Black Metal, gewürzt mit ordentlich Humor, haben die Mannen beibehalten, leider ist aber das Songwriting nicht mehr so ausgereift wie bei der letzten Veröffentlichung. Zwar haben die Jungs aus Schweden immernoch geniale Songtitel und Texte ("Crossed And Pissed And Devoured"), haben aber womöglich zu viel Zeit darauf verschwendet, sich diese einfallen zu lassen. Denn die Riffs, und vor allem das Drumming, haut niemanden vom Hocker.
Steve Butcher    
Punkte: 5.5 von 10
THE ALFAS - Day After Day
Wild Kingdom Records/Non Stop Music
Kann mir das mal jemand erklären? Da versucht ein Label, eine junge Band zu promoten, und das beigelegte Infosheet ist in etwa gleich ausführlich und informativ wie Waschmittelwerbung. Aber zum Glück gibt’s Internet mit den entsprechenden Suchmaschinen und Portalen, da findet man immerhin einen professionell gedrehten Videoclip zu „I'm Leaving You“ und ein Profil auf Facebook, dem man einiges mehr an Information entnehmen kann. Das 2013 gegründete schwedische Quartett hatte letzten Sommer mit der Single zum oben erwähnten Videoclip ihren Einstand auf dem Plattenmarkt und wirft jetzt eine fünf Songs umfassende EP nach. Musikalisch betrachtet hinken allerdings meines Erachtens die andernorts erwähnten Vergleiche mit Cream, Jimi Hendrix oder gar MC5, denn ganz so heftig klingt die Band dann doch nicht, Einflüsse aus der Blues und Garage Rock-Szene der Sechziger und Siebziger hin oder her. Wenn man schon die Hosen runterlassen muss, dann würde ich eher behaupten, dass latente Einflüsse von Bands wie Fleetwood Mac vor ihrer Radio Hit–Phase und Tito And Tarantula hörbar sind, wodurch die Truppe wohl eher das Publikum eines Jazzkellers oder eines linksalternativ angehauchten, vor allem von Studenten frequentierten Rock-Clubs ansprechen wird. Mag ja sein, dass die vier auf der Bühne ganz gut abgehen, aber auf Konserve klingt alles etwas schaumgebremst, zudem zerrt die affektierte, zuweilen ins Kreischen kippende Stimme von Sänger/Gitarrist Philip Lagerblad mit der der Zeit ordentlich an den Nerven. „Day After Day“ wendet sich somit eher an jene Hörer, die das martialische Machogehabe in der Rock und Metal Szene für sexistisch, politisch inkorrekt und dadurch höchst bedenklich halten.
Mirko B.    
Punkte: 5.5 von 10
VALKYRIE – Shadows
Relapse Records/Non Stop Music
Valkyrie stellen quasi ein Nebenprojekt von Baroness dar – gewisse Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen, allerdings sind sie auch nicht dermassen gravieren, als dass man von einer Kopie sprechen möchte. Auf „Shadows“ erklingt uralter, staubtrockener Sound der Marke Stoner und wirklich old schooliger Doom-Fraktion. Zwischendurch ein wenig hippiesk anmutendes Gefiedel plus eine Stimme, die in den höheren Tonlagen vor sich hin trällert – man merkt, dass mir persönlich dieser Sound nicht viel bietet. Er ist ok, auch sauber produziert, keine Frage, und die Jungs beherrschen ihre Instrumente – ich denke, es ist einfach eine Geschmackssache. Wer auf uraltes Zeug Richtung Stoner und Doom steht, eben Baroness oder Orange Goblin und Konsorten, der möge sich bitte die Birne mit Valkyrie zudröhnen. Mir dröhnt auch der Kopf, allerdings von anderen Substanzen.
Toby S.     

Punkte: 5.5 von 10
BLOODLOST - Evil Origins
Massacre Records/Musikvertrieb
Liebe Leute: wenn ihr keine neuen Ideen habt, dann lasst doch bitte endlich mal diese unsäglichen, unnötigen Intros sein. Die braucht kein Mensch. So auch hier - vor allem, weil die auf okkult getrimmte Geräuschkulisse der ersten Minute von "Evil Origins" überhaupt nicht zum Stil der Sounds passt - Bloodlost spielen nämlich klassischen Thrash Metal. Und wenn ich klassisch sage, meine ich, dass man offensichtlich grossen Gefallen am deutschen Titanen-Trio und amerikanischen Kollegen wie Slayer gefunden hat und deshalb ganz genauso klingen möchte. Das machen die Romands auch ganz gut, aber leider haben sie überhaupt keine eigene Handschrift, und nach originellen Ideen und Eigenständigkeit sucht man auf ihrer immerhin schon dritten Scheibe vergebens. Schade, denn handwerklich ist das schon alles ganz ok - aber leider einfach langweilig. Da es sich schon um den dritten Longplayer des Trios handelt, kann man auch nicht mehr wirklich von absoluten Neulingen sprechen, die ihren Weg erst noch finden müssen - offensichtlich will man das hier auch gar nicht. "Evil Origins" ist durchaus eine ordentliche Thrash-Scheibe, die auch streckenweise wirklich Spass macht - aber viel mehr Fleisch ist da nicht am Knochen. Abzug gibts ausserdem für’s grottige Englisch und - hier schliesse ich mich dem Kollegen Bittner vom Rock Hard an - den absolut unerträglichen Text von „Bring My Bitch“.
Lucie W.    

Punkte: 5.5 von 10
J.D. OVERDRIVE – The Kindest Of Deaths
Metal Mind
J.D. Overdrive ist eine polnische Southern Rock-Band, die mit ihrem neuesten Streich stark in der Death’n‘Roll-Welle verankert ist. Die Songs quälen sich zähflüssig aus dem Speakern und werden durch eine unglaublich Schwere gekennzeichnet. Irgendwo zwischen Black Sabbath, Voivod, Monster Magnet und Dimmu Borgir mit einer kleinen Schlagseite Black Label Society musizieren die Polen auf ihren neun Tracks. In ihrer Heimat scheinen die Jungs bekannt zu sein. In wie weit sich dies auch auf die restlichen Ländern ausbreiten wird, muss sich zeigen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Songs bei vielen Fans auf offene Ohre stossen, welche sich bei den oben genannten Truppen von einem Orgasmus zum anderen bringen.
Tinu   
Punkte: 5.0 von 10
ASHBRINGER – Vacant
Avantgarde Music
Die Post Black Metal Welle ist noch immer nicht vorüber, in Amerika werden anscheinend weiterhin Ableger von Agalloch unter Vertrag genommen. Im Fall des Einmannprojektes von Ashbringer ist das auch gar nicht so schlimm wie es sein könnte. Hypnotische, rauschende Riffs mit so viel Hall, dass man meint im Wald zu stehen. Dazu Vocals im typischen Schreien, für den melancholischen Unterton. Dazu ein Synthesizer, der im Hintergrund für den roten Faden sorgt. Gar nicht so übel, aber dann gibt es da ‚Lucid‘. Die Einzelteile wären ja gar nicht so schlimm. Aber das unsaubere Intro in Kombination mit dem langweiligen Drumcomputer beim schnelleren Teil, dem nichtssagenden Bass und den Chören zusammen machen das Lied unsagbar schlecht. Ja, das Album hat seine Punkte, aber bei genauerem Hinhören geht einem dann der Drumcomputer hart auf die Nüsse. Das wäre mir beim ersten Mal gar nicht so negativ aufgefallen, aber beim zweiten Durchgang fällt sowas schon mehr auf. Dazu der überflüssige Bass, das wird nichts so. Vielleicht würde eine richtige Band auch ein wenig mehr Abwechslung beitragen. Unterm Strich (trotz 43 Minuten) keine Empfehlung wert.
Tristan   
Punkte: 5.0 von 10
MR. POLLACK – Black Hawk
Metal Mind
Die beiden Brüder Jack (Gitarre) und Grzegorz (Schlagzeug) Pollack kommen mit einem interessanten Rockalbum um die Ecke. Dabei werden die Jungs nie zu soft und überraschen immer wieder mit guten Riffs und Chorpassagen. Am Rockolymp kann aber (noch) nicht angeklopft werden. Mit leicht funkigen Sounds („Stand Up And Run“) wird gegen ein langweiliges Werk angekämpft, das mit „The Plan B“ wieder mit rhythmischen und eingängigen Lieder aufflackern lässt. Abwechslung wird in das Songwriting eingeschoben. Dabei muss Mr. Pollack aber aufpassen, dass sie den roten Faden nicht verlieren. Denn die Türe zu den progressiven Klängen („Socrates“) wird zu weit aufgestossen. Eine, die für die Rock-Fans ansonsten verschlossen bleibt. Hier besteht die Gefahr, dass man zu stark zwischen Stuhl und Bank fällt. Ansonsten: Ein Werk, das man sich anhören kann.
Tinu   

Punkte: 5.0 von 10
NEW YEARS DAY – Epidemic (EP)
Another Century
Hmm… Ist der örtliche Kindergarten schon aus ? Das kam mir mehrheitlich spontan in den Sinn, als ich mir die neue EP von New Years Day reingezogen habe. Die Art und Weise, wie die Songs aufgebaut sind, erinnert stark an moderne Bands der Marke Icon For Hire oder Fit For Rivals – allerdings haben die eben genannten Truppen ein Flair von Authentizität, einen eigenen Charakter, der mir hier bei „Epidemic“ vollkommen abgeht. Keine Ahnung wieso, aber der ‚Gesang‘ der guten Dame ist dermassen ecken- und kantenlos, der geht ohne Probleme als rundgelutschtes Balisto durch. Zudem kann ich mir den Eindruck nicht verwehren, dass hier Sound am Fliessband produziert worden ist – eben, halt alles ohne jeglichen Wiedererkennungswert, kein Dreck, einfach nix, das am Stiefel haften bleibt. Wir werden sehen, wie das Album wird, sollten wir es zur Rezension bekommen – von der EP bleibt vorläufig erst mal abzuraten. So, und auf diese Sterilität hin brauch ich erst mal ne Portion Kies von der nächsten Baustelle. En guete!
Toby S.    
Punkte:
keine Wertung
DAN DEAGH WEALCAN –
Who Cares What Music Is Playing In My Headphones?
Total Metal Records
Uff, was zum Deibel ist das denn? Also gemäss dem angehängten Textfile ist das hier ein russisch/ukrainisches Duo, welches hiermit ihren Zweitling an die Leute bringen will. Fraglich, ob das Zeug jemand kauft – hier werden munter alle möglichen Stile (Rock, Alternative, Industrial, Metal, Ambient etc.) durcheinander gemischt, auf 9 Tracks verteilt und dann munter dem verdutzten Hörer um die Ohren gehauen. Kann man sich antun, muss man aber nicht – und deswegen erspare ich mir hier weitere Ausführungen. Wer ums Verrecken Sound braucht, der so verschachtelt, vertrackt und verzettelt ist, dass man nur von einer Soundcollage sprechen kann – dem sei diese, äh, Scheibe empfohlen. Wer aber wie ich auch gerne einen roten Faden innerhalb des Soundgefüges hat, an dem man sich orientieren kann, der suche sich eine andere Band. Ich such mal wieder meine Schmerztabletten und gebe zurück an die geschlossenen Anstalten.
Toby S.   
Punkte: 3.0 von 10
GRAVEYARD SHIFTERS – High Heels & Broken Bones
Eternal Sound
Hmm… Ganz ehrlich, ich mag ja Punk-Sound, aber er wird mir auf die Dauer doch ein wenig zu eintönig. Nur noch Hektik und Gekreische in Dauerschleife, das halte ich schlichtwegs nicht aus – und genau das ist mir mit den Graveyard Shifters passiert. Die Stücke ähneln sich allesamt dermassen frappant, man kann sie nur bei sehr genauem Hinhören voneinander unterscheiden. Da hilft auch das Wechseln des Schreiens in Richtung Growls bei „Bender“ oder die Akustik-Einlage bei „Rocket Puppet Show“ nichts. Punk ist meiner Meinung nach eh tot, da es nicht mehr wirklich was gibt, gegen das es zu rebellieren gibt, ist ja praktisch alles erlaubt – und dasjenige, gegen das man noch anstänkern kann, wird kaum angefasst, political correctness und so. Anyway, ich kann diese Scheibe nicht wirklich empfehlen. Ach, drauf geschissen: Ich kann sie echt nicht empfehlen, ausser man benötigt stumpfen Punk-ähnlichen Sound in Dauerrotation, eignet sich sicherlich bei einem Saufgelage in der nächsten, versifften Bude. Wo sind nur schon wieder meine Zigaretten hingekommen?
Toby S.  
Punkte: 2.0 von 10
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